Neues aus der Tüftelstube

Demnächst bei und über Castor und Pollux

Yamamoto Gendai: Beginning„Beginning“, © Yamamoto Gendai

Castor & Pollux steuert jetzt nun langsam auf das erste Jubiläum zu, noch etwas mehr als ein Monat und dann darf (im Stillen) gefeiert und frohlockt werden. Seit dem Tag, an dem der Startschuss fiel, hat sich hier so manches getan und so kann noch vor dem ersten Geburtstag ein Ausblick auf das Neuste aus dem Hause Castor und Pollux gegeben werden:

Ganymed

Ganymed

Manch einer wird bemerkt haben, dass in letzter Zeit die Postingfrequenz abgenommen hat. Erschien noch anfangs alle zwei bis drei Tage ein neuer Eintrag und wurde rechts unter „Kommende Artikel“ stets auf bereits fertige Posts hingewiesen, genehmige ich mir nun mitunter etwas mehr Zeit beim Schreiben neuer Artikel. Das liegt in erster Linie am zunehmenden Zeitaufwand des Studiums, aber auch am wählerischeren Vorgehen, was die Themenauswahl angeht.

Da ich dieses Blog nicht um seine in dieser Bloglandschaft rare Eigenschaft schmälern will, tatsächlich auch etwas über die vorgestellte Kunst zu schreiben, wird es demnächst einen Ableger namens Ganymed geben, der zwar selbst keine großen Worte über die gepostete Kunst verliert, dafür aber auf lesenswerte Interpretationen, Beschreibungen und Hintergrundinformationen anderer Quellen verweist.

Derzeit befindet sich dieses neue Projekt noch im Aufbau, insbesondere was das Layout angeht, aber immerhin heißt es auf der About-Seite schon:

„‚Verily wise Zeus carried off golden-haired Ganymedes because of his beauty, to be amongst the Deathless Ones and pour drink for the gods in the house of Zeus – a wonder to see – honoured by all the immortals as he draws the red nectar from the golden bowl.“
[Hesiod: Homerische Hymnen, 5.202ff]

Ganymed, der Schönste unter den Sterblichen, der von Zeus selbst in den Himmel entrückt wurde, um den olympischen Göttern als Mundschank zu dienen, Nektar und Ambrosia aufzutafeln. Dieses Blog soll süßeste Kunst kredenzen […]

Man darf gespannt sein!

UBERDING

Adventsaktion von Uberding.de

Das Uberding – ein Blog über Mode, Kunst, Lifestyle, Net-Geschehen aus dem fernen Stuttgart – versüßt seinen Lesern die Weihnachtszeit passenderweise mit einem eigenen Adventskalender. Statt ordinärer Schokolade verbirgt sich hinter jedem Türchen ein Interview mit einem Autor eines anderen Blogs, den (so vermute ich) die Autorinnen selbst auch lesen. Und da eine von ihnen, Mia, hier mitliest, kam wohl eines zum anderen und so wird hinter dem zwölften Türchen ein kurzes Interview mit mir versteckt sein. Ein Besuch des Uberdings ist – und nicht nur wegen dieses Anlasses – wärmstens ans Herz zu legen!

Dies und das

In letzter Zeit mache ich mir ernsthaft Gedanken, ob ich nicht nur wie bisher über Kunst schreiben, sondern mich zukünftig auch tatsächlich in selbiger üben mag. Ideen gibt es bereits, auch konkrete und bezahlbare, fraglich ist nur, mit welcher genauen Intention und in welchem Rahmen dies ablaufen soll. Meiner Ansicht nach ist Kunst im Allgemeinen zu schade, um hinter verschlossenen Türen zu versauern; sie gehört in die Galerien, auf die Straße, in die Museen, meinetwegen auch in die Cafés, Lounges und ins Burger King um die Ecke. Kunst zu schaffen hieße daher auch, vor diesem Hintergrund zu arbeiten, und wenn man bedenkt, dass selbst gestandene, teils ausgebildete, quasi „hauptberufliche“ Künstler arge Probleme damit haben, angemessene Orte für ihre Werke zu finden, sehe ich da das größte Problem meines Vorhabens.

Weiters: Nach wie vor sind Gastautoren herzlich willkommen! Wenn du Lust hast, über ein bestimmtes Thema zu schreiben und dadurch – falls vorhanden – auch dein eigenes Blog zu promoten, kannst du dich ganz unkompliziert und einfach per Mail an mich wenden!

La pluie

Unterwegs auf den Wegen der Inspiration

Marcel Broodthaers: La pluie (Projet pour un texte)„La pluie (Projet pour un texte)“, © Marcel Broodthaers (via)

Ein Mann sitzt im Regen, kauert auf seinem Gartenstuhl, die Kiste zu seinen Füßen dient ihm als Tisch. Darauf ausgebreitet ein Bogen Papier, zudem ein Tintenfass und Schreibutensilien. Er setzt die Feder zum Schreiben an, bringt unermüdlich sein Wort zum durchweichten Papier. Der Regen spült die frischen Worte hinweg, löscht den Gedanken aus, ertränkt die Stimme des Mannes.

Der belgische Künstler Marcel Broodthaers hat 1969 in seinem zweiminütigem 16mm-Schwarz-Weiß-Film „La pluie (Projet pour un text“) eben jene Szene dargestellt. Online gibt es den Film leider nicht, nur einzelne Stills, was es jedoch gibt, sind Fotos und Filme jener Werke, die sich durch Broodthaers melancholischen, sehr eindrücklichen Film inspirieren ließen und dort anknüpfen: – eine kleine Motivgeschichte.

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Abendschule für Kunstverständnis

Über die neue Veranstaltungsreihe im KW Institute

Flyer: Abendschule: Vergleichendes Sehen. HeuteFlyer (via)

Soeben flatterte eine Mail in mein Postfach, die ich fast schon in die Tiefen des Spamordners verbannt hätte. Allerdings überzeugte das beworbene Konzept auf Anhieb und so will ich euch die Neuigkeit nicht vorenthalten:

Das KW Institute for Contemporary Art lädt von morgen bis zum 17. Dezember immer dienstags und donnerstags zu insgesamt fünf Teilen einer neuen Veranstaltungsreihe unter dem Namen „Abendschule: Vergleichendes Sehen. Heute“ ein. An jenen Abenden wird man sich einem Instrument widmen, dass so alt wie zeitlos ist, dem Vergleichenden Sehen.

Dabei werden zwei Werke nebeneinander an die Wand projiziert um dann – eben vergleichend – betrachtet zu werden. Mag sein, dass das jetzt die meisten Kunststudenten nicht vom Hocker haut, doch für nicht-professionelle Kunstenthusiasisten wie mich klingt das sehr interessant. Denn die „Abendschule“ will dies anders gestalten, sie holt „diese wissenschaftliche Praktik in den Ausstellungskontext, befreit sie vom doktrinären Gebrauch und stellt die Vorgehensweise in Frage. Sie fordert zu unerwarteten Versuchsanordnungen auf und gibt Raum für die Methodik stützende oder stürzende Vergleiche.“

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Zwischen Stalagtiten und Stalagmiten

These - Antithese - Synthese

Onishimaki + Hyakudayuki: Cave in a dream„Cave in a dream“, © Onishimaki + Hyakudayuki

Tropfsteinhöhlen fand ich schon als Kind großartig: Ihre langsam gewachsenen Säulen entspringen der Ober– oder der Unterwelt, suchen einander um sich irgendwann als fragile Brücken zu vereinigen, die beiden Welten zu verbinden um ganz nebenbei die Last der unseren Welt zu tragen. Man kann ihnen quasi beim Wachsen zuschauen, wenn auch nur in verschwindend geringem Maße, und hat beim Wandeln in diesem Steinwald immerhin den Ansatz einer Vorstellung, wie lange diese grotesken Gebilde wohl schon existieren mögen.

Eine weitere Beobachtung zeigt, dass jeder Tropfen, den ein Stalaktit fallen lässt, nachdem er ihm einen Teil seiner gelösten Mineralien entzogen hat, wiederum den am Boden wachsenden Stalagmiten nährt, dessen Gestalt jedoch durch den harten Aufprall der Tropfen bedingt um einiges langsamer entsteht, zudem gedrungener und massiger erscheint. Irgendwann jedoch verschmelzen beide Tropfsteine und formen eine Säule – ein Vorgang, den man auch mittels der Kunst der Dialektik auffassen kann.
Eben dies hat das junge Architektenduo Onishimaki + Hyakudayuki getan und im Hof des Museum of Contemporary Art Tokyo eine Installation erschaffen, die jene zwei Welten in Szene setzt.

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Von den Grenzen der Wahrnehmung

Ausstellung im KW Institute for Contemporary Arts

John Baldessari: Time/Temperature„Time/Temperature“, © John Baldessari

Wahrnehmung ist eine überaus komplexe Sache, nicht nur aus medizinischer und psychologischer Sicht. Auch die verschiedenen Teilgebiete und Schulen der Philosophie haben ihre eigenen Ideen und Vorstellungen von der Wahrnehmung und der Kognition, also der Verarbeitung der wahrgenommenen Daten, entwickelt.

Der (moderne) Mensch indes hat es geschafft die physiologischen Grenzen seiner Wahrnehmung zu erweitern und mithilfe von Technik und Medizin diese Errungenschaften auch im Alltag einzusetzen. Im einfachsten Falle sind das Brille und Hörgerät, aber auch Fernseher, Antenne und Stromuhr sind Instrumente, die für uns Größen erfassen und messen, die wir durch eigenes Unvermögen wesentlich schlechter oder gar nicht wahrnehmen würden. Den Folgen – und vor allen Dingen den Komplikationen –, die daraus entstehen, widmet sich ab Sonnabend eine recht vielversprechende Ausstellung im KW Institute for Contemporary Arts.

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Wuchernd, raumgreifend, infiltrativ

Dennis Feddersens unermüdlich wachsende Werke

Dennis Feddersen: Parasite #17„Parasite #17″, © Dennis Feddersen

Der geneigte Leser hat möglicherweise schon festgestellt, dass mein besonderes Faible für Installationen sich auch in diesem Blog widerspiegelt. Ihre vielfältigen Interaktionen mit Raum, Ort und Zeit lassen ein breites Spektrum an künstlerischen Möglichkeiten zu: Der Raum will erobert, er will beherrscht werden. Und mit ihm der Betrachter. Vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet haben Räume einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unser Befinden: In einer weitläufigen Halle fühlen wir uns frei, klein, mitunter verloren; Jennifer Alloras und Guillermo Calzadillas Werk „Compass“, für das sie die Decke der Temporären Kunsthalle knapp über den Köpfen der Besucher gespannt haben, vermag einen buchstäblichen Druck auszuüben und Beklemmungen auszulösen und wer schon einmal durch die Edisonstraße in Oberschöneweide gefahren ist, wird wissen, was ein wahrer Tunnelblick ist.

Daher freut es mich jedes Mal umso mehr, Installationen aufgespürt zu haben und zu erleben, die bis ins letzte Detail so konsequent ausgearbeitet sind, die derart eindrücklich mit ihrem Raum agieren, dass die pure Emotion überspringt.
Das kann man wohl auch guten Gewissens von den Arbeiten des Berliners Dennis Feddersen behaupten, der in seinen Werken viel Übung beweist. Seine verblüffend lebendig wirkenden Installationen erobern den Raum und scheinen unaufhörlich zu wachsen, zu wuchern und letztlich den Raum ganz einzunehmen.

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Winterliche Kunsttermine

Neues im Berliner Kunstkalender

via flickr(via)

Die Uhren zeigen eine neue Zeit an, die Tage erreichen bald ihr Höchstmaß an Dunkelheit und was liegt da näher, als die trübe Stimmung mit ein wenig Kunst aufzuhellen? Je schlechter das Wetter, desto besser lässt es sich in Berlin Kunst erleben. Grund genug, die wichtigsten Termine des Novembers ins Gedächtnis zu rufen:

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The beauty of death

Patrik Budenz' ungewohnte Perspektiven

Patrik BudenzOhne Titel (aus „Post mortem“), © Patrik Budenz

Es gibt Dinge, Orte, Themen im Leben, die wegen ihrer teils unangenehmen, teils befremdlichen Natur verdrängt und ignoriert werden. Dies betrifft insbesondere alles, was mit dem Sterben oder dem Tod zu tun hat – es erinnert uns an unser eigenes Schicksal und es scheint, nur durch die Verdrängung einer Auseinandersetzung vermöge man sich wieder auf das Hier und Jetzt besinnen zu können. Dieser Gedanke ist allerdings nicht zu Ende gedacht, denn das künstliche Ausgrenzen dieses Themas hüllt es gleichzeitig in einen dunklen Schleier der Unwissenheit.

Durch meine Zivildienstzeit auf einer Palliativstation und die Möglichkeit des Studiums, ein Praktikum in den universitären und städtischen gerichtsmedizinischen Instituten Berlins zu absolvieren, habe ich mittlerweile einen anderen Blick auf das Thema gewonnen. Der Tod gehört letztlich zum Leben dazu und wie tragisch und dramatisch er auch kommen mag, oftmals lässt sich im Detail eine gewisse Ästhetik, im unmenschlich anmutenden eine ganz natürliche Note erkennen.

Dann stolperte ich kürzlich über einige der Arbeiten des Berliner Fotografen Patrik Budenz, der eben diese subtilen Momente einfängt. Mein Interesse war spätestens dann geweckt, als ich die Mitarbeiter, die Räume und das Inventar des Berliner Landesinstituts für Rechtsmedizin wiedererkannte, denn für Budenz wurde offensichtlich die große Ausnahme gemacht, dass er in dieser streng vertraulichen und sensiblen Atmosphäre seine Fotos anfertigen durfte. Was folgt, ist eine erstaunlich realistische Darstellung dessen, was Rechtsmedizinern und Bestattern ein alltägliches Bild bietet – sensiblen Personen möchte ich trotz des schonungslosen Umgangs den Rest des Artikels anempfehlen.

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Zwischen Tradition und Umbruch

Porträts afrikanischer Stammesfürsten und Monarchen

Daniel Lainéel Hadji Mamadou Kabir Usman, Emir von Katsina (Nigeria), © Daniel Lainé

Eine meiner vielen Interessen ist die Ethnologie, die Völkerkunde. Auf der Suche nach einem neuen Bildband bin ich auf ein mittlerweile schon neun Jahre altes Buch von Daniel Lainé gestoßen, dessen Bildmaterial wiederum aus den Jahren 1988 – 1991 stammt. Dennoch bleibt sein Thema aktuell, denn Lainé hat in diesen Jahren die afrikanischen Fürsten und Monarchen bei Hofe besucht und in royaler Manier porträtiert. Die Bilder stellen jedoch nicht nur Zeitdokumente feudaler Gesellschaftsspitzen dar, sie zeigen auch einen künstlerischen Charakter, wenn auf subtile Art und Weise die typischen Entwicklungen und Stilblüten dieser Gesellschaften zwischen tradierten und westlichen Normen eingefangen werden.

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Kunstbörse Berlin

Kunstkäufer aller Länder, vereinigt euch

Paul Rascheja: Homecoming #1„Homecoming #1″, © Paul Rascheja (@ Kunstsalon)

Der Berliner Kunstmarkt ist derzeit nicht zu beneiden. Gut 370 Galeristen versammeln sich in diesen Tagen auf fünf unterschiedlichen Kunstmessen, um Werke bekannter, etablierter und auch aufstrebender Künstler nicht nur der großen Besucherschaft zu präsentieren, sondern natürlich auch zu verkaufen. Die Konkurrenz ist also so groß wie die Auswahl und wieder einmal verwandelt sich die Hauptstadt für ein paar Tage in den vermutlich größten Kunstumschlagsplatz Europas. Das kommt dem geneigten Käufer natürlich entgegen, denn auch auf diesem Markt gelten die Gesetze der Wirtschaft.

Ich für meinen Teil habe leider keine Zeit, mich dem Spektakel hinzugeben, das soll mich aber nicht davon abhalten, die fünf Messen und die vertretenen Galerien und Künstler vorzustellen. Allesamt können noch bis zum Sonntag besucht werden, ehe die Stadt wieder ein wenig die Ruhe der Wirtschaftskrise genießen kann.

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