Wer mich bei Twitter verfolgt, dem ist wahrscheinlich auch zu Ohren gekommen, dass ich einen mysteriösen Internet-T-Shirt-Versandservice namens Hipstery ausprobiert habe. Man beantwortet dazu eine Handvoll zusammenhangsloser Fragen und bekommt dann für den entsprechenden Preis ein Päckchen aus Leipzig, in dem sich ein Shirt versteckt, das man nicht einmal kennt. Angeblich eigens für den einzelnen Kunden ausgesucht, bekommt man so ein T-Shirt eines der größeren Shirtlabels wie Threadless oder DesignByHumans. Zwar verspricht Hipstery.com, man werde sein persönliches Shirt über alles lieben, doch scheinbar bin ich da die berühmte Ausnahme. Was soll’s.
Und wer das alles schon bei Twitter alles gehört hat, der weiß auch, dass ich eine Fotostrecke versprochen habe, die das große Auspacken dokumentiert. Letztendlich ist es aber ein kleiner Stop-Motion-Film geworden. Mein erster, um genau zu sein. Sieht man auch, so ganz ohne Stativ.
Der italienische Schriftsteller Italo Calvino veröffentlichte 1972 eines seiner schillerndsten Werke, „Le città invisibili“ – „Die unsichtbaren Städte“. Darin beschreibt Marco Polo seinem Gastgeber Kublai Khan in 55 Prosagedichten die 55 Städte, die er auf seinem Weg nach Peking besucht hat. Jede von ihnen steht für eine bestimmte gesellschaftliche Situation und im Laufe der Erzählungen werden diese Beschreibungen immer düsterer ehe sie zum Schluss die Hölle auf Erden skizzieren. Der geneigte Leser kann deutliche Parallelen zum Decameron oder zur Göttlichen Komödie ziehen – oder aber dieses Sinnbild der gegenwärtigen Urbanisierung künstlerisch verarbeiten. Das übrigens sehr empfehlenswerte Buch hat schon so manchen Künstler inspiriert, sei es StreetArt, Fotografie oder Malerei.
Es ist gerade einmal drei Monate her, da habe ich mich für ein Exemplar der vermeintlich altmodischen und ausgestorbenen Polaroid-Kameras entschieden (eine SX-70 Land Camera 1000, für die, die es interessiert). Inspiriert durch die Arbeiten einiger beispielhaft zu nennender Künstler wie Aaron Feaver oder Mike Brodie sowie solch wunderbare Seiten wie Daily Polaroids, stand nur noch eBay zwischen mir und meinem nostalgischen Glück. Mittlerweile entdecken immer mehr Menschen den Charme des etwas eingestaubten Mediums und Läden wie Polapremium in der Brunnenstraße bedienen ein stetig wachsendes Segment.
Polaroidfotos erobern also so langsam die Herzen der Berliner und mittlerweile setzen ambitionierte Projekte alles daran, die längst ausgesetzte Produktion der speziellen Filmkassetten wiederzubeleben. Diejenigen, die die teuren Filme ihr Eigen nennen, gehen damit wohlbedacht um und so entsteht mitunter sehenswerte Kunst wie die von Philip Glaser. Seit kurzem sind seine Fotografien in der Bilirubin Gallery zu bestaunen.
Noch ein kleiner Einwurf: Seit vorgestern kann man in der kleinen, feinen ATM Gallery eine Werkschau des Berliner StreetArtist EMESS bewundern. „EMESS – wer ist das?“ wirst du jetzt vielleicht fragen. EMESS, das ist der Kerl, der bei der vorjährigen Urban Affairs und No Sugar for the Monkey pinke Gewehre in Beton goß und bei der Urban Affairs Extended Medusen und Banknoten in Szene setzte.
Mit ähnlicher Thematik geht es jetzt bei Arse To Mouth weiter. Denn dort werden auch EMESS‘ andere Stencils und Prints zum Thema Finanzkrise gezeigt, die sich durchaus sehen lassen können. Wie schon zuvor werden die Konterfeis diverser Banknoten satirisch aufbereitet und mit treffenden Passagen aus Songs wie „Can’t buy me love“ kombiniert.
Alle Daten auf dem obigen Flyer bzw. direkt bei ATM. Ausdrückliche Besuchsempfehlung!
Realität und Imagination stehen sich näher, als man beim Lesen dieses platten Satzes vermuten mag. Dies zeigt sich immer wieder beim Betrachten eines Bildes, eines Fotos oder beim Lesen eines Textes: Der Konsument vertraut sich einem Medium an, misst ihm (zumeist) eine gewisse Autorität zu und verliert keinen weiteren Gedanken darüber, dass es sich doch nur bestenfalls um eine Projektion der Wirklichkeit handelt, mit der er sich gerade beschäftigt. Ein wichtiges Urteil wird dabei häufig viel zu leichtfertig gefällt; nämlich, inwiefern dieses Abbild Verzerrungen und subjektiven Einflüssen, perspektivischer Betonung und Übergehens, aber auch inhaltlicher Beschneidung unterworfen ist.
Immer dann, wenn dies gewahr wird, sprechen wir von Zensur, Schwindel oder bestenfalls von Informationsverlust. Was dabei aber meist vergessen wird: Die vermeintliche Realität, die uns entgegenspricht, ist nicht etwa dem Medium einverleibt, d.h. sie selbst wird nicht von ihm getragen. Was wir für Realität halten, ist doch stets eine Extrapolation der Wahrnehmung, im günstigen Fall eine Näherung der Wirklichkeit. Erst das Bewusstsein, dass jedes uns zur Verfügung stehende Medium dieses Mapping nur modulieren kann, führt doch zu dem folgerichtigen Verhalten, eigene und fremde Wahrnehmung in einen sinnvollen Kontext zu stellen. Kant’sche Basiscs also.
Hard cut.
Aus dieser Beobachtung begründet ist es doch immer wieder erfrischend, sich diesen Sachverhalts beim Kunstgenuss klar zu werden. Dafür steht, wie ich finde, beispielhaft der Frankfurter Fotograf Frank Kunert. Kunert ist einer der Künstler der Gegenwart, deren Werke dank ihres Charmes längst zu beliebten Postkartenmotiven avancierten und vielleicht sogar einen kleinen Teil von Popkultur ausmachen. Wenn Michael Sowa seine hübschen Gemälde in französischen Kultfilmen unterbringt, dann nimmt Kunerts Idolrolle zunächst in Form von Kalendern Gestalt an.
Frank Kunerts Kunst lässt sich im Wesentlichen dadurch auf den Punkt bringen, dass er zunächst in akribischer Detailarbeit Modellbauwelten mit überraschenden städteplanerischen und architektonischen Wendungen entwirft, um diese dann mit den Kniffen eines Fotografen derart in Szene zu setzen, dass der Rezipient später zumindest einen Moment lang der Meinung ist, es handle sich um den neusten Schildbürgerstreich.
Bei uns an der Uni läuft das folgendermaßen: Jedes Wintersemester wird neu immatrikuliert und mit einer Orientierungseinheit begonnen, in der die frischgebackenen Ersties in den Unialltag und das Studium eingeführt werden. Diese beiden OE-Wochen organisiert traditionsgemäß der vorhergehende Jahrgang und so fiel einem fähigen Kommilitonen und mir die Aufgabe zu, dass zugehörige Blockbuch zu entwerfen, in dem alle wichtigen Infos gesammelt aufgeführt werden. Ein solches Blockbuch braucht freilich ein Cover – in diesem Fall sogar zwei, weil von beiden Seiten lesbar – und da kommst du ins Spiel: Ich habe bis jetzt sechs Entwürfe fertiggestellt und kann mich nicht entscheiden, welches am besten ausschaut. Und da ich den Lesern von Castor & Pollux mehr ästhetisches Feingefühl zutraue als dem Gros meiner Kommilitonen (ohne das böse zu meinen), suche ich an dieser Stelle als erstes nach Meinung und Ratschlag.
Wahlplakate, die ein wenig über die Stränge schlagen
Meine Einsendung, „Auktionshaus Bundestagswahl“
Die Bundestagswahl naht mit großen Schritten, nur noch ein wenig mehr als ein Monat bis Millionen Deutsche an die Urnen treten. Der Wahlkampf ist längst eröffnet und wie so üblich pflastern mehr oder minder gelungene Wahlplakate der hoffnungsvollen Kandidaten die bundesdeutschen Großstädte. Also eine Ausgangslage, die wie geschaffen für den gemeinen Ad-Buster ist.
Grund genug für Alain von rebel:art, daraus einen Wettbewerb zu machen, bei dem jeder aufgerufen ist, seine Ideen einzusenden. Einige gelungene Beispiele sind auf der Seite schon zu sehen und ich bin gespannt, welche Entwürfe das Rennen machen. Seid dabei, werft Photoshop an und werdet kreativ!
Meine persönlichen Kindheitserinnerungen an Weihnachtsmärkte und Volksfeste sind durch das regelmäßig wiederkehrende Highlight in Form des Zuckerwattestandes geprägt. Diese weichen Zuckerfäden, die wie durch Zauberhand aus der Maschine kamen und einem zum Ende des Genusses die Mundwinkel verklebten, haben mich im Sturm erobert. Mittlerweile bin ich ein wenig älter, Zuckerwatte bestenfalls eine eingestaubte Kindheitserinnerung und im schlechtesten Fall eine Kalorienbombe erster Klasse. Aber weit gefehlt, sie kann noch mehr: Stephen Shanabrook hat sie als neuartiges Medium entdeckt und damit bereits so manch Interessantes geschaffen.
In letzter Zeit kann ich mich mehr und mehr für Fotografie begeistern, habe mir sogar eine alte Polaroid gekauft um damit ein wenig zu experimentieren. In dieser neu gewonnen Begeisterung stolpere ich dann über die Bilder eines gewissen Greg Sand und bin sofort hin und weg. Sie sprachen in einer Metaphorik, für die ich schon immer etwas übrig hatte. Greg Sands Porträts sind buchstäblich gesichtslos, entbehren selten einer gewissen Tragik und tragen zu alledem den Charme vergangener Zeiten.
Im Jahre 1973 wurden diese Worte in grau-blauer Farbe auf eine der Wände der Nova Scotia School of Art and Design im kanadischen Halifax geschrieben; alles verlief nach Anweisungen, die Bas Jan Ader aus der Ferne sandte. Daneben sollte ein einfacher Strauß Blumen gestellt werden, welche Sorte sei egal, nur keine Rosen. Nach einigen Tagen wurden die Worte in demselben Weiß der Galeriewände überstrichen, ausgelöscht, gleichgemacht. Nichts erinnerte mehr an jene Inschrift. Die Blumen verblieben an ihrem Platz, bis zum Ende der einwöchigen Ausstellung welkten sie unberührt an der Stelle, wo zuvor noch die Worte geschrieben standen.
Für gewöhnlich folgt an dieser Stelle eine tiefere Betrachtung, doch in diesem Fall beschränke ich mich darauf, es einfach so stehen und wirken zu lassen. Vielfach wurden diese vier Worte nach Aders Tod von anderen Künstlern in anderen Werken benutzt, jedoch bleibt das Original unerreicht. Zurecht, wie ich finde. Ich bin immer noch verzaubert.