Live-Berichterstattung von der abc

13. September 2012 von Matthias Planitzer
Ein Vorabbericht von der Verkaufsschau am Gleisdreieck

Heu­te eröff­net das Kern­stück der neu geschaf­fe­nen Ber­lin Art Week, das Mes­se- und Aus­stel­lungs­for­mat art ber­lin con­tem­pora­ry, kurz: abc. Nach­dem das mehr­tä­gi­ge Kunst­e­vent sich bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zuneh­mend am Ber­li­ner Kunst­stand­ort behaup­ten konn­te und zuletzt zum Höhe­punkt des Kunst­herbs­tes avan­cier­te, bleibt zunächst offen, ob die abc die­se Stel­lung mit­hil­fe – oder trotz – der Koope­ra­ti­on inner­halb der Ber­lin Art Week auf­recht erhal­ten kann. Bevor die abc heu­te Abend fei­er­lich eröff­net, ste­hen die Ver­an­stal­ter ab 9:30 im Pres­se­ge­spräch sowie in der anschlie­ßen­den Füh­rung durch die Aus­stel­lung Rede und Ant­wort. Alle Infor­ma­tio­nen zu Ver­an­stal­tung, Aus­stel­lern und den High­lights der dies­jäh­ri­gen abc – und viel­leicht auch der Ber­lin Art Week – erschei­nen hier, im Live­blog.

09:20 Uhr: Der ers­te Gang durch die Hal­le führt bereits an Chiha­ru Shio­tas Instal­la­ti­on für die Gale­rie Arndt vor­bei. Hier dürf­te es heu­te Abend gro­ßen Andrang geben.

09:30 Uhr: Die abc ver­eint in die­sem Jahr 129 Gale­ri­en aus 18 Län­dern. Neben dem Ber­li­ner Schwer­punkt mit 66 Teil­neh­mern sind vor allem Euro­pa, Dubai und New York ver­tre­ten. Statt wie im ver­gan­ge­nen Jahr ein The­ma aus­zu­ru­fen, waren die Teil­neh­mer in die­sem Jahr auf­ge­ru­fen, ihre Posi­ti­on vor­zu­schla­gen. Ein bun­tes Aus­stel­lungs­bild resul­tiert, das v.a. durch skulp­tu­ra­le und instal­la­ti­ve Bei­trä­ge sicht­bar und ange­nehm auf­ge­lo­ckert wird.

09:35 Uhr: Die Aus­stel­lungs­ar­chi­tek­tur stammt von Manu­el Raeder, der sich kri­tisch mit tem­po­rä­rer Mes­se-Archi­tek­tur aus­ein­an­der­setz­te. Statt auf­wen­di­ger Ein­weg-Lösun­gen setzt er auf bereits exis­tie­ren­de, wie­der­ver­wert­ba­re Struk­tu­ren. Ins­ge­samt wir­ken die Auf­bau­ten sehr offen, ermög­li­chen Sicht­ach­sen, erlau­ben es der Kunst zu atmen und erin­nern so kaum mehr an übli­che Mes­se­stän­de.

09:45 Uhr: Die­ses Jahr erst­mals zu Gast: der New Yor­ker Artist Space wird sich mit sei­nem »Basar« ver­stärkt kunst­theo­re­ti­schen The­men wid­men.

09:51 Uhr: Eine wei­te­re Koope­ra­ti­on besteht mit MISS READ, der den Ber­li­nern bekann­ten Buch­mes­se für Kunst­pu­bli­ka­tio­nen. Sie fin­det zwar auf dem Gelän­de der abc, in der Sta­ti­on am Gleis­drei­eck, statt, ist jedoch im Gegen­satz zur Mes­se jedem kos­ten­frei zugäng­lich. Das abc-Tages­ti­cket kos­tet acht bzw. ermä­ßigt sechs Euro, das Fami­li­en­ti­cket 18 Euro. Der Ein­lass zur heu­te von 16:00 bis 21:00 Uhr öff­nen­den Mes­se beträgt 16 Euro.

10:30 Uhr: Die Gale­rie Bau­dach und dépen­dance zei­gen Thi­lo Heinz­manns bekann­te Staub­ver­we­hun­gen: schwar­zes Pig­ment, sorg­sam auf der weiß grun­dier­ten und rau­hen Lein­wand auf­ge­bracht und sach­te ver­weht.

10:41 Uhr: Socié­té zeigt Timur Si-Qins »Axe-Effect«, drei Mixed-Media-Skulp­tu­ren, für die er Sham­poo-Fla­schen mit Fan­ta­sy-Schwer­tern gepfählt hat. Das Sham­poo läuft an der Ste­le hin­un­ter; Sei­fen­ge­ruch liegt in der Luft. Anders kann man sich Fan­ta­sy­blut nicht vor­stel­len.

10:57 Uhr: Die Pari­ser Gale­rie Frank Elbaz stellt drei Arbei­ten Davi­de Balu­las aus. Eine ver­kohl­te Holz­tä­fe­lung fun­giert als Druck­ma­tri­ze für die das Dipty­chon ergän­zen­de Lein­wand. Die drit­te Arbeit, ein sub­til ent­lang der Hori­zon­ta­len gewölb­ter Keil­rah­men, bespannt mit einer Lein­wand, die im sel­ben Weiß­ton wie der der Wand gestri­chen ist, ent­flieht ihrer Unter­la­ge. Bema­lung und Win­kel ent­spre­chen der Fas­sa­de des Gug­gen­heim-Muse­ums New York: ein Ver­satz­stück im Aus­stel­lungs­raum.

Foto: courtesy Galerie Christophe Gaillard

Foto: cour­te­sy Gale­rie Chris­to­phe Gail­lard

11:22 Uhr: Isa­bel­le Le Minh füllt unter­des­sen den Boden des Stan­des der Pari­ser Gale­rie Chris­to­phe Gail­lard mit den end­lo­sen Papier­bah­nen ihrer Arbeit »you know, the artist who…«: In der Art von Jeo­par­dy sind dar­auf Tau­sen­de Beschrei­bun­gen zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler in Quiz-Form gedruckt. Am Ende der abc, so pro­phe­zeit die Gale­ris­tin, wer­de die Arbeit wohl allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Raum ein­neh­men. Selbst­re­fe­ren­zi­el­le Kunst im Mes­se­kon­text – für den Humor ist auf die­ser abc jeden­falls gesorgt.

11:51 Uhr: Am Stand der Gale­rie Max Hetz­ler wird einer ein­zel­nen Arbeit Mona Hato­ums viel Raum für eine musea­le Wir­kung gege­ben. Ein manns­ho­hes, qua­der­för­mi­ges Ver­bund­stück aus meh­re­ren Stahl­ele­men­ten erscheint als mas­si­ver, durch sei­ne Löcher jedoch fra­gi­ler Klotz, der viel­fach bear­bei­tet wur­de. Der mal­trä­tier­te Stahl wur­de kor­ro­diert, zer­bro­chen, ange­schmol­zen und zer­lö­chert. Als stün­de sie unter Beschuss, impo­niert die schwer­fäl­li­ge Skulp­tur durch ihre Fra­gi­li­tät. Hato­um lie­fert ein tech­no­ides Denk­stück über eine stäh­ler­ne Welt, die ihre Här­te ein­büßt und mit einem Mal ver­letz­lich scheint.

12:07 Uhr: Hier­mit endet nach zwei­ein­halb inter­es­san­ten Stun­den auf der abc die Live-Bericht­erstat­tung. Der Gesamt­ein­druck konn­te über­zeu­gen: Die Frei­heit der Gale­ri­en, selbst Posi­tio­nen aus­wäh­len und in einer offe­nen Aus­stel­lungs­ar­chi­tek­tur zei­gen zu kön­nen, hat sich aus­ge­zahlt. Dem Besu­cher bie­tet sich ein bun­tes Bild aus Male­rei, Skulp­tur, Instal­la­ti­on, Foto­gra­fie und Video­kunst. Wei­te­re High­lights von nam­haf­ten Künst­lern wie Ger­wald Rocken­schaub, Chris Suc­co, Jeff Wall, Jona­than Monk & Dou­glas Gor­don sowie vie­le wei­te­re ver­lei­hen der abc her­aus­ste­chen­de Momen­te.

Die art ber­lin con­tem­pora­ry eröff­net heu­te von 16:00 bis 21:00 Uhr in der Sta­ti­on Ber­lin, Lucken­wal­der Str. 4–6 (am Gleis­drei­eck) und ist noch bis Sonn­tag jeweils von 12:00 bis 19:00 Uhr, mor­gen eine Stun­de län­ger, geöff­net.