Artikel mit dem Tag "Berlin"


Zwischen Illusion und Realität

Die Entmystifizierung des American Way of Life

Taiyo Onorato & Nico Krebs: Biggest cross in Texas„Biggest cross in Texas“, © Taiyo Onorato & Nico Krebs (c.o. Kunstagenten)

Es gibt wenige Kulturen und Nationen, die sich derart mystifizieren und in einen sagenhaften Schleier hüllen, wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn ich es genau bedenke, markieren diese wohl den unangefochtenen Höhepunkt der Ausbildung eines Staatsmythos, der nicht nur Sinnbild einer ganzen Gesellschaft, sondern auch zum glorifizierten Ideal manch anderer (westlicher) Nationen wurde. In der Tat kennen wir Deutschen den American Way of Life besser als die kulturellen Eigenheiten anderer Nationen, haben wir doch durch Film und Fernsehen ausreichend Gelegenheit, ihn kennenzulernen oder gar zu verinnerlichen.

Umso interessanter ist es dann, diese so oft gehuldigten Legende ungeschönt sehen zu können. Während die typische Gesellschaftskritik schnell in ewig gleich lautende Platitüden verfällt und es nicht schafft, den Kern der Dinge zu erfassen, tauchen hin und wieder pointierte, emotionsfreie Kritiken auf, die mehr als nur den oberflächlichen Fingerzeig wagen und tatsächlich den so undurchdringlich scheinenden Schleier des American Way of Life durchdringen.

Ein gelungenes Beispiel hierfür sind die Fotografien der beiden Zürcher Künstler Taiyo Onorato und Nico Krebs, die in der aktuellen Ausstellung „The great unreal“ bei den Kunstagenten gezeigt wird. Auf mehreren Roadtrips durch die Vereinigten Staaten nahmen Onorato und Krebs immer wieder die unzähligen Phantasmen unter die Lupe, die unser Bild von diesem Land prägen, und beschwören mit ihren zumeist inszenierten, doch aber stets real wirkenden Dioramen einen Mythos, den wir zwar zu kennen glauben, jedoch nicht als Realität oder Illusion erkennen können. Bild und Bildmotiv verschmelzen so zu einem geisterhaften Wesen, das nicht mehr greifbar ist.


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Marzahn, wie es wirklich ist

Interview mit Gerrit Engel + Kunstbuchverlosung

Das Tor zum Osten: Plattenbauten und Gewalt?Das Tor zum Osten: Nichts als Plattenbauten und Gewalt? (*)

Es ist gar nicht so lange her, da schrieb ich über eine Fotoserie, die mir aus persönlichen Gründen sehr ans Herz ging: Es war die Reihe „Marzahn“, die der Fotograf Gerrit Engel Ende der Neunziger in eben jenem Berliner Ostbezirk aufnahm, dem bundesweit ein trauriger Ruf vorauseilte. Marzahn ist aber auch gleichzeitig meine Heimat und so lag es nicht fern, dass Engels Fotos, die Marzahn von einer bis dahin vielleicht unbekannten, viel harmloseren, vielleicht sogar schönen Seite zeigen, mich nicht nur ansprachen, sondern auch intensive Gefühle auslösten. Was dies im Einzelnen war, beschrieb ich ja bereits.

Vor Kurzem traf ich mich mit Gerrit Engel (der übrigens im vergangenen Jahr in der Pinakothek der Moderne ausstellte) auf einen Spaziergang durch Marzahn, wo ich ihm in einem Interview einige Fragen zu seinem Fotoserie und dem dazugehörigen Bildband stellte. Darin sind 82 hochauflösende Fotos mit drei einleitenden Texten von einer Marzahnerin, eines Bauhistorikers und Architekturkritikers enthalten. Ich verlose ein Exemplar des mittlerweile vergriffenen sowie ein weiteres Buch über Kunst im öffentlichen Raum in Marzahn – mehr dazu sowie natürlich das Interview gibt es jedoch erst nach dem Klick.


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Tanz im Licht

Eindrücke von einer etwas anderen Lasershow

Raurouw: Shock control regression adaptationRaurouw: „Shock control regression adaptation“

Der gestrige Abend führte mich zu einer Vernissage in die Program Gallery unweit des Hamburger Bahnhofs, wo das Architektenquartett Raurouw sein jüngstes Werk „Shock control regression adaptation“ vorstellte. Wie bereits angekündigt, erwartete den Besucher eine interaktive Lichtinstallation, die die vier Phasen der Trauer – namentlich Schock, Kontrolle, Regression und Anpassung – aufgreifen und verarbeiten wollte.

Ob die Ausstellung dieses Versprechen einlösen konnte und wie es sich anfühlt, in einem abgedunkelten Raum mit stetig wechselndem Laserlicht umherzuwandeln – diese und andere Eindrücke warten nach dem Klick.


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Adaptation und Assimilation

Interaktive Lichtinstallation in der Program Galerie

Raurouw: shock control regression adaptation„shock control regression adaptation“, © Raurouw

Der Theologe Yorick Spiegel postulierte zu Beginn der Siebziger Jahre seine Theorie der vier Trauerphasen: Zunächst überwiege der Schock, bald jedoch die emotionsarme Kontrolle, woraufhin die Regression aus dem alltäglichen Leben und schließlich die Phase der Anpassung folge. Diese Theorie fand später viel Anklang und wird gemeinhin auf die Binsenweisheit „Trauern ist Anpassung“ verkürzt.

Eben diesen Sachverhalts will sich nun eine Lichtinstallation der Künstlergruppe Raurouw annehmen: Dazu entsenden sie Laserstrahlen durch die verdunkelten Räume der PROGRAM Galerie, lenken sie mittels Spiegeln um und modulieren sie analog zu den vier Trauerphasen in Farbe und Gestalt. Die Installation „shock control regression adaptation“ soll dazu mit den Besuchern interagieren und durch ihre Bewegungen gesteuert die Wechsel zwischen den einzelnen Phasen einläuten.


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Marzahner Lokalkolorit

Das Emotionalfeuerwerk hinter Kunst mit Heimatbezug

Gerrit Engel: Ohne Titel, aus der Serie "Marzahn"Ohne Titel, aus der Serie „Marzahn“, © Gerrit Engel

Marzahn: wo graue Plattenbauten, Arbeitslosigkeit und sozialer Verfall in einer Melange aus Trostlosigkeit und gescheitertem Sozialismus aufeinander treffen. Wo Schicksale besiegelt werden: Hier werden Menschen gemacht, die schon als Kinder keine Chance haben. Hier werden Menschen gemacht, die es zu beliebten Komikern bringen.
Marzahn ist aber auch meine Heimat, ein Ort, den ich besser kenne und mehr liebe als alle jene, die über diesen Berliner Ostbezirk nicht mehr als diese vielen Klischees wissen.

Als ich vor einiger Zeit die obigen Aufnahmen im Internet fand, ward mir ganz anders um Herz. Da hatte ein Fotograf im Jahre 1999 diesen meinen Bezirk eingefangen und auf Film gebannt. Da hatte jemand meine Heimat fotografiert, den Ort, wo ich meine Kindheit verbracht habe: Die rechte der beiden abgebildeten Fassaden erkannte ich sofort; es war das Haus, in dem ich als Kind wohnte, ein Gebäude, das heute so nicht mehr existiert.

Es ist unglaublich, was ich beim Anblick dieser schlichten Bilder empfand, die ja nur die Fassadengestaltung eines in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern hochgezogenen Häuserblocks festhalten. Aus Mangel an besseren Worten: „Heimweh“, „Wehmut“. Doch eigentlich etwas ganz anderes. Etwas Unbeschreibliches.

Grund genug, mich mit der Fotoserie, dem dazugehörigen Bildband, meiner Heimat, wie ich sie in Erinnerung behalten habe und auch wie man sie jetzt vorfindet zu beschäftigen, und meine Identität zu hinterfragen.

Gerrit Engel: Ohne Titel, aus der Serie "Marzahn"Ohne Titel, aus der Serie „Marzahn“, © Gerrit Engel

Wenn man den Klischees glauben will, so ist Marzahn alles andere als ein Ort, an dem man wohnen und leben möchte. Man kann diese Vorurteile nicht gänzlich negieren, stammen sie doch aus der Zeit, als Marzahn als eines der größten Bauprojekte der DDR aus dem Boden gestampft wurde. Grau in grau sah hier alles aus, für Anpflanzungen war keine Zeit, auch Freizeitbeschäftigung suchte man hier vergeblich. Doch das gab sich schnell: die Bewohner begrünten ihren Bezirk auf eigene Faust, später spendierte die DDR-Führung große Freizeitzentren und sogar ein kleines Kino.

Während meiner Kindheit war von jenem Klischee nichts mehr zu ahnen: Marzahn war längst ein grüner Bezirk geworden, wir Kinder fanden überall Spielplätze und –flächen, hatten im besten Sinne eine unbeschwerte Kindheit. Das obige Bild zeigt meine Grundschule etwa zu dem Zeitpunkt, als ich in der fünften oder sechsten Klasse war. Auch dieses Gebäude existiert nicht mehr, doch reicht dieses Foto allein aus, um allerhand Erinnerungen hervorsprudeln zu lassen: Tischtennis in der Hofpause, Fußball auf dem Sportplatz, mit dem Fahrrad nach Hause fahren. Erinnerungen an eine Kindheit also, wie die meisten sie gehabt haben.

Gerrit Engel: Ohne Titel, aus der Serie "Marzahn"Ohne Titel, aus der Serie „Marzahn“, © Gerrit Engel

Das obige Foto zeigt in etwa, wie Kindheit in Marzahn aussehen konnte: Wir Kinder waren jeden Tag draußen, spielten auf den vielen Wiesen, fingen Grillen oder manchmal auch Frösche, kletterten auf Bäume, spielten Verstecken zwischen all dem Grün der Gebüsche und Wiesen und dem Grau der Plattenbauten. Als dieses Foto aufgenommen wurde, war ich gerade zehn oder elf Jahre alt, es zeigt vermutlich den Hinterhof, auf dem ich selbst so viele Sommernachmittage mit Orangeneis und Wasserpistole verbrachte.

Eines der Kinder auf diesem Bild kannte ich sogar, es ging in meine Klasse, wurde oft von den anderen Kindern geärgert, war mit nur wenigen wirklich befreundet.

Viele Jahre später erfuhr ich vom Tod an der Leitplanke. Jetzt schaut es mich an, von diesem elf Jahre alten Foto.

Gerrit Engel bildet Erinnerungen ab. Keine wehmütigen oder gar traurigen, doch aber ganz private und wertvolle, die wohl nur schwer nachzuempfinden sind. Obgleich Engel wohl bei seinem Streifzug durch das Marzahn der ausgehenden 90er Jahre andere Ideen und Motive verfolgte, fing er doch auch für einen kleinen Kreis unter denjenigen, denen er Bericht erstattet, eine Welt ein, die sie besser kannten, als jeder andere.

In der Legende des Bildbandes fehlt für dieses Foto die Ortsangabe. Was Engel wohl vergaß, kann ich aus meinem Gedächtnis ergänzen: Jan-Petersen-Straße 2 – 6. Erkennbar an der Fassadengestaltung, die gar nicht so trist war, wie Marzahnbesucher es wohl empfanden. Etwa drei Meter rechts vom Bild müsste sich ein großes Gebüsch, mitten auf der Wiese gelegen, befunden haben. Ich weiß noch, wie ich darin saß, Marienkäfer fing und in TicTac-Dosen sperrte.

Gerrit Engel: Ohne Titel, aus der Serie "Marzahn"Ohne Titel, aus der Serie „Marzahn“, © Gerrit Engel

Dann sind es Fotos wie diese, die mich in eine Welt eintauchen lassen, die in dieser Form nicht mehr existiert, die ganz meiner Erinnerung gehört, die den Mikrokosmos meiner gesamten Kindheit beherbergt. Ich kann ohnehin schon viele Erinnerungen mit einem einzigen, kleinen Detail assoziieren, Gerrit Engels Fotografien jedoch lösen in mir ein wahres Emotionalfeuerwerk aus. Es ist unglaublich, wie viele im Grunde genommen unwesentliche Assoziationen durch diese Abbildungen wieder ins Bewusstsein kommen und greifbar werden.

In meinen Erinnerungen taucht Marzahn stets als ein Ort der kindlichen Unbeschwertheit und Sorglosigkeit auf. Auf diesen Fotos findet sich jedoch auch ein Bezirk, der durch Plattenbauten und Tristesse geprägt ist. Zwischen den Elfgeschossern fällt der Blick auf weitere Hochhäuser, hinter denen ein Plattenbau dem nächsten folgt. Bauten, deren Fassaden in uniforme Anonymität getaucht sind. Kein Blumenkasten, keine aufwändige Gardine, keine extravagante Fenstergestaltung durchbricht dieses Meer an trister Einheitlichkeit.

Gerrit Engel: Ohne Titel, aus der Serie "Marzahn"Ohne Titel, aus der Serie „Marzahn“, © Gerrit Engel

Man bekommt fast das Gefühl, Marzahn sei ein unbeseelter Ort, wo man keinen Menschen auf der Straße trifft, wo man lieber unter sich bleibt statt dem Leben da draußen zuzunicken. Es scheint, hier blinzelten die Leute vorsichtig zwischen ihren Jalousien, um eine kurzen Blick auf das erlahmte Leben vor ihren Haustüren zu erhaschen.

Doch weit gefehlt: Bei Gerrit Engel stehen die Marzahner selbst im Vordergrund, die – alles andere als scheue Wesen – in ihrem Bezirk ein kleines, beschauliches Leben in Bescheidenheit führen und sich ein Kleinod teilen, das überall anders in der Republik einem unrühmlichen Ruf hinterhereilt, der so wenig mit der Realität zu tun hat.

Da ist etwa ein Foto aus dem winterlichen Bürgerpark: Kinder fahren Schlitten, tollen umher, leben einen ruhigen Alltag, der wohl im besten Sinne der Begrifflichkeit des Kindseins entspricht. Das alles findet vor der Kulisse der hochaufragenden Plattenbauten statt. Auch hier wechseln sich Elfgeschosser und Hochhäuser ab, auch hier weiß man sofort, dass man in Marzahn ist.

Gerrit Engel: Ohne Titel, aus der Serie "Marzahn"Ohne Titel, aus der Serie „Marzahn“, © Gerrit Engel

Gerrit Engel dokumentiert hier zweierlei: Auf der einen Seite gibt er den Vorurteilen Raum, die sicherlich nicht unbedingt einer Grundlage entbehren müssen, doch aber auch das widerspiegeln, was anderswo gedacht wird. Es scheint mir, als bestätige er zunächst den Betrachter, dessen Vorwissen wohl nur aus den bekannten Klischees besteht, begibt sich mit ihm auf eine Diskussionsebene um dann – und hier liegt wohl der Kern dieser Fotoserie – ein Bild zu bieten, das eine ganz andere Sprache spricht.

Engel konfrontiert mit Einblicken, die zuvor keiner kannte, die wohl manch einen Düsseldorfer oder Kreuzberger überrascht haben müssen. Marzahn sieht bei ihm auf einmal ganz anders aus, ist doch aber unverkennbar dasselbe Marzahn, von dem man zuvor so viel gehört hatte.

Das Haus in dem aufwuchs wie es heute aussiehtDas Haus, in dem aufwuchs, wie es heute aussieht

Er fängt aber auch auf vielen seiner Fotografien einen Bezirk in der Größe einer mittelgroßen Stadt ein, der sich im Umbruch befindet. Am besten sichtbar wird dies in den vielen Modernisierungsprojekten, die seit dem Ende der 90er Jahre das Stadtbild komplett verändert haben. Da werden Projekte des Stadtumbaus mit Lob überhäuft und der mittlerweile weit über Berliner Grenzen hinweg bekannte Erholungspark räumt den Oscar der Parkgestaltung ab. Was im Großen geht, spielt sich auch im Kleinen ab: Heute sieht Marzahn völlig anders aus als es noch Gerrit Engels vor elf Jahren sah.

Zwar dominieren nach wie vor Plattenbauten die Architektur Marzahns, doch sind diese nicht mehr wiederzuerkennen. Das Grau des Betons wich bunten Farben moderner Fassadengestaltung. Mediterrane Farbgebung trifft nun auf dezent-kühle Anstriche und gibt dem Bezirk ein Gesicht, das dieser Tage wohl so manchen Besucher überrascht. Das obige Foto etwa zeigt das Haus, in dem ich aufwuchs. Verglichen mit der rechten Ansicht des Eingangsfotos tut man sich doch schwer zu glauben, es handle sich hier um ein und dasselbe Gebäude.

Gerrit Engel: Ohne Titel, aus der Serie "Marzahn"Ohne Titel, aus der Serie „Marzahn“, © Gerrit Engel

Doch dadurch ist nun auch all jenes ferne Vergangenheit geworden, was Gerrit Engel als Kulisse seiner Fotoserie diente. Seine Dokumentation wäre wohl nicht an einem anderen Ort, vor einem anderen Hintergrund oder in einer anderen Zeit denkbar gewesen. Sie gibt eine nicht nur örtlich, ja auch zeitlich abgeschlossene Welt wieder. Man blickt in die Augen dieser Kinder und sieht nicht etwa Gesichter von heute, man sieht Angehörige einer vergangenen Zeit, die heute Anfang, Mitte zwanzig sind.

Ich gehöre zu ihnen. Ebenso könnte ich an ihrer Stelle vor Denkmälern posieren, skeptischen Blickes durch die Brille hindurch den Fotografen mustern. Ebenso könnte ich stolzerfüllt mit meinem Schlitten auf der Anhöhe stehen. Ebenso könnte ich im Kreise meiner Freunde auf irgendwelchen Wiesen tollend gesehen werden. Genau wie auch sie gehört meine Kindheit einer längst vergessenen Zeit an, die nur noch in Erinnerungen und Klischees weiterlebt.

Was würden sie wohl fühlen, könnten sie sich heute auf diesen Fotos erkennen? Würden sie sich ebenso lebhaft erinnern wie ich? Könnten sie sich vielleicht sogar an jenen Tag zurückversetzen, an dem ein Fotograf aus dem Westen kam und sie in mit ihrem ganz alltäglichen Leben ablichtete?

Sie würden vielleicht dasselbe empfinden wie ich. Denn Gerrit Engel dokumentierte nicht etwa bloß die Wahrheit über einen so berüchtigen Berliner Ostbezirk, er hielt doch eigentlich ein Stück meiner eigenen Identität fest.

Gerrit Engel: „Marzahn“,
erschienen 1999 in Köln im Verlag der Buchhandlung König
ISBN: 3 – 88375-371 – 8


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Der Letzte macht das Licht aus

Die Kunsthalle verabschiedet sich mit einem Knall

Das Tollhaus des John BockDas Tollhaus des John Bock

Im September 2008 war’s, als auf dem Schlossplatz ein Projekt seine Taufe feierte, das von vornherein nur für zwei Jahre bestehen sollte. Nachdem sich zuvor zeigte, dass in Berlin eine Ausstellungsplattform für heimische und hier sesshaft gewordene Künstler fehlte, konnte das privat initiierte Projekt der Temporären Kunsthalle den Senat überzeugen und so kam es auch im Juni 2008 zum ersten Spatenstich.

In dieser kurzen Zeit konnte sich der Ausstellungsort erstaunlich schnell als wichtige Adresse in der Berliner Kunstszene etablieren. Nun rückt das Jubiläum immer näher; die Temporäre Kunsthalle wird an ihrem zweiten Geburtstag zu Grabe getragen werden. Gestern feierte die letzte Ausstellung „FischGrätenMelkStand“ ihre Vernissage. Ich war vor Ort und habe mir ein Bild gemacht. Ein Bild, dass allen Gewohnheiten der Kunstrezeption widerspricht.


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Art Barter: Ein Bericht

I bartered for art

Art Barter: Viele Angebote, doch nur wenige werden Kunst eintauschen könnenArt Barter: Viele Angebote, doch nur wenige werden Kunst eintauschen können

Nachdem gestern die deutsche Elf die Menschen in die Biergärten und vor die Fernseher lockte, war die Berliner Innenstadt bis auf ein paar Touristen (Franzosen? Italiener?) wie leergefegt. Der beste Zeitpunkt also, um sich der Kunst zu widmen.

Wie bereits angekündigt, fand am vergangenen Wochenende die erste Ausgabe von Art Barter auf deutschem Boden statt. Ich war vor Ort, habe viel spekuliert und auch selbst ein Angebot abgegeben. Was Art Barter eigentlich ist und wie die Ausstellung war? Mehr dazu nach dem Klick.


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Suche Kunst, biete eigene Marmelade

Art Barter: das Tauschgeschäft mit der Kunst

Art Barter 2010(via)

Kunst ist nach landläufiger Meinung ein Teil der Hochkultur und daher auch i.d.R. etwas, wofür man viel Geld ausgeben muss. So verfestigt sich ein Vorurteil, das ich ja schon einmal mit konkreten Tips zum Kunsterwerb widerlegt habe. Nun bin ich auf eine weitere Möglchkeit gestoßen, wie man selbst mit einem kleinem Geldbeutel an Kunst für die eigenen vier Wände herankommt: Art Barter.

Das Einzigartige: Bei Art Barter braucht es kein Geld – qualitative Kunst von etablierten Künstlern ist hier für alle da. Der Knaller: Art Barter kommt nach Berlin!


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Von der Aura der Kunst

Warum nur der direkte Kontakt zum Werk zählt

Anthony Goicolea: Jettison„Jettison“ (wie man es im Internet sieht), © Anthony Goicolea

Kunst im Internet hat einen entscheidenden Nachteil: Trotz der schnellen Verfügbarkeit einer Unzahl von Werken von einer Myriade Künstlern aus allen vier Enden der Welt ist doch nie gesichert, dass die Rezeption all dieser Werke im Internet, auf Abbildungen in Zeitschriften, Büchern und Katalogen dieselbe ist wie die in der Galerie, wenn man Angesicht zu Angesicht mit dem Kunstwerk in Kontakt tritt.

Das Ausmaß dieser Diskrepanz ist unberechenbar. Sowohl das eine Extrem, dass das Werk in natura energiegeladener, geheimnisvoller, einnehmender  – kurz: eindrucksvoller – daher kommt, als auch das konträre Extrem, nämlich dass das Gegenübertreten in der Galerie zu einer unerwarteten Enttäuschung wird, sind alles andere als selten anzutreffen. Wenn man einem Kunstwerk eine Aura zuschreiben möchte, dann ist das wohl der Punkt, auf dem man seine Argumentation stützen würde. Denn diese Aura, sofern sie tatsächlich fassbar ist, geht auf bloßen Abbildungen verloren.

Gombrich schreibt darüber, ebbe sieht ebenfalls diesen Knackpunkt und auch ich bin mir dieses Problems bewusst. Ich schreibe hier viel über Rauminstallationen und oftmals auch über Künstler, deren Werke ich (noch) nicht in Galerien oder Museen gesehen habe. Dass dabei Imagination und kognitives Lückenausbessern eine Rolle spielen, liegt in der Natur der Sache, doch kürzlich war ich selbst wieder überrascht, wie stark sich ein Eindruck wandeln kann, wenn man ein Kunstwerk das erste Mal in natura sieht.

Es geht um Anthony Goicoleas Arbeiten, die in seiner aktuellen Ausstellung „DECEMBERMAY“ bei ScheiblerMitte zu sehen sind und über die ich ja bereits voller Begeisterung schrieb. Vor Ort stellten sich die Dinge dann doch anders dar…


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Urbane Dissonanzen

Von den sozialen Kontrasten der modernen Großstadt

Gabriel Orozco: Isla en la isla„Isla en la isla“, © Gabriel Orozco

Im Jahre 2007 lebte laut UNO mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, im Jahre 1800 waren es gerade einmal 3%. Diese drastische Verstädterung, die insbesondere in den Schwellen– und Entwicklungsländern in einer unglaublichen Geschwindigkeit vorangetrieben wird, bringt unweigerlich eine Vielzahl von neuen Herausforderungen mit sich, von agrarökonomischen Problemen bishin zu energiewirtschaftlicher Leistungssteigerung. Aber vor allen Dingen auch sozio-psychologische und soziale Probleme entwachsen dieser rasanten Entwicklung, die häufig zu einer großen Kluft zwischen den Bevölkerungsschichten der Stadt führen.

Hier sind es die Favelas und Slums der leuchtenden Metropolen Südamerikas und Südostasiens, dort ist es die wachsende Obdachlosenrate nordamerikanischer und anderer westlicher Großstädte, die im scharfen Kontrast zu den hochaufragenden Bürotürmen der schönen, neuen Welt stehen.

Und wie so oft ziehen gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen auch hier das Interesse zeitgenössischer Künstler auf sich, die in diesem Fall die vielen Facetten dieser urbanen Dissonanz erfassen und oftmals auch erst publik machen.


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