Urbane Interventionen

The Wa in der Hamburger HafenCity

Blick auf die Hamburger HafenCityBlick auf die Hamburger HafenCity

Es kommt eher selten vor, dass ich ungefragt zugesandte Newsletter und Presseinformationen zum Anlass nehme, tatsächlich darüber zu schreiben. Im vorliegenden Fall ist das aus diversen Gründen etwas anders, denn ich bekam eine Mail zur kommenden Guerilla-Aktion des StreetArtist The Wa, den die meisten Berliner für „Wrong World“ kennen dürften. Dieses Mal dürfen sich allerdings die Hamburger unter euch freuen, denn The Was nächste Aktion „Switch sense“ soll in der HafenCity stattfinden.

Was genau geplant ist, weiß bisher keiner, man darf aber erwartungsvoll sein, schließlich zeichnete sich The Wa in der Vergangenheit durch einen recht sozialkritischen Ton in seinen Arbeiten aus. Da wurden Stretchlimousinen mit großformatigen Aufklebern à la „Geben Sie das Rauchen auf“ verziert oder mit riesigen „Bitte keine Reklame“-Schildern städtische Werbetafeln überklebt. Was die Anwesenden bei „Switch sense“ erwartet, ist ungewiss, doch wird die Aktion dem Newsletter nach zu urteilen wohl dem umstrittenen Großprojekt HafenCity gewidmet sein.

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Vector Lounge geht in zweite Runde

Internationales Battle im Impro-Zeichnen

Flyer für die Vector LoungeFlyer für die Vector Lounge (Typo: DIN-Black Italic)

So kann es gehen: Da überfliegt man kurz einen Text über eine neuartige Veranstaltung, gibt der Sache zehn Sekunden Zeit, um das Interesse zu wecken, urteilt schnell und somit ist die Angelegenheit auch wieder erledigt. Etwa zwei Monate später springt einem dann ein Flyer mit hübscher Typo ins Auge, also liest man auch den dazugehörigen Text und bemerkt, dass man vielleicht beim ersten Mal nicht so voreilig entschieden haben sollte.

So erst heute geschehen, als mein Feedreader mir vom kommenden Event in der West Berlin Gallery kündete, der zweiten Ausgabe der Vector Lounge. Das Konzept ist einfach wie vielversprechend: Zwei Teams – eines aus Berlin und eines aus Paris –, bestehend aus Grafikdesignern und Illustratoren, treffen in einem One-on-One-Battle aufeinander und entwerfen live und simultan innerhalb von dreißig Minuten eine digitale Illustration zu einem vorgegebenen Thema. Die Franzosen bleiben in Paris, die Berliner sind natürlich vor Ort – beide Teams sind per Internet verbunden und am jeweils anderen Ort kann das kreative Kräftemessen per Onlinestream verfolgt werden. Natürlich kann jeder Interessierte dabei sein und bei Musik und Ausschank sein Team anfeuern – und das auch noch bei freiem Eintritt!

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Storm Room

Wie der Wahrnehmung ein Streich gespielt wird

Janet Cardiff und George Bures Miller: Storm Room„Storm Room“, © Janet Cardiff und George Bures Miller

Wenn es regnet, gewittert und stürmt, dann stehe ich gern am Fenster und genieße das Schauspiel. Es ist eine friedliche Stimmung, alles ist so still, nur der Regen plätschert murmelnd vor sich hin und gelegentlich durchreißt ein fernes Donnergrollen die Ruhe.

Ähnliches geschieht in einem Video aus dem fernen Japan. Zwei junge Frauen betreten eine verlassene Zahnarztpraxis nahe der Stadt Tokomachi. Draußen ergießen sich die Wolken, man kann kaum aus den Fenstern schauen, so viel Wasser rinnt die Fenster entlang. Blitze erhellen den Raum, gelegentlich flackert die alte Neonröhre, Eimer fangen Wassertropfen auf.

Doch der Schein trügt. Weder regnet es, noch grollt ein Gewitter über der Stadt. Die alte Zahnarztpraxis ist Schauplatz der Sound– und Lichtinstallation „Storm Room“ des Künstlerduos Janet Cardiff und George Bures Miller.

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Ceci est mon corps

Wie Körper und Identität zusammenhängen

Kerry Mansfield: Self-Portrait, Pre-Mastectomy 11.2005„Self-Portrait, Pre-Mastectomy 11.2005″, © Kerry Mansfield

Kerry Mansfield, ihres Zeichen Fotografin aus San Francisco, widerfuhr im Alter von 31 Jahren ein Schicksal, das in Deutschland jede achte bis zehnte Frau einmal in ihrem Leben durchmacht: Diagnose Brustkrebs. Der Schock durchbrach ihre bis dahin so heil und unverletzbar scheinende Welt, doch Mansfield hatte in dieser bedrückenden Phase ihres Lebens das Bedürfnis, ihren Krankheitsprozess mit der Kamera zu dokumentieren.

Dabei entstand die zehnteilige Bildstrecke „Aftermath“, die durch eine hohe emotionale Spannung ins Auge sticht und auf ihrer Website zu finden ist. Brustentfernung, Chemotherapie und Brustrekonstruktion hinterließen nicht nur körperlich, sondern augenscheinlich auch psychisch ihre Spuren.

Die Frage, die sich beim Betrachten von „Aftermath“ jedoch stellt, ist:
Wie eng hängen Identität und Körper zusammen?

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6 typographische Feinheiten im Web

Web-Typographie en detail

twistedintellect.comtwistedintellect.com

Ein Blick in die Blogstatistik zeigt, dass im Lauf des mehr als einjährigen Bestehens von Castor und Pollux manche Themen schnell in den Hintergrund gerückt sind, obgleich diese dem ursprünglichen Konzept zufolge ein integraler Bestandteil dieses Blogs sein sollten. Eine dieser Themen ist die Typographie; und da ich mich in letzter Zeit wieder intensiv mit Web-Typographie beschäftigte, kommt es mir gelegen, wieder zu dem Thema zu schreiben.

Obgleich man im Internet Linksammlungen, Tutorials, Ratgeber usw. zu genüge findet, werden doch m.E. manche Aspekte dieses komplexen Themas unberechtigterweise gar nicht oder nur oberflächlich aufgegriffen. Wenn man einmal die üblichen Seiten zum Thema Web-Typgraphie abgrast, wird man bald erkennen, dass die Informationen überaus redundant sind. Nicht verzagen, dafür gibt es jetzt an dieser Stelle ein kurze Liste jener typographischen Feinheiten, die im Web selten oder gar nicht zur Sprache kommen – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Zum Geburtstag viel Glück

Castor und Pollux wird ein Jahr alt

Damals war's: Der erste Artikel bei Castor und PolluxDamals war’s: Der erste Artikel bei Castor und Pollux

Heute vor einem Jahr  – da begann das virtuelle Leben dieses Blogs. Seitdem gab es hier viele Artikel, in denen ich mich kommenden Ausstellungen, einzelnen Künstlern und hin und wieder auch ausgewählter StreetArt gewidmet habe. Der Schwerpunkt hat sich seitdem verlagert, gewisse Tendenzen haben sich herausgebildet: die StreetArt trat zugunsten zeitgenössischer Kunst in den Hintergrund, einzelne Künstler wie Bas Jan Ader, Zach Johnsen oder Chris Burden wurden (und werden) nicht nur einmal angesprochen.

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T.V. Hijack

Darf Kunst in Gewalt gegenüber Unbeteiligten ausarten?

Chris Burden: T.V. Hijack„T.V. Hijack“, © Chris Burden

Die Präsenz der Medien hat über die Jahrzehnte hinweg stetig zugenommen; heute drängen dank Außenkorrespondenz, Live-Schaltung, Internet, Twitter usw. Inhalte aus allen vier Ecken der Erde innerhalb kürzester Zeit an unser interessiertes, oder vielleicht auch zunehmend desinteressiertes Ohr. Ereignisse und Schicksale finden nicht einfach nur statt und wären daher bloße Aufgabe der Berichterstattung, sie werden zunehmend in Echtzeit und oftmals auch unaufbereitet an den Konsumenten weitergegeben, der sich dadurch nicht mehr nur als Rezipient, sondern auch in größer werdendem Maße als Zeuge fühlt.

Die Geiselnahme von Gladbeck, die Anschläge vom 11. September, die Livebilder von den Bombeneinschlägen in Saddam Husseins Palästen – diese und viele andere mehr oder weniger geschichtsträchtigen Ereignisse finden – gefühlt – nicht mehr an einem fernen Ort, sondern ganz in der Nähe statt. Trifft dies womöglich auch auf Sportweltmeisterschaften, Gedenk– und Staatsfeiern zu, tritt es doch insbesondere bei solch erschütternden Geschehnissen in den Vordergrund.

Im Februar 1972 sollte beim Channel 3 im kalifornischen Irvine ein Live-Interview mit dem aufstrebenden Künstler Chris Burden stattfinden, der zuvor durch seine von autoaggressiver Gewalt und Bedrohung geprägte Kunst bekannt wurde. Burden nahm die Gelegenheit war, um auch daraus ein „Kunstwerk“ zu schaffen – ob dies tatsächlich Kunst darstellt oder nicht, ist hierbei die große Frage. Chris Burden schildert die Ereignisse folgendermaßen:

On January 14 I was asked to do a piece on a local television station by Phyllis Lutjeans. After several proposals were censored by the station or by Phyllis, I agreed to an interview situation. I arrived at the station with my own video crew so that could have my own tape. While the taping was in progress, I requested that the show be transmitted live. Since the station was not broadcasting at the time, they complied. In the course of the interview, Phyllis asked me to talk about some of the pieces I had thought of doing. I demonstrated a T.V. Hijack. Holding a knife to her throat, I threatened her life if the station stopped live transmission. I told her that I had planned to make her perform obscene acts. At the end of the recording, I asked for the tape of the show. I unwound the reel and destroyed the show by dousing the tape with acetone. The station manager was irate, and I offered him my tape which included the show and its destruction, but he refused.

Was darf also Kunst? Darf sie die Unversehrtheit eines Nichtsahnenden derart aufs Spiel setzen?

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Are you ready? Shoot!

Die Motivgeschichte einer gewaltvollen Performance

Chris Burden: Shoot„Shoot“ (Videoausschnitt), © Chris Burden

Man sagt, eine Gesellschaft finde sich in seiner Kultur, seinen Erzählungen, seiner Musik, seinen Filmen, seiner Kunst wieder. Das Amerika der 50er und 60er Jahre hat – was Kinofilme anbetrifft – heute noch bedeutsame Werke hervorgebracht: „Wege zum Ruhm“, „Bonnie und Clyde“ (1967), „Point Blank“ (1967), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968). Filme, die Waffengebrauch, Krieg und Tod romantisieren und verklären, zuweilen auch pointieren. Als sich dann in den späten 60er Jahren für den seit 1965 herrschenden Vietnamkrieg ein politisch schmachvolles Ende abzeichnete und das persönliche Leid vieler Amerikaner – ob im Dschungel oder daheim – in den Vordergrund trat, nahm man vom heroisierten Bild der Hollywoodproduktionen Abstand und gewann eine andere Perspektive.

Als der Vietnamkrieg 1971 in der Öffentlichkeit als bereits gescheitert angesehen wurde, erregte ein Kunststudent namens Chris Burden die öffentliche Aufmerksamkeit: Er veröffentlichte einen kurzen Film, den er zu Beginn selbst kommentiert und darin ankündigt, was geschehen werde und worauf zu achten sei. Im Weiteren bleibt das Bild schwarz, nur der Ton bleibt. Dann sieht man Burden vor einer weißen Wand stehen, ein Freund und Kommilitone steht einige Meter vor ihm und zielt mit einem Gewehr auf den Künstler. Er drückt ab, trifft Burden in den Arm und beide verlassen die Szenerie.

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Der Moment der Balance

Das metallene Segel des Frederic Geurts

Frederic Geurts: (un)balancedUntitled, aus „(un)balanced“, © Frederic Geurts

Es gibt so manche Künstler, die – einmal ihr optimales Medium gefunden – nur noch mit diesem arbeiten und immer wieder neue Perspektiven und Ansätze explorieren. Die Kunstgeschichte ist voll von solchen Beispielen, nicht selten behält man heute einzelne Künstler vornehmlich dafür im Gedächtnis: Da wäre Rembrandts genialer Umgang mit dem Licht, Alexander Calders Mobiles oder auch Yves Kleins Ultramarinblau.

Solche Künstler verstehen es, sich und ihr Medium immer wieder neu zu erfinden. Der Belgier Frederic Geurts könnte einer von ihnen sein. Er arbeitet mit stählernen oder mit Polyesternetz ausgespannten Segeln, die mal im Raum zu schweben scheinen, mal denselbigen durchziehen, mal den Betrachter zu erdrücken, mal jenseits von Raum und Zeit zu existieren scheinen.

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Neues aus der Tüftelstube

Demnächst bei und über Castor und Pollux

Yamamoto Gendai: Beginning„Beginning“, © Yamamoto Gendai

Castor & Pollux steuert jetzt nun langsam auf das erste Jubiläum zu, noch etwas mehr als ein Monat und dann darf (im Stillen) gefeiert und frohlockt werden. Seit dem Tag, an dem der Startschuss fiel, hat sich hier so manches getan und so kann noch vor dem ersten Geburtstag ein Ausblick auf das Neuste aus dem Hause Castor und Pollux gegeben werden:

Ganymed

Ganymed

Manch einer wird bemerkt haben, dass in letzter Zeit die Postingfrequenz abgenommen hat. Erschien noch anfangs alle zwei bis drei Tage ein neuer Eintrag und wurde rechts unter „Kommende Artikel“ stets auf bereits fertige Posts hingewiesen, genehmige ich mir nun mitunter etwas mehr Zeit beim Schreiben neuer Artikel. Das liegt in erster Linie am zunehmenden Zeitaufwand des Studiums, aber auch am wählerischeren Vorgehen, was die Themenauswahl angeht.

Da ich dieses Blog nicht um seine in dieser Bloglandschaft rare Eigenschaft schmälern will, tatsächlich auch etwas über die vorgestellte Kunst zu schreiben, wird es demnächst einen Ableger namens Ganymed geben, der zwar selbst keine großen Worte über die gepostete Kunst verliert, dafür aber auf lesenswerte Interpretationen, Beschreibungen und Hintergrundinformationen anderer Quellen verweist.

Derzeit befindet sich dieses neue Projekt noch im Aufbau, insbesondere was das Layout angeht, aber immerhin heißt es auf der About-Seite schon:

„‚Verily wise Zeus carried off golden-haired Ganymedes because of his beauty, to be amongst the Deathless Ones and pour drink for the gods in the house of Zeus – a wonder to see – honoured by all the immortals as he draws the red nectar from the golden bowl.“
[Hesiod: Homerische Hymnen, 5.202ff]

Ganymed, der Schönste unter den Sterblichen, der von Zeus selbst in den Himmel entrückt wurde, um den olympischen Göttern als Mundschank zu dienen, Nektar und Ambrosia aufzutafeln. Dieses Blog soll süßeste Kunst kredenzen […]

Man darf gespannt sein!

UBERDING

Adventsaktion von Uberding.de

Das Uberding – ein Blog über Mode, Kunst, Lifestyle, Net-Geschehen aus dem fernen Stuttgart – versüßt seinen Lesern die Weihnachtszeit passenderweise mit einem eigenen Adventskalender. Statt ordinärer Schokolade verbirgt sich hinter jedem Türchen ein Interview mit einem Autor eines anderen Blogs, den (so vermute ich) die Autorinnen selbst auch lesen. Und da eine von ihnen, Mia, hier mitliest, kam wohl eines zum anderen und so wird hinter dem zwölften Türchen ein kurzes Interview mit mir versteckt sein. Ein Besuch des Uberdings ist – und nicht nur wegen dieses Anlasses – wärmstens ans Herz zu legen!

Dies und das

In letzter Zeit mache ich mir ernsthaft Gedanken, ob ich nicht nur wie bisher über Kunst schreiben, sondern mich zukünftig auch tatsächlich in selbiger üben mag. Ideen gibt es bereits, auch konkrete und bezahlbare, fraglich ist nur, mit welcher genauen Intention und in welchem Rahmen dies ablaufen soll. Meiner Ansicht nach ist Kunst im Allgemeinen zu schade, um hinter verschlossenen Türen zu versauern; sie gehört in die Galerien, auf die Straße, in die Museen, meinetwegen auch in die Cafés, Lounges und ins Burger King um die Ecke. Kunst zu schaffen hieße daher auch, vor diesem Hintergrund zu arbeiten, und wenn man bedenkt, dass selbst gestandene, teils ausgebildete, quasi „hauptberufliche“ Künstler arge Probleme damit haben, angemessene Orte für ihre Werke zu finden, sehe ich da das größte Problem meines Vorhabens.

Weiters: Nach wie vor sind Gastautoren herzlich willkommen! Wenn du Lust hast, über ein bestimmtes Thema zu schreiben und dadurch – falls vorhanden – auch dein eigenes Blog zu promoten, kannst du dich ganz unkompliziert und einfach per Mail an mich wenden!

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