Leistungsschau abgesagt

01. April 2011 von Matthias Planitzer
Pressekonferenz Die Nachricht kam für die meisten überraschend, als gestern die Berliner Kulturverwaltung die ungeahnte Kehrtwende im umstrittenen Projekt "Based in Berlin" bekannt gab: "[...] beschloss daher die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten daher die umgehende Aussetzung des für den Sommer 2011 geplanten Ausstellungsprojekts 'Based in Berlin'. Die Planungskommission wird bis auf Weiteres von ihrer Funktion enthoben und in die Überarbeitung des Konzepts mit einbezogen. [...] Die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten lässt hiermit bekanntgeben, dass sie den Kulturstandort Berlin nachhaltig stärken und fördern und zu diesem Zweck auf eine gemeinschaftliche Arbeit mit allen Beteiligten – den kulturellen Institutionen, den Kuratoren und Galeristen, sowie natürlich auch den Künstlern – bauen will. Zu diesem Zweck soll noch im Laufe des kommenden Monats ein runder Tisch eingerichtet werden, an dem Vertreter all dieser Gruppen gleichberechtigt teilnehmen und über die sinnvolle und nachhaltige Unterstützung der Berliner Kunstlandschaft beraten sollen." Die Worte eines der Sprecher sorgten für verwundertes Augenreiben, nicht zuletzt auch als die Geldfrage angesprochen wurde: "Der Antrag zur Bewilligung zusätzlicher Gelder neben den bereits eingeplanten 1,5 Millionen Euro für 'Based in Berlin' wird dem Berliner Abgeordnetenhaus in der kommenden Woche vorgelegt werden." Ist das tatsächlich der große Durchbruch in der hitzigen Diskussion um die sog. "Leistungsschau"?

PressekonferenzPres­se­kon­fe­renz

Die Nach­richt kam für die meis­ten über­ra­schend, als ges­tern die Ber­li­ner Kul­tur­ver­wal­tung die unge­ahn­te Kehrt­wen­de im umstrit­te­nen Pro­jekt »Based in Ber­lin« bekannt gab:

»[…] beschloss die Senats­kanz­lei – Kul­tu­rel­le Ange­le­gen­hei­ten daher die umge­hen­de Aus­set­zung des für den Som­mer 2011 geplan­ten Aus­stel­lungs­pro­jekts ›Based in Ber­lin‹. Die Pla­nungs­kom­mis­si­on wird bis auf Wei­te­res von ihrer Funk­ti­on ent­ho­ben und in die Über­ar­bei­tung des Kon­zepts mit ein­be­zo­gen. […] Die Senats­kanz­lei – Kul­tu­rel­le Ange­le­gen­hei­ten lässt hier­mit bekannt­ge­ben, dass sie den Kul­tur­stand­ort Ber­lin nach­hal­tig stär­ken und för­dern und zu die­sem Zweck auf eine gemein­schaft­li­che Arbeit mit allen Betei­lig­ten – den kul­tu­rel­len Insti­tu­tio­nen, den Kura­to­ren und Gale­ris­ten, sowie natür­lich auch den Künst­lern – bau­en will. Zu die­sem Zweck soll noch im Lau­fe des kom­men­den Monats ein run­der Tisch ein­ge­rich­tet wer­den, an dem Ver­tre­ter all die­ser Grup­pen gleich­be­rech­tigt teil­neh­men und über die sinn­vol­le und nach­hal­ti­ge Unter­stüt­zung der Ber­li­ner Kunst­land­schaft bera­ten sol­len.«

Die Wor­te eines der Spre­cher sorg­ten für ver­wun­der­tes Augen­rei­ben, nicht zuletzt auch als die Geld­fra­ge ange­spro­chen wur­de:

»Der Antrag zur Bewil­li­gung zusätz­li­cher Gel­der neben den bereits ein­ge­plan­ten 1,5 Mil­lio­nen Euro für ›Based in Ber­lin‹ wird dem Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus in der kom­men­den Woche vor­ge­legt wer­den.«

Ist das tat­säch­lich der gro­ße Durch­bruch in der hit­zi­gen Dis­kus­si­on um die sog. »Leis­tungs­schau«?

Dies bleibt zu wün­schen. Eine genaue Zahl konn­te der Ver­tre­ter der Kul­tur­ver­wal­tung auf Nach­fra­ge nicht nen­nen. Die Ent­schei­dung käme »von ganz oben« und sei noch viel zu frisch um genaue­re Pla­nun­gen zuzu­las­sen. Zunächst war­te man auf die ers­ten Tagun­gen des »run­den Tisches« und suche dann nach einer Eini­gung in die­ser beson­ders pikan­ten Fra­ge.

Zuvor wur­de Kri­tik laut, daß die För­de­rung der »Bestands­auf­nah­me der Ber­li­ner Kunst« in Höhe von 1,5 Mil­lio­nen Euro ein Trop­fen auf dem hei­ßen Stein sei, zumal es in Ber­lin bereits genü­gend Insti­tu­tio­nen gebe, die sich mit die­ser Auf­ga­be befass­ten, und die­se chro­nisch unter­fi­nan­ziert sei­en. Die Aus­stel­lung »Based in Ber­lin«, die als Gene­ral­pro­be für eine künf­ti­ge Ber­li­ner Kunst­hal­le kon­zi­piert war, sei ein­zel­nen Stim­men zufol­ge nur ein »wei­te­res neben vie­len has­tig getauf­ten und bald ver­scharr­ten Kunst­pro­jek­ten in die­ser armen aber sexy Stadt«.

In der Tat pla­gen die meis­ten der vie­len Ber­li­ner Kunst­in­sti­tu­tio­nen finan­zi­el­le Pro­ble­me. Von der öffent­li­chen Hand abhän­gig, muss seit Jah­ren vie­ler­orts ein rigi­der Spar­kurs gefah­ren wer­den, der das eigent­li­chen Anlie­gen, die För­de­rung und Prä­sen­ta­ti­on Ber­li­ner Künst­ler, stark ein­schränkt. Mit einer euro­pa­weit ein­zig­ar­ti­gen Kul­tur­land­schaft ist Ber­lin den­noch ein Kunst­stand­ort, der sein vol­les Poten­zi­al nicht zuletzt wegen Spar­zwän­gen noch nicht aus­ge­schöpft hat. Die Kri­tik ging daher in der Ver­gan­gen­heit v.a. an den Regie­ren­den Ober­bür­ger­meis­ter Wower­eit, der das glän­zen­de Image Ber­lins als Kunst­hot­spot zuguns­ten des Tou­ris­mus und des Städ­te­mar­ke­tings aus­ge­nutzt habe.

Mit der jüngs­ten Ent­schei­dung, den Zank­ap­fel der »Leis­tungs­schau« zu besei­ti­gen und end­lich alle Betei­lig­ten in die kon­struk­ti­ve Dis­kus­si­on zur kul­tu­rel­len Zukunft Ber­lins ein­zu­be­zie­hen, hat der Ber­li­ner Senat einen längst über­fäl­li­gen Schritt getan. Doch der längs­te Teil des Weges ist noch zu bestrei­ten: Wie soll ein zukunfts­fä­hi­ges und daher auch bezahl­ba­res Kon­zept aus­se­hen? Dar­auf fehlt auch nach wie vor eine Lösung, die allen Inter­es­sen gerecht wird.

Kommentare

  1. Eine gemein­schaft­li­che Arbeit mit allen Betei­lig­ten? Ein run­der Tisch? Gleich­be­rech­tigt? Sinn­vol­le und nach­hal­ti­ge Unter­stüt­zung der Ber­li­ner Kunst­land­schaft? Zusätz­li­che Gel­der?
    Das kann doch nur ein April­scherz sein…

    • Mar­co hat es erkannt: Bei der obi­gen Mel­dung han­delt es sich um einen April­scherz. Den­noch, die Fra­ge, die sie auf­wirft, bleibt rele­vant: Ist es der Kul­tur­ver­wal­tung über­haupt zuzu­trau­en, einen sol­chen Schritt zu gehen oder wirkt die Nach­richt von vorn­her­ein so absurd, daß es sich um einen Irr­tum han­deln muss?

  2. bru­ha­har, aber es wae­re ja auch zu toll gewe­sen…

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