Winterliche Kunsttermine

03. November 2009 von Matthias Planitzer
(via) Die Uhren zeigen eine neue Zeit an, die Tage erreichen bald ihr Höchstmaß an Dunkelheit und was liegt da näher, als die trübe Stimmung mit ein wenig Kunst aufzuhellen? Je schlechter das Wetter, desto besser lässt es sich in Berlin Kunst erleben. Grund genug, die wichtigsten Termine dieses Winters ins Gedächtnis zu rufen:

via flickr(via)

Die Uhren zei­gen eine neue Zeit an, die Tage errei­chen bald ihr Höchst­maß an Dun­kel­heit und was liegt da näher, als die trü­be Stim­mung mit ein wenig Kunst auf­zu­hel­len? Je schlech­ter das Wet­ter, des­to bes­ser lässt es sich in Ber­lin Kunst erle­ben. Grund genug, die wich­tigs­ten Ter­mi­ne des Novem­bers ins Gedächt­nis zu rufen:

Wieland Speck: Berlin Off/On Wall»Ber­lin Off/On Wall«, © Wie­land Speck

Ber­lin Off/On Wall

Du kannst es viel­leicht nicht mehr hören: Der Tag des Mau­er­falls jährt sich wie­der ein­mal. Die Medi­en haben sich mitt­ler­wei­le schon voll dar­auf ein­ge­stellt, oft­mals zum Leid­we­sen der generv­ten Leu­te. Immer wie­der das­sel­be, ja, aber es gibt den­noch Neu­es.
Kunst in der DDR ist ja so eine Sache, wie ich fin­de recht inter­es­sant, aber doch recht ein­sei­tig (zumin­dest was die staat­lich gedul­de­te und geför­der­te Kunst angeht). Da passt es doch gut zum dies­jäh­ri­gen Jubi­lä­um, auf unbe­que­me und regime­kri­ti­sche Kunst ein­zu­ge­hen.

Dach­ten sich wohl auch Wie­land Speck sowie die Kura­to­ren von Exi­le Ber­lin, denn gezeigt wird eine künst­le­ri­sche Kom­po­si­ti­on aus Video- und Foto­ma­te­ria­li­en, die die Per­for­mance des Ber­li­ner Malers Per Lüke zei­gen. Die­ser erklomm 1978 die Mau­er, um dann auf sei­ner Har­fe zu spie­len — alles akri­bisch beob­ach­tet und gefilmt von den Grenz­sol­da­ten sowie von Pas­san­ten und Geheim­dienst­mit­ar­bei­tern bei­der Sei­ten. Im Zen­trum ste­hen die Ori­gi­nal­vi­deo­auf­nah­men, Speck hat zudem in alten (Stasi-)Unterlagen Fotos und Doku­men­ta­tio­nen gefun­den, die das Gesche­hen aus einem ande­ren Blick­win­kel betrach­ten.

Specks Arbeit besteht nun dar­in, die vor­lie­gen­den Mate­ria­li­en in einen Kon­text zu brin­gen, der er es erlaubt, über das Leben an der Mau­er nach­zu­den­ken. Dar­über zu sin­nie­ren, inwie­weit die bei­den Staa­ten sich in gegen­sei­ti­gen Obser­va­tio­nen ver­lo­ren und was ein harm­lo­ser Grenz­gän­ger wie Lüke für einen absurd rie­sig wir­ken­den Appa­rat an wei­te­ren Beob­ach­tun­gen und Inves­ti­ga­tio­nen auf sich len­ken kann.

Ber­lin Off/On Wall
5. Novem­ber — 5. Dezem­ber, Do-So 12–18 Uhr
Ver­nis­sa­ge mor­gen, 4. Novem­ber, 19–22 Uhr
Exi­le Ber­lin
Alex­an­dri­nen­stra­ße 4, 10969 Ber­lin

Stephen Tompkins: Frischfleisch(via)

Ste­phen Tomp­kins — Frisch­fleisch

Sozi­al­kri­tik kommt nie wirk­lich aus der Mode. Der­zeit sind es ja die Ban­ker, die Spe­ku­lan­ten, die Bör­se und über­haupt wie immer das gan­ze Sys­tem, wel­che am Pran­ger ste­hen. In ein­schlä­gi­gen Talk­shows sowie in der all­ge­mei­nen Tages­pres­se sind regel­mä­ßi­ge Ent­hül­lun­gen und Dis­kus­sio­nen rund um die Finanz­kri­se ein Publi­kums­ga­rant gewor­den. Auch die Kunst­welt hat sich schnell die­ses The­mas ange­nom­men, lei­der jedoch nicht immer ohne die übli­che Plat­ti­tü­de, die von der Bou­le­vard­pres­se so bei­spiel­haft pole­mi­siert wird.

Ob Ste­phen Tomp­kins‹ Per­for­mance für Into­xi­ca­ted Demons auch dar­un­ter fällt, mag eine Streit­fra­ge sein. Eine fei­ne Abwechs­lung dürf­te es den­noch wer­den, denn Tomp­kins hat ange­kün­digt, in den Stra­ßen Ber­lins sei­ne »Ani­ma­ti­on Tour« zu star­ten, für die er die klas­si­schen, bis­wei­len viel­leicht auch kli­schee­haft auf­ge­bausch­ten Schau­or­te der gegen­wär­ti­gen Finanz­kri­se auf­su­chen und sie mit­hil­fe eines Bea­mers mit sei­nem neu­es Video »Frisch­fleisch« zu brand­mar­ken. Das alles soll zum Zei­chen der Gier gesche­hen, spä­ter wer­den das gan­ze Spek­ta­kel sowie ein paar neue Arbei­ten des ame­ri­ka­ni­schen Zeich­ners bei Into­xi­ca­ted Demons zu sehen sein.

Noch sind kei­ne Details zu der Ani­ma­ti­on Tour bekannt, die sol­len aber wohl in den kom­men­den Tagen fol­gen, schließ­lich geht es ja schon am 5. Novem­ber um 18 Uhr los. Die Ver­nis­sa­ge der zuge­hö­ri­gen Aus­stel­lung folgt tags dar­auf — man hal­te sich für wei­te­re Infos an die bei­den ver­link­ten Quel­len. Wie lan­ge die Aus­stel­lung dau­ert: liegt eben­falls im Dun­keln.

Ste­phen Tomp­kins — Frisch­fleisch
Ver­nis­sa­ge 6. Novem­ber, 19 Uhr
Into­xi­ca­ted Demons
Schlie­mann­stra­ße 12, 10437 Ber­lin

Andrang in einem KunstsupermarktAndrang in einem Kunst­su­per­markt, © kunstsupermarkt.de

Ber­li­ner Kunst­su­per­markt

Wer schon ein wenig län­ger bei Cas­tor und Pol­lux mit­liest, erin­nert sich womög­lich an den nun schon mehr als einen hal­ben Jahr alten Arti­kel zur Kunst an den eige­nen vier Wän­den. Damals habe ich auch das Kon­zept der mitt­ler­wei­le in schö­ner Regel­mä­ßig­keit statt­fin­den­den Kunst­su­per­märk­te vor­ge­stellt: Eine Viel­zahl jun­ger Künst­ler sen­det dem Ver­an­stal­ter ihre Wer­ke, zumeist Gemäl­de und Foto­gra­fi­en, wel­che dann von einer Jury beur­teilt wer­den um dann im Win­ter zu Fest­prei­sen zwi­schen 50 und 299 € ver­kauft wer­den. Wer bis­her gescheut hat, viel Geld für einen anspre­chen­den Wand­be­hang auf­zu­wen­den, fin­det beim Kunst­su­per­markt sicher­lich ein Stück, das nicht nur preis­lich ganz nach sei­nem Geschmack sein dürf­te.

Die­ses Jahr beginnt der 9. Ber­li­ner Kunst­su­per­markt am 13. Novem­ber im Quar­tier 205. Über die Dau­er der Ver­an­stal­tung ist bis­her nichts bekannt, es ist jedoch in jedem Fal­le emp­feh­lens­wert, mög­lichst in den ers­ten Tagen vor­bei­zu­schau­en.

Ber­li­ner Kunst­su­per­markt
ab 13. Novem­ber, 13 Uhr
Quar­tier 205, Unter­ge­schoß
Fried­rich­stra­ße 67–70, 10117 Ber­lin

Aus der Pressemitteilung(Titel, Künst­ler unbe­kannt), aus der Pres­se­mit­tei­lung

Hard­ly Any­thing

Die mir bis­her unbe­kann­te Gale­rie upstairs ber­lin hat mei­ne Auf­merk­sam­keit durch eine viel­ver­spre­chen­de Grup­pen­aus­stel­lung auf sich gezo­gen. Zwar bin ich kein gro­ßer Freund spär­lich aus­fal­len­den und bild­ar­men Pres­se­mit­tei­lun­gen, im vor­lie­gen­den Fall kann aber getrost dar­über hin­weg gese­hen wer­den, denn das The­ma selbst lässt hohe Erwar­tun­gen zu.

In der bis Janu­ar andau­ern­den Aus­stel­lun­gen soll die Leer­stel­le, das bewuss­te Aus­las­sen von Infor­ma­tio­nen, im Mit­tel­punkt des Inter­es­ses ste­hen. Laut Pres­se­infor­ma­ti­on geht es der Kura­to­rin vor­ran­gig um das »Syn­onym des Inne­hal­tens, der Kon­zen­tra­ti­on und des Neu­an­fangs«, wofür auch gleich eini­ge Bei­spie­le genannt wer­den. Was man aber (hof­fent­lich) auch dar­an erfor­schen kön­nen wird, ist die Leer­stel­le als Platz­hal­ter für aus­ge­lösch­te, ver­heim­lich­te und noch zu bestim­men­de Infor­ma­tio­nen, die — inten­diert durch den Künst­ler oder durch eige­ne Vor­stel­lun­gen — ergänzt wer­den müs­sen. Je nach Betrach­tungs­wei­se kann so tat­säch­lich ein Neu­an­fang erschlos­sen oder den Hin­ter­grün­den einer zen­sier­ten Wirk­lich­keit auf die Spur gegan­gen wer­den.

Man kann natür­lich auch ein­fach dem Gedan­ken der Aus­stel­lung fol­gen. Hard­ly any­thing is pos­si­ble.

Hard­ly Any­thing
7. Novem­ber — 16. Janu­ar, Mi-Sa 11–18 Uhr
Ver­nis­sa­ge 6. Novem­ber, 18–20 Uhr
upstairs ber­lin
Zim­mer­stra­ße 90/91, 10117 Ber­lin

Kommentare

  1. Ich füge noch hin­zu:
    Am Mar­tin-Gro­pi­us-Bau läuft ab dem 5.November eine Aus­stel­lung über isla­mi­sche Kunst. Nicht ver­pas­sen 😀

    Katha­ri­na

    • Ah, genau, dan­ke dir, da hab ich schon von gehört. Die Namen der Künst­ler kann­te ich alle nicht, aber soweit ich gehört habe, geht es dabei (auch) um das isla­mi­sche Gebot, kei­ne Gesich­ter dar­stel­len zu dür­fen. Wär inter­es­sant, wie das Pro­blem auf­ge­ar­bei­tet wur­de. Dan­ke für den Tip! Gehst du hin?