Kunst an den eigenen vier Wänden

My home is my castle

Hanging Art(domi​no​mag​.com)

Wenn man an Kunst in Pri­vat­be­sitz denkt, hat man womög­lich eher das Bild einer reich­lich behan­ge­nen Villa im Gru­ne­wald bzw. in Bogen­hau­sen vor dem inne­ren Auge, schließ­lich sind das die Orte, wo man teure Kunst­werke ver­mu­ten würde. Doch Kunst ist bekannt­lich nicht auto­ma­tisch das, was sich gut ver­kauft, son­dern das, was inspi­riert und anspricht. Und davon gibt es jede Menge zu ent­de­cken und nicht zuletzt auch für das eigene Heim zu gewinnen.

Da ich der­zeit mit­ten im Umzugs­stress ste­cke, stellt sich auch für mich die Frage, wie ich die neue Woh­nung mit preis­wer­ten Wer­ken ver­schö­nern kann. Dazu habe ich mich auf die Suche nach stu­den­ten­freund­li­chen Lösun­gen gemacht – und bin fün­dig geworden.

Zunächst muss man sich natür­lich dar­über im Kla­ren sein, was man über­haupt sucht. Wenn man eine zumin­dest vage Vor­stel­lung davon hat, was einem für den freien Platz an der Wand oder auf der Kom­mode gefal­len würde, ist man schon ein­mal einen gan­zen Schritt wei­ter. Dazu muss frei­lich gesagt sein, dass der indi­vi­du­elle Kunst­ge­schmack die Suche unter Umstän­den wesent­lich ver­ein­fa­chen, aber auch eine große Hürde sein kann.

Die Mög­lich­kei­ten sind an sich recht viel­fäl­tig, am Ende bestim­men aber per­sön­li­che Prä­fe­ren­zen, in wel­che Rich­tung die Suche geht. Hier sind ein paar Mög­lich­kei­ten, die sich zumin­dest für mich als recht prak­ti­ka­bel erge­ben haben:

Do it your­self
Die womög­lich viel­fäl­tigste Methode kann mehr, als man viel­leicht denkt. Es muss ja nicht unbe­dingt ein Gemälde auf Kindergarten-Niveau sein (wie jenes, das es kürz­lich zu gewin­nen galt), man kann mit der ent­spre­chen­den Vor­be­rei­tung und ein wenig Geschick so eini­ges auf die Beine stel­len. Warum nicht bei­spiels­weise etwas aus ver­schmol­ze­nen Plas­tik­be­chern ent­wer­fen, in Anleh­nung an Tara Dono­vans Instal­la­tio­nen oder Paul Cock­sedges “Sty­rene Lamp”?
Oder viel­leicht die tris­ten Flur­wände mit einem selbst geschnit­te­nen Sten­cil ver­schö­nern? Tuto­ri­als gibt es natür­lich bei Sten­cil Revo­lu­tion und auch bei Tante Google.

Auf was auch immer die Wahl fällt: Der Phan­ta­sie sind keine Gren­zen gesetzt, es kommt halt nur wie so oft auf die rich­tige Idee an.

Kunst zum halben PreisKunst zum hal­ben Preis (via)

Floh­märkte
Floh­märkte sind bekannt­lich sehr viel­schich­tig. Nicht auf allen darf man Kunst erwar­ten und nur die wenigs­ten bezeich­nen sich selbst als Kunst­floh­märkte. Ber­lin ist da in die­sem Punkt ver­gleichs­weise gut aus­ge­stat­tet, den­noch muss man die Augen immer offen­hal­ten – denn bis­wei­len wird viel Schund ange­bo­ten. Neben den bekann­te­ren Märk­ten am Mau­er­park und am Arko­n­a­platz, wo man ver­ein­zelt fün­dig wer­den kann, emp­fiehlt sich auch ein Besuch am Zeug­haus und auf der Straße des 17. Juni, wo selbst­er­nannte Kunst­märkte statt­fin­den. Die ange­bo­te­nen Werke sind zwar nicht nach mei­nem Geschmack, doch sind beide Trö­del­märkte jedes­mal gut besucht.
Dafür sind viele Floh­märk­ten wahre Fund­gru­ben um eigene Ideen zu ver­wirk­li­chen. Wer wie ich typ­graphie­be­geis­tert ist, fin­det hier viele Anre­gun­gen und das pas­sende Material.

Arto­thek
Mein per­sön­li­cher Geheim­tip: Für wenig Geld kann man in den meis­ten Groß­städ­ten in Arto­the­ken Werke von (zumeist loka­len) Künst­lern ent­lei­hen. Die Band­breite ist oft­mals groß: Neben klas­si­schen Gemäl­den bie­ten viele Ver­lei­her auch Foto­gra­fien, teil­weise sogar Skulp­tu­ren an. Ber­li­nern sei da die Arto­thek des Neuen Ber­li­ner Kunst­ver­eins wärms­tens emp­foh­len, wo man für den sen­sa­tio­nel­len Preis von drei Euro eines von über 4000 Wer­ken für sechs Monate mit nach Hause neh­men kann – Ver­si­che­rungs­schutz inklu­sive.
Der große Clou: Man kann sich auf ein Kunst­werk ein­las­sen, über lange Zeit Gedan­ken dar­über ent­wi­ckeln und ris­kiert kei­nen teu­ren Kauf. Zudem las­sen man­che Arto­the­ken auch mit sich reden, wenn man das Schmuck­stück dann viel­leicht doch kau­fen möchte.

Andrang in einem KunstsupermarktAndrang in einem Kunst­su­per­markt, © kunst​su​per​markt​.de

Kunst­su­per­markt
Ein mitt­ler­weile pro­ba­tes Kon­zept, um Kunst zu erschwing­li­chen Prei­sen zu kau­fen, stellt der Kunst­su­per­markt dar. Immer um die Weih­nachts­zeit und die Jah­res­wende herum kann man dann Werke zu Fest­prei­sen zwi­schen 50 und 299 Euro erste­hen, wobei die Aus­wahl von bis­wei­len bis zu 5000 Arbei­ten zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler so man­ches her­gibt. In Ber­lin war der Kunst­su­per­markt bis­her im Alexa bzw. in der Fried­rich­straße zu Gast und war jedes Mal der große Renner.

Inter­net
Die wahr­schein­lich größ­ten Mög­lich­kei­ten bie­ten die Wei­ten des Inter­nets. So gelangt man etwa bei eBay beson­ders an ältere Werke, v.a. Sti­che und Dru­cke, oft­mals auch zu güns­ti­gen Prei­sen. Auch exo­ti­sche Volks­kunst ist regel­mä­ßig anzu­tref­fen, doch wie auch immer der per­sön­li­che Geschmack aus­se­hen mag, in jedem Falle muss zunächst die Spreu vom Wei­zen getrennt wer­den.
Ein Nach­teil hat der Online-Kauf jedoch: Der per­sön­li­che Kon­takt zum Werk bleibt aus und so lässt sich lei­der oft­mals nicht sicher fest­stel­len, ob die Qua­li­tät den Preis recht­fer­tigt.
Diese Pro­bleme hat man aller­dings nicht bei der noch ein­fa­che­ren Suche auf flickr: Man kann aus einem Fun­dus hoch­auf­lö­sen­der Fotos wäh­len, dazu auch diverse nütz­li­che Tools wie dem prak­ti­schen Flickr Colr Pickr nut­zen, und die Bil­der dann quasi zum Selbst­kos­ten­preis selbst dru­cken oder dru­cken lassen.

 

Eines steht also fest: Auf Kunst an den eige­nen vier Wän­den muss man nicht ver­zich­ten. Es gibt genü­gend bezahl­bare Mög­lich­kei­ten, um die eigene Woh­nung stil­voll auf­zu­pep­pen und jedem Wohn­raum einen gelun­ge­nen Mit­tel­punkt zu geben. Die Suche nach pas­sen­den Wer­ken ist zwar mit einem gewis­sen Auf­wand ver­bun­den, doch das Ergeb­nis recht­fer­tigt alle Mühen.