12. April 2009
Kunst an den eigenen vier Wänden
Wenn man an Kunst in Privatbesitz denkt, hat man womöglich eher das Bild einer reichlich behangenen Villa im Grunewald bzw. in Bogenhausen vor dem inneren Auge, schließlich sind das die Orte, wo man teure Kunstwerke vermuten würde. Doch Kunst ist bekanntlich nicht automatisch das, was sich gut verkauft, sondern das, was inspiriert und anspricht. Und davon gibt es jede Menge zu entdecken und nicht zuletzt auch für das eigene Heim zu gewinnen.
Da ich derzeit mitten im Umzugsstress stecke, stellt sich auch für mich die Frage, wie ich die neue Wohnung mit preiswerten Werken verschönern kann. Dazu habe ich mich auf die Suche nach studentenfreundlichen Lösungen gemacht – und bin fündig geworden.
Zunächst muss man sich natürlich darüber im Klaren sein, was man überhaupt sucht. Wenn man eine zumindest vage Vorstellung davon hat, was einem für den freien Platz an der Wand oder auf der Kommode gefallen würde, ist man schon einmal einen ganzen Schritt weiter. Dazu muss freilich gesagt sein, dass der individuelle Kunstgeschmack die Suche unter Umständen wesentlich vereinfachen, aber auch eine große Hürde sein kann.
Die Möglichkeiten sind an sich recht vielfältig, am Ende bestimmen aber persönliche Präferenzen, in welche Richtung die Suche geht. Hier sind ein paar Möglichkeiten, die sich zumindest für mich als recht praktikabel ergeben haben:
Do it yourself
Die womöglich vielfältigste Methode kann mehr, als man vielleicht denkt. Es muss ja nicht unbedingt ein Gemälde auf Kindergarten-Niveau sein (wie jenes, das es kürzlich zu gewinnen galt), man kann mit der entsprechenden Vorbereitung und ein wenig Geschick so einiges auf die Beine stellen. Warum nicht beispielsweise etwas aus verschmolzenen Plastikbechern entwerfen, in Anlehnung an Tara Donovans Installationen oder Paul Cocksedges “Styrene Lamp”?
Oder vielleicht die tristen Flurwände mit einem selbst geschnittenen Stencil verschönern? Tutorials gibt es natürlich bei Stencil Revolution und auch bei Tante Google.
Auf was auch immer die Wahl fällt: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, es kommt halt nur wie so oft auf die richtige Idee an.
Kunst zum halben Preis (via)
Flohmärkte
Flohmärkte sind bekanntlich sehr vielschichtig. Nicht auf allen darf man Kunst erwarten und nur die wenigsten bezeichnen sich selbst als Kunstflohmärkte. Berlin ist da in diesem Punkt vergleichsweise gut ausgestattet, dennoch muss man die Augen immer offenhalten – denn bisweilen wird viel Schund angeboten. Neben den bekannteren Märkten am Mauerpark und am Arkonaplatz, wo man vereinzelt fündig werden kann, empfiehlt sich auch ein Besuch am Zeughaus und auf der Straße des 17. Juni, wo selbsternannte Kunstmärkte stattfinden. Die angebotenen Werke sind zwar nicht nach meinem Geschmack, doch sind beide Trödelmärkte jedesmal gut besucht.
Dafür sind viele Flohmärkten wahre Fundgruben um eigene Ideen zu verwirklichen. Wer wie ich typgraphiebegeistert ist, findet hier viele Anregungen und das passende Material.
Artothek
Mein persönlicher Geheimtip: Für wenig Geld kann man in den meisten Großstädten in Artotheken Werke von (zumeist lokalen) Künstlern entleihen. Die Bandbreite ist oftmals groß: Neben klassischen Gemälden bieten viele Verleiher auch Fotografien, teilweise sogar Skulpturen an. Berlinern sei da die Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins wärmstens empfohlen, wo man für den sensationellen Preis von drei Euro eines von über 4000 Werken für sechs Monate mit nach Hause nehmen kann – Versicherungsschutz inklusive.
Der große Clou: Man kann sich auf ein Kunstwerk einlassen, über lange Zeit Gedanken darüber entwickeln und riskiert keinen teuren Kauf. Zudem lassen manche Artotheken auch mit sich reden, wenn man das Schmuckstück dann vielleicht doch kaufen möchte.
Andrang in einem Kunstsupermarkt, © kunstsupermarkt.de
Kunstsupermarkt
Ein mittlerweile probates Konzept, um Kunst zu erschwinglichen Preisen zu kaufen, stellt der Kunstsupermarkt dar. Immer um die Weihnachtszeit und die Jahreswende herum kann man dann Werke zu Festpreisen zwischen 50 und 299 Euro erstehen, wobei die Auswahl von bisweilen bis zu 5000 Arbeiten zeitgenössischer Künstler so manches hergibt. In Berlin war der Kunstsupermarkt bisher im Alexa bzw. in der Friedrichstraße zu Gast und war jedes Mal der große Renner.
Internet
Die wahrscheinlich größten Möglichkeiten bieten die Weiten des Internets. So gelangt man etwa bei eBay besonders an ältere Werke, v.a. Stiche und Drucke, oftmals auch zu günstigen Preisen. Auch exotische Volkskunst ist regelmäßig anzutreffen, doch wie auch immer der persönliche Geschmack aussehen mag, in jedem Falle muss zunächst die Spreu vom Weizen getrennt werden.
Ein Nachteil hat der Online-Kauf jedoch: Der persönliche Kontakt zum Werk bleibt aus und so lässt sich leider oftmals nicht sicher feststellen, ob die Qualität den Preis rechtfertigt.
Diese Probleme hat man allerdings nicht bei der noch einfacheren Suche auf flickr: Man kann aus einem Fundus hochauflösender Fotos wählen, dazu auch diverse nützliche Tools wie dem praktischen Flickr Colr Pickr nutzen, und die Bilder dann quasi zum Selbstkostenpreis selbst drucken oder drucken lassen.
Eines steht also fest: Auf Kunst an den eigenen vier Wänden muss man nicht verzichten. Es gibt genügend bezahlbare Möglichkeiten, um die eigene Wohnung stilvoll aufzupeppen und jedem Wohnraum einen gelungenen Mittelpunkt zu geben. Die Suche nach passenden Werken ist zwar mit einem gewissen Aufwand verbunden, doch das Ergebnis rechtfertigt alle Mühen.






