Bas Jan Ader und die Schwerkraft

26. Juli 2009 von Matthias Planitzer
"Broken fall (Geometric)", © Bas Jan Ader Manchmal begegnet man den Werken eines Künstlers, die man derart gut zu verstehen scheint, als hätte man sie selbst erdacht, als sprächen sie aus, was man nur tief im Innersten zu glauben vermag. So verhält es sich bei mir mit dem Niederländer Bas Jan Ader, mit dessen Arbeiten ich mich in der letzten Zeit etwas näher beschäftigt habe. Wie ich schon vor einiger Zeit angekündigt habe, widme ich mich ihm nun in besonderem Maße. Bas Jan Ader wurde 1942 als Sohn eines Pfarrers geboren, der kurz darauf von den Nazis ermordet wurde, weil er Juden versteckte. Bas Jan wuchs in der ländlichen niederländischen Gegend von Groningen auf und heuerte als 19jähriger auf einem Boot an, das ihn von Marokko nach Amerika bringen würde, worauf er in Los Angeles da Kunststudium aufnahm. Seine große Schaffenszeit begann 1970 und endete vier Jahre später mit seinem Verschwinden auf hoher See. Aus seinem recht kurzen Leben sind nur eine Handvoll Werke hervorgegangen, die dafür jedoch vor Eindrücklichkeit nur so strotzen.
Bas Jan Ader: Broken fall (Geometric)„Broken fall (Geometric)“, © Bas Jan Ader

Manchmal begegnet man den Werken eines Künstlers, die man derart gut zu verstehen scheint, als hätte man sie selbst erdacht, als sprächen sie aus, was man nur tief im Innersten zu glauben vermag. So verhält es sich bei mir mit dem Niederländer Bas Jan Ader, mit dessen Arbeiten ich mich in der letzten Zeit etwas näher beschäftigt habe. Wie ich schon vor einiger Zeit angekündigt habe, widme ich mich ihm nun in besonderem Maße.

Bas Jan Ader wurde 1942 als Sohn eines Pfarrers geboren, der kurz darauf von den Nazis ermordet wurde, weil er Juden versteckte. Bas Jan wuchs in der ländlichen niederländischen Gegend von Groningen auf und heuerte als 19jähriger auf einem Boot an, das ihn von Marokko nach Amerika bringen würde, worauf er in Los Angeles da Kunststudium aufnahm. Seine große Schaffenszeit begann 1970 und endete vier Jahre später mit seinem Verschwinden auf hoher See. Aus seinem recht kurzen Leben sind nur eine Handvoll Werke hervorgegangen, die dafür jedoch vor Eindrücklichkeit nur so strotzen.

Mit „Fall I“ fand Ader sein wichtigstes Medium: die Schwerkraft. Man sieht ihn in diesem kurzem Video, wie er auf dem Dach seines Hauses auf einem Stuhl sitzt, langsam zu der einen Seite hin kippt und endlich vom Stuhl und den ganzen Weg vom Dach hinunter fällt.

In der Folge drehte Bas Jan Ader noch sechs weitere Filme, in denen er sich der Schwerkraft aussetzt. Die wohl wichtigste und bekannteste Arbeit dieser Serie ist „Fall II“, für die er mit einem Fahrrad in eine der Amsterdamer Grachten stürzt.

All diese Werke verbindet ein zentraler Aspekt: Es geht weder um das Fallen selbst, noch geht es dabei um das geordnete Davor – es ist stets der winzige Moment dazwischen, das Loslassen, die Entscheidung zur Aufgabe der Kontrolle über sich selbst. Es ist die Suche nach diesem kurzen Augenblick, ihn zu verlängern und letztlich zur Ewigkeit werden zu lassen.

In „Broken Fall (Organic)“ und „Broken Fall (Geometric)“ (s.o.) wird dieser Moment noch weiter expandiert; es scheint gar wie eine Gratwanderung zwischen Verharren und Fallen, zwischen Erhalt und Hingabe.

 

Bas Jan Ader inspirierte eine große Zahl seiner Kollegen, die seine Werke nachahmten oder die Idee auf eigene übertrugen. So widmete sich Fernando Sanchez gleich mehrfach dem Thema, Hege Don Samsets „I want to be your girlfriend“ und Friedrich Kunaths „After a while you know the style“ erweitern es um eine humorvolle Komponente und Pipilotti Rist trieb es mit „(Absolutions) Pipilotti’s mistakes“ sogar auf die Spitze.

Bas Jan Ader gilt heute als Begründer des kleinen Genres der „Gravity Art“, die mittlerweile floriert und Aders Ansatz von der Gratwanderung viele neue hinzugefügt hat. Demnächst soll es hier aber um den jähen Tod des Niederländers gehen, welcher sich für die Kunstwelt als weitaus bedeutender erwies.