Mirror, Mirror

Im Spiegelkabinett des Francisco Infante-Arana

Francisco Infante-Arana: aus der Serie Жизнь треугольника (Das Leben eines Dreiecks)aus der Serie “Жизнь треугольника”, © Fran­cisco Infante-Arana

Nach­dem das Pfingst­wo­chen­ende mit sei­ner Party im Statt­bad Wed­ding bereits hin­ter uns liegt (Fotos wie immer an ande­rer Stelle) und ich mich zu genüge davon erho­len konnte, ist es wie­der mal Zeit für eine Dosis zeit­ge­nös­si­scher Kunst. Der Begriff “zeit­ge­nös­sisch” ist aber inso­fern nicht ganz rich­tig, als dass es mir heute um Werke aus den 70ern geht. Fran­cisco Infante-Arana hat es mir ange­tan, der aus gewöhn­li­chen Spie­geln recht inter­es­sante und ein­drucks­volle Land Art herstellte.

So schuf er 1976 für seine Serie “Жизнь треугольника” (Das Leben eines Drei­ecks) aus eben sol­chen in aller geo­me­tri­scher Prä­zi­sion eine Hand­voll Instal­la­tio­nen, die alle­samt als Teil ihrer Umge­bung neu­ar­tige Per­spek­ti­ven eröff­nen. Die neun Spie­gel bil­den zu Beginn ein ein­zi­ges gro­ßes Drei­eck auf einer saf­ti­gen Weise, um sich dann in den fol­gen­den Instal­la­tio­nen lang­sam von­ein­an­der zu tren­nen, bis – nun auf unfrucht­ba­rer Erde – die ehe­mals gemein­same Figur nur noch zu erah­nen ist.
Ins­be­son­dere der siebte und letzte Teil der Reihe, wo der Spie­gel bereits voll­stän­dig zer­fal­len ist, fällt durch seine ein­gän­gige Sym­bol­spra­che ins Auge: acht Drei­ecke, die sich vom Boden und gen Him­mel auf­rich­ten, aber doch noch der Erde zuge­hö­rig sind, ste­hen einem Drei­eck gegen­über, das quasi auf dem Boden bleibt, aber doch dem blauen Him­mel viel näher ist.

Francisco Infante-Arana: aus der Serie Странствия квадрата (Die Reise eines Quadrates)aus der Serie “Странствия квадрата”, © Fran­cisco Infante-Arana

Ein Jahr spä­ter stellte der rus­si­sche Avant­gar­dist spa­ni­scher Abstam­mung eine andere Serie vor, “Странствия квадрата” (Die Reise eines Qua­dra­tes), wo er zusätz­lich das Ele­ment Was­ser ein­bringt. Hier über­wiegt eben­falls der nar­ra­tive Cha­rak­ter der Reihe, der nun aller­dings auch in den ein­zel­nen Instal­la­tio­nen wei­ter­ge­führt wird. Wie­der ein­mal fällt der letzte Teil der Serie auf: Das Objekt ver­schwin­det lang­sam in den Tie­fen eines Sees und lässt das Ende der Erzäh­lung offen. Ebenso wie der Häupt­ling in Jack Nicholson’s Oscar-Hit lang­sam vor dem Hori­zont ver­schwin­det, ent­behrt auch diese “Szene” nicht ihrem Reiz (und erin­nert mich ins­ge­heim an das Schick­sal des Bas Jan Ader, um den es spä­ter irgend­wann noch­mal gehen wird).

 

Die Spie­gel­kunst Fran­cisco Infante-Aranas ist m.E. inso­fern außer­ge­wöhn­lich, als dass sie mir zwar in man­chen Momen­ten recht ein­drück­lich und klar erscheint, dann jedoch wie­der durch ihre Abs­trakt­heit ver­schwimmt und im Dun­keln bleibt. Auch wenn er mal nicht auf Spie­gel zurück­greift, son­dern bei­spiels­weise Alu­fo­lie nutzt (wie ja erst kürz­lich bei today and tomor­row zu sehen war), bleibt doch stets diese eigen­ar­tige Mischung erhalten.

Was denkst du? Wie fasst du die bei­den Serien auf, wel­chen Ein­druck machen sie auf dich?



Andere Stimmen

  1. Gany­med » Blog Archive » Anish Kapoor, Fran­cisco Infante-Arana schrieb am 10. September 2010:

    […] Kapoor „turning the world ups­ide down“ in Ken­sing­ton Gar­dens Cas­tor & Pol­lux: Mir­ror, Mirror […]


Kommentare

  1. sarah schrieb am 15. August 2009:

    ui sehrsehrsehr geil.