Die Ästhetisierung des Krieges

Zwei Werke von Iñigo Manglano-Ovalle

Iñigo Manglano-Ovalle: Untitled (Bomb)“Untit­led (Bomb)”, © Iñigo Manglano-Ovalle

Das Thema ist so alt wie die Mensch­heit selbst: Kon­flikt und Krieg. In mehr als 2000 Jah­ren christ­li­cher Zeit­rech­nung gab es nicht ein­mal 100 Jahre ohne Schlach­ten und Kriege irgendwo in der Welt – zumin­dest die, von denen Wiki­pe­dia weiß. Kein Wun­der also, dass das Kul­tur­gut “Krieg” ein wich­ti­ges Thema des Kul­tur­trä­gers “Kunst” wurde und auch noch heute ist. Ich hatte bereits über die Foto­gra­fien Shadi Gha­di­ri­ans geschrie­ben, die den All­tag des Krie­ges beleuch­tet, und widme mich nun zwei Wer­ken des Spa­ni­ers Iñigo Manglano-Ovalle; die gewis­ser­ma­ßen von “Kriegs­kunst” erzäh­len – zwei Gründe, sei­ner Aus­stel­lung in der Gale­rie Tho­mas Schulte noch bis 20. Juni einen Besuch abzu­stat­ten.

Iñigo Manglano-Ovalle: Den Namen ken­nen man­che viel­leicht von der Docu­menta 07, wo er mit “Phan­tom Truck” den omi­nö­sen Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen im Irak eine Gestalt und ein Gesicht gab. Das Thema “Krieg” blieb für die Kunst des Spa­ni­ers wei­ter­hin rele­vant: Letz­tes Jahr stellte er seine Skulp­tur “Untit­led (Bomb)” vor, die eine grö­ßen­ge­rechte Nach­bil­dung der Atom­bombe “Fat Man” von Naga­saki darstellt.

Das Äußere hat mit dem Vor­bild jedoch nicht mehr viel gemein. Die Skulp­tur kommt in einem glänzend-weißen Lack daher wie man ihn von han­dels­üb­li­chen Autos kennt und ist an ihrer Nase mit Schlamm bedeckt, als wäre sie eben erst von einem Cross-Rennen in die hei­mi­sche Garage zurück­ge­kehrt. Irgend­wie sar­kas­tisch: Eine Mas­sen­ver­nich­tungs­waffe, die meh­rere Hun­dert­tau­send Men­schen auf dem Gewis­sen hat, ist dank Heck­spoi­ler und Glanz­lack nicht nur hübsch anzu­se­hen, son­dern schein­bar auch durch­aus alltagstauglich.

Iñigo Manglano-Ovalle: Black fists“Black fists”, © Iñigo Manglano-Ovalle

Mit “Black fists” dage­gen ent­wirft Manglano-Ovalle die Pro­to­ty­pen einer ergo­no­misch geform­ten Hand­gra­nate. Die For­men­spra­che der bei­den Objekte könnte aus den bes­ten Design-Kreisen stam­men, man möchte fast den­ken, diese neu­ar­ti­gen Hand­gra­na­ten seien Pro­dukte des all­täg­li­chen Kon­sums, die einem in ein­schlä­gi­gen Ein­rich­tungs­märk­ten in der gro­ßen Wühl­truhe zum Son­der­preis schmack­haft gemacht wer­den. Gera­dezu unschul­dig wir­ken diese Waf­fen; aber Men­schen töten, nein, das ver­mö­gen diese hüb­schen Hand­schmeich­ler keineswegs.

 

Eines machen “Untit­led (Bomb)” und “Black fists” jeden­falls klar: So sehr wir uns dem Schre­cken des Krie­ges bewusst sein mögen, einer Roman­ti­sie­rung sei­ner Werk­zeuge kön­nen wir uns nicht ent­zie­hen. Unschein­bar und unschul­dig tre­ten sie auf, gera­dezu all­täg­lich wird der Umgang mit ihnen; schließ­lich haben beide Werke nichts mehr mit den kal­ten, stäh­ler­nen Waf­fen gemein, die hier umge­deu­tet wer­den.
Wenn Gha­di­rian auf den Kon­trast zwi­schen All­tags­idyll und Mord­in­stru­ment setzt, dann sucht Manglano-Ovalle nach deren Har­mo­nie und erin­nert doch gerade durch diese Ästhe­ti­sie­rung des Krie­ges ebenso wie Gha­di­rian an unse­ren selbst­ver­ständ­li­chen Umgang mit Gewalt und Kon­flik­ten in aller Welt.

Nicht sehr ver­wun­der­lich, in den letz­ten 2000 Jah­ren hat sich die Mensch­heit nun­mal daran gewöhnt.


Kommentare

  1. ebbé schrieb am 9. Mai 2009:

    melde dich mal!
    ich hab lust raus­zu­ge­hen und kunst zu gucken!


  2. Mat­thias schrieb am 9. Mai 2009:

    Hab ich doch schon… ;)