Städtischer Pragmatismus

StreetArt von Harmen de Hoop

Harmen de Hoop: Replaced dustbin“Repla­ced dust­bin”, © Har­men de Hoop

Bis­her war es eher die Aus­nahme: funk­tio­nale StreetArt, also Kunst im öffent­li­chen Raum, die nicht nur hübsch anzu­se­hen ist und zum Den­ken anregt, son­dern zudem dem Betrach­ter einen Hand­lungs­spiel­raum offen lässt. Auch drei­di­men­sio­nale Kunst ist bis­wei­len nur gele­gent­lich in den Metro­po­len anzu­tref­fen, doch glück­li­cher­weise gibt es Ein­zel­per­so­nen, die sich die­ser Sparte ver­schrie­ben haben. Einer von ihnen ist das nie­der­län­di­sche Viel­sei­tig­keit­sta­lent Har­men de Hoop, des­sen Instal­la­tio­nen ihre Umge­bung um oft uner­war­tete Funk­tio­nen ergänzen.

Dabei nimmt die drei­di­men­sio­nale Kunst nur einen Teil­be­reich sei­nes Wir­kens ein: dem Genre StreetArt frönt de Hoop auch mit Spray­can, Per­for­mance Art oder mit­tels der Neu­ge­stal­tung der auf Grün­flä­chen aus­ge­stell­ten Skulp­tu­ren ande­rer Künst­ler. Einer Maxime bleibt er jedoch stets treu: er bleibt anonym; seine Werke sind weder signiert noch auf den ers­ten Blick als StreetArt zu erkennen.

So etwa auch “Repla­ced dust­bin”, wofür er einen gewöhn­li­chen Müll­ei­mer von sei­ner ange­stamm­ten Stelle ent­fernt und am Pfos­ten eines alten, ros­ti­gen Fuß­ball­to­res ange­bracht hat. Was auf den ers­ten Blick womög­lich wie ein Schild­bür­ger­streich aus­schaut, trägt aller­dings einen künst­le­ri­schen Cha­rak­ter. Wie auch in sei­nen ande­ren Arbei­ten deu­tet de Hoop das urbane Set­ting um und ent­wirft damit nicht nur neue Per­spek­ti­ven son­dern lädt den Betrach­ter zur Inter­ak­tion ein. So weist er einem ros­tige Fuß­ball­tor eine neue – wenn auch eher unüb­li­che – Ver­wen­dung zu und zeigt in aller Nüch­tern­heit auf, dass Ver­än­de­rung und Neu­ge­stal­tung im öffent­li­chen Raum zur Tages­ord­nung gehören.

Harmen de Hoop: Bird table“Bird table”, © Har­men de Hoop

Diese Dyna­mik und Wan­del­bar­keit treibt de Hoop mit “Bird table” noch wei­ter auf die Spitze. Mit dem Untertitel

The top of a tree remo­ved to make place for a bird table. A public ser­vice for birds.

ist das Werk auch gut beschrie­ben. Das Wohl eines Bau­mes für das der Vögel – oder nicht? Schließ­lich fän­den diese auch auf den Zwei­gen des jun­ges Bau­mes ihr Fut­ter und sogar einen Nist­platz. Auch hier denkt man zunächst an die neuste Absur­di­tät aus der Amts­stube, fin­det aber schnell de Hoops Sar­kas­mus wie­der. Erneut deu­tet de Hoop die Kulisse um, ent­wirft neue Mög­lich­kei­ten und hält sich durch seine Anony­mi­tät im Hintergrund.

 

Diese drei Cha­rak­te­ris­tika fin­den sich in all sei­nen drei­di­men­sio­na­len und den meis­ten ande­ren Wer­ken wie­der. Da wird in einer grün­der­zeit­li­chen Gegend eine Heukrippe für Pferde instal­liert, ein Feu­er­lö­scher an einem Brief­kas­ten ange­bracht oder es wer­den Gar­ten­werk­zeuge für den Fall der Fälle bereitgehalten.

Unterm Strich aber bleibt eine erfri­schende Abwechs­lung inner­halb des StreetArt-Spektrums. Drei­di­men­sio­nale, inter­ak­tive Arbei­ten stel­len immer noch die große Aus­nahme dar, aber man darf hof­fen, in Zukunft mehr davon zu sehen.