Sold out

14. September 2013 von Marie Egger
Der Berliner Kunstmarkt findet für gewöhnlich im Ausland statt. Der hiesige Standort hat diesbezüglich Nachholbedarf und so erkennt der Senat in der ansässigen Kunstszene das Potenzial, um mit groß angelegten Lobbykampagnen wie der Berlin Art Week die zahlende Kundschaft an die Spree zu locken. Marie Egger hat den Geschäftsführer der federführenden Veranstaltungsgesellschaft getroffen und nachgehakt.

Kooperationspartner der Berlin Art Week 2013; Foto: Oana Popa, courtesy Berlin Art Week

In Ber­lin wird Kunst pro­du­ziert und nicht ver­kauft. Um mehr Kun­den anzu­lo­cken, inves­tiert die Senats­ver­wal­tung der Stadt Gel­der in eine Lob­by­kam­pa­gne, die den Kunst­markt sti­mu­lie­ren soll. Unter dem Dach der im ver­gan­ge­nen Jahr erst­mals aus­ge­tra­ge­nen Ber­lin Art Week ver­sam­meln sich zehn Insti­tu­tio­nen – und öff­nen in der kom­men­den Woche wie­der gemein­sam ihre Türen. Ich habe mit Moritz van Dül­men, dem Geschäfts­füh­rer der Kul­tur­pro­jek­te GmbH gespro­chen. Die GmbH orga­ni­siert Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen im Auf­trag des Ber­li­ner Senats. Um das wirt­schafts­po­li­ti­sche Ziel der Ber­lin Art Week zu errei­chen, braucht es noch ein wenig Geduld:

Herr van Dül­men, was sind Ihre Auf­ga­ben für die dies­jäh­ri­ge Ber­lin Art Week?

Die Kul­tur­pro­jek­te sind eine Mischung von Sekre­ta­ri­at und Lei­tung der Ber­lin Art Week. Wir mode­rie­ren und media­tie­ren die­sen Pro­zess. Das heißt, wir koor­di­nie­ren die Part­ner, damit etwas Gemein­sa­mes ent­steht. Wir orga­ni­sie­ren das Netz­werk „Ber­lin Art Week“, gemein­sa­me Ver­an­stal­tun­gen (Pres­se­kon­fe­ren­zen und Eröff­nun­gen), die Vermit­tlung, Ver­mark­tung und Steue­rung der Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit.

Wie vie­le Pres­se­kon­fe­ren­zen gibt es anläss­lich der BAW?

Ich den­ke mal, es sind min­des­tens 20 Pres­se­ter­mi­ne, wenn nicht mehr. Eine Gesamt­pres­se­kon­fe­renz vor drei Wochen demons­trier­te die­sen Schul­ter­schluss. Mit ins­ge­samt 20 Initia­to­ren und Koope­ra­ti­ons­part­nern hat man eine zu gro­ße Infor­ma­ti­ons­dich­te. Des­we­gen macht jeder sei­ne eige­ne Pres­se­kon­fe­renz. Das ist auch völ­lig in Ord­nung. Es sind also sehr vie­le und das ist das Schö­ne, ande­rer­seits ist es auch die Krux, weil die Über­sicht­lich­keit schnell ver­lo­ren geht.

Wie wür­den Sie das For­mat „Ber­lin Art Week“ beschrei­ben?

Wir bau­en eine Dach­mar­ke auf. Aber es hat auch Fes­ti­val­zü­ge: Es gibt ein gemein­sa­mes Ticket, ein gemein­sa­mes Ope­ning, ein Pro­gramm… Letzt­end­lich ist es ein werblich­er Zusam­men­schluss von ein­zel­nen Part­nern, die Pro­jek­te expli­zit in einem gemein­sam ver­ab­re­de­ten Zeit­raum ver­an­stal­ten. Es ist eine Dach­mar­ke, ist aber auch Fes­ti­val, ein biss­chen Stadt­mar­ke­ting, es ist eben vie­les. Heu­te sieht eine Art Week noch anders aus, als sie in fünf Jah­ren aus­se­hen wird, weil es auch ein Pro­zess ist.

Was beschreibt oder bewirbt die­se Dach­mar­ke?

Im Ide­al­fall – in 10 Jah­ren – ist sie ein Syn­onym für die „Kunst­stadt Ber­lin“. Es ist der Ort oder der Zeit­punkt, zu dem eine Gemein­schafts­ver­an­stal­tung von eta­blier­ten Muse­en und Gale­ri­en aber auch Pro­jekt­räu­men zu sehen ist. Anders als beim Art Forum han­delt es sich nicht um eine klas­si­sche Mes­se, son­dern um ein inter­dis­zi­pli­nä­res Pro­jekt. Die Mar­ke bewirbt den Schul­ter­schluss von vie­len Akteu­ren, die gemein­sam aus­stel­len, ver­kau­fen oder Besu­cher gewin­nen wol­len. Das ist eine ein­zig­ar­ti­ge Ber­li­ner Mischung.

War­um genau die­ser Zeit­punkt, wenn theo­re­tisch jede Woche „Ber­lin Art Week“ ist?

Es gibt 52 Kunst­wo­chen in Ber­lin. Die Ber­lin Art Week ist, mit die­ser Mar­ke, eine beson­de­re unter den vie­len Wochen. Die Part­ner initi­ie­ren Koope­ra­tio­nen, wie jetzt mit „Pain­ting fore­ver“. Das wird hof­fent­lich in den nächs­ten Jah­ren noch ver­stärkt. Zunächst han­delt es sich um gemein­sa­me Ver­an­stal­tun­gen zu dem Zeit­punkt, an dem die Ber­li­ner Mes­sen statt­fin­den. Der Zeit­punkt, der tra­di­ti­ons­ge­mäß der Ber­li­ner „Kunst­herbst“ mit dem Art Forum gewe­sen ist.

Nico­la Kuhn hat im Tages­spie­gel for­mu­liert, das Man­tra der Teil­neh­mer sei: „Gemein­sam brin­gen wir Ber­lin nach vorn.“ Wo ist vorn? Und wie wür­de man hin­ten beschrei­ben?

Bezo­gen auf den Kunst­markt befin­det sich Ber­lin weiß Gott nicht an vor­ders­ter Stel­le in Deutsch­land oder gar Euro­pa. Trotz­dem ist die Stadt ein span­nen­der Kunst-Pro­duk­ti­ons­ort, der das Poten­ti­al hat, sich mit dem Kunst­markt wei­ter zu ent­wi­ckeln. Bei so vie­len Gale­ri­en und Kunst-Tou­ris­ten ist es natür­lich auch legi­tim, sich zu erhof­fen, dass mehr Samm­ler in die Stadt kom­men. Indem man einen Zeit­punkt defi­niert, for­mu­liert man ein Ange­bot für kunst­in­ter­es­sier­te Käu­fer. Dies könn­te den Umsatz auf dem Kunst­markt sti­mu­lie­ren. Das wäre das öko­no­mi­sche Vor­an­schrei­ten, wenn ich mich auf das Seg­ment des Kunst­mark­tes bezie­he. Natür­lich geht es auch um eine poli­ti­sche und öffent­li­che Wahr­neh­mung die­ses Kunst-Pro­duk­ti­ons­or­tes mit den Duzen­den von Pro­jekt­räu­men, Künst­ler­initia­ti­ven etc. Die Ber­lin Art Week schafft eine ganz ande­re Auf­merk­sam­keit, für die Kunst. Wer um Auf­merk­sam­keit (und schluss­end­lich öffent­li­che För­der­mit­tel, Raum­ka­pa­zi­tä­ten etc.) buhlt, muss sich auch in irgend­ei­ner Form posi­tio­nie­ren. For­ma­te wie die Art Week ver­hal­fen dann zu Öffent­lich­keit. Die Künst­ler, die Kunst­sze­ne hat eine Rele­vanz in Ber­lin: Tou­ris­ti­ker sagen, sie schafft und run­det das Gesamt­pro­fil des authen­ti­schen Ber­lin ab. Die Gale­rie M in Mar­zahn, die vie­le Jah­re um ihre Exis­tenz kämp­fen muss­te, ist prä­sent und bekommt Auf­merk­sam­keit. Der Stel­len­wert, die Wert­schät­zung des Kunst­or­tes Ber­lin muss sich stei­gern. Was wäre hin­ten? Wenn das The­ma irrele­vant wäre und die Poli­tik sich nicht dar­um küm­mern wür­de, dass Künst­ler nach Kiev oder Istan­bul abwan­dern.

Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte GmbH; Foto: Bernhard Kahrmann, courtesy Berlin Art Week

Moritz van Dül­men, Geschäfts­füh­rer der Kul­tur­pro­jek­te GmbH; Foto: Bern­hard Kahr­mann, cour­te­sy Ber­lin Art Week

Läge dann nicht ein Poten­ti­al in der deut­li­che­ren Inte­gra­ti­on der zehn aus­ge­wähl­ten Part­ner?

Das muss man sehen. Die per­ma­nen­ten Part­ner tun sich aus ver­schie­de­nen Grün­den zusam­men. Wir haben ja schon gese­hen: Das ist lang­wei­lig. Wie der Rota­ry Club der Big Play­er. Das ist wich­tig und schafft eine Grund­auf­merk­sam­keit. Der ers­te Schritt in die­sem Jahr war es, wei­te­re Part­ner wie die Gale­rie M oder die Klei­ne Hum­boldt Gale­rie ein­zu­la­den. Das ist viel span­nen­der und viel authen­ti­scher – gera­de auch im Zusam­men­spiel. Die Kom­bi­na­ti­on von gro­ßen und klei­nen Initia­ti­ven, Nischen­pro­jek­ten mit prominenter­en Mes­se­for­ma­ten. Davon pro­fi­tie­ren letzt­end­lich alle. Das soll­te sich im Ide­al­fall natür­lich aus­wei­ten. Ob die gesetz­ten Part­ner vom Anfang die glei­chen blei­ben, kann man infra­ge stel­len. Als Grün­der der Initia­ti­ve haben sie aber ein gewis­ses „Anrecht“ dar­auf. Es geht um die wei­te­re Ent­wick­lung: Die Ber­lin Music Week oder die Lan­ge Nacht der Muse­en haben sich über die Jah­re auch ver­än­dert. Die Her­aus­for­de­rung besteht dar­in, ein begreif­ba­res For­mat zu ver­mit­teln. Die Anzahl der offi­zi­el­len Pro­gramm­punk­te muss dazu über­schau­bar blei­ben. Als Gast­ge­ber wol­len wir ja auf bestimm­te Din­ge beson­ders hin­wei­sen – das ist eine Fra­ge des Ser­vices. Den Medi­en und Gäs­ten sagen wir: Das ist ein Schau­fens­ter, logi­scher­wei­se gibt es viel mehr, aber so fan­gen wir jetzt ein­mal an. Eine Jury sucht beson­de­re Orte und Pro­jek­te aus, auf die im Herbst ein Schlag­licht gewor­fen wird.

Die Senats­ver­wal­tung für Wirt­schaft, Tech­no­lo­gie und For­schung hat 350 000 Euro für die Art Week inves­tiert. Wie wur­de das Geld ver­teilt, wofür wur­de es genutzt?

Die­se 350 000 Euro sind abzüg­lich der Steu­ern nur 250 000 Euro. Trotz­dem ist das viel Geld. Es ist für die­ses Netz­werk da. Das ist kein Geld, was für Künst­ler oder Kunst­pro­duk­ti­on zur Ver­fü­gung steht, son­dern ganz ande­re För­der­mit­tel. Sie kom­men aus EFRE-Mit­teln für Wirt­schafts­för­de­rung und wer­den für die­se Platt­form ein­ge­setzt. Das ist Geld, wel­ches für genau so einen Ver­wen­dungs­zweck von der Euro­päi­schen Uni­on zur Ver­fü­gung gestellt wird. Letzt­end­lich macht man mit die­sem Geld eben Öffent­lich­keits­ar­beit. Des­we­gen ist die Art Week im Zwei­fel Öffent­lich­keits­ar­beit, es ist Kom­mu­ni­ka­ti­on und die dazu­ge­hö­ri­ge Koor­di­na­ti­on. Sprich, aus die­sem Geld wer­den zu 80% Kom­mu­ni­ka­ti­ons­maß­nah­men gezahlt. Von Außen­wer­bung über Pro­gram­me bis zu Koope­ra­tio­nen und Pla­ka­ten drau­ßen plus Inter­net­auf­tritt und Hono­rar- und Zeit­ver­trä­ge. Ein Pro­gramm­heft zu machen ist sehr müh­sam und ein rie­si­ger Redak­ti­ons­auf­wand, Anzei­gen, Wer­bung, Aktio­nen, auf der Art Basel oder in Vene­dig. Den Koope­ra­ti­ons­part­nern konn­ten wir für ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on nur wenig Geld zur Ver­fü­gung stel­len, trotz­dem ist es die ein­zi­ge Aner­ken­nung, die wir im Moment geben kön­nen. Es han­delt sich eben nicht um Pro­jekt­för­de­rung. Ich per­sön­lich fän­de es toll, wenn wir sol­che Mög­lich­kei­ten hät­ten. Wenn ein Pro­jekt wie die Art Week läuft, bekommt man auch irgend­wo wei­te­re Mit­tel her, wor­aus man bei­spiel­wei­se gezielt zehn Pro­jek­te för­dern kann. Das ist aber ein ande­rer Ansatz. Was wir unse­ren Part­nern geben kön­nen, ist Öffent­lich­keits­ar­beit und das ist für den Ein­zel­nen auch etwas wert. Für klei­ne­re Pro­jek­te manch­mal sogar mehr als für gro­ße. So neh­men die Flagg­schif­fe, die klei­ne­ren mit. Schluss­end­lich kann jeder schau­en, ob man gern dabei ist, oder nicht.

Was ist also das Ziel der Ber­lin Art Week?

Mehr Mit­ein­an­der zu för­dern unter gro­ßen und klei­ne­ren Kunst­ak­teu­ren. Zwei­tens ver­sucht man ein­mal im Jahr ein Schlag­licht auf den Kunst-Ort Ber­lin zu wer­fen – anläss­lich die­ser Mes­se­for­ma­te. Das bie­tet sich an, weil es ein gelern­tes Datum ist. Drit­tens zahlt es sich poli­tisch in der Lob­by­ar­beit aus. Es ist gut, Öffent­lich­keit zu schaf­fen, für klei­ne wie auch gro­ße Akteu­re. Vier­tens bringt die Art Week mehr kunst­in­ter­es­sier­te Men­schen in die Stadt, die ent­we­der eine Aus­stel­lung besu­chen oder eben Kunst kau­fen.

Könn­te Ber­lin Art Week als eine Art Online-Platt­form oder Online-Netz­werk funk­tio­nie­ren?

Es ist eine Live-Ver­an­stal­tung, die sich um die rea­len Aus­stel­lun­gen und die rea­len Mes­se­for­ma­te bewegt. Das heißt, wir laden Men­schen ein und schaf­fen ech­te Begeg­nun­gen. Zwi­schen Kunst und Kunst, zwi­schen Fach­be­su­chern und „nor­ma­len“ Besu­chern. Wir bedie­nen uns der Online Welt als Kom­munka­ti­ons­mit­tel. Was sich dar­aus in Zukunft ergibt, ist abhän­gig vom Pro­zess des Pro­jek­tes. Im Moment steht es nicht auf der Agen­da, dies aus­zu­bau­en. Aber wenn es sich so ent­wi­ckelt, und das könn­te ja gut sein, bekommt die Ber­lin Art Week in zukünf­ti­gen Jah­ren einen ganz ande­ren Aspekt.

Corporate Identity der Berlin Art Week 2013, Agentur Boros; Foto: Marie Egger

Cor­po­ra­te Iden­ti­ty der Ber­lin Art Week 2013, Agen­tur Boros; Foto: Marie Egger

Kommentare

  1. UNTERNEHMER-KÜNSTLER UND KUNST UNTERNEHMER
    Eine Dif­fe­ren­zie­rung anläss­lich der Ber­lin Art Week
    NEHMT EUCH WICHTIG!
    Die Ber­lin Art Week will sich von Kunst­mes­sen abset­zen, und also Fes­ti­val sein…nun gut. Also geht es nicht um den Kunst­markt son­dern um Event? Jedoch in jedem Fall mal wie­der ums deut­sche Unter­neh­mer­tum. Merk­wür­dig, wie wir unse­re Hel­den heu­te suchen und fin­den…
    Den­ken wir an die kraft­vol­len und leben­di­gen Impul­se die von Deutsch­land aus­gin­gen bevor das Trau­ma des drit­ten Rei­ches hier­zu­lan­de zur stärks­ten kul­tu­rel­len Macht wur­de: die deut­sche Klas­sik, Sturm und Drang und die deut­sche Roman­tik um nur eini­ges zu nen­nen. All dies waren muti­ge und in ihrer Art revo­lu­tio­nä­re State­ments mit weit­rei­chen­den gesell­schaft­li­chen Fol­gen.
    Dann der Schock und die Pein­lich­keit der Selbst­über­schät­zung
    Was vor nur zwei Gene­ra­tio­nen in Deutsch­land und von hier aus­ge­hend in der Welt pas­siert ist, ist ohne Fra­ge ein bei­spiel­lo­ses kul­tur­ge­sell­schaft­li­ches Trau­ma. Wie bei jedem Trau­ma sind die Mecha­nis­men zur Bewäl­ti­gung zunächst Ver­drän­gung und dann Ver­mei­dung. Die Ver­drän­gung haben wir wohl hin­ter uns, nun befin­den wir uns im Zustand der Ver­mei­dung.
    Dabei pas­siert es leicht, neben dem was uns zu Recht beschämt, auch ande­re Kraft­vol­le und leben­di­ge Impul­se zu Ver­mei­den.
    Heu­te leben wir in einem Kul­tu­rel­len Umfeld, was kraft­voll for­mu­lier­ten State­ments skep­tisch gegen­über­steht.
    Wäh­rend es all­ge­mein akzep­tiert wird, als Unter­neh­mer für ein bestimm­tes Pro­dukt zu wer­ben (natür­lich abhän­gig von der poli­ti­cal corect­ness des Pro­duk­tes) wird es hier­zu­lan­de nicht beson­ders geschätzt, wenn jemand für bestimm­te Ide­en, Ansich­ten oder Visio­nen wirbt.
    Dabei ist eigen­stän­di­ges Den­ken und die Bereit­schaft die­ses auch mit­zu­tei­len die Grund­vor­aus­set­zung für jeden kul­tu­rel­len Aus­druck. Die Kunst schafft sich ja sogar eine eige­ne Spra­che um neue Visio­nen mit­zu­tei­len die das rein sprach­li­che spren­gen. Also ein zutiefst spi­ri­tu­el­ler Vor­gang.
    Den­noch reagie­ren auch krea­ti­ve und spi­ri­tu­el­le Men­schen meist mit Ableh­nung wenn jemand mit Ener­gie eige­ne Ide­en und Ansich­ten ver­tritt. Dann wird das schnell als „gro­ßes Künst­le­re­go“ abge­tan oder man sagt: „nimm dich selbst nicht so wich­tig“.
    Dabei ist das sich selbst wich­tig neh­men der Anfang von allem! Nur wer voll und ganz zu sich selbst steht, ist auch in der Lage eine schöp­fe­ri­sche und spi­ri­tu­el­le Rei­se über­haupt anzu­tre­ten.
    Um die vie­len Schich­ten des Selbst nach und nach abzu­tra­gen, muss man sich selbst wich­tig neh­men. Denn nur wer den Mut hat eigen Ansich­ten auch zu Ver­tre­ten, stellt sie damit auch zur Dis­kus­si­on.
    Der eigent­li­che Grund für star­re und fest­ge­fah­re­ne Ansich­ten liegt dem­nach sicher oft im Man­gel an Mut sei­ne Vor­stel­lun­gen und Idea­le öffent­lich zu ver­tre­ten und somit auch zur Dis­po­si­ti­on zu stel­len. Eigen­ver­ant­wort­li­ches Han­deln grün­det sich dar­auf, dass man die die eige­nen Mög­lich­kei­ten und Fähig­kei­ten ernst nimmt.
    Und wer die heu­ti­gen Gesell­schaft­li­chen und Öko­lo­gi­schen Miss­stän­de genau betrach­tet, kommt schnell dar­auf, daß es uns vor allem ande­ren an Eigen­ver­ant­wor­tung man­gelt.
    Miss­stän­de wer­den beklagt , man beschwert sich ein biss­chen über die Poli­ti­ker, wenn’s hoch kommt geht man demonstrieren…wenn man aber auf der anti-AKW Demo mal rum­fragt, stellt man fest: min­des­tens die Hälf­te der Demons­tran­ten hat noch nicht mal sei­nen Strom­an­bie­ter gewech­selt . Das wäre ein Anfang des Selbst­ver­ant­wort­li­chen Han­delns. Wer jedoch „sich selbst wich­tig nimmt“ also sei­ne Ansich­ten und Wün­sche eben­so wie sei­ne Mög­lich­kei­ten und Fähig­kei­ten, kann damit so Ver­ant­wor­tungs­be­wusst wer­den, sich sei­ne Ener­gie­ver­sor­gung ein­fach selbst zu bau­en.
    Ich hal­te den Schritt zu mehr Eigen­ver­ant­wor­tung für den per­sön­lich und gesell­schaft­lich poten­zi­als­ten den es gibt. In jeder Hin­sicht: spi­ri­tu­ell, schöp­fe­risch, öko­lo­gisch und psy­cho­lo­gisch.
    Das Gan­ze ist mit Arbeit an sich selbst ver­bun­den und steht schon des­halb in kras­sem Gegen­satz zu unse­rer durch und durch ver­spiel­ten Unter­hal­tungs­ge­sell­schaft.
    Doch auch das deut­sche Ego Trau­ma macht es uns schwer, sich im bes­ten Sin­ne wich­tig zu neh­men. Es sorgt für eine sub­ti­le Hand­lungs­läh­mung. Daher sage ich: „nimm Euch wich­tig!“ Wir brau­chen Euch.
    Und das Deut­sche Trau­ma wur­de ja auch nur zum Teil durch über­wu­chern­des Ego und den kraft­vol­len Vor­trag ver­quas­ter Ansich­ten ver­ur­sacht. Der grö­ße­re Teil, der die Kata­stro­phe ermög­licht hat, war die oppor­tu­nis­ti­sche Mas­se Mensch, die sich ver­mut­lich „nicht so wich­tig genom­men“ hat.
    Oppor­tu­nis­mus und Mas­se­n­ek­ta­se erfreut sich auch heu­te wie­der gro­ßer Beliebt­heit. Wie sonst konn­te sogar die in ihren Anfän­gen anar­chis­tisch wil­de Love Para­de, zur nicht mehr zu bän­di­gen­den, mar­schie­ren­den Mas­se wer­den?
    Und die Anfangs beschrie­be­ne all­ge­mei­ne Akzep­tanz des Unter­neh­mer­tums, kommt geis­tig gese­hen aus einer ähn­li­chen Rich­tung: Erfolg­rei­ches Unter­neh­mer­tum ori­en­tiert sich an dem was ist und wonach gefragt wird, ist also ten­den­zi­ell eher oppor­tu­nis­tisch als schöp­fe­risch. Die Para­de­fra­ge die sich der erfolg­rei­che Unter­neh­mer stellt ist: „an wel­ches Publi­kum wen­de ich mich mit mei­nem Pro­dukt?“ und wenn das Publi­kum dann Sta­tis­tisch erfasst ist ver­sucht man es die­sem Phan­tom so gut wie mög­lich recht zu machen, also ein zutiefst oppor­tu­nis­ti­scher Vor­gang und wenig Visio­när.
    Ob man es mit einem Künst­ler oder mit einem Unter­neh­mer zu tun hat, ver­rät einem Heu­te nicht mehr die Berufs­be­zeich­nung. Im Gegen­teil: es scheint als gäbe es immer mehr Künst­ler die eigent­lich Unter­neh­mer sind (sie stu­die­ren den Kunst­markt genau und ent­wi­ckeln dar­aus ihr Kunst­pro­dukt) so wie es Unter­neh­mer gibt die eigent­lich Künst­ler sind (also für ihre eige­ne Schöp­fung ein Unter­neh­men aufbauen).Ein kur­zes Gespräch über Prio­ri­tä­ten und ein Blick in die Augen klärt aber schnell ob man es mit einem Künst­ler oder mit einem Unter­neh­mer zu tun hat.
    Zur Hei­lung unse­res kul­tu­rel­len Trau­mas und zur Klä­rung drän­gen­der sozia­ler und öko­lo­gi­scher Fra­gen braucht es mehr denn jäh einen krea­ti­ven Ansatz.
    Wir brau­chen neue Ide­en und soll­ten nicht nur unter­neh­me­risch nach dem „ist-Zustand“ fra­gen. Das Visio­nä­re und das Schöp­fe­ri­sche basiert dar­auf „sich selbst wich­tig zu neh­men“.
    Wer sich ernst nimmt und den Mut hat sei­ne Gedan­ken, Gefüh­le und Ide­en zu ver­tre­ten, ist ein Künst­ler.
    „jeder Mensch ist ein Künst­ler“ sag­te Joseph Beuys.
    Ach, wär das schön!
    Bar­ba­ra Kowa

    http://www.lichtarbeiterblogdotcom.wordpress.com
    http://www.koloniewedding.de/actartoutandin2/
    ACT.ART.OUT.AND.IN2
    DAS LIGHTWORKERS PERFORMANCETHEATER
    Eröff­net mit der »Last der Gedan­ken« in der Gale­rie art.endart in der Drontheimerstr.22
    um 20°°Uhr am 19.9.2013.Sie sind herz­lich ein­ge­la­den.

Hinterlasse einen Kommentar