Entstellte Schönheiten

08. März 2009 von Matthias Planitzer
"Lost", © Berlinde de Bruyckere Die häufig bizarr und befremdlich anmutenden Skulpturen und Installationen der Belgierin Berlinde de Bruyckere erschließen sich selten auf den ersten Blick. War sie Anfang der 90er Jahre v.a. noch für ihre in Wolldecken eingehüllten Figuren bekannt, die gleichsam Geborgenheit und Ersticken zum Ausdruck brachten; so konzentrierte sie sich die letzten Jahre auf ihre oftmals kopflosen menschlichen oder Pferde-Skulpturen. Was beim ersten Anblick entstellt erscheinen mag, offenbart beim näheren Betrachten jene klassischen Themen, die seit jeher künstlerisches Schaffen antreiben.

Berlinde de Bruyckere: Lost»Lost«, © Ber­lin­de de Bruy­cke­re

Die häu­fig bizarr und befremd­lich anmu­ten­den Skulp­tu­ren und Instal­la­tio­nen der Bel­gie­rin Ber­lin­de de Bruy­cke­re erschlie­ßen sich sel­ten auf den ers­ten Blick. War sie Anfang der 90er Jah­re v.a. noch für ihre in Woll­de­cken ein­ge­hüll­ten Figu­ren bekannt, die gleich­sam Gebor­gen­heit und Ersti­cken zum Aus­druck brach­ten; so kon­zen­trier­te sie sich die letz­ten Jah­re auf ihre oft­mals kopf­lo­sen mensch­li­chen oder Pfer­de-Skulp­tu­ren. Was beim ers­ten Anblick ent­stellt erschei­nen mag, offen­bart beim nähe­ren Betrach­ten jene klas­si­schen The­men, die seit jeher künst­le­ri­sches Schaf­fen antrei­ben.

Berlinde de Bruyckere: (Titel unbekannt)(Titel unbe­kannt), © Ber­lin­de de Bruy­cke­re

Unter den Skulp­tu­ren befin­det sich auch eine Figur in Den­ker­po­se, gleich­sam kopf­los, was laut de Bruy­cke­re davon abhal­ten soll, sich bei der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Werk am Gesicht auf­zu­hal­ten und dabei über den Kör­per hin­weg­zu­se­hen. Was zunächst auf­fällt, ist, dass sich der Rücken der gebrech­lich wir­ken­den Figur unter zwei Wir­bel­säu­len krümmt, aber trotz­dem unter einer Last zu zer­bre­chen droht, der er nicht gewach­sen zu sein scheint. Es hat den Anschein, die­se Per­son lei­de Schmer­zen oder kaue­re sich vor Angst zusam­men.

Ande­re Figu­ren wie­der­um, wie etwa eine ihrer Pië­tas, erzäh­len von Lie­be und Gebor­gen­heit, Trau­er und Schmerz; wie­der ande­re, so etwa »In Flan­ders Fiel­ds« von Krieg und Tod. De Bruy­cke­re erfin­det ihre Kunst immer wie­der aufs Neue, beim genau­en Hin­schau­en meint man sogar, eine Arbeit habe zur nächs­ten geführt. Denn obwohl de Bruy­cke­res ein­zig­ar­ti­ger Stil in all ihren Wer­ken her­vor­sticht, schafft sie es doch immer wie­der, neue The­men mit ein­zu­flech­ten.

Im April wer­den bei Hau­ser & Wirth in Lon­don ihre neus­ten Wer­ke vor­ge­stellt, die als »Ant­wort auf die Gemäl­de des ita­lie­ni­schen Meis­ters des 17. Jahr­hun­derts, Luca Gior­da­no« ver­stan­den wer­den sol­len. Bis zur Eröff­nung am 3. April und der Ver­öf­fent­li­chung ers­ter Pres­se­fo­tos ist es also noch ein wenig hin, aber bis dahin möch­te ich jedem ein Inter­view mit Ber­lin­de de Bruy­cke­re aus dem ver­gan­ge­nen Jahr plus Fotos ihrer letz­ten Arbei­ten ans Herz legen.