Artikel mit dem Tag "sozialkritische Kunst"


Das archaische Vermächtnis

Zurück zu den Wurzeln der Menschheit

Christian Jankowski: Die Jagd„Die Jagd“, © Christian Jankowski

Wo die biologische Evolution aufhört, fängt die kulturelle Entwicklung mit rasanter Geschwindigkeit erst an. Längst sind die Zeiten vorbei, da der Mensch noch seinem Genom entsprechend ganz auf Jagd und Überleben gesinnt die Wälder und Ebenen der alten Welt durchstreifte, durch Ressourcenknappheit getrieben immer weiterzog und schließlich selbst entlegenste Winkel der Erde erreichte. Das moderne Leben dagegen spielt sich ganz im Zeichen der Urbanisierung ab: Die Beute wird im Supermarkt um die Ecke erlegt, der Kampf ums Überleben wird längst nicht mehr ausgefochten, die so freigewordene Zeit wird für alle Spielarten des Amüsements genutzt – Expansion und Exploration finden nur noch auf einer kulturellen Ebene statt.

Man mag in diesen Punkten nicht übereinstimmen, Fakt ist jedoch, dass das Leben in der westlichen Welt nichts mehr mit den „archaischen“ Formen des tagtäglichen Auskommens zu tun hat. Es lässt sich in der Geschichte des Menschen gut verfolgen, dass ein ausreichendes Angebot an Ressourcen oder gar der Überfluss stets ein stärkeres Maß an Sesshaftigkeit nach sich zog. Das fängt mit dem Ackerbau an und hört mit modernem Städtebau rund um Einkaufs– und Vergnügungszentren auf.

Ein energiegeladenes Thema, wie ich finde, zudem eines, das auch in der zeitgenössischen Kunst zu interessanten Auseinandersetzungen führt. Mal gipfelt es in pointierter Konsumkritik, mal steht eine gewisse Wehmut und Abbitte im Vordergrund. In jedem Fall aber treffen moderne Lebensvorstellungen auf längst verdrängte Lebensaufgaben.


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Urbane Interventionen

The Wa in der Hamburger HafenCity

Blick auf die Hamburger HafenCityBlick auf die Hamburger HafenCity

Es kommt eher selten vor, dass ich ungefragt zugesendete Newsletter und Presseinformationen zum Anlass nehme, tatsächlich darüber zu schreiben. Im vorliegenden Fall ist das aus diversen Gründen etwas anders, denn ich bekam eine Mail zur kommenden Guerilla-Aktion des StreetArtist The Wa, den die meisten Berliner für „Wrong World“ kennen dürften. Dieses Mal dürfen sich allerdings die Hamburger unter euch freuen, denn The Was nächste Aktion „Switch sense“ soll in der HafenCity stattfinden.

Was genau geplant ist, weiß bisher keiner, man darf aber erwartungsvoll sein, schließlich zeichnete sich The Wa in der Vergangenheit durch einen recht sozialkritischen Ton in seinen Arbeiten aus. Da wurden Stretchlimousinen mit großformatigen Aufklebern à la „Geben Sie das Rauchen auf“ verziert oder mit riesigen „Bitte keine Reklame“-Schildern städtische Werbetafeln überklebt. Was die Anwesenden bei „Switch sense“ erwartet, ist ungewiss, doch wird die Aktion dem Newsletter nach zu urteilen wohl dem umstrittenen Großprojekt HafenCity gewidmet sein.


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T.V. Hijack

Darf Kunst in Gewalt gegenüber Unbeteiligten ausarten?

Chris Burden: T.V. Hijack„T.V. Hijack“, © Chris Burden

Die Präsenz der Medien hat über die Jahrzehnte hinweg stetig zugenommen; heute drängen dank Außenkorrespondenz, Live-Schaltung, Internet, Twitter usw. Inhalte aus allen vier Ecken der Erde innerhalb kürzester Zeit an unser interessiertes, oder vielleicht auch zunehmend desinteressiertes Ohr. Ereignisse und Schicksale finden nicht einfach nur statt und wären daher bloße Aufgabe der Berichterstattung, sie werden zunehmend in Echtzeit und oftmals auch unaufbereitet an den Konsumenten weitergegeben, der sich dadurch nicht mehr nur als Rezipient, sondern auch in größer werdendem Maße als Zeuge fühlt.

Die Geiselnahme von Gladbeck, die Anschläge vom 11. September, die Livebilder von den Bombeneinschlägen in Saddam Husseins Palästen – diese und viele andere mehr oder weniger geschichtsträchtigen Ereignisse finden – gefühlt – nicht mehr an einem fernen Ort, sondern ganz in der Nähe statt. Trifft dies womöglich auch auf Sportweltmeisterschaften, Gedenk– und Staatsfeiern zu, tritt es doch insbesondere bei solch erschütternden Geschehnissen in den Vordergrund.

Im Februar 1972 sollte beim Channel 3 im kalifornischen Irvine ein Live-Interview mit dem aufstrebenden Künstler Chris Burden stattfinden, der zuvor durch seine von autoaggressiver Gewalt und Bedrohung geprägte Kunst bekannt wurde. Burden nahm die Gelegenheit war, um auch daraus ein „Kunstwerk“ zu schaffen – ob dies tatsächlich Kunst darstellt oder nicht, ist hierbei die große Frage. Chris Burden schildert die Ereignisse folgendermaßen:

On January 14 I was asked to do a piece on a local television station by Phyllis Lutjeans. After several proposals were censored by the station or by Phyllis, I agreed to an interview situation. I arrived at the station with my own video crew so that could have my own tape. While the taping was in progress, I requested that the show be transmitted live. Since the station was not broadcasting at the time, they complied. In the course of the interview, Phyllis asked me to talk about some of the pieces I had thought of doing. I demonstrated a T.V. Hijack. Holding a knife to her throat, I threatened her life if the station stopped live transmission. I told her that I had planned to make her perform obscene acts. At the end of the recording, I asked for the tape of the show. I unwound the reel and destroyed the show by dousing the tape with acetone. The station manager was irate, and I offered him my tape which included the show and its destruction, but he refused.

Was darf also Kunst? Darf sie die Unversehrtheit eines Nichtsahnenden derart aufs Spiel setzen?


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Are you ready? Shoot!

Die Motivgeschichte einer gewaltvollen Performance

Chris Burden: Shoot„Shoot“ (Videoausschnitt), © Chris Burden

Man sagt, eine Gesellschaft finde sich in seiner Kultur, seinen Erzählungen, seiner Musik, seinen Filmen, seiner Kunst wieder. Das Amerika der 50er und 60er Jahre hat – was Kinofilme anbetrifft – heute noch bedeutsame Werke hervorgebracht: „Wege zum Ruhm“, „Bonnie und Clyde“ (1967), „Point Blank“ (1967), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968). Filme, die Waffengebrauch, Krieg und Tod romantisieren und verklären, zuweilen auch pointieren. Als sich dann in den späten 60er Jahren für den seit 1965 herrschenden Vietnamkrieg ein politisch schmachvolles Ende abzeichnete und das persönliche Leid vieler Amerikaner – ob im Dschungel oder daheim – in den Vordergrund trat, nahm man vom heroisierten Bild der Hollywoodproduktionen Abstand und gewann eine andere Perspektive.

Als der Vietnamkrieg 1971 in der Öffentlichkeit als bereits gescheitert angesehen wurde, erregte ein Kunststudent namens Chris Burden die öffentliche Aufmerksamkeit: Er veröffentlichte einen kurzen Film, den er zu Beginn selbst kommentiert und darin ankündigt, was geschehen werde und worauf zu achten sei. Im Weiteren bleibt das Bild schwarz, nur der Ton bleibt. Dann sieht man Burden vor einer weißen Wand stehen, ein Freund und Kommilitone steht einige Meter vor ihm und zielt mit einem Gewehr auf den Künstler. Er drückt ab, trifft Burden in den Arm und beide verlassen die Szenerie.


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Zwischen Tradition und Umbruch

Porträts afrikanischer Stammesfürsten und Monarchen

Daniel Lainéel Hadji Mamadou Kabir Usman, Emir von Katsina (Nigeria), © Daniel Lainé

Eine meiner vielen Interessen ist die Ethnologie, die Völkerkunde. Auf der Suche nach einem neuen Bildband bin ich auf ein mittlerweile schon neun Jahre altes Buch von Daniel Lainé gestoßen, dessen Bildmaterial wiederum aus den Jahren 1988 – 1991 stammt. Dennoch bleibt sein Thema aktuell, denn Lainé hat in diesen Jahren die afrikanischen Fürsten und Monarchen bei Hofe besucht und in royaler Manier porträtiert. Die Bilder stellen jedoch nicht nur Zeitdokumente feudaler Gesellschaftsspitzen dar, sie zeigen auch einen künstlerischen Charakter, wenn auf subtile Art und Weise die typischen Entwicklungen und Stilblüten dieser Gesellschaften zwischen tradierten und westlichen Normen eingefangen werden.


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Die Ästhetisierung des Krieges

Zwei Werke von Iñigo Manglano-Ovalle

Iñigo Manglano-Ovalle: Untitled (Bomb)„Untitled (Bomb)“, © Iñigo Manglano-Ovalle

Das Thema ist so alt wie die Menschheit selbst: Konflikt und Krieg. In mehr als 2000 Jahren christlicher Zeitrechnung gab es nicht einmal 100 Jahre ohne Schlachten und Kriege irgendwo in der Welt – zumindest die, von denen Wikipedia weiß. Kein Wunder also, dass das Kulturgut „Krieg“ ein wichtiges Thema des Kulturträgers „Kunst“ wurde und auch noch heute ist. Ich hatte bereits über die Fotografien Shadi Ghadirians geschrieben, die den Alltag des Krieges beleuchtet, und widme mich nun zwei Werken des Spaniers Iñigo Manglano-Ovalle; die gewissermaßen von „Kriegskunst“ erzählen.


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Fotografie in flagranti

Sex in japanischen Parks: Zuschauer gibt es immer

Kohei Yoshiyuki: The Park, UntitledUntitled, aus der Serie „The Park“, © Kohei Yoshiyuki

Dem Thema „Fotografie“ kommt in diesem Blog zwar keinen großen Stellenwert zu, doch hin und wieder gibt es den Anlass, auf vorzügliche Arbeiten hinzuweisen und diese vorzustellen. Dazu gehört auch definitiv die Serie „The Park“ des japanischen Künstlers Kohei Yoshiyuki, für die er in den Parks Tokios nächtliche Liebesspiele sowie die umgebene Kulisse aufgenommen hat. Denn für die intimen Begegnungen japanischer Paare hatte nicht nur der Künstler ein Interesse, seine Bilder widmet er vor allen Dingen jenen, die bei diesen Szenen ihren voyeuristischen Trieben nachgehen oder gar selbst Teil des Geschehen werden wollen.
Mit „The Park“ war Yoshiyuki in etlichen Galerien dieser Welt zu Gast, ab Freitag beehrt er auch das Berliner Publikum.


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Shadi Ghadirian lädt nach

Zwei neue Serien zum Thema Krieg veröffentlicht

Shadi Ghadirian: Nil Nil #03„Nil Nil #03″, © Shadi Ghadirian

Da ist die islam-kritische Ausstellung „Unveiled: New Art from the Middle East“ noch nicht einmal zu Ende, schon machen die nächsten Arbeiten der dort gefeierten Künstlerin Shadi Ghadirian die Runde. Letzten Monat hatte ich ja bereits über ihre Serie „Like every day“ geschrieben, doch ging es da noch um die Rolle der Frau in der islamischen Welt, wird Ghadirian nun mit ihren beiden neusten Serien „Nil Nil“ und „White Square“ direkter und thematisiert offen und wirkungsvoll das Thema Krieg.


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„Tantalum Memorial“ in Aktion

Interview mit einem der Künstler

Ausschnitt aus dem Video (s.u.), © tagr.tv

Nun ist die transmediale.09 schon etwas mehr als drei Wochen vorbei, der zugehörige Award an das Künstlertrio hinter „Tantalum Memorial“ verliehen und der passende Artikel auch schon längst veröffentlicht. Ein Video, das die Installation in Aktion zeigt, konnte ich damals leider nicht finden, aber zumindest versprach ich, euch bei Neuigkeiten auf dem Laufen zu halten.
Jetzt habe ich mich noch einmal auf die Suche nach entsprechendem Bildmaterial gemacht – und wurde fündig. Nicht irgendein viel zu kurzes und unkommentiertes Video von der überaus interessanten Installation habe ich aufspüren können, sondern glücklicherweise eines, in dem einer der drei Künstler, Graham Harwood, das Werk auch gleich erklärt.


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Zach Johnsen goes installation art

Der weltbekannte Illustrator erobert neues Terrain

„The Hyper Stumps“, © Zach Johnsen

Bisher war Zach Johnsen für seine einzigartigen Illustrationen bekannt, und das rund um den Globus. Erst kürzlich präsentierte er seine neuste Serie und gleichnamige Ausstellung „Acid in the ice cream“ und fand dafür in den Kunstblogs und –magazinen jede Menge Begeisterung. Doch Zach Johnsen kann auch anders: Mit „The Hyper Stumps“ hat er sich erstmals an einer Installation versucht – die nicht minder sehenswert ist.


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