Artikel mit dem Tag "Installation"


The mob against the prosecution

Soliausstellung für politisch verfolgte Demonstranten

The mob against the prosecutionThe mob against the prosecution

Die Isländer führen ein beschauliches Leben dort oben im Norden, so weit entfernt vom Festland. Selten dringen Nachrichten aus der kleinen Republik in die restliche Welt, und wenn, dann geht es um gestörten Flugverkehr oder das neuste Sigur-Rós-Album. Eine Angelegenheit, die zwar auch in Deutschland publik wurde, doch gemessen an ihrer Brisanz, kaum Beachtung fand, war der große Bankencrash 2008, der bis heute die isländische Gesellschaft prägt.

Stand die isländische Krone im Oktober 2007 noch bei einem Wechselkurs von 85 für einen Euro, ist sie heute nur noch halb so viel wert. Die Arbeitslosigkeitsrate betrug im 2. Quartal 2010 neun gegenüber zwei Prozent im Dezember 2007, entsprechend sank auch die Stimmung über die Jahre in den Keller. Am 8. Dezember 2008 kam es nach langen, von der ganzen Gesellschaft getragenen, öffentlichen Protesten schließlich zur gewaltlosen Stürmung des isländischen Parlaments durch dreißig Demonstranten, woraufhin neun von ihnen festgenommen und von den Abgeordneten angezeigt wurden.

Die wahllos herausgepickten Angeklagten warten bis heute auf ihr Urteil, das harte Freiheitsstrafen wegen Störung der Parlamentsbetriebs beinhalten könnte. Unter ihnen befinden sich auch zwei Künstler, die die großen Namen in der isländischen Kunstszene um sich versammelt haben, um eine Soli-Ausstellung für die „Reykjavík 9″ auf die Beine zu stellen: „The mob against the prosecution“.


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The mob against the prosecution

Solidary exhibition for politically prosecuted protestants

The mob against the prosecutionThe mob against the prosecution

The Icelanders lead a quite placid life in the far north, far away from the mainland. It’s rare that news from this small country travel all the way to Europe and when it happens, it’s about disrupted air traffic or the latest album by Sigur Rós. One issue we heard in Germany about but that – measured by the importance – didn’t attract much attention was the big bank crash in 2008, that shaped the Icelandic society until today.

In october 2007 one Euro (one $ resp.) was worth 85 ($: 118) Icelandic krones, whereas today’s worth is halved. The unemployment rate in the second quarter of 2010 is nine per cent, in December 2007 it was only two per cent. Considering this, the mood dropped likewise. On December 8th, 2008, after long public protests, that were supported by the whole people of Iceland, thirty protesters gained access to the parliament, whereupon nine of them were arrested and later accused by the members of parliament.

The randomly picked accused still wait for their judgement, that could include severe prison sentence for disturbing the parliament. Among these are two artists who rallied the Who is Who in the Icelandic art scene round themselves in order to organize a solidary exhibition for the „Reykavík 9″. „The mob against the prosecution“.


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Singendes Metall

Wie Jacob Kirkegaard dem Raum einen Klang gibt

Jacob Kirkegaard: Phonurgia metallis„Cuprum“ und „Aurichalcum“ aus dem Triptychon „Phonurgia metallis“, © Jacob Kirkegaard

In diesem Blog habe bereits einige Male meinen Hang zu Soundinstallationen durchscheinen lassen, jedenfalls sind diese hier wohl überproportional vertreten. Künstler wie Janet Cardiff & George Bures Miller etwa sind der Grund, warum mich diese kleine Sparte der Gegenwartskunst so fasziniert. Da werden allein durch die Kraft des Klanges und die Eigenheiten des Raumes ungeahnte Atmosphären erschaffen, die mit rein visuell kommunizierender Kunst selten erreicht werden.

Jacob Kirkegaard ist einer dieser Klangkünstler und gehört ganz nebenbei zu denen, die mich schon seit einiger Zeit besonders und auch nicht mehr loslassen. Anfang des Jahres empfahl ich bereits seine Soundinstallation „Haus der Mahre“ im KW Institute und nun hat mich eine weitere seiner einzigartigen Klangarbeiten begeistert:

Für „Phonurgia metallis“ nutzt er hauchdünne Metallplatten, um die Resonanz des Raumes einzufangen und hörbar zu machen. Ergebnis sind überwältigende Klangsphären, die sich dem Raum und seinen Schwingungen anpassen. Mehr dazu, natürlich auch Klangbeispiele gibt’s nach dem Klick.


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Tanz im Licht

Eindrücke von einer etwas anderen Lasershow

Raurouw: Shock control regression adaptationRaurouw: „Shock control regression adaptation“

Der gestrige Abend führte mich zu einer Vernissage in die Program Gallery unweit des Hamburger Bahnhofs, wo das Architektenquartett Raurouw sein jüngstes Werk „Shock control regression adaptation“ vorstellte. Wie bereits angekündigt, erwartete den Besucher eine interaktive Lichtinstallation, die die vier Phasen der Trauer – namentlich Schock, Kontrolle, Regression und Anpassung – aufgreifen und verarbeiten wollte.

Ob die Ausstellung dieses Versprechen einlösen konnte und wie es sich anfühlt, in einem abgedunkelten Raum mit stetig wechselndem Laserlicht umherzuwandeln – diese und andere Eindrücke warten nach dem Klick.


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Adaptation und Assimilation

Interaktive Lichtinstallation in der Program Galerie

Raurouw: shock control regression adaptation„shock control regression adaptation“, © Raurouw

Der Theologe Yorick Spiegel postulierte zu Beginn der Siebziger Jahre seine Theorie der vier Trauerphasen: Zunächst überwiege der Schock, bald jedoch die emotionsarme Kontrolle, woraufhin die Regression aus dem alltäglichen Leben und schließlich die Phase der Anpassung folge. Diese Theorie fand später viel Anklang und wird gemeinhin auf die Binsenweisheit „Trauern ist Anpassung“ verkürzt.

Eben diesen Sachverhalts will sich nun eine Lichtinstallation der Künstlergruppe Raurouw annehmen: Dazu entsenden sie Laserstrahlen durch die verdunkelten Räume der PROGRAM Galerie, lenken sie mittels Spiegeln um und modulieren sie analog zu den vier Trauerphasen in Farbe und Gestalt. Die Installation „shock control regression adaptation“ soll dazu mit den Besuchern interagieren und durch ihre Bewegungen gesteuert die Wechsel zwischen den einzelnen Phasen einläuten.


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Der Letzte macht das Licht aus

Die Kunsthalle verabschiedet sich mit einem Knall

Das Tollhaus des John BockDas Tollhaus des John Bock

Im September 2008 war’s, als auf dem Schlossplatz ein Projekt seine Taufe feierte, das von vornherein nur für zwei Jahre bestehen sollte. Nachdem sich zuvor zeigte, dass in Berlin eine Ausstellungsplattform für heimische und hier sesshaft gewordene Künstler fehlte, konnte das privat initiierte Projekt der Temporären Kunsthalle den Senat überzeugen und so kam es auch im Juni 2008 zum ersten Spatenstich.

In dieser kurzen Zeit konnte sich der Ausstellungsort erstaunlich schnell als wichtige Adresse in der Berliner Kunstszene etablieren. Nun rückt das Jubiläum immer näher; die Temporäre Kunsthalle wird an ihrem zweiten Geburtstag zu Grabe getragen werden. Gestern feierte die letzte Ausstellung „FischGrätenMelkStand“ ihre Vernissage. Ich war vor Ort und habe mir ein Bild gemacht. Ein Bild, dass allen Gewohnheiten der Kunstrezeption widerspricht.


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Alles andere als Luft

Das unscheinbare Element in einem ganz neuen Licht

Martin Creed: Work No. 551„Work No. 551″, © Martin Creed

Wenn Kinder Bilder von idyllischen Landschaften malen, dann findet man neben strahlenden Sonnen und prächtigen Bäumen auch stets Wolken, die auf etwas verweisen, das für den kindlichen Geist so wohl einfacher zu fassen ist: der Himmel oder – allgemeiner – die Luft um uns herum. Das Problem ist schnell erkannt: Die Luft ist zwar allgegenwärtig und wie selbstverständlich da, doch fällt es schwer, ihrer gewahr zu werden.

Umso eindrücklicher sind dann jene Momente, in denen wir die Luft um uns herum wahrnehmen können. Ein Orkan etwa lässt uns ehrfürchtig und klein werden; auch der Druckausgleich in großen Höhen erzeugt bei vielen ein unangenehmes Gefühl. Frische Luft lässt uns durchatmen, kühle Luft bringt Erfrischung.

Martin Creed jedoch geht die Erfahrbarmachung der Luft von einer anderen Seite an. Seine Werkzeuge sind Kontakt, Enge und Beklemmung.


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Storm Room

Wie der Wahrnehmung ein Streich gespielt wird

Janet Cardiff und George Bures Miller: Storm Room„Storm Room“, © Janet Cardiff und George Bures Miller

Wenn es regnet, gewittert und stürmt, dann stehe ich gern am Fenster und genieße das Schauspiel. Es ist eine friedliche Stimmung, alles ist so still, nur der Regen plätschert murmelnd vor sich hin und gelegentlich durchreißt ein fernes Donnergrollen die Ruhe.

Ähnliches geschieht in einem Video aus dem fernen Japan. Zwei junge Frauen betreten eine verlassene Zahnarztpraxis nahe der Stadt Tokomachi. Draußen ergießen sich die Wolken, man kann kaum aus den Fenstern schauen, so viel Wasser rinnt die Fenster entlang. Blitze erhellen den Raum, gelegentlich flackert die alte Neonröhre, Eimer fangen Wassertropfen auf.

Doch der Schein trügt. Weder regnet es, noch grollt ein Gewitter über der Stadt. Die alte Zahnarztpraxis ist Schauplatz der Sound– und Lichtinstallation „Storm Room“ des Künstlerduos Janet Cardiff und George Bures Miller.


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Der Moment der Balance

Das metallene Segel des Frederic Geurts

Frederic Geurts: (un)balancedUntitled, aus „(un)balanced“, © Frederic Geurts

Es gibt so manche Künstler, die – einmal ihr optimales Medium gefunden – nur noch mit diesem arbeiten und immer wieder neue Perspektiven und Ansätze explorieren. Die Kunstgeschichte ist voll von solchen Beispielen, nicht selten behält man heute einzelne Künstler vornehmlich dafür im Gedächtnis: Da wäre Rembrandts genialer Umgang mit dem Licht, Alexander Calders Mobiles oder auch Yves Kleins Ultramarinblau.

Solche Künstler verstehen es, sich und ihr Medium immer wieder neu zu erfinden. Der Belgier Frederic Geurts könnte einer von ihnen sein. Er arbeitet mit stählernen oder mit Polyesternetz ausgespannten Segeln, die mal im Raum zu schweben scheinen, mal denselbigen durchziehen, mal den Betrachter zu erdrücken, mal jenseits von Raum und Zeit zu existieren scheinen.


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Zwischen Stalagtiten und Stalagmiten

These - Antithese - Synthese

Onishimaki + Hyakudayuki: Cave in a dream„Cave in a dream“, © Onishimaki + Hyakudayuki

Tropfsteinhöhlen fand ich schon als Kind großartig: Ihre langsam gewachsenen Säulen entspringen der Ober– oder der Unterwelt, suchen einander um sich irgendwann als fragile Brücken zu vereinigen, die beiden Welten zu verbinden um ganz nebenbei die Last der unseren Welt zu tragen. Man kann ihnen quasi beim Wachsen zuschauen, wenn auch nur in verschwindend geringem Maße, und hat beim Wandeln in diesem Steinwald immerhin den Ansatz einer Vorstellung, wie lange diese grotesken Gebilde wohl schon existieren mögen.

Eine weitere Beobachtung zeigt, dass jeder Tropfen, den ein Stalagtit fallen lässt, nachdem er ihm einen Teil seiner gelösten Mineralien entzogen hat, wiederum den am Boden wachsenden Stalagmiten nährt, dessen Gestalt jedoch durch den harten Aufprall der Tropfen bedingt um einiges langsamer entsteht, zudem gedrungener und massiger erscheint. Irgendwann jedoch verschmelzen beide Tropfsteine und formen eine Säule – ein Vorgang, den man auch mittels der Kunst der Dialektik auffassen kann.
Eben dies hat das junge Architektenduo Onishimaki + Hyakudayuki getan und im Hof des Museum of Contemporary Art Tokyo eine Installation erschaffen, die jene zwei Welten in Szene setzt.


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