Artikel mit dem Tag "Gewalt"


Aug in Aug mit Mao Tse-tung

Wang Yi Feis stille Kritik an der chinesischen Politik

Wang Yi Fei: UntitledUntitled, © Wang Yi Fei

Politische Missstände sind oftmals ein guter Nährboden für Künstler aller Disziplinen. Monumentale Werke wie Picassos Guernica oder Heines Wintermärchen entstanden in Zeiten politischer Unterdrückung und sind auch ganz abgesehen von ihren Motiven Meisterwerke ihrer Zeit.
Wenn wir hier in Europa an politische Verfolgung in unserer Zeit denken, kommen uns wohl nur Fernsehbilder aus fernen Gegenden wie dem Nahen Osten oder Nordkorea in den Sinn. Viel wissen wir nicht über diese Orte, auch zeitgenössische Kunst aus den genannten Regionen ist wohl den wenigsten bekannt. Umso überraschender ist es dann, wenn man einmal regierungskritische Werke aus solchen Ländern zu Gesicht bekommt.

So stolperte ich kürzlich über eine ausdrucksstarke Fotografie des Chinesen Wang Yi Fei.


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T.V. Hijack

Darf Kunst in Gewalt gegenüber Unbeteiligten ausarten?

Chris Burden: T.V. Hijack„T.V. Hijack“, © Chris Burden

Die Präsenz der Medien hat über die Jahrzehnte hinweg stetig zugenommen; heute drängen dank Außenkorrespondenz, Live-Schaltung, Internet, Twitter usw. Inhalte aus allen vier Ecken der Erde innerhalb kürzester Zeit an unser interessiertes, oder vielleicht auch zunehmend desinteressiertes Ohr. Ereignisse und Schicksale finden nicht einfach nur statt und wären daher bloße Aufgabe der Berichterstattung, sie werden zunehmend in Echtzeit und oftmals auch unaufbereitet an den Konsumenten weitergegeben, der sich dadurch nicht mehr nur als Rezipient, sondern auch in größer werdendem Maße als Zeuge fühlt.

Die Geiselnahme von Gladbeck, die Anschläge vom 11. September, die Livebilder von den Bombeneinschlägen in Saddam Husseins Palästen – diese und viele andere mehr oder weniger geschichtsträchtigen Ereignisse finden – gefühlt – nicht mehr an einem fernen Ort, sondern ganz in der Nähe statt. Trifft dies womöglich auch auf Sportweltmeisterschaften, Gedenk– und Staatsfeiern zu, tritt es doch insbesondere bei solch erschütternden Geschehnissen in den Vordergrund.

Im Februar 1972 sollte beim Channel 3 im kalifornischen Irvine ein Live-Interview mit dem aufstrebenden Künstler Chris Burden stattfinden, der zuvor durch seine von autoaggressiver Gewalt und Bedrohung geprägte Kunst bekannt wurde. Burden nahm die Gelegenheit war, um auch daraus ein „Kunstwerk“ zu schaffen – ob dies tatsächlich Kunst darstellt oder nicht, ist hierbei die große Frage. Chris Burden schildert die Ereignisse folgendermaßen:

On January 14 I was asked to do a piece on a local television station by Phyllis Lutjeans. After several proposals were censored by the station or by Phyllis, I agreed to an interview situation. I arrived at the station with my own video crew so that could have my own tape. While the taping was in progress, I requested that the show be transmitted live. Since the station was not broadcasting at the time, they complied. In the course of the interview, Phyllis asked me to talk about some of the pieces I had thought of doing. I demonstrated a T.V. Hijack. Holding a knife to her throat, I threatened her life if the station stopped live transmission. I told her that I had planned to make her perform obscene acts. At the end of the recording, I asked for the tape of the show. I unwound the reel and destroyed the show by dousing the tape with acetone. The station manager was irate, and I offered him my tape which included the show and its destruction, but he refused.

Was darf also Kunst? Darf sie die Unversehrtheit eines Nichtsahnenden derart aufs Spiel setzen?


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Are you ready? Shoot!

Die Motivgeschichte einer gewaltvollen Performance

Chris Burden: Shoot„Shoot“ (Videoausschnitt), © Chris Burden

Man sagt, eine Gesellschaft finde sich in seiner Kultur, seinen Erzählungen, seiner Musik, seinen Filmen, seiner Kunst wieder. Das Amerika der 50er und 60er Jahre hat – was Kinofilme anbetrifft – heute noch bedeutsame Werke hervorgebracht: „Wege zum Ruhm“, „Bonnie und Clyde“ (1967), „Point Blank“ (1967), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968). Filme, die Waffengebrauch, Krieg und Tod romantisieren und verklären, zuweilen auch pointieren. Als sich dann in den späten 60er Jahren für den seit 1965 herrschenden Vietnamkrieg ein politisch schmachvolles Ende abzeichnete und das persönliche Leid vieler Amerikaner – ob im Dschungel oder daheim – in den Vordergrund trat, nahm man vom heroisierten Bild der Hollywoodproduktionen Abstand und gewann eine andere Perspektive.

Als der Vietnamkrieg 1971 in der Öffentlichkeit als bereits gescheitert angesehen wurde, erregte ein Kunststudent namens Chris Burden die öffentliche Aufmerksamkeit: Er veröffentlichte einen kurzen Film, den er zu Beginn selbst kommentiert und darin ankündigt, was geschehen werde und worauf zu achten sei. Im Weiteren bleibt das Bild schwarz, nur der Ton bleibt. Dann sieht man Burden vor einer weißen Wand stehen, ein Freund und Kommilitone steht einige Meter vor ihm und zielt mit einem Gewehr auf den Künstler. Er drückt ab, trifft Burden in den Arm und beide verlassen die Szenerie.


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