Artikel mit dem Tag "Bas Jan Ader"


Der Moment der Balance

Das metallene Segel des Frederic Geurts

Frederic Geurts: (un)balancedUntitled, aus „(un)balanced“, © Frederic Geurts

Es gibt so manche Künstler, die – einmal ihr optimales Medium gefunden – nur noch mit diesem arbeiten und immer wieder neue Perspektiven und Ansätze explorieren. Die Kunstgeschichte ist voll von solchen Beispielen, nicht selten behält man heute einzelne Künstler vornehmlich dafür im Gedächtnis: Da wäre Rembrandts genialer Umgang mit dem Licht, Alexander Calders Mobiles oder auch Yves Kleins Ultramarinblau.

Solche Künstler verstehen es, sich und ihr Medium immer wieder neu zu erfinden. Der Belgier Frederic Geurts könnte einer von ihnen sein. Er arbeitet mit stählernen oder mit Polyesternetz ausgespannten Segeln, die mal im Raum zu schweben scheinen, mal denselbigen durchziehen, mal den Betrachter zu erdrücken, mal jenseits von Raum und Zeit zu existieren scheinen.


Den restlichen Beitrag lesen …

La pluie

Unterwegs auf den Wegen der Inspiration

Marcel Broodthaers: La pluie (Projet pour un texte)„La pluie (Projet pour un texte)“, © Marcel Broodthaers (via)

Ein Mann sitzt im Regen, kauert auf seinem Gartenstuhl, die Kiste zu seinen Füßen dient ihm als Tisch. Darauf ausgebreitet ein Bogen Papier, zudem ein Tintenfass und Schreibutensilien. Er setzt die Feder zum Schreiben an, bringt unermüdlich sein Wort zum durchweichten Papier. Der Regen spült die frischen Worte hinweg, löscht den Gedanken aus, ertränkt die Stimme des Mannes.

Der belgische Künstler Marcel Broodthaers hat 1969 in seinem zweiminütigem 16mm-Schwarz-Weiß-Film „La pluie (Projet pour un text“) eben jene Szene dargestellt. Online gibt es den Film leider nicht, nur einzelne Stills, was es jedoch gibt, sind Fotos und Filme jener Werke, die sich durch Broodthaers melancholischen, sehr eindrücklichen Film inspirieren ließen und dort anknüpfen: – eine kleine Motivgeschichte.


Den restlichen Beitrag lesen …

Thoughts unsaid, then forgotten.

Fade to white. Fade to brown.

Bas Jan Ader: Thoughts unsaid, then forgotten„Thoughts unsaid, then forgotten“, © Bas Jan Ader

Im Jahre 1973 wurden diese Worte in grau-blauer Farbe auf eine der Wände der Nova Scotia School of Art and Design im kanadischen Halifax geschrieben; alles verlief nach Anweisungen, die Bas Jan Ader aus der Ferne sandte. Daneben sollte ein einfacher Strauß Blumen gestellt werden, welche Sorte sei egal, nur keine Rosen. Nach einigen Tagen wurden die Worte in demselben Weiß der Galeriewände überstrichen, ausgelöscht, gleichgemacht. Nichts erinnerte mehr an jene Inschrift. Die Blumen verblieben an ihrem Platz, bis zum Ende der einwöchigen Ausstellung welkten sie unberührt an der Stelle, wo zuvor noch die Worte geschrieben standen.

Für gewöhnlich folgt an dieser Stelle eine tiefere Betrachtung, doch in diesem Fall beschränke ich mich darauf, es einfach so stehen und wirken zu lassen. Vielfach wurden diese vier Worte nach Aders Tod von anderen Künstlern in anderen Werken benutzt, jedoch bleibt das Original unerreicht. Zurecht, wie ich finde. Ich bin immer noch verzaubert.


Den restlichen Beitrag lesen …

Bas Jan Ader und die Schwerkraft

Über die Kunst des Loslassens

Bas Jan Ader: Broken fall (Geometric)„Broken fall (Geometric)“, © Bas Jan Ader

Manchmal begegnet man den Werken eines Künstlers, die man derart gut zu verstehen scheint, als hätte man sie selbst erdacht, als sprächen sie aus, was man nur tief im Innersten zu glauben vermag. So verhält es sich bei mir mit dem Niederländer Bas Jan Ader, mit dessen Arbeiten ich mich in der letzten Zeit etwas näher beschäftigt habe. Wie ich schon vor einiger Zeit angekündigt habe, widme ich mich ihm nun in besonderem Maße.

Bas Jan Ader wurde 1942 als Sohn eines Pfarrers geboren, der kurz darauf von den Nazis ermordet wurde, weil er Juden versteckte. Bas Jan wuchs in der ländlichen niederländischen Gegend von Groningen auf und heuerte als 19jähriger auf einem Boot an, das ihn von Marokko nach Amerika bringen würde, worauf er in Los Angeles da Kunststudium aufnahm. Seine große Schaffenszeit begann 1970 und endete vier Jahre später mit seinem Verschwinden auf hoher See. Aus seinem recht kurzen Leben sind nur eine Handvoll Werke hervorgegangen, die dafür jedoch vor Eindrücklichkeit nur so strotzen.


Den restlichen Beitrag lesen …

 Seite 1 von 1
 1