19. Januar 2009
Was Anatomie mit Style zu tun hat
Teil der Reihe „Make something cool every day“, © Mark Weaver
Vielleicht wegen meiner kürzliche Entdeckung des Street Anatomy Blogs, einer Seite, die von der Anatomie beeinflusste Kunst sucht und sammelt, vielleicht aber auch aufgrund der Tatsache, dass ich mich ja studienbedingt den ganzen Tag damit beschäftige, habe ich ein gewisses Gefallen an der lockeren Reihe „Make something cool every day“ des aus dem amerikanischen Atlanta stammenden Designers Mark Weaver gefunden. Zwar bin ich sonst kein allzu begeisterter Freund des häufig eher hedonistisch ausgelegten Genres des Grafikdesigns, aber das hier ist was andres. Da sind Knochen dabei. Das macht vieles wieder gut.
(Ohne Frage, Darwin als Knochenmann darzustellen hat natürlich auch was.)
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18. Januar 2009
Recycling mal anders

„Get forked“, © Penny Byrne
Penny Byrne ist auf den ersten Blick eine ganz gewöhnliche Frau aus dem australischen Melbourne, sie hat einen guten Job, führt ein geordnetes Leben und ist auch sonst eher unauffällig. Sie restauriert im Auftrag der Museen und Galerien deren Kostbarkeiten aus Porzellan und scheint in diesen Kreisen einen guten Ruf zu haben. Anders lässt sich vielleicht auch nicht das Vertrauen erklären, das in sie gesetzt wird. Denn Penny Byrne führt ein Doppelleben. In etwa eines der Sorte, als wenn ein Anästhesist an den Wochenenden als Aushilfstierarzt Großwild einschläfert. Denn neben ihrem bodenständigen Alltag als Restauratorin widmet sie sich dem weißen Gold auch auf eigenen Wegen: Sie beklebt, bemalt und – wie man in manchen Kreisen vielleicht sagen würde – „verunstaltet“ die kleinen Figuren in ihrer Freizeit auf eine Art und Weise, wie es sicherlich kein Kunde wünschen würde. Ein Glück jedoch, dass alle ihr zum Opfer fallenden Figürchen von eBay oder Second-Hand-Shops stammen. Zudem wissen viele ihrer Kollegen gar nicht von ihrer anderen Beziehung zum Porzellan.
Dabei können sich ihre Werke durchaus sehen lassen. Mit viel Kreativität und einer gehörigen Portion Zynismus ist kaum ein bedeutsames Thema der Weltpolitik vor ihr sicher: Sei es der Treibhauseffekt, das japanische Walfangprogramm, die Menschenrechte oder der umtriebige Sündenbock USA – Byrne nimmt sie alle aufs Korn. Da werden Elefanten zu Kriegsgerät umdisponiert, Eisbären zu Badeurlaubern erklärt und George und Laura an die Front geschickt – Penny Byrne sprudelt nur so vor Kreativität.
Leider konnte ich weder eine Webseite von ihr noch mehr aktuellere Arbeiten von ihr finden, aber ich bin mir sicher, diese Künstlerin hat noch einige Asse im Ärmel. Bis ich mehr zum aktuellem Stand der Dinge in Erfahrung gebracht habe, kann ich aber jedem ein Interview mit ihr aus dem Jahre 2007 ans Herz legen.
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16. Januar 2009
Der erleuchtete Franz
„Miracle“, © Krištof Kintera
Miracle (500 days from 12. 09. 2008) vom Prager Installationskünstler Krištof Kintera ist, wie der Titel vermuten lässt, mittlerweile etwa vier Monate alt, hat aber trotzdem im Internet bisher kaum Beachtung gefunden – zu Unrecht, wie ich finde. Kintera, der sich sonst eher auf dem Gebiet der Rauminstallation austobt, hat nämlich m.E. mit seinem letzten Werk einen gelungenen Sprung auf die Straße vollzogen. Im Unterscheid zur gängigen StreetArt-Praxis hat er jedoch nicht etwa fremde Elemente wie Farbe, Kleister oder Styropor eingebracht, sondern stattdessen bereits vorhandene Mittel einfach so abgeändert, dass sie einen neuen Sinn erfahren. Da dies eigentlich ein typisches Mittel der Rauminstallation ist, denke ich, dürfte „Miracle“ auch eher in diese Richtung gehören. Die Illuminierung der Statue des Hl. Franciscus von Assisi stellt damit eine interessante Inspirationsquelle für UrbanArt dar, beschränkten sich doch deren Mittel aus praktischen Gründen sonst auf das Hinzufügen eigener Inhalte.
„Miracle“, © Krištof Kintera
Noch genau ein Jahr lang, bis zum 16. Januar 2009, wird man den erleuchteten Heiligen bestaunen können. Wer bis dahin die Gelegenheit findet, kann sich auch selbst ein Bild davon machen und in den Bredaseweg 80 im niederländischen Tilburg fahren.
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13. Januar 2009
Detailexzesse von Hannah Stouffer
„Predator Caste“, © Hannah Stouffer
Ich will gar nicht viele Worte verlieren, die künstlerischen Fertigkeiten der kalifornischen Illustratorin Hannah Stouffer sprechen definitiv für sich. Eine erkleckliche Anzahl ihrer Arbeiten lässt sich im Internet bestaunen, sowohl private Illustrationen, als auch Ausstellungsstücke oder kommerzielles Design gilt es zu bewundern.
Aber das Beste kommt zum Schluss: Man kann einige ihrer Bilder auch käuflich erwerben bzw. auch an anderer Stelle ergattern. Etwa als Drucke, Shirts, Taschen oder Kissen – kurz: alles was das Herz begehrt. So wechselt etwa eines von fünfzig etwa DIN-A3-großen Druck von obigem Schmusekätzchen für faire zwanzig Dollar den Besitzer. Wahlweise auch als Shirt, das kann man nämlich bei pony attack!! abstauben.
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12. Januar 2009
Die Reihe "Paperstorms" von Mia Pearlman
„Eye“, © Mia Pearlman
Origami und Scherenschnitte sind ganz nett, aber Papier kann weit mehr, als für kurze Späße herhalten zu müssen. Den passenden Beweis liefert die junge Künstlerin Mia Pearlman in aller Regelmäßigkeit: Sie entwirft, schneidet und arrangiert gewaltige Installationen aus nicht viel mehr als Papier und verwandelt dieses luftig-leichte Material in komplexe Stürme und Wolkenformationen. Alle paar Monate nimmt ein neues Stück seinen Platz in einer von vielen britischen und US-amerikanischen Galerien ein und setzt die beachtliche Reihe Paperstorms fort.
„Gyre“, © Mia Pearlman
Wen wundert’s da noch, dass Mia Pearlman viel Zeit und Konzentration braucht, um solch beeindruckende Installationen herzustellen…?
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12. Januar 2009
Ad-Busting im U-Bahnhof Kaiserdamm
© epoxy
Eben noch ging es um die Adaptation des Ad-Bustings durch einen Filzstifthersteller, jetzt machen Fotos aus Berlin die Runde:
Die Berliner StreetArtists Epoxy, Mr Talion und Baveux & Kone haben eine Werbetafel in der U-Bahnstation Kaiserdamm mit Fenstern aus Photoshop verziert. Ich denke, die restlichen neun Bilder sprechen für sich…
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11. Januar 2009
StreetArt für Konventionsbewusste
via thecoolhunter.co.uk
In ausgewählten Großstädten rund um den Globus kann seit kurzem jedermann auf neuartigen, mit Touchscreens ausgestatteten Werbeflächen des Filzstift– und Eddingherstellers Sharpie seine Zeilen hinterlassen: Einfach eine Farbe auswählen, drauf los schreiben und der Welt erzählen, was man schon immer auf dem Herzen hatte. Mit dieser neuen Werbemasche setzt der Firmenriese nicht nur neue Akzente in Sachen Werbedesign, er adaptiert damit auch einen in den USA weit verbreiteten und viel beachteten StreetArt-Abkömmling, das sog. „Ad-Busting“.
Das Ad-Busting, bei den Franzosen schon länger als Anti-Pub bekannt, hat die Manipulation und Zweckentfremdung öffentlicher Werbeflächen, teilwiese auch die Anprangerung und Konfrontation der werbenden Firma zum Inhalt. Diese Art der Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft und der öffentlichen „Spamwerbung“ wird auch bei uns immer mehr zur Mode. Zwar findet man auf den üblichen StreetArt-Seiten des Internets entsprechend verzierte Plakate fast ausschließlich von der Insel oder aus den Staaten, doch mittlerweile gehen auch Fotos aus Deutschland um den Globus, so etwa auch die weithin bekannte HIV-Kampagne von xoooox.
Ad-Busting ist in aller Munde und das nicht zu unrecht, verleiht es doch einem der stärksten Triebfedern der StreetArt-Kultur, der Rückgewinnung öffentlichen Raumes, Ausdruck. Kein Wunder also, dass irgendwann von Seiten der angefeindeten werbenden Firmen eine Antwort auf diese Mode gegeben wird. Sharpie hat mit seiner aktuellen Kampagne nicht nur der Ad-Busting-Kultur Paroli gegeben, die neuartige Werbeidee bezieht auch ihren Adressaten in den Prozess mit ein und bietet somit für alle Seiten neue Impulse. Man darf also gespannt sein, wie die StreetArt-Szene die neuen Werbetafeln aufnehmen und wie sie darauf reagieren wird.
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10. Januar 2009
Aus aktuellem Anlass
„Gaza Strip“, © Blu
Der Berliner Streetartist Blu hat vor kurzer Zeit wieder neue Siebdrucke entworfen und für den Verkauf in einer Auflage von hundert Stück angefertigt. Darunter auch ein Bild mit dem passenden Titel „Gaza Strip“. Ob in weiser Vorraussicht oder mittels hellseherischer Fähigkeiten, die Arbeit kommt nicht zu spät. Wer dem ewig währenden Konflikt auch in seinem Wohnzimmer ein Mahnmal setzen will, kann einen der wenigen Drucke bei Pictures on the walls für £225,00 erstehen.
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10. Januar 2009
Ausgewählte typographische Alltagssünden

Ich habe es getan. Ich habe mehr als die Hälfte der auf meinem Computer gespeicherten Schriften gelöscht. Das war auch bitternötig, denn mit der Zeit und mit Unwissen über die Vorzüge einer guten Schriftart häuften sich einige schaurige, hässliche Fonts an, die ich einerseits nie gebraucht habe und die andererseits nur der Übersichtlichkeit schadeten.
Diese radikale Aufräumaktion und meine in letzter Zeit gewachsene Aufmerksamkeit für Typographie haben mich dazu veranlasst, einmal eine kleine, inoffizielle und vor allen Dingen sicherlich auch unvollständige Liste derjenigen Schriften zu erstellen, denen man im täglichen Leben sicherlich nicht hinterhertrauern wird. Sie schauen grässlich aus oder werden missbraucht, doch in jedem Falle werden sie mit einer ungerechtfertigten Penetranz gebraucht. Viele Webseiten, Flyer, Prospekte, und Speisekarten könnten durch ein emanzipiertes Aussortieren von ihrer Hässlichkeit und Unprofessionalität befreit werden.
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10. Januar 2009
Ein Motiv für Metropolis
„Untitled (Man sleeping in boxes)“, © Teun Hocks
Der niederländische Künstler Teun Hocks stellt derzeit in New York einige seiner handkolorierten Fotografien, sowie Zeichnungen und Videos aus. Unter den zu sehenden Werken befindet sich einige seiner surrealen Bilder vom Scheitern und Versagen, so auch obige eindrucksvolle Arbeit, die sicherlich auch an den Häuserwänden Berlins einen guten Platz einnehmen könnte. Aber wer weiß, vielleicht gibt’s ja bald im Wooster Collective ein entsprechendes Foto von den Straßen der Großstädte dieser Welt…
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