Archiv der Kategorie „Contemporary Art“


Porn in the focus of art

A piece about our porn consumption

Still from „Me and my girlfriend“, © Fernando Sanchez
Hey, du wunderst dich, warum das hier alles auf Englisch steht? Dann lies die deutsche Version*!
The question about the difference between pornography and art is probably as old as pornography self. And is certainly not nearly to get clarified  –  provided we nowadays even care about it. Whether porn […]


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Pornos im Mittelpunkt der Kunst

Über unseren Pornokonsum

nter“ title=“Fernando Sanchez: Ausschnitt aus “Me and my girlfriend”“ src=“http://www.castor-und-pollux.de/img/1002/fernando_sanchez_01.jpg“ alt=“Fernando Sanchez: Ausschnitt aus “Me and my girlfriend”“ width=“458″ height=“359″ />Ausschnitt aus „Me and my girlfriend“, © Fernando Sanchez

Die Frage, was Pornografie von Kunst unterscheidet, ist wahrscheinlich so alt wie die Pornografie selbst. Und kann vermutlich nicht einmal annähernd geklärt werden – vorausgesetzt, eine Unterscheidung ist heute überhaupt noch von Belang. Ob Pornos eine eigene Kunstgattung darstellen, will ich gar nicht näher auseinandersetzen, viel interessanter scheint es mir, wie Künstler in ihren Arbeiten mit Pornos umgehen, sie bewusst einsetzen und zum zentralen Thema ihrer Werke machen.

Einer von diesen Künstlern ist der ohnehin beachtenswerte Fernando Sanchez, der sich der Pornographie in „Me and my girlfriend“ auf eine gelungene Art und Weise genähert hat.

(Ach – und wer hätte es gedacht –, nach dem Klick wird’s noch freizügiger.)


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Das archaische Vermächtnis

Zurück zu den Wurzeln der Menschheit

Christian Jankowski: Die Jagd„Die Jagd“, © Christian Jankowski

Wo die biologische Evolution aufhört, fängt die kulturelle Entwicklung mit rasanter Geschwindigkeit erst an. Längst sind die Zeiten vorbei, da der Mensch noch seinem Genom entsprechend ganz auf Jagd und Überleben gesinnt die Wälder und Ebenen der alten Welt durchstreifte, durch Ressourcenknappheit getrieben immer weiterzog und schließlich selbst entlegenste Winkel der Erde erreichte. Das moderne Leben dagegen spielt sich ganz im Zeichen der Urbanisierung ab: Die Beute wird im Supermarkt um die Ecke erlegt, der Kampf ums Überleben wird längst nicht mehr ausgefochten, die so freigewordene Zeit wird für alle Spielarten des Amüsements genutzt – Expansion und Exploration finden nur noch auf einer kulturellen Ebene statt.

Man mag in diesen Punkten nicht übereinstimmen, Fakt ist jedoch, dass das Leben in der westlichen Welt nichts mehr mit den „archaischen“ Formen des tagtäglichen Auskommens zu tun hat. Es lässt sich in der Geschichte des Menschen gut verfolgen, dass ein ausreichendes Angebot an Ressourcen oder gar der Überfluss stets ein stärkeres Maß an Sesshaftigkeit nach sich zog. Das fängt mit dem Ackerbau an und hört mit modernem Städtebau rund um Einkaufs– und Vergnügungszentren auf.

Ein energiegeladenes Thema, wie ich finde, zudem eines, das auch in der zeitgenössischen Kunst zu interessanten Auseinandersetzungen führt. Mal gipfelt es in pointierter Konsumkritik, mal steht eine gewisse Wehmut und Abbitte im Vordergrund. In jedem Fall aber treffen moderne Lebensvorstellungen auf längst verdrängte Lebensaufgaben.


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cu I‘m off to rl

Wie der Kosmos Internet unsere Offline-Welt beeinflusst

Aram Bartholl: Google Portrait Series„Google Portrait Series“, © Aram Bartholl

Noch bis vor kurzem war es zeitgemäß, als publizierendes Medium das Internet als Informations– und Kommunikationsplattform Nummer eins zu wählen, auch zum Unmut der älteren Generation, die von dieser rasanten Entwicklung überholt wurde. Seit kurzer Zeit jedoch werden vermehrt Inhalte aus der virtuellen Welt wieder ins reale Leben zurückgeholt. Philipp von HUNDERTMARK hat kürzlich ein Beispiel dafür ausgegraben (und ist mit seinem Blog nach dem heimtückischen Anschlag auf die Speicher endlich wieder online!); die erste Ausgabe vom Kunst-/Illustrations-/Fotografie-Blog It’s nice that als Printversion liegt ja auch schon seit geschätzt einem Jahr in den Läden aus. Seit geraumer Zeit kann man sogar schon die zweite Ausgabe käuflich erwerben.

Ob sich dort und andernorts ein Trend abzeichnet, vermag ich nicht zu beurteilen, was ich aber bestätigen kann, ist, dass auch die Kunstwelt diese Entwicklung abbildet und Online-Inhalte für Offline-Werke entdeckt hat. Angeregt zu diesem Artikel wurde ich durch Philipps Post sowie durch die diesjährige Transmediale, die eigentlich wie gewohnt bisher an an mir vorbeiging. Bis ich dann ohne es zu ahnen Teil eines dort ausgestellten Kunstprojekts wurde.


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Storm Room

Wie der Wahrnehmung ein Streich gespielt wird

Janet Cardiff und George Bures Miller: Storm Room„Storm Room“, © Janet Cardiff und George Bures Miller

Wenn es regnet, gewittert und stürmt, dann stehe ich gern am Fenster und genieße das Schauspiel. Es ist eine friedliche Stimmung, alles ist so still, nur der Regen plätschert murmelnd vor sich hin und gelegentlich durchreißt ein fernes Donnergrollen die Ruhe.

Ähnliches geschieht in einem Video aus dem fernen Japan. Zwei junge Frauen betreten eine verlassene Zahnarztpraxis nahe der Stadt Tokomachi. Draußen ergießen sich die Wolken, man kann kaum aus den Fenstern schauen, so viel Wasser rinnt die Fenster entlang. Blitze erhellen den Raum, gelegentlich flackert die alte Neonröhre, Eimer fangen Wassertropfen auf.

Doch der Schein trügt. Weder regnet es, noch grollt ein Gewitter über der Stadt. Die alte Zahnarztpraxis ist Schauplatz der Sound– und Lichtinstallation „Storm Room“ des Künstlerduos Janet Cardiff und George Bures Miller.


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Ceci est mon corps

Wie Körper und Identität zusammenhängen

Kerry Mansfield: Self-Portrait, Pre-Mastectomy 11.2005„Self-Portrait, Pre-Mastectomy 11.2005″, © Kerry Mansfield

Kerry Mansfield, ihres Zeichen Fotografin aus San Francisco, erfuhr im Alter von 31 Jahren ein Schicksal, das in Deutschland jede achte bis zehnte Frau einmal in ihrem Leben durchmacht: Diagnose Brustkrebs. Der Schock durchbrach ihre bis dahin so heil und unverletzbar scheinende Welt, doch Mansfield hatte in dieser bedrückenden Phase ihres Lebens das Bedürfnis, ihren Krankheitsprozess mit der Kamera zu dokumentieren.

Dabei entstand die zehnteilige Bildstrecke „Aftermath“, die durch eine hohe emotionale Spannung ins Auge sticht und auf ihrer Website zu finden ist. Brustentfernung, Chemotherapie und Brustrekonstruktion hinterließen nicht nur körperlich, sondern augenscheinlich auch psychisch ihre Spuren. Was beim Betrachten von „Aftermath“ jedoch klar wird, ist dass Identität und Körper zwar sehr eng verknüpft sind, dennoch weit davon entfernt sind, identisch sein zu können.


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T.V. Hijack

Darf Kunst in Gewalt gegenüber Unbeteiligten ausarten?

Chris Burden: T.V. Hijack„T.V. Hijack“, © Chris Burden

Die Präsenz der Medien hat über die Jahrzehnte hinweg stetig zugenommen; heute drängen dank Außenkorrespondenz, Live-Schaltung, Internet, Twitter usw. Inhalte aus allen vier Ecken der Erde innerhalb kürzester Zeit an unser interessiertes, oder vielleicht auch zunehmend desinteressiertes Ohr. Ereignisse und Schicksale finden nicht einfach nur statt und wären daher bloße Aufgabe der Berichterstattung, sie werden zunehmend in Echtzeit und oftmals auch unaufbereitet an den Konsumenten weitergegeben, der sich dadurch nicht mehr nur als Rezipient, sondern auch in größer werdendem Maße als Zeuge fühlt.

Die Geiselnahme von Gladbeck, die Anschläge vom 11. September, die Livebilder von den Bombeneinschlägen in Saddam Husseins Palästen – diese und viele andere mehr oder weniger geschichtsträchtigen Ereignisse finden – gefühlt – nicht mehr an einem fernen Ort, sondern ganz in der Nähe statt. Trifft dies womöglich auch auf Sportweltmeisterschaften, Gedenk– und Staatsfeiern zu, tritt es doch insbesondere bei solch erschütternden Geschehnissen in den Vordergrund.

Im Februar 1972 sollte beim Channel 3 im kalifornischen Irvine ein Live-Interview mit dem aufstrebenden Künstler Chris Burden stattfinden, der zuvor durch seine von autoaggressiver Gewalt und Bedrohung geprägte Kunst bekannt wurde. Burden nahm die Gelegenheit war, um auch daraus ein „Kunstwerk“ zu schaffen – ob dies tatsächlich Kunst darstellt oder nicht, ist hierbei die große Frage. Chris Burden schildert die Ereignisse folgendermaßen:

On January 14 I was asked to do a piece on a local television station by Phyllis Lutjeans. After several proposals were censored by the station or by Phyllis, I agreed to an interview situation. I arrived at the station with my own video crew so that could have my own tape. While the taping was in progress, I requested that the show be transmitted live. Since the station was not broadcasting at the time, they complied. In the course of the interview, Phyllis asked me to talk about some of the pieces I had thought of doing. I demonstrated a T.V. Hijack. Holding a knife to her throat, I threatened her life if the station stopped live transmission. I told her that I had planned to make her perform obscene acts. At the end of the recording, I asked for the tape of the show. I unwound the reel and destroyed the show by dousing the tape with acetone. The station manager was irate, and I offered him my tape which included the show and its destruction, but he refused.

Was darf also Kunst? Darf sie die Unversehrtheit eines Nichtsahnenden derart aufs Spiel setzen?


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Are you ready? Shoot!

Die Motivgeschichte einer gewaltvollen Performance

Chris Burden: Shoot„Shoot“ (Videoausschnitt), © Chris Burden

Man sagt, eine Gesellschaft finde sich in seiner Kultur, seinen Erzählungen, seiner Musik, seinen Filmen, seiner Kunst wieder. Das Amerika der 50er und 60er Jahre hat – was Kinofilme anbetrifft – heute noch bedeutsame Werke hervorgebracht: „Wege zum Ruhm“, „Bonnie und Clyde“ (1967), „Point Blank“ (1967), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968). Filme, die Waffengebrauch, Krieg und Tod romantisieren und verklären, zuweilen auch pointieren. Als sich dann in den späten 60er Jahren für den seit 1965 herrschenden Vietnamkrieg ein politisch schmachvolles Ende abzeichnete und das persönliche Leid vieler Amerikaner – ob im Dschungel oder daheim – in den Vordergrund trat, nahm man vom heroisierten Bild der Hollywoodproduktionen Abstand und gewann eine andere Perspektive.

Als der Vietnamkrieg 1971 in der Öffentlichkeit als bereits gescheitert angesehen wurde, erregte ein Kunststudent namens Chris Burden die öffentliche Aufmerksamkeit: Er veröffentlichte einen kurzen Film, den er zu Beginn selbst kommentiert und darin ankündigt, was geschehen werde und worauf zu achten sei. Im Weiteren bleibt das Bild schwarz, nur der Ton bleibt. Dann sieht man Burden vor einer weißen Wand stehen, ein Freund und Kommilitone steht einige Meter vor ihm und zielt mit einem Gewehr auf den Künstler. Er drückt ab, trifft Burden in den Arm und beide verlassen die Szenerie.


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Der Moment der Balance

Das metallene Segel des Frederic Geurts

Frederic Geurts: (un)balancedUntitled, aus „(un)balanced“, © Frederic Geurts

Es gibt so manche Künstler, die – einmal ihr optimales Medium gefunden – nur noch mit diesem arbeiten und immer wieder neue Perspektiven und Ansätze explorieren. Die Kunstgeschichte ist voll von solchen Beispielen, nicht selten behält man heute einzelne Künstler vornehmlich dafür im Gedächtnis: Da wäre Rembrandts genialer Umgang mit dem Licht, Alexander Calders Mobiles oder auch Yves Kleins Ultramarinblau.

Solche Künstler verstehen es, sich und ihr Medium immer wieder neu zu erfinden. Der Belgier Frederic Geurts könnte einer von ihnen sein. Er arbeitet mit stählernen oder mit Polyesternetz ausgespannten Segeln, die mal im Raum zu schweben scheinen, mal denselbigen durchziehen, mal den Betrachter zu erdrücken, mal jenseits von Raum und Zeit zu existieren scheinen.


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La pluie

Unterwegs auf den Wegen der Inspiration

Marcel Broodthaers: La pluie (Projet pour un texte)„La pluie (Projet pour un texte)“, © Marcel Broodthaers (via)

Ein Mann sitzt im Regen, kauert auf seinem Gartenstuhl, die Kiste zu seinen Füßen dient ihm als Tisch. Darauf ausgebreitet ein Bogen Papier, zudem ein Tintenfass und Schreibutensilien. Er setzt die Feder zum Schreiben an, bringt unermüdlich sein Wort zum durchweichten Papier. Der Regen spült die frischen Worte hinweg, löscht den Gedanken aus, ertränkt die Stimme des Mannes.

Der belgische Künstler Marcel Broodthaers hat 1969 in seinem zweiminütigem 16mm-Schwarz-Weiß-Film „La pluie (Projet pour un text“) eben jene Szene dargestellt. Online gibt es den Film leider nicht, nur einzelne Stills, was es jedoch gibt, sind Fotos und Filme jener Werke, die sich durch Broodthaers melancholischen, sehr eindrücklichen Film inspirieren ließen und dort anknüpfen: – eine kleine Motivgeschichte.


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