Eine typische Vernissage: mit dem Sekt in der Hand posieren für die Kamera (via)
Den Mythos des Künstlers umgibt die heilige Aura eines eigenbrötlerischen Freigeistes, der sich nimmt, was ihm gefällt, und gibt, was ihm gerade gut genug dünkt, um für das Publikum herhalten zu können. So oder so ähnlich wird der Pathos des Künstlers jedenfalls gern dargestellt. Dieses Bild dürfte jetzt wohl wieder einigen Berliner Galeriegängern in den Geist kommen, wenn sie von den neusten Begehren der Berliner Künstler hören. Diese ließen nämlich von gewerkschaftlicher Seite eine Forderung an den Berliner Galerienbund ausrichten und berichten folgendermaßen:
[…] daher treten wir an alle Berliner Galerien, staatliche wie private, organisiert im Berliner Galerienbund, heran und fordern, dass die Kunst wieder im Mittelpunkt steht. Wir sind es leid, dass Ausstellungseröffnungen mehr von der Vorstellung eines neuen Geschäftsmodells als von einer Kunstveranstaltung haben. Wir sind es leid, dass wir Künstler auf den Vernissagen als bloße Handelsware angesehen werden, und wir sind es leid, dass Kunst zum reinen Konsumobjekt verkommt.
[…] Daher fordern wir, dass fortan Sektempfänge und kalte Buffets nicht mehr integraler Bestandteil einer Berliner Vernissage sein dürfen, dass die Besucher nicht mehr dazu angehalten werden, von Vernissage zu Vernissage zu tingeln um hier und da Prosecco zu genießen. Wir missbilligen diese Alles-kostenlos-Mentalität, die sich in manchen Teilen des Berliner Publikums breit gemacht hat, […]
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