Ai Weiwei-Film startet morgen in den Kinos

13. Juni 2012 von Matthias Planitzer
Gewinnspiel: 2x2 Freikarten und je ein Buch, sowie ein exklusiver Filmausschnitt

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Chi­nas wohl bekann­tes­ter zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler Ai Wei­wei befin­det sich seit dem ver­gan­ge­nen Jahr unter poli­ti­schem Haus­ar­rest – sei­ne regie­rungs­kri­ti­schen Äuße­run­gen und Kunst­wer­ke zogen erneut har­te Repres­sa­li­en der chi­ne­si­schen Macht­ha­ber nach sich. Am 22. Juni soll der Haus­ar­rest auf­ge­ho­ben wer­den – wenn alles gut läuft, denn das ist alles ande­re als gewiß. Sicher ist dage­gen, daß in den deut­schen Kinos am 14.06. 2012 die Doku­men­ta­ti­on »Ai Wei­wei: Never sor­ry« anlau­fen wird – es könn­te kei­nen bes­se­ren Zeit­punkt geben.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen dar­über, was der Film ver­spricht, sowie eine Ver­lo­sung von Frei­kar­ten und Kunst­bän­den fol­gen nach einem exklu­siv für Cas­tor & Pol­lux bereit­ge­stell­ten Aus­schnitt aus »Ai Wei­wei: Never sor­ry«, in dem der Künst­ler auf den uner­war­te­ten Abriß sei­nes Ate­liers in Shang­hai mit gewohn­tem Witz und poli­ti­scher Durch­schlag­kraft reagiert:

Über Ai Wei­wei wur­de in der Ver­gan­gen­heit bereits viel geschrie­ben. Wohl kaum ein ande­rer zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler ist so oft Gegen­stand der all­ge­mei­nen Bericht­erstat­tung wie Ai, ander­seits weiß kaum ein ande­rer zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler die­se media­le Auf­merk­sam­keit so gekonnt für sich zu nut­zen. Der Kampf zwi­schen Ai Wei­wei und den chi­ne­si­schen Obe­ren ist in der west­li­chen Welt­öf­fent­lich­keit jeden­falls bereits aus­ge­macht: Die­ser David wird nicht müde, gegen die inhu­ma­nen Ver­hält­nis­se in der Volks­re­pu­blik anzu­ge­hen. Doch die Per­spek­ti­ve aus der Fer­ne läuft Gefahr, die dif­fi­zi­len Ver­hält­nis­se nur ein­ge­engt zu betrach­ten.

Hier setzt Ali­son Klay­man, die Regis­seu­rin der 91-minü­ti­gen Doku­men­ta­ti­on, an und bie­tet einen tie­fen Ein­blick in die chi­ne­si­sche Rea­li­tät zwi­schen Will­kür und Wider­stand. Ihren Haupt­dar­stel­ler Ai Wei­wei beglei­te­te sie über drei Jah­re hin­weg und ver­dich­te­te nun in »Ai Wei­wei: Never sor­ry« hun­der­te Stun­den Mate­ri­al in ein abend­fül­len­des Film­por­trait. Neben Ai kom­men auch wei­te­re Künst­ler wie He Yun­chang, Hsieh Teh­ching, Gale­rist Ethan Cohen und Ais Ehe­frau Lu Qing zu Wort.

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»Ai Wei­wei: Never sor­ry« beginnt im Jah­re 2008, als der Künst­ler sich mit dem Erd­be­ben von Sichuan und sei­nen Opfern beschäf­tig­te. Zu die­ser Zeit kam es zu einem gewalt­sa­men Über­griff der chi­ne­si­schen Poli­zei, bei dem der Chi­ne­se schwer am Kopf ver­letzt wur­de. Der Film zeigt die­se Sze­nen und die Ent­ste­hung jenes Fotos, das Ai noch in der­sel­ben Nacht von sich und sei­nen Auf­se­hern schoss und inner­halb weni­ger Stun­den um die Welt ging und bald in allen Zei­tun­gen zu sehen war. Im Fall der ver­ges­se­nen Schul­kin­der von Sichuan ließ er nicht nach: Ai Wei­weis bedeu­ten­de Aus­stel­lung »So sor­ry«, die im Win­ter 2009/2010 im Mün­che­ner Haus der Kunst gezeigt wur­de, zeig­te die Instal­la­ti­on »Remem­be­ring« aus 9000 Schul­ruck­sä­cken an pro­mi­nen­ter Stel­le. Die Hin­ter­grün­de zu die­ser bekann­ten Arbeit wie auch Aus­schnit­te aus dem Gespräch mit Chris Der­con kom­men in »Ai Wei­wei: Never sor­ry« nicht zu kurz.

Der Film, der auf dem Sundance-Fes­ti­val und der Ber­li­na­le die Jurys über­zeu­gen konn­te, zeigt auch die pri­va­ten Sei­ten des Chi­ne­sen: Im Gespräch mit sei­ner Mut­ter und sei­nem Bru­der wird sei­ne Kind­heit in Chi­na anek­do­ten­reich geschil­dert. Freun­de erzäh­len von sei­ner Zeit in New York und sei­nem Enga­ge­ment, die noch klei­ne Avant­gar­de-Bewe­gung im Peking der 90er Jah­re zu unter­stüt­zen. In die­sen Sze­nen wird die Per­son Ai Wei­wei ein Stück greif­ba­rer, wenn etwa sei­ne Mut­ter Gao Ying in Sor­ge um die Sicher­heit ihres Soh­nes sich innig einen Rück­zug aus der Poli­tik wünscht oder Ai mit sei­nem Sohn inmit­ten der 100 Mil­lio­nen Son­nen­blum­ker­ne steht, die er 2010 in der Tate Modern Lon­don ver­teil­te.

"Macht euch keine Illusionen über mich: Der verbotene Blog", Galiani Berlin

»Macht euch kei­ne Illu­sio­nen über mich: Der ver­bo­te­ne Blog«, Galia­ni Ber­lin

Doch kurz nach der Eröff­nung der viel beach­te­ten Aus­stel­lung reagie­ren die chi­ne­si­schen Macht­ha­ber und las­sen Ais Ate­lier in Shang­hai nie­der­rei­ßen. Wenig spä­ter kommt es zur Fest­nah­me, wel­che der Film eben­so the­ma­ti­siert wie das Ver­schwin­den und auch die uner­war­te­te Frei­las­sung des Künst­lers. Dabei zeich­net die Doku­men­ta­ti­on ein auch vie­le Mona­te spä­ter noch erschüt­tern­des Bild von den Metho­den, die das chi­ne­si­sche Regime gegen sei­ne erklär­ten Dis­si­den­ten anwen­det. Dabei wird jedoch auch klar, daß selbst die schil­lernds­te Figur der chi­ne­si­schen Sys­tem­kri­tik nur ein Spiel­ball der Macht­ha­ber ist, wenn der sonst furcht­lo­se Ai Wei­wei bei sei­ner Frei­las­sung aus der 81-tägi­gen Haft mit spür­ba­rer Angst in der Stim­me den neu­gie­ri­gen Jour­na­lis­ten nur aus­wei­chend ant­wor­tet.

Der Film erlebt eini­ge Höhe­punk­te und zeigt so erst­mals einem brei­ten Publi­kum ein dif­fe­ren­zier­tes Bild des chi­ne­si­schen Künst­lers und der Gesell­schaft, in der er zum Wider­stand auf­ruft. Eine der ein­drucks­volls­ten Sze­nen spielt sich in einem gewöhn­li­chen Schwei­ne­schmor­bra­ten-Restau­rant in Cheng­du, der Pro­vinz­haupt­stadt Sichu­ans ab. Dabei wird die wir­kungs­vol­le Medi­en­po­li­tik Ai Wei­weis und auch Klay­mans beson­ders deut­lich, in der ein Kame­ra­mann des Künst­lers die all­ge­gen­wär­ti­gen, wach­sam fil­men­den Poli­zis­ten auf­nimmt. Hier­zu heißt es im Film:

»Die Poli­zei kennt nicht die Macht des Bil­des. Sie haben ihre Kame­ra, wir haben unse­re Kame­ra. Aber ihre Auf­zeich­nun­gen wer­den nie ver­öf­fent­licht. Wir wer­den unse­re ver­öf­fent­li­chen. … Es ist also kein fai­res Vor­ge­hen.«

Zum Anlass des Kino­starts von »Ai Wei­wei: Never sor­ry« am 14.06. 2012 ver­lo­sen wir zwei Pake­te, jeweils bestehend aus jeweils zwei Frei­kar­ten und einem Exem­plar des Buches »Macht euch kei­ne Illu­sio­nen über mich: Der ver­bo­te­ne Blog« aus dem Ver­lag Galia­ni Ber­lin. Dar­in ist auf 478 Sei­ten der ver­bo­te­ne Blog des Künst­lers in deut­scher Über­set­zung abge­druckt, in dem er über vier Jah­re hin­weg die Ent­wick­lung Chi­nas doku­men­tiert und kom­men­tiert.

Um am Gewinn­spiel teil­zu­neh­men reicht es aus, Cas­tor und Pol­lux auf Face­book zu liken und einen Kom­men­tar mit Hin­weis auf die­ses Gewinn­spiel zu hin­ter­las­sen. Die glück­li­chen Gewin­ner wer­den am 22. Juni ermit­telt und benach­rich­tigt. Der Rechts­weg ist aus­ge­schlos­sen. Viel Glück!

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu »Ai Wei­wei: Never sor­ry« gibt es auf der Film­web­site.

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