Singendes Metall

03. August 2010 von Matthias Planitzer
"Cuprum" und "Aurichalcum" aus dem Triptychon "Phonurgia metallis", © Jacob Kirkegaard In diesem Blog habe bereits einige Male meinen Hang zu Soundinstallationen durchscheinen lassen, jedenfalls sind diese hier wohl überproportional vertreten. Künstler wie Janet Cardiff & George Bures Miller etwa sind der Grund, warum mich diese kleine Sparte der Gegenwartskunst so fasziniert. Da werden allein durch die Kraft des Klanges und die Eigenheiten des Raumes ungeahnte Atmosphären erschaffen, die mit rein visuell kommunizierender Kunst selten erreicht werden. Jacob Kirkegaard ist einer dieser Klangkünstler und gehört ganz nebenbei zu denen, die mich schon seit einiger Zeit besonders und auch nicht mehr loslassen. Anfang des Jahres empfahl ich bereits seine Soundinstallation "Haus der Mahre" im KW Institute und nun hat mich eine weitere seiner einzigartigen Klangarbeiten begeistert: Für "Phonurgia metallis" nutzt er hauchdünne Metallplatten, um die Resonanz des Raumes einzufangen und hörbar zu machen. Ergebnis sind überwältigende Klangsphären, die sich dem Raum und seinen Schwingungen anpassen. Mehr dazu, natürlich auch Klangbeispiele gibt's nach dem Klick.

Jacob Kirkegaard: Phonurgia metallis»Cup­rum« und »Aurich­al­cum« aus dem Tri­pty­chon »Pho­nur­gia metal­lis«, © Jacob Kir­ke­gaard

In die­sem Blog habe bereits eini­ge Male mei­nen Hang zu Sound­in­stal­la­tio­nen durch­schei­nen las­sen, jeden­falls sind die­se hier wohl über­pro­por­tio­nal ver­tre­ten. Künst­ler wie Janet Car­diff & Geor­ge Bures Mil­ler etwa sind der Grund, war­um mich die­se klei­ne Spar­te der Gegen­warts­kunst so fas­zi­niert. Da wer­den allein durch die Kraft des Klan­ges und die Eigen­hei­ten des Rau­mes unge­ahn­te Atmo­sphä­ren erschaf­fen, die mit rein visu­ell kom­mu­ni­zie­ren­der Kunst sel­ten erreicht wer­den.

Jacob Kir­ke­gaard ist einer die­ser Klang­künst­ler und gehört ganz neben­bei zu denen, die mich schon seit eini­ger Zeit beson­ders und auch nicht mehr los­las­sen. Anfang des Jah­res emp­fahl ich bereits sei­ne Sound­in­stal­la­ti­on »Haus der Mah­re« im KW Insti­tu­te und nun hat mich eine wei­te­re sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Klang­ar­bei­ten begeis­tert:

Für »Pho­nur­gia metal­lis« nutzt er hauch­dün­ne Metall­plat­ten, um die Reso­nanz des Rau­mes ein­zu­fan­gen und hör­bar zu machen. Ergeb­nis sind über­wäl­ti­gen­de Klang­sphä­ren, die sich dem Raum und sei­nen Schwin­gun­gen anpas­sen. Mehr dazu, natür­lich auch Klang­bei­spie­le gibt’s nach dem Klick.

Jacob Kirkegaard: Phonurgia metallis»Pho­nur­gia metal­lis«, © Jacob Kir­ke­gaard

Das Prin­zip der ein Meter mes­sen­den, qua­dra­ti­schen Metall­plat­ten ist so sim­pel, wie geni­al: Neben der mini­ma­len Eigen­schwin­gung neh­men die Plat­ten auch Luft­schwin­gun­gen im Raum auf, wel­che durch ange­brach­te Kon­takt­mi­kro­pho­ne erfasst und dann ver­stärkt wer­den kön­nen. Die so erzeug­ten Klän­ge wer­den zurück auf die Plat­te über­tra­gen, die dadurch als Kon­takt­laut­spre­cher dient und sich wie­der­um per Reso­nanz selbst beein­flusst. Kleins­te Ände­run­gen der Luft­schwin­gun­gen im Raum, etwa durch umher­ge­hen­de Besu­cher kön­nen damit also in eine Klang­form über­tra­gen und wie­der­ge­ge­ben wer­den.

Das Erstaun­li­che dar­an: Die nur 1mm dün­nen Metall­plat­ten unter­schei­den sich in Abhän­gig­keit des ver­wen­de­ten Metalls. Eisen etwa erzeugt rela­tiv hohe Sinus­tö­ne, Kup­fer einen recht dunk­len Klang und Mes­sing wie­der­um liegt irgend­wo dazwi­schen:

Kup­fer (»Cup­rum«) bei­spiels­wei­se klingt fol­gen­der­ma­ßen:

[audio:http://www.castor-und-pollux.de/img/1008/cuprum.mp3]

Mes­sing (»Aurich­al­cum«) wie­der­um gänz­lich anders:

[audio:http://www.castor-und-pollux.de/img/1008/aurichalcum.mp3]

Jacob Kirkegaard: Ferrum»Fer­rum«, © Jacob Kir­ke­gaard

Eisen (»Fer­rum«):

[audio:http://www.castor-und-pollux.de/img/1008/ferrum.mp3]

Die­se Klang­ge­bil­de las­sen sich als akus­ti­scher Spie­gel des Rau­mes ver­ste­hen, in dem sie ent­ste­hen. Nicht nur, dass die polier­ten Metall­plat­ten einen visu­el­len Hin­weis dar­auf geben, die Natur der Klang­er­zeu­gung in »Pho­nur­gia metal­lis« gibt dies eben­falls wie­der. Dadurch, dass selbst gerin­ge Luft­strö­me und unter­schwel­li­ge Geräusch­quel­len mit­tels der Metall­plat­ten ver­stärkt und reso­niert wer­den kön­nen, ergibt sich ein inter­ak­ti­ve Klang­in­stal­la­ti­on, die allein das ver­ar­bei­tet, was um sie her­um abläuft.

Den­noch ste­hen auch die Eigen­schaf­ten der Plat­ten selbst im Vor­der­grund: Die spe­zi­fi­schen Mate­ri­al- und Schwin­gungs­ei­gen­schaf­ten der ver­schie­de­nen Metal­le füh­ren zu höchst unter­schied­li­chen Mus­tern, die etwa für Kup­fer einen gleich­mä­ßi­gen, gedämpf­ten Klang, für Mes­sing dage­gen ein zyklisch anschwel­len­des Geräusch beinhal­ten. Der Künst­ler selbst bezieht sich hier­in auf die his­to­ri­sche Leh­ren der Pho­no­lo­gie, die jedem Ele­ment, jedem Kör­per einen eige­nen akus­ti­schen Cha­rak­ter zuwei­sen, der ihnen inne­woh­nen soll.

Inter­es­san­ter fin­de ich jedoch den Gedan­ken, dass (in »Pho­nur­gia Metal­lis«) das Abbild vom Spie­gel, nicht etwa vom Abge­bil­de­ten abhängt. Obgleich jede der drei Metall­plat­ten sich im sel­ben Raum befin­det, also nach ein­fa­chem Ver­ständ­nis alle das­sel­be wie­der­ge­ben müss­ten, unter­schei­den sich doch die Klän­ge stark von­ein­an­der. Eine unsicht­ba­re und auch unbe­ein­fluss­ba­re Kom­po­nen­te des Sys­tems ent­fal­tet hier eine Wir­kung, die maß­geb­lich über das Ergeb­nis ent­schei­det.

Gibt es womög­lich gar kei­nen Spie­gel, der kei­nen Ein­fluss auf die Reflek­ti­on nimmt, der nicht in die Ent­ste­hung des Abbil­des ein­greift? Wie­viel des­sen, was ein Spie­gel jeg­li­cher Art gene­riert, deckt sich mit dem, was zuvor Vor­la­ge war? Kir­ke­gaar­ds »Pho­nur­gia metal­lis« legt zumin­dest nahe, dass die­se Aspek­te nicht zu ver­nach­läs­si­gen sind.