Adaptation und Assimilation

Interaktive Lichtinstallation in der Program Galerie

Raurouw: shock control regression adaptation“shock con­trol regres­sion adapta­tion”, © Rau­rouw

Der Theo­loge Yorick Spie­gel pos­tu­lierte zu Beginn der Sieb­zi­ger Jahre seine Theo­rie der vier Trau­er­pha­sen: Zunächst über­wiege der Schock, bald jedoch die emo­ti­ons­arme Kon­trolle, wor­auf­hin die Regres­sion aus dem all­täg­li­chen Leben und schließ­lich die Phase der Anpas­sung folge. Diese Theo­rie fand spä­ter viel Anklang und wird gemein­hin auf die Bin­sen­weis­heit “Trau­ern ist Anpas­sung” verkürzt.

Eben die­sen Sach­ver­halts will sich nun eine Licht­in­stal­la­tion der Künst­ler­gruppe Rau­rouw anneh­men: Dazu ent­sen­den sie Laser­strah­len durch die ver­dun­kel­ten Räume der PROGRAM Gale­rie, len­ken sie mit­tels Spie­geln um und modu­lie­ren sie ana­log zu den vier Trau­er­pha­sen in Farbe und Gestalt. Die Instal­la­tion “shock con­trol regres­sion adapta­tion” soll dazu mit den Besu­chern inter­agie­ren und durch ihre Bewe­gun­gen gesteu­ert die Wech­sel zwi­schen den ein­zel­nen Pha­sen einläuten.

Nach Vor­stel­lung der vier­köp­fi­gen Archi­tek­ten­gruppe von der Stä­del­schule soll der Betrach­ter hier­durch in einen engen Kon­takt mit der Instal­la­tion tre­ten und sich schließ­lich ebenso darin reflek­tiert sehen, wie die Spie­gel das Laser­licht zurück­wer­fen. Dabei will die Instal­la­tion nicht bloß gemäß des Cre­dos adap­tie­ren, sie soll auch die Ver­än­de­run­gen in der Bezie­hung mit dem Betrach­ter modu­lie­ren und somit zu einem bei­der­sei­ti­gen Dis­kurs füh­ren, was, so heißt es, “bestimmte Emo­tio­nen” aus­lö­sen soll.

Und selbst wenn dem nicht so sein sollte, dürfte doch eine Raum­in­stal­la­tion auf den Besu­cher war­ten, die – ich fühlte mich zunächst an Gianni Colom­bos “Spa­zio Elas­tico” erin­nert – womög­lich sogar inten­sive Raumer­fah­run­gen aus­lö­sen könnte.

Ihr kennt mich als gro­ßen Fan von inter­ak­ti­ven Instal­la­tio­nen und so ist es nicht ver­wun­der­lich, dass ich ob der heute ein­ge­trof­fe­nen Ankün­di­gung nicht anders kann, als schleu­nigst vor­bei­zu­schauen und mir selbst einen Ein­druck von “shock con­trol regres­sion adapta­tion” zu machen. Sehen wir uns am Samstagabend?

 

Gele­gen­heit dazu besteht vom 17. Juli bis 20. August
diens­tags bis sonn­tags von jeweils 14.00 bis 19.00 Uhr bei PROGRAM in der Inva­li­den­straße 115, 10115 Berlin.