Art Barter: Ein Bericht

I bartered for art

Art Barter: Viele Angebote, doch nur wenige werden Kunst eintauschen könnenArt Bar­ter: Viele Ange­bote, doch nur wenige wer­den Kunst ein­tau­schen können

Nach­dem ges­tern die deut­sche Elf die Men­schen in die Bier­gär­ten und vor die Fern­se­her lockte, war die Ber­li­ner Innen­stadt bis auf ein paar Tou­ris­ten (Fran­zo­sen? Ita­lie­ner?) wie leer­ge­fegt. Der beste Zeit­punkt also, um sich der Kunst zu widmen.

Wie bereits ange­kün­digt, fand am ver­gan­ge­nen Wochen­ende die erste Aus­gabe von Art Bar­ter auf deut­schem Boden statt. Ich war vor Ort, habe viel spe­ku­liert und auch selbst ein Ange­bot abge­ge­ben. Was Art Bar­ter eigent­lich ist und wie die Aus­stel­lung war? Mehr dazu nach dem Klick.

Art Barter: Die Liste der vertretenen KünstlerArt Bar­ter: Die Liste Aus­wahl der ver­tre­te­nen Künstler

Es sei noch ein­mal kurz erwähnt, was es mit Art Bar­ter eigent­lich auf sich hat:

Bei Art Bar­ter wer­den die Kunst­werke nicht etwa gekauft, statt­des­sen wer­den die Künst­ler mit ent­spre­chen­den Gegen­leis­tun­gen oder Tausch­ge­gen­stän­den ent­lohnt. Dazu wer­den die Arbei­ten für einige Tage öffent­lich aus­ge­stellt und jeder Besu­cher kann ein „Gebot“ für ein Werk hin­ter­las­sen, das ihm gefällt. Oder gerne auch mehr. Die Gebote wer­den dann an den Künst­ler über­mit­telt, der dann eines – oder auch gar kei­nes – annimmt. Es kommt zum Tausch und beide sind glücklich!

Der Clou: Die Bie­ter wis­sen nicht, von wem die Werke stam­men. So wird gewähr­leis­tet, dass die Werke nicht des Namens, son­dern der Qua­li­tät wegen getauscht wer­den. Erst nach Ende der Aus­stel­lung wer­den die Namen bekannt­ge­ge­ben und so kann sich jeder mit neuen Künst­lern ver­traut machen.

Einmal aus der Ferne...
... und einmal aus der Nähe.Ein­mal aus der Ferne und ein­mal aus der Nähe.

Als ich dann ges­tern Abend das men­schen­leere .HBC besuchte, um mir selbst ein Bild von die­ser neu­ar­ti­gen Ver­an­stal­tung zu machen, hatte ich mich zuvor lange mit der Frage aus­ein­an­der­ge­setzt, was ich denn wohl anbie­ten würde, falls mir eines der Werke so gut gefiele, dass ich es unbe­dingt haben müsse. Sollte ich meine geliebte Vintage-Gitarre ein­tau­schen? Sollte ich viel­leicht eine Dienst­leis­tung anbie­ten? Etwa ein Jahr lang das Auto waschen? Ich war mir unschlüssig.

Auf den ers­ten Blick hielt ich diese Über­le­gung hin­fäl­lig, nach einer kur­zen Ori­en­tie­rung schien mir das Kura­ti­ons­kon­zept recht sim­pel und prag­ma­tisch. Die Werke wur­den ohne erkenn­ba­ren Zusam­men­hang neben­ein­an­der prä­sen­tiert, ich fühlte mich mehr wie auf einer Kunst­messe denn einer Aus­stel­lung. Aber das war in Ord­nung, schließ­lich war es genau das: Eine Messe, die es zum Zweck hat, Kunst zu ver­mit­teln. Der große Unter­schied war jedoch, dass man zuvor nicht wusste, wel­cher Künst­ler wel­ches Werk beisteuerte.

Nicht jeder der Künstler hat die Idee ernst genommen.Nicht jeder der Künst­ler hat die Idee ernst genommen.

Könnte die­ses Werk von Jona­than Monk sein? Oder die­ses hier: etwa Saâdane Afif?” – Sol­che und ähnli­che Gedan­ken geis­ter­ten mir anfangs durch den Kopf. Es ist eigen­ar­tig, wie sich die Kunst­re­zep­tion ändert, wenn weder Künst­ler noch Titel bekannt sind. Die Beob­ach­tun­gen wer­den einer­seits ober­fläch­li­cher, auf der ande­ren Seite aber auch knap­per, spe­ku­la­ti­ver und krea­ti­ver. Der inter­es­sierte Gale­rie­be­su­cher, der für gewöhn­lich aus sei­nem Vor­wis­sen schöpft, wenn er neue Werke eines ihm bereits bekann­ten Künst­lers betrach­tet, wurde bei Art Bar­ter mit einer gänz­lich neuen Art und Weise kon­fron­tiert, wie man Kunst erle­ben kann.

Auf der einen Seite steht tat­säch­lich die bedau­er­li­che Ober­fläch­lich­keit und die man­gelnde Inten­si­tät des Kunst­kon­takts, was aber schnell durch die Vor­ur­teils­lo­sig­keit und das befrei­tere Den­ken wett­ge­macht wurde.

Wer hervorstechen will, muss erfinderisch seinWer her­vor­ste­chen will, muss erfin­de­risch sein

So war ich auch schnell von einer der aus­ge­stell­ten Arbei­ten beson­ders begeis­tert und war mir nach län­ge­rer Zeit der inten­si­ven Aus­ein­an­der­set­zung dar­über im Kla­ren: Die­ses Gemälde muss ich haben. Kein Weg führte daran vor­bei, ich würde das .HBC nicht ver­las­sen, ohne mein Glück zu ver­su­chen und ein Ange­bot abzugeben.

Nur so viel sei ver­ra­ten: Die Gitarre wird wei­ter­hin mein blei­ben, doch wer weiß: Mit ein wenig Glück bin ich ja bald Besit­zer eines tol­len Kunstwerks…


Kommentare

  1. thw schrieb am 28. Juni 2010:

    Ich war auch dort…Aber ich kannte kei­nen und kei­ner kannte micht. Das war einer­seits gut so und ande­rer­seits schlecht, weil sich hier weder die übli­chen Ver­däch­ti­gen noch die unüb­li­chen Ver­dachts­lo­sen sich dort tra­fen. Oder habe ich jemand über­se­hen vor lau­ter Kunst ohne Namen..


  2. Mat­thias schrieb am 28. Juni 2010:

    Hm über das Publi­kum kann ich nicht viel sagen. Als ich ges­tern gegen 19:30 Uhr vor Ort war, war ich ganz allein. Lag viel­leicht an der WM, viel­leicht aber auch an ande­ren Fak­to­ren, die bei der Ver­an­stal­tung oder den Orga­ni­sa­to­ren selbst zu suchen sind. War ange­nehm, ist mir jeden­falls lie­ber als das wirre Stim­men­ge­plät­scher einer han­dels­üb­li­chen Vernissage.