Drei Mal Gallery ohne Weekend

30. April 2010 von Matthias Planitzer
"Black House", © Anthony Goicolea (@ Aurel Scheibler) Heute beginnt ja bekanntlich das renommierte Gallery Weekend, das weltweit als wichtiges Kunstevent bekannt ist. Wie schon zu Beginn des Monats berichtet, nehmen dieses Jahr vierzig Galerien an dem großen Kunstreigen teil. Dass diese wieder einmal die hohen Besucherzahlen loben werden, dürfte gewiss sein, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass diverse Kunstmagazine und -webseiten bereits ihre Empfehlungen ausgesprochen haben, weshalb ich es mir an dieser Stelle erlaube, nicht auch noch meinen Teil dazu beizusteuern. Denn schließlich bedeutet die Präsenz eines so großen Kunstfestivals nicht, dass all die anderen Galerien und Museen ihr Programm einstellten und am Montag wieder aus ihrem Tiefschlaf erwachten. Ganz im Gegenteil, abseits des großen Kunstrummels gibt es so manche Ausstellung oder Vernissage, die einen Besuch an diesem sonnigen Wochenende wert sein dürfte.

Anthony Goicolea: Black House»Black Hou­se«, © Antho­ny Goi­co­lea (@ Aurel Schei­bler)

Heu­te beginnt ja bekannt­lich das renom­mier­te Gal­le­ry Wee­kend, das welt­weit als wich­ti­ges Kunst­e­vent bekannt ist. Wie schon zu Beginn des Monats berich­tet, neh­men die­ses Jahr vier­zig Gale­ri­en an dem gro­ßen Kunst­rei­gen teil. Dass die­se wie­der ein­mal die hohen Besu­cher­zah­len loben wer­den, dürf­te gewiss sein, und so ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass diver­se Kunst­ma­ga­zi­ne und -web­sei­ten bereits ihre Emp­feh­lun­gen aus­ge­spro­chen haben, wes­halb ich es mir an die­ser Stel­le erlau­be, nicht auch noch mei­nen Teil dazu bei­zu­steu­ern.

Denn schließ­lich bedeu­tet die Prä­senz eines so gro­ßen Kunst­fes­ti­vals nicht, dass all die ande­ren Gale­ri­en und Muse­en ihr Pro­gramm ein­stell­ten und am Mon­tag wie­der aus ihrem Tief­schlaf erwach­ten. Ganz im Gegen­teil, abseits des gro­ßen Kunst­rummels gibt es so man­che Aus­stel­lung oder Ver­nis­sa­ge, die einen Besuch an die­sem son­ni­gen Wochen­en­de wert sein dürf­te.

Anthony Goicolea: Jettison»Jet­ti­son«, © Antho­ny Goi­co­lea

Aurel Schei­bler: DECEMBERMAY

Die­se klei­ne Lis­te wird bereits durch einen ech­ten Knal­ler ange­führt, der sich nicht scheu­en muss, gegen den Platz­hirsch Gal­le­ry Wee­kend anzu­tre­ten. Die Rede ist von der »DECEMBERMAY«, der neu­en Solo-Aus­stel­lung von Antho­ny Goi­co­lea bei Aurel Schei­bler. Goi­co­lea, sei­nes Zei­chen Foto­graf und Maler, zeigt hier sei­ne neus­ten Arbei­ten, die zwar sehr unter­schied­li­che Moti­ve zei­gen, aber doch ihre geheim­nis­vol­le, fast bedrü­cken­de, mor­bi­de Stim­mung tei­len.

So zei­gen eini­ge Foto­gra­fi­en Kon­sum­gü­ter­ber­ge an ver­las­se­nen, men­schen­lee­ren, meist win­ter­li­chen Orten; ande­re Bil­der beschäf­ti­gen sich mit der Rück­erobe­rung sol­cher Orte durch die Natur. Gemein ist ihnen der omni­prä­sen­te Ver­fall von Men­schen erschaf­fe­ner Orte und Din­ge, wie auch der kras­se Kon­trast von all­täg­li­chen Gegen­stän­den und Orten, die, von ihren Erschaf­fern ver­las­sen, jetzt der Natur über­las­sen sind.

Bereits die weni­gen Infor­ma­tio­nen, die sich zu »DECEMBERMAY« fin­den lie­ßen, haben mich voll­ends begeis­tert — ich bin mir sicher, dass die Wer­ke in der Gale­rie noch ein­mal viel ein­drück­li­cher wir­ken. So kann ich an die Aus­stel­lung, auch ohne die Arbei­ten mit eige­nen Augen gese­hen zu haben, unein­ge­schränkt emp­feh­len und wer­de sicher­lich noch ein­mal spä­ter dar­über berich­ten.

Zu sehen ist »DECEMBERMAY« in der
Gale­rie Aurel Schei­bler, Filia­le »Schei­bler­Mit­te«
noch bis zum 3. Juli
diens­tags bis sonn­abends von 11.00 bis 18.00 Uhr in der
Char­lot­ten­stra­ße 2, 10969 Ber­lin.

Muntean/Rosenblum: UntitledUntit­led, © Muntean/Rosenblum

Arndt: Chan­ging the world

Die Gale­rie Arndt (ohne »+ Part­ner«?) ist nach ihrem Umzug in ihre neu­en Hal­len in die Pots­da­mer Stra­ße wie­der prä­sent und fei­ert ihre Ein­wei­hung gleich mit einer gro­ßen Aus­stel­lung der kura­tier­ten Künst­ler und Gast­künst­ler. Den Besu­cher erwar­tet also ein bun­tes Pro­gramm aktu­el­ler Wer­ke des beacht­li­chen Port­fo­li­os der Gale­rie und kann etwa Arbei­ten von Sophie Cal­le, Wim Del­voye, Tho­mas Hirsch­horn, Charles Sandi­son und zwan­zig wei­te­rer Künst­ler bewun­dern, von denen vie­le inter­na­tio­nal eta­bliert und man­che von Welt­rang sind.

Einem beson­de­ren The­ma ist die Aus­stel­lung »Chan­ging the world« zwar nicht gewid­met, doch dürf­te dies die Gele­gen­heit sein, auf all die­je­ni­gen gewar­tet haben, die vie­le neue Künst­ler ken­nen­ler­nen wol­len. Ein klei­ner Abste­cher in die Pots­da­mer Stra­ße kann sich also loh­nen und wer bei allem nicht die gegen­wär­ti­ge Bedeu­tung des mor­gi­gen Fei­er­ta­ges ver­ges­sen möch­te, kann sich umso mehr an dem unbe­nann­ten Werk des Künst­ler­du­os Muntean/Rosenblum, s.o., erfreu­en.

»Chan­ging the world« in der Gale­rie Arndt,
noch bis zum 31. Mai,
an die­sem Wochen­en­de von 10.00 bis 19.00 Uhr, in der
Pots­da­mer Stra­ße 96 in 10785 Ber­lin.

Dennis»SPONGER #6«, © Den­nis Fed­der­sen

Kunst­cam­pus Hei­de­stra­ße: Hyper­na­tu­ral

Das KUNST Maga­zin fei­ert vier­jäh­ri­ges Bestehen und ließ sich anläss­lich die­ses Fei­er­ta­ges nicht lum­pen, eine eige­ne Aus­stel­lung auf die Bei­ne zu stel­len, die den knap­pen Titel »Hyper­na­tu­ral« trägt. 22 Künst­ler wur­den dazu ein­ge­la­den, ihre Wer­ke auf dem Kunst­cam­pus Hei­de­stra­ße, also in Nach­bar­schaft zum Ham­bur­ger Bahn­hof, aus­zu­stel­len. Jeder von ihnen beschäf­tigt sich in sei­nen aus­ge­stell­ten Arbei­ten mit dem krea­ti­ven Brü­cken­schlag zwi­schen Rea­li­tät und Ima­gi­na­ti­on. Ein eher for­ma­les The­ma also, das jedoch viel­fäl­ti­ge Wer­ke ver­eint.

So kann man etwa Den­nis Fed­der­sens »SPONGER« bestau­nen, ein aus schwar­zen, auf­ge­bläh­ten Tüten zusam­men­ge­setz­tes, para­si­tär wir­ken­des Wesen, das stark an sei­ne Instal­la­ti­on »Para­si­te #17« erin­nert, über die ich ja schon ein­mal aus­führ­lich schrieb. Es hängt eben­falls in einer Ecke des Rau­mes, hat dort Schutz gefun­den und ist dar­auf aus, sich wei­ter aus­zu­brei­ten. Die dunk­le, stil­le Kraft, die von ihm aus­geht, lässt das Unge­tüm leben­dig erschei­nen und ver­knüpft so die pro­fa­ne Rea­li­tät mit der weit­aus emo­tio­na­le­ren Ima­gi­na­ti­on.

Die ande­ren in der Hei­de­stra­ße ver­tre­te­nen Künst­ler haben frei­lich ande­re Ansät­ze gefun­den; so tref­fen kos­mo­lo­gi­sche Neon­in­stal­la­tio­nen auf gesich­ter­lo­se Model­ge­stal­ten, far­ben­fro­he Pris­men mit einem Touch von Mys­tik und Über­na­tür­lich­keit auf eine »Par­ti­tur für 60 schwar­ze BMWs«. Die Pres­se­map­pe gibt lei­der kei­ne unein­ge­schränkt über­zeu­gen­den Bei­spie­le her, doch das The­ma der Aus­stel­lung allein lässt eine abwechs­lungs­rei­che Schau erwar­ten, die einen Abste­cher wert sein dürf­te.

Gele­gen­heit dazu besteht
an die­sem Wochen­en­de von 12.00 bis 20.00 Uhr
auf dem Kunst­cam­pus Hei­de­stra­ße in der
Hei­de­stra­ße 50/51, 10557 Ber­lin.

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