Marotten

Von wortkargen Kunstblogs

Der WurstkofferDer Wurst­kof­fer. (tita­nic)

Ich kann es nicht aus­ste­hen. Ich rede von der Unart – die offen­bar vie­len Auto­ren von Kunst­blogs zu eigen ist –, hüb­sche Fotos von ver­schie­de­nen Wer­ken zu zei­gen ohne ein paar sinn­volle Worte zu ver­lie­ren. “Schau her, was ich gefun­den habe. Sieht toll aus.” Mehr drü­cken diese Arti­kel nicht aus und sind damit für all die­je­ni­gen, die mehr Gedan­ken über die Arbei­ten ver­lie­ren wol­len als “Sieht toll aus”, eine reine Zeitverschwendung.

Mei­ner Mei­nung nach – und man darf durch­aus ande­rer Ansicht sein – kann man Kunst erst so rich­tig erle­ben, wenn man ein wenig über Hin­ter­gründe, Künst­ler, Ent­ste­hens­ge­schichte, Moti­va­tio­nen o.Ä. Bescheid weiß oder ein­fach nur fremde Gedan­ken dazu zu hören. Daher war ich auch noch nie ein Freund jener Gale­rien, die ihren Besu­chern keine Infor­ma­tio­nen liefern.

Ähnlich ver­hält es sich auch mit Zeit­schrif­ten, Online-Magazinen und Blogs. Wenn dem Leser weder Fak­ten über Künst­ler oder Werk, noch eigene Gedan­ken an die Hand gege­ben wer­den, kann der nur sel­ten etwas aus dem Arti­kel zie­hen. Ers­te­res ist eine Sache der Recher­che, letz­te­res eine der Fan­ta­sie und des Grü­belns. Lei­der domi­nie­ren die Blogs die­ser Sorte; zumin­dest ist das der Ein­druck, den ich anhand mei­nes Fee­dre­a­ders gewinne.

“Aber bei Gany­med steht doch auch kaum Text!” könnte man jetzt ein­wen­den. Das ist auch rich­tig. Und mit gutem Grund so gewählt. Bei Gany­med geht es um Asso­zia­tio­nen – häu­fig zwi­schen Lite­ra­tur und Kunst –, zudem bemühe ich mich, brauch­bare Dritt­quel­len anzu­ge­ben. An die­ser Stelle jedoch schreibe ich von mei­nen eige­nen Gedan­ken über ein­zelne Werke, über Dinge, die mich fas­zi­nie­ren und inspi­rie­ren, und ver­su­che dadurch, einen (inne­ren) Dis­kurs anzuregen.

Und daher wird die Blo­groll jetzt ent­spre­chend umge­stal­tet: Alt gegen neu, maul­faul gegen infor­ma­tiv.
Ich bitte um Stel­lung­nah­men und Mei­nun­gen. Bin ich der ein­zige, der das so sieht?


Kommentare

  1. Andreas B. schrieb am 9. März 2010:

    Ich finde es auch immer schö­ner, wenn zu einem Bild wenigs­tens ein paar eigene Worte geschrie­ben wer­den. Schließ­lich denkt man sich doch etwas dabei, wenn man Bil­der ins Inter­net stellt, und an die­sen Gedan­ken kann man die Besu­cher ruhig teil­ha­ben las­sen. Auch Infor­ma­tio­nen zum Künst­ler fände ich wün­schens­wert. Wer sich dafür nicht inter­es­siert, muss den Arti­kel ja nicht lesen und kann statt­des­sen ein­fach nur das Bild betrachten.


  2. Mat­thias schrieb am 9. März 2010:

    Hallo Trek­ker­kol­lege… ;)
    Das sehe ich prin­zi­pi­ell genauso. Es gibt im Web genü­gend Sei­ten, die ledig­lich Bil­der zei­gen, m.E. sind das auch die bekann­tes­ten Web­sei­ten aus dem Sek­tor “Kunst/Design”. Das war auch ein wich­ti­ger Grund für mich, es anders zu hal­ten und tat­säch­lich ein paar Worte zu ver­lie­ren.
    Wie dem auch sei, die Blo­groll in der Kate­go­rie “Con­tem­porary Art” ist jetzt auch ent­spre­chend ange­passt und ent­hält nur noch Links, die ich unein­ge­schränkt emp­feh­len kann! :) Soll­ten mir noch wei­tere Ver­tre­ter die­ser raren Sorte ein­fal­len, wird das natür­lich nachgereicht.


  3. Goo­rus DSL Raiders schrieb am 13. März 2010:

    Dann will ich als Cho­le­ste­rin­pro­blem­fall gleich was zu dem Bild sagen:
    Wie kannst Du mir den Mund so wäss­rig machen…

    Wie Du es schon gesagt hat, ist die Inter­pre­ta­tion, doch gerade das inter­es­sante an der Kunst, weil eben nicht jeder nur einen “Farb­klecks” son­dern eben auch Bil­der darin sieht.


  4. Stef­fen schrieb am 1. April 2010:

    Ich sehe das ganz genauso! Ein­fach Bil­der pos­ten und zu sagen, das gefällt mir, ist zu sim­pel und platt. Einige Blog­ger schmü­cken sich mei­ner Mei­nung auch mit frem­den Federn, hüb­schen ihre Seite durch gute Abbil­dun­gen auf. Ich sehe aber auch das Pro­blem: Zeit­man­gel. Wer hat schon immer aus­rei­chend Zeit, einen guten Text zu schrei­ben. Ein Foto ist da ein­fach schnel­ler gepostet.


  5. Mat­thias schrieb am 1. April 2010:

    Das mit dem Zeit­man­gel ist sicher­lich wahr. Zumin­dest wenn man wie ich keine künst­le­ri­sche Vor­bil­dung hat, dau­ert es schon mal eine Weile von der Idee zum fer­ti­gen Artikel.

    Ich finde aller­dings, dass auch Blogs, die nichts zu den Bil­dern schrei­ben, ihre Berech­ti­gung haben. Viele Leute urtei­len halt nach ästhe­ti­schen Gesichts­punk­ten und das ist auch in Ord­nung. Ich finde es nur schade, dass fast jedes Blog dar­auf aufbaut.