Was gut ist, kommt wieder

Alte Werke in neuem Gewand

Dorothee Golz: Der Perlenohrring“Der Per­len­ohr­ring”, © Doro­thee Golz

Noch sind Semes­ter­fe­rien und so bleibt für mich viel Zeit, mich ein­ge­hend mit Kunst und auch Kunst­ge­schichte zu beschäf­ti­gen. Vor allen Din­gen letz­te­res hat es mir in den letz­ten Wochen ange­tan, viele große Meis­ter haben einen blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen. Neben Cor­re­gio, Car­ra­va­gio, Frans Hals und Wil­liam Tur­ner war dies ins­be­son­dere auch Jan Ver­meer, des­sen Werke durch eine wun­der­volle Stille und Schön­heit des Schlich­ten bestechen.

Auch wenn diese Bil­der den All­tag des 17. Jahr­hun­derts ein­fin­gen, wir­ken sie 350 Jahre spä­ter unwei­ger­lich wie Zeug­nisse aus einer längst ver­gan­ge­nen Zeit, die uns zwar auf wun­der­volle Weise aus­ge­brei­tet wird, aber doch mit unse­rer nicht mehr viel gemein hat.

Umso über­ra­schen­der war es kürz­lich für mich, auf eine Künst­le­rin zu sto­ßen, die all­seits bekannte Motive der Kunst­ge­schichte auf­greift und in unsere Zeit trans­fe­riert, den Brü­cken­schlag zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart schafft und dadurch auch ver­blüf­fende Effekte erzielt.

Den rest­li­chen Bei­trag lesen …

StreetArt-Stelldichein im Bierpinsel

Die Ausstellung "Turmkunst" zieht es an prominenten Ort

Turmkunst(via)

Ein Gerücht macht in den letz­ten Wochen und Mona­ten die Runde. Da wolle jemand den alten Bier­pin­sel für eine StreetArt-Ausstellung nut­zen, also jenes inof­fi­zi­el­les Wahr­zei­chen des Ber­li­ner Stadt­teils Ste­glitz und der West­ber­li­ner Archi­tek­tur der 70er Jahre. Einst beher­bergte das unge­wöhn­li­che Gebäude die Gas­tro­no­mie, spä­ter die Retro-Lounge. Und nun steht er leer und soll als Aus­stel­lungs­ort für “die spek­ta­ku­lärste Gale­rie Euro­pas” genutzt wer­den. So heißt es jeden­falls von Sei­ten der Veranstalter.

Den rest­li­chen Bei­trag lesen …

Neues vom Hotel Marienbad

Was in den nächsten Wochen kommt

Flyer für "Haus der Mahre"Flyer für “Haus der Mahre”

Dass mit dem KW Insti­tute for Con­tem­porary Arts immer gerech­net wer­den muss, dürfte unter Ber­li­ner Kunst­freun­den bereits ange­kom­men sein. Schrieb ich vor kaum mehr als einer Woche über das kom­mende Pro­jekt “Cold Tur­key”, bei dem nach bis­he­ri­gen Infor­ma­tio­nen Künst­ler einen Dro­gen­ent­zug unter­neh­men soll­ten, ist nun mehr bekannt. Auf der Web­seite der Gale­rie heißt es dazu:

Der Kon­sum von Dro­gen fin­det in einer gesell­schaft­li­chen Grau­zone statt, der in der Kunst­welt tra­di­tio­nell eine beson­dere Bewer­tung zwi­schen rausch­haf­ter Ent­gren­zung und künst­le­ri­scher Ent­ta­bui­sie­rung erfährt. Gestützt durch eine Iko­no­gra­fie des Rau­sches und gerahmt vom Mythos rausch­haf­ter Feste, wird das Zer­stö­re­ri­sche des Dro­gen­kon­sums dabei schnell aus­ge­blen­det.
Mit der Ein­la­dung besteht das reale Ange­bot an einem geschütz­ten Ort einen Dro­gen­ent­zug unter medi­zi­ni­scher Betreu­ung durchzuführen.

Das Gesuch nach Teil­neh­mern war also ernst gemeint. Soll hier der Mythos des Künst­lers dekon­stru­iert wer­den? Soll mit Kli­schees auf­ge­räumt, sol­len Vor­ur­teile besei­tigt werden?

Diese Fra­gen wer­den wohl erst im April geklärt wer­den kön­nen. Bis dahin kön­nen sich Neu­gie­rige aber über eine andere Ver­an­stal­tung des KW Insti­tu­tes freuen. Am Don­ners­tag näm­lich wird der Däne Jacob Kir­ke­gaard sein Klang­kunst­werk “Haus der Mahre” vor­stel­len.

Hierzu lud der Künst­ler in 16 auf­ein­an­der fol­gen­den Näch­ten 16 Per­so­nen in die Suite des Hotel Mari­en­bads ein und nahm die nächt­li­chen Geräusch­ku­lis­sen aus Schnar­chen, Schlaf­re­den u.Ä. auf und arran­gierte sie zu einer “mehrschichtige[n] Kom­po­si­tion, die den Besu­che­rIn­nen zugleich ein akus­ti­sches Traum­pro­to­koll des Hotel­zim­mers erfahr­bar macht”.

Los geht’s am
Don­ners­tag, den 18. März
um 18.00 Uhr
im Hotel Marienbad/KW Insti­tute for Con­tem­porary Arts
August­straße 69, 10117 Berlin

Ich werde mir das jeden­falls nicht ent­ge­hen las­sen! Wir sehen uns!

Vom Beobachter zum Beobachteten

Rollentausch im medialen Umfeld

Bill Viola: Reverse Television - Portraits of viewers“Reverse Tele­vi­sion – Por­traits of view­ers”, © Bill Viola

Als ich Mitte Februar in der Tem­po­rä­ren Kunst­halle war, die anläss­lich der Ber­li­nale die Aus­stel­lung “Auto­kino” zeigte (und noch zeigt), war Teil der Vor­stel­lung ein Kurz­film, in dem nichts wei­ter als eine junge Asia­tin vor steril-weißer Stu­dio­lein­wand gezeigt wurde, wie sie auf den wei­ßen Boden einen Hau­fen machte. Anfäng­lich vom scho­nungs­lo­sen Film irri­tiert, schaute ich mich in der Halle umher und beob­ach­tete die ande­ren Gäste in den Autos und ihre Reak­tio­nen. Man­che schau­ten gespannt, andere wen­de­ten sich vol­ler Ekel ab, wie­der andere ran­gen dem Film einen gewis­sen Humor ab. Man konnte ihre Gedan­ken förm­lich hören. Bis ich dann den Bli­cken einer jun­gen Frau begegnete.

Was dort statt­fand, war ein Rol­len­tausch: Die­je­ni­gen, die kamen, um sich die Filme anzu­se­hen, wur­den kurzum zu den Haupt­dar­stel­lern einer ganz eige­nen Sze­ne­rie. Andere Men­schen beim Beob­ach­ten zu beob­ach­ten übte wenigs­tens auf mich und die junge Frau wohl einen grö­ße­ren Reiz aus als das eigent­li­che Filmprogramm.

Diese Wen­dung ist jedoch nichts Neues, jeden­falls nicht in der Kunst­welt. Tat­säch­lich nähern sich ver­schie­dene Künst­ler die­sem Thema bewusst und erar­bei­ten dabei unter­schied­li­che Posi­tio­nen. Über Fer­nando San­chez’ Video­col­lage “Me and my girl­fri­end” hatte ich ja bereits meine Gedan­ken geäu­ßert und dabei auch über die beson­dere Situa­tion des Beob­ach­ter­wech­sels geschrie­ben. Auch andere Künst­ler wid­me­ten sich die­sem Thema, sodass ins­be­son­dere in Bezug auf unse­ren Fern­seh­kon­sum sehens­werte und auch manch­mal über­ra­schende Inter­ven­tio­nen entstanden.

Den rest­li­chen Bei­trag lesen …

Cold Turkey

Geheimnisvolle Aktion des KW Institutes

Flyer für Flyer für “Cold turkey”

E-Mail-Vorabmeldungen gehö­ren zum Tages­ge­schäft in der Gale­ri­en­szene. Oft­mals sind die Nach­rich­ten nicht der Rede wert, doch soeben erhielt ich eine geheim­nis­voll anmu­tende Mail des KW Insti­tute for Con­tem­porary Arts, aus der ich par­tout nichts ent­neh­men kann:

Wei­ter geht’s nach dem Klick.

Den rest­li­chen Bei­trag lesen …

Porn in the focus of art

A piece about our porn consumption

Fernando Sanchez: Ausschnitt aus "Me and my girlfriend"Still from “Me and my girl­fri­end”, © Fer­nando Sanchez

The ques­tion about the dif­fe­rence bet­ween por­no­gra­phy and art is pro­bably as old as por­no­gra­phy self. And is cer­tainly not nearly to get cla­ri­fied – pro­vi­ded we nowa­days even care about it. Whe­ther porn rep­res­ents an uni­que art form is not what I am inte­res­ted right now, it seems much more inte­res­ting to me, how artists deal with porn in their works, how they con­sci­ently use it and make it as a focal topic of their pieces.

One of these artists is Fer­nando San­chez, being alre­ady nota­ble for his other works, who made por­no­gra­phy a sub­ject of his piece “Me and my girl­fri­end” in a feli­ci­tous way.

(Oh – and who would’ve thought it? –, it’s going to get even more full-frontal after the click.)

Read more…

Marotten

Von wortkargen Kunstblogs

Der WurstkofferDer Wurst­kof­fer. (tita­nic)

Ich kann es nicht aus­ste­hen. Ich rede von der Unart – die offen­bar vie­len Auto­ren von Kunst­blogs zu eigen ist –, hüb­sche Fotos von ver­schie­de­nen Wer­ken zu zei­gen ohne ein paar sinn­volle Worte zu ver­lie­ren. “Schau her, was ich gefun­den habe. Sieht toll aus.” Mehr drü­cken diese Arti­kel nicht aus und sind damit für all die­je­ni­gen, die mehr Gedan­ken über die Arbei­ten ver­lie­ren wol­len als “Sieht toll aus”, eine reine Zeitverschwendung.

Mei­ner Mei­nung nach – und man darf durch­aus ande­rer Ansicht sein – kann man Kunst erst so rich­tig erle­ben, wenn man ein wenig über Hin­ter­gründe, Künst­ler, Ent­ste­hens­ge­schichte, Moti­va­tio­nen o.Ä. Bescheid weiß oder ein­fach nur fremde Gedan­ken dazu zu hören. Daher war ich auch noch nie ein Freund jener Gale­rien, die ihren Besu­chern keine Infor­ma­tio­nen liefern.

Ähnlich ver­hält es sich auch mit Zeit­schrif­ten, Online-Magazinen und Blogs. Wenn dem Leser weder Fak­ten über Künst­ler oder Werk, noch eigene Gedan­ken an die Hand gege­ben wer­den, kann der nur sel­ten etwas aus dem Arti­kel zie­hen. Ers­te­res ist eine Sache der Recher­che, letz­te­res eine der Fan­ta­sie und des Grü­belns. Lei­der domi­nie­ren die Blogs die­ser Sorte; zumin­dest ist das der Ein­druck, den ich anhand mei­nes Fee­dre­a­ders gewinne.

“Aber bei Gany­med steht doch auch kaum Text!” könnte man jetzt ein­wen­den. Das ist auch rich­tig. Und mit gutem Grund so gewählt. Bei Gany­med geht es um Asso­zia­tio­nen – häu­fig zwi­schen Lite­ra­tur und Kunst –, zudem bemühe ich mich, brauch­bare Dritt­quel­len anzu­ge­ben. An die­ser Stelle jedoch schreibe ich von mei­nen eige­nen Gedan­ken über ein­zelne Werke, über Dinge, die mich fas­zi­nie­ren und inspi­rie­ren, und ver­su­che dadurch, einen (inne­ren) Dis­kurs anzuregen.

Und daher wird die Blo­groll jetzt ent­spre­chend umge­stal­tet: Alt gegen neu, maul­faul gegen infor­ma­tiv.
Ich bitte um Stel­lung­nah­men und Mei­nun­gen. Bin ich der ein­zige, der das so sieht?

Pornos im Mittelpunkt der Kunst

Über unseren Pornokonsum

Fernando Sanchez: Ausschnitt aus "Me and my girlfriend"Aus­schnitt aus “Me and my girl­fri­end”, © Fer­nando Sanchez

Die Frage, was Por­no­gra­fie von Kunst unter­schei­det, ist wahr­schein­lich so alt wie die Por­no­gra­fie selbst. Und kann ver­mut­lich nicht ein­mal annä­hernd geklärt wer­den – vor­aus­ge­setzt, eine Unter­schei­dung ist heute über­haupt noch von Belang. Ob Por­nos eine eigene Kunst­gat­tung dar­stel­len, will ich gar nicht näher aus­ein­an­der­set­zen, viel inter­es­san­ter scheint es mir, wie Künst­ler in ihren Arbei­ten mit Por­nos umge­hen, sie bewusst ein­set­zen und zum zen­tra­len Thema ihrer Werke machen.

Einer von die­sen Künst­lern ist der ohne­hin beach­tens­werte Fer­nando San­chez, der sich der Por­no­gra­phie in “Me and my girl­fri­end” auf eine gelun­gene Art und Weise genä­hert hat.

(Ach – und wer hätte es gedacht –, nach dem Klick wird’s noch freizügiger.)

Den rest­li­chen Bei­trag lesen …