Urbane Interventionen

04. Februar 2010 von Matthias Planitzer
Blick auf die Hamburger HafenCity Es kommt eher selten vor, dass ich ungefragt zugesendete Newsletter und Presseinformationen zum Anlass nehme, tatsächlich darüber zu schreiben. Im vorliegenden Fall ist das aus diversen Gründen etwas anders, denn ich bekam eine Mail zur kommenden Guerilla-Aktion des StreetArtist The Wa, den die meisten Berliner für "Wrong World" kennen dürften. Dieses Mal dürfen sich allerdings die Hamburger unter euch freuen, denn The Was nächste Aktion "Switch sense" soll in der HafenCity stattfinden. Was genau geplant ist, weiß bisher keiner, man darf aber erwartungsvoll sein, schließlich zeichnete sich The Wa in der Vergangenheit durch einen recht sozialkritischen Ton in seinen Arbeiten aus. Da wurden Stretchlimousinen mit großformatigen Aufklebern à la "Geben Sie das Rauchen auf" verziert oder mit riesigen "Bitte keine Reklame"-Schildern städtische Werbetafeln überklebt. Was die Anwesenden bei "Switch sense" erwartet, ist ungewiss, doch wird die Aktion dem Newsletter nach zu urteilen wohl dem umstrittenen Großprojekt HafenCity gewidmet sein.

Blick auf die Hamburger HafenCityBlick auf die Ham­bur­ger Hafen­Ci­ty

Es kommt eher sel­ten vor, dass ich unge­fragt zuge­sand­te News­let­ter und Pres­se­infor­ma­tio­nen zum Anlass neh­me, tat­säch­lich dar­über zu schrei­ben. Im vor­lie­gen­den Fall ist das aus diver­sen Grün­den etwas anders, denn ich bekam eine Mail zur kom­men­den Gue­ril­la-Akti­on des Stre­e­tAr­tist The Wa, den die meis­ten Ber­li­ner für »Wrong World« ken­nen dürf­ten. Die­ses Mal dür­fen sich aller­dings die Ham­bur­ger unter euch freu­en, denn The Was nächs­te Akti­on »Switch sen­se« soll in der Hafen­Ci­ty statt­fin­den.

Was genau geplant ist, weiß bis­her kei­ner, man darf aber erwar­tungs­voll sein, schließ­lich zeich­ne­te sich The Wa in der Ver­gan­gen­heit durch einen recht sozi­al­kri­ti­schen Ton in sei­nen Arbei­ten aus. Da wur­den Stretch­li­mou­si­nen mit groß­for­ma­ti­gen Auf­kle­bern à la »Geben Sie das Rau­chen auf« ver­ziert oder mit rie­si­gen »Bit­te kei­ne Reklame«-Schildern städ­ti­sche Wer­be­ta­feln über­klebt. Was die Anwe­sen­den bei »Switch sen­se« erwar­tet, ist unge­wiss, doch wird die Akti­on dem News­let­ter nach zu urtei­len wohl dem umstrit­te­nen Groß­pro­jekt Hafen­Ci­ty gewid­met sein.

Die moder­ne Groß­stadt ist zu einem kon­su­mier­ba­ren Pro­dukt gewor­den, sie wird kon­trol­liert, insze­niert und instru­men­ta­li­siert. Der so genann­te öffent­li­che Raum ist in Wirk­lich­keit schein­öf­fent­lich und spie­gelt allein die Rea­li­tät der herr­schen­den Ideo­lo­gie wie­der. Eine trau­ri­ge Rea­li­tät in Ham­burg: Am Haupt­bahn­hof wer­den Dro­gen­ab­hän­gi­ge durch eine End­los­schlei­fe klas­si­scher Musik ver­trie­ben und im Frap­pant über 100 Künst­ler aus ihrem Ate­lier ver­drängt, weil der Stadt ein Ikea-Kauf­haus wich­ti­ger erscheint.

Gebran­de­te Mul­ti­funk­ti­ons­hal­len, rie­si­ge Shop­ping-Malls, mon­dä­ne Wohn­lofts und sper­ri­ge Büro­tür­me domi­nie­ren das heu­ti­ge Stadt­bild und wecken den Wunsch nach Frei­räu­men und Par­ti­zi­pa­ti­on. Das bes­te Bei­spiel für die Häss­lich­keit die­ser hege­mo­nia­len Potenz: Die Ham­bur­ger Hafen­Ci­ty, ein Retor­ten-Stadt­teil, sau­ber, leb­los und gro­tesk. 1,3 Mil­lar­den Euro an öffent­li­chen Inves­ti­tio­nen flos­sen bereits in die Hafen­Ci­ty – ein­mal abge­se­hen von den rund 450 Mil­lio­nen Euro Bau­kos­ten für Ham­burgs Pres­ti­ge­pro­jekt Elb­phil­har­mo­nie.

Künst­ler schei­nen sich da zu sagen: Wenn unse­re Stadt schon wie eine Mischung aus Dis­ney­land, Dau­er­wer­be­sen­dung und Archi­tek­tur­zoo aus­sieht, dann lasst uns gefäl­ligst auch dort her­um­tol­len. Urba­ne Inter­ven­tio­nen sind des­halb rea­li­sier­te tem­po­rä­re auto­no­me Zonen. Eine sol­che spek­ta­ku­lä­re Inter­ven­ti­on plant der Ber­li­ner Künst­ler The Wa jetzt in der Ham­bur­ger Hafen­Ci­ty. Er wird dort eine para­do­xe Situa­ti­on insze­nie­ren – zum ers­ten Mal in der Geschich­te die­ses Vier­tels.

Los geht’s am 13. Febru­ar um 14.00 Uhr
in der Hafen­Ci­ty Ham­burg
bei Vokü und Frei­bier sowie mit
After­par­ty im Frap­pant, Gro­ße Berg­stra­ße 174, Ham­burg-Alto­na.

Der genaue Ort der Akti­on wird 24h vor­her bei Face­book und Twit­ter bekannt­ge­ge­ben. Alle Infos gibt es noch­mal auf www.para-sites.de.