Archiv für Februar 2010


Das archaische Vermächtnis

Zurück zu den Wurzeln der Menschheit

Christian Jankowski: Die Jagd„Die Jagd“, © Christian Jankowski

Wo die biologische Evolution aufhört, fängt die kulturelle Entwicklung mit rasanter Geschwindigkeit erst an. Längst sind die Zeiten vorbei, da der Mensch noch seinem Genom entsprechend ganz auf Jagd und Überleben gesinnt die Wälder und Ebenen der alten Welt durchstreifte, durch Ressourcenknappheit getrieben immer weiterzog und schließlich selbst entlegenste Winkel der Erde erreichte. Das moderne Leben dagegen spielt sich ganz im Zeichen der Urbanisierung ab: Die Beute wird im Supermarkt um die Ecke erlegt, der Kampf ums Überleben wird längst nicht mehr ausgefochten, die so freigewordene Zeit wird für alle Spielarten des Amüsements genutzt – Expansion und Exploration finden nur noch auf einer kulturellen Ebene statt.

Man mag in diesen Punkten nicht übereinstimmen, Fakt ist jedoch, dass das Leben in der westlichen Welt nichts mehr mit den „archaischen“ Formen des tagtäglichen Auskommens zu tun hat. Es lässt sich in der Geschichte des Menschen gut verfolgen, dass ein ausreichendes Angebot an Ressourcen oder gar der Überfluss stets ein stärkeres Maß an Sesshaftigkeit nach sich zog. Das fängt mit dem Ackerbau an und hört mit modernem Städtebau rund um Einkaufs– und Vergnügungszentren auf.

Ein energiegeladenes Thema, wie ich finde, zudem eines, das auch in der zeitgenössischen Kunst zu interessanten Auseinandersetzungen führt. Mal gipfelt es in pointierter Konsumkritik, mal steht eine gewisse Wehmut und Abbitte im Vordergrund. In jedem Fall aber treffen moderne Lebensvorstellungen auf längst verdrängte Lebensaufgaben.


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cu I‘m off to rl

Wie der Kosmos Internet unsere Offline-Welt beeinflusst

Aram Bartholl: Google Portrait Series„Google Portrait Series“, © Aram Bartholl

Noch bis vor kurzem war es zeitgemäß, als publizierendes Medium das Internet als Informations– und Kommunikationsplattform Nummer eins zu wählen, auch zum Unmut der älteren Generation, die von dieser rasanten Entwicklung überholt wurde. Seit kurzer Zeit jedoch werden vermehrt Inhalte aus der virtuellen Welt wieder ins reale Leben zurückgeholt. Philipp von HUNDERTMARK hat kürzlich ein Beispiel dafür ausgegraben (und ist mit seinem Blog nach dem heimtückischen Anschlag auf die Speicher endlich wieder online!); die erste Ausgabe vom Kunst-/Illustrations-/Fotografie-Blog It’s nice that als Printversion liegt ja auch schon seit geschätzt einem Jahr in den Läden aus. Seit geraumer Zeit kann man sogar schon die zweite Ausgabe käuflich erwerben.

Ob sich dort und andernorts ein Trend abzeichnet, vermag ich nicht zu beurteilen, was ich aber bestätigen kann, ist, dass auch die Kunstwelt diese Entwicklung abbildet und Online-Inhalte für Offline-Werke entdeckt hat. Angeregt zu diesem Artikel wurde ich durch Philipps Post sowie durch die diesjährige Transmediale, die eigentlich wie gewohnt bisher an an mir vorbeiging. Bis ich dann ohne es zu ahnen Teil eines dort ausgestellten Kunstprojekts wurde.


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Urbane Interventionen

The Wa in der Hamburger HafenCity

Blick auf die Hamburger HafenCityBlick auf die Hamburger HafenCity

Es kommt eher selten vor, dass ich ungefragt zugesendete Newsletter und Presseinformationen zum Anlass nehme, tatsächlich darüber zu schreiben. Im vorliegenden Fall ist das aus diversen Gründen etwas anders, denn ich bekam eine Mail zur kommenden Guerilla-Aktion des StreetArtist The Wa, den die meisten Berliner für „Wrong World“ kennen dürften. Dieses Mal dürfen sich allerdings die Hamburger unter euch freuen, denn The Was nächste Aktion „Switch sense“ soll in der HafenCity stattfinden.

Was genau geplant ist, weiß bisher keiner, man darf aber erwartungsvoll sein, schließlich zeichnete sich The Wa in der Vergangenheit durch einen recht sozialkritischen Ton in seinen Arbeiten aus. Da wurden Stretchlimousinen mit großformatigen Aufklebern à la „Geben Sie das Rauchen auf“ verziert oder mit riesigen „Bitte keine Reklame“-Schildern städtische Werbetafeln überklebt. Was die Anwesenden bei „Switch sense“ erwartet, ist ungewiss, doch wird die Aktion dem Newsletter nach zu urteilen wohl dem umstrittenen Großprojekt HafenCity gewidmet sein.


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Vector Lounge geht in zweite Runde

Internationales Battle im Impro-Zeichnen

Flyer für die Vector LoungeFlyer für die Vector Lounge (Typo: DIN-Black Italic)

So kann es gehen: Da überfliegt man kurz einen Text über eine neuartige Veranstaltung, gibt der Sache zehn Sekunden Zeit, um das Interesse zu wecken, urteilt schnell und somit ist die Angelegenheit auch wieder erledigt. Etwa zwei Monate später springt einem dann ein Flyer mit hübscher Typo ins Auge, also liest man auch den dazugehörigen Text und bemerkt, dass man vielleicht beim ersten Mal nicht so voreilig entschieden haben sollte.

So heute geschehen, als mein Feedreader mir vom kommenden Programm der West Berlin Gallery kündete, der zweiten Ausgabe der Vector Lounge. Das Konzept ist einfach wie vielversprechend: Zwei Teams – eines aus Berlin und eines aus Paris –, bestehend aus Grafikdesignern und Illustratoren, treffen in einem One-on-One-Battle via Internet aufeinander und entwerfen live und simultan innerhalb von dreißig Minuten ein Illustration zu einem vorgegebenem Thema. Natürlich kann jeder Interessierte dabei sein und bei Musik und Ausschank sein Team anfeuern – und das auch noch ohne Eintritt!


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