Das archaische Vermächtnis

Zurück zu den Wurzeln der Menschheit

Christian Jankowski: Die Jagd“Die Jagd”, © Chris­tian Jankowski

Wo die bio­lo­gi­sche Evo­lu­tion auf­hört, fängt die kul­tu­relle Ent­wick­lung mit rasan­ter Geschwin­dig­keit erst an. Längst sind die Zei­ten vor­bei, da der Mensch noch sei­nem Genom ent­spre­chend ganz auf Jagd und Über­le­ben gesinnt die Wäl­der und Ebe­nen der alten Welt durch­streifte, durch Res­sour­cen­knapp­heit getrie­ben immer wei­ter­zog und schließ­lich selbst ent­le­genste Win­kel der Erde erreichte. Das moderne Leben dage­gen spielt sich ganz im Zei­chen der Urba­ni­sie­rung ab: Die Beute wird im Super­markt um die Ecke erlegt, der Kampf ums Über­le­ben wird längst nicht mehr aus­ge­foch­ten, die so frei­ge­wor­dene Zeit wird für alle Spiel­ar­ten des Amü­se­ments genutzt – Expan­sion und Explo­ra­tion fin­den nur noch auf einer kul­tu­rel­len Ebene statt.

Man mag in die­sen Punk­ten nicht überein­stim­men, Fakt ist jedoch, dass das Leben in der west­li­chen Welt nichts mehr mit den “archai­schen” For­men des tag­täg­li­chen Aus­kom­mens zu tun hat. Es lässt sich in der Geschichte der Mensch­heit gut ver­fol­gen, dass ein aus­rei­chen­des Ange­bot an Res­sour­cen oder gar der Über­fluss stets ein stär­ke­res Maß an Sess­haf­tig­keit nach sich zog. Das fängt mit dem Acker­bau an und hört mit moder­nem Städ­te­bau rund um Ein­kaufs– und Ver­gnü­gungs­zen­tren auf.

Ein ener­gie­ge­la­de­nes Thema, wie ich finde, zudem eines, das auch in der zeit­ge­nös­si­schen Kunst zu inter­es­san­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen führt. Mal gip­felt es in poin­tier­ter Kon­sum­kri­tik, mal steht eine gewisse Weh­mut und Abbitte im Vor­der­grund. In jedem Fall aber tref­fen moderne Lebens­vor­stel­lun­gen auf längst ver­drängte Lebensaufgaben.

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cu I’m off to rl

Wie der Kosmos Internet unsere Offline-Welt beeinflusst

Aram Bartholl: Google Portrait Series“Google Por­trait Series”, © Aram Bar­tholl

Noch bis vor kur­zem war es zeit­ge­mäß, als publi­zie­ren­des Medium das Inter­net als Infor­ma­ti­ons– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form Num­mer eins zu wäh­len, auch zum Unmut der älte­ren Gene­ra­tion, die von die­ser rasan­ten Ent­wick­lung über­holt wurde. Seit kur­zer Zeit jedoch wer­den ver­mehrt Inhalte aus der vir­tu­el­len Welt wie­der ins reale Leben zurück­ge­holt. Phil­ipp von HUNDERTMARK hat kürz­lich ein Bei­spiel dafür aus­ge­gra­ben (und ist mit sei­nem Blog nach dem heim­tü­cki­schen Anschlag auf die Spei­cher end­lich wie­der online!); die erste Aus­gabe vom Kunst-/Illustrations-/Fotografie-Blog It’s nice that als Print­ver­sion liegt ja auch schon seit geschätzt einem Jahr in den Läden aus. Seit gerau­mer Zeit kann man sogar schon die zweite Aus­gabe käuf­lich erwer­ben.

Ob sich dort und andern­orts ein Trend abzeich­net, ver­mag ich nicht zu beur­tei­len, was ich aber bestä­ti­gen kann, ist, dass auch die Kunst­welt diese Ent­wick­lung abbil­det und Online-Inhalte für Offline-Werke ent­deckt hat. Ange­regt zu die­sem Arti­kel wurde ich durch Phil­ipps Post sowie durch die dies­jäh­rige Trans­me­diale, die eigent­lich wie gewohnt bis­her an an mir vor­bei­ging. Bis ich dann ohne es zu ahnen Teil eines dort aus­ge­stell­ten Kunst­pro­jekts wurde.

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Urbane Interventionen

The Wa in der Hamburger HafenCity

Blick auf die Hamburger HafenCityBlick auf die Ham­bur­ger HafenCity

Es kommt eher sel­ten vor, dass ich unge­fragt zuge­sandte News­let­ter und Pres­se­in­for­ma­tio­nen zum Anlass nehme, tat­säch­lich dar­über zu schrei­ben. Im vor­lie­gen­den Fall ist das aus diver­sen Grün­den etwas anders, denn ich bekam eine Mail zur kom­men­den Guerilla-Aktion des Street­Ar­tist The Wa, den die meis­ten Ber­li­ner für “Wrong World” ken­nen dürf­ten. Die­ses Mal dür­fen sich aller­dings die Ham­bur­ger unter euch freuen, denn The Was nächste Aktion “Switch sense” soll in der Hafen­City stattfinden.

Was genau geplant ist, weiß bis­her kei­ner, man darf aber erwar­tungs­voll sein, schließ­lich zeich­nete sich The Wa in der Ver­gan­gen­heit durch einen recht sozi­al­kri­ti­schen Ton in sei­nen Arbei­ten aus. Da wur­den Stretch­li­mou­si­nen mit groß­for­ma­ti­gen Auf­kle­bern à la “Geben Sie das Rau­chen auf” ver­ziert oder mit rie­si­gen “Bitte keine Reklame”-Schildern städ­ti­sche Wer­be­ta­feln über­klebt. Was die Anwe­sen­den bei “Switch sense” erwar­tet, ist unge­wiss, doch wird die Aktion dem News­let­ter nach zu urtei­len wohl dem umstrit­te­nen Groß­pro­jekt Hafen­City gewid­met sein.

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Vector Lounge geht in zweite Runde

Internationales Battle im Impro-Zeichnen

Flyer für die Vector LoungeFlyer für die Vec­tor Lounge (Typo: DIN-Black Ita­lic)

So kann es gehen: Da über­fliegt man kurz einen Text über eine neu­ar­tige Ver­an­stal­tung, gibt der Sache zehn Sekun­den Zeit, um das Inter­esse zu wecken, urteilt schnell und somit ist die Ange­le­gen­heit auch wie­der erle­digt. Etwa zwei Monate spä­ter springt einem dann ein Flyer mit hüb­scher Typo ins Auge, also liest man auch den dazu­ge­hö­ri­gen Text und bemerkt, dass man viel­leicht beim ers­ten Mal nicht so vor­ei­lig ent­schie­den haben sollte.

So erst heute gesche­hen, als mein Fee­dre­a­der mir vom kom­men­den Event in der West Ber­lin Gal­lery kün­dete, der zwei­ten Aus­gabe der Vec­tor Lounge. Das Kon­zept ist ein­fach wie viel­ver­spre­chend: Zwei Teams – eines aus Ber­lin und eines aus Paris –, beste­hend aus Gra­fik­de­si­gnern und Illus­tra­to­ren, tref­fen in einem One-on-One-Battle auf­ein­an­der und ent­wer­fen live und simul­tan inner­halb von drei­ßig Minu­ten eine digi­tale Illus­tra­tion zu einem vor­ge­ge­be­nen Thema. Die Fran­zo­sen blei­ben in Paris, die Ber­li­ner sind natür­lich vor Ort – beide Teams sind per Inter­net ver­bun­den und am jeweils ande­ren Ort kann das krea­tive Kräf­te­mes­sen per Onli­ne­stream ver­folgt wer­den. Natür­lich kann jeder Inter­es­sierte dabei sein und bei Musik und Aus­schank sein Team anfeu­ern – und das auch noch bei freiem Eintritt!

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