Storm Room

Wie der Wahrnehmung ein Streich gespielt wird

Janet Cardiff und George Bures Miller: Storm Room“Storm Room”, © Janet Car­diff und George Bures Miller

Wenn es reg­net, gewit­tert und stürmt, dann stehe ich gern am Fens­ter und genieße das Schau­spiel. Es ist eine fried­li­che Stim­mung, alles ist so still, nur der Regen plät­schert mur­melnd vor sich hin und gele­gent­lich durch­reißt ein fer­nes Don­ner­grol­len die Ruhe.

Ähnli­ches geschieht in einem Video aus dem fer­nen Japan. Zwei junge Frauen betre­ten eine ver­las­sene Zahn­arzt­pra­xis nahe der Stadt Toko­ma­chi. Drau­ßen ergie­ßen sich die Wol­ken, man kann kaum aus den Fens­tern schauen, so viel Was­ser rinnt die Fens­ter ent­lang. Blitze erhel­len den Raum, gele­gent­lich fla­ckert die alte Neon­röhre, Eimer fan­gen Was­ser­trop­fen auf.

Doch der Schein trügt. Weder reg­net es, noch grollt ein Gewit­ter über der Stadt. Die alte Zahn­arzt­pra­xis ist Schau­platz der Sound– und Licht­in­stal­la­tion “Storm Room” des Künst­ler­duos Janet Car­diff und George Bures Mil­ler.

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Ceci est mon corps

Wie Körper und Identität zusammenhängen

Kerry Mansfield: Self-Portrait, Pre-Mastectomy 11.2005“Self-Portrait, Pre-Mastectomy 11.2005″, © Kerry Mans­field

Kerry Mans­field, ihres Zei­chen Foto­gra­fin aus San Fran­cisco, wider­fuhr im Alter von 31 Jah­ren ein Schick­sal, das in Deutsch­land jede achte bis zehnte Frau ein­mal in ihrem Leben durch­macht: Dia­gnose Brust­krebs. Der Schock durch­brach ihre bis dahin so heil und unver­letz­bar schei­nende Welt, doch Mans­field hatte in die­ser bedrü­cken­den Phase ihres Lebens das Bedürf­nis, ihren Krank­heits­pro­zess mit der Kamera zu dokumentieren.

Dabei ent­stand die zehn­tei­lige Bild­stre­cke “After­math”, die durch eine hohe emo­tio­nale Span­nung ins Auge sticht und auf ihrer Web­site zu fin­den ist. Brust­ent­fer­nung, Che­mo­the­ra­pie und Brust­re­kon­struk­tion hin­ter­lie­ßen nicht nur kör­per­lich, son­dern augen­schein­lich auch psy­chisch ihre Spuren.

Die Frage, die sich beim Betrach­ten von “After­math” jedoch stellt, ist:
Wie eng hän­gen Iden­ti­tät und Kör­per zusammen?

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6 typographische Feinheiten im Web

Web-Typographie en detail

twistedintellect.comtwis​ted​in​tel​lect​.com

Ein Blick in die Blog­sta­tis­tik zeigt, dass im Lauf des mehr als ein­jäh­ri­gen Beste­hens von Cas­tor und Pol­lux man­che The­men schnell in den Hin­ter­grund gerückt sind, obgleich diese dem ursprüng­li­chen Kon­zept zufolge ein inte­gra­ler Bestand­teil die­ses Blogs sein soll­ten. Eine die­ser The­men ist die Typo­gra­phie; und da ich mich in letz­ter Zeit wie­der inten­siv mit Web-Typographie beschäf­tigte, kommt es mir gele­gen, wie­der zu dem Thema zu schreiben.

Obgleich man im Inter­net Link­samm­lun­gen, Tuto­ri­als, Rat­ge­ber usw. zu genüge fin­det, wer­den doch m.E. man­che Aspekte die­ses kom­ple­xen The­mas unbe­rech­tig­ter­weise gar nicht oder nur ober­fläch­lich auf­ge­grif­fen. Wenn man ein­mal die übli­chen Sei­ten zum Thema Web-Typgraphie abgrast, wird man bald erken­nen, dass die Infor­ma­tio­nen über­aus redun­dant sind. Nicht ver­za­gen, dafür gibt es jetzt an die­ser Stelle ein kurze Liste jener typo­gra­phi­schen Fein­hei­ten, die im Web sel­ten oder gar nicht zur Spra­che kom­men – natür­lich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Zum Geburtstag viel Glück

Castor und Pollux wird ein Jahr alt

Damals war's: Der erste Artikel bei Castor und PolluxDamals war’s: Der erste Arti­kel bei Cas­tor und Pollux

Heute vor einem Jahr  – da begann das vir­tu­elle Leben die­ses Blogs. Seit­dem gab es hier viele Arti­kel, in denen ich mich kom­men­den Aus­stel­lun­gen, ein­zel­nen Künst­lern und hin und wie­der auch aus­ge­wähl­ter StreetArt gewid­met habe. Der Schwer­punkt hat sich seit­dem ver­la­gert, gewisse Ten­den­zen haben sich her­aus­ge­bil­det: die StreetArt trat zuguns­ten zeit­ge­nös­si­scher Kunst in den Hin­ter­grund, ein­zelne Künst­ler wie Bas Jan Ader, Zach John­sen oder Chris Bur­den wur­den (und wer­den) nicht nur ein­mal angesprochen.

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T.V. Hijack

Darf Kunst in Gewalt gegenüber Unbeteiligten ausarten?

Chris Burden: T.V. Hijack“T.V. Hijack”, © Chris Burden

Die Prä­senz der Medien hat über die Jahr­zehnte hin­weg ste­tig zuge­nom­men; heute drän­gen dank Außen­kor­re­spon­denz, Live-Schaltung, Inter­net, Twit­ter usw. Inhalte aus allen vier Ecken der Erde inner­halb kür­zes­ter Zeit an unser inter­es­sier­tes, oder viel­leicht auch zuneh­mend des­in­ter­es­sier­tes Ohr. Ereig­nisse und Schick­sale fin­den nicht ein­fach nur statt und wären daher bloße Auf­gabe der Bericht­er­stat­tung, sie wer­den zuneh­mend in Echt­zeit und oft­mals auch unauf­be­rei­tet an den Kon­su­men­ten wei­ter­ge­ge­ben, der sich dadurch nicht mehr nur als Rezi­pi­ent, son­dern auch in grö­ßer wer­den­dem Maße als Zeuge fühlt.

Die Gei­sel­nahme von Glad­beck, die Anschläge vom 11. Sep­tem­ber, die Live­bil­der von den Bom­ben­ein­schlä­gen in Sad­dam Husseins Paläs­ten – diese und viele andere mehr oder weni­ger geschichts­träch­ti­gen Ereig­nisse fin­den – gefühlt – nicht mehr an einem fer­nen Ort, son­dern ganz in der Nähe statt. Trifft dies womög­lich auch auf Sport­welt­meis­ter­schaf­ten, Gedenk– und Staats­fei­ern zu, tritt es doch ins­be­son­dere bei solch erschüt­tern­den Gescheh­nis­sen in den Vordergrund.

Im Februar 1972 sollte beim Chan­nel 3 im kali­for­ni­schen Irvine ein Live-Interview mit dem auf­stre­ben­den Künst­ler Chris Bur­den statt­fin­den, der zuvor durch seine von auto­ag­gres­si­ver Gewalt und Bedro­hung geprägte Kunst bekannt wurde. Bur­den nahm die Gele­gen­heit war, um auch dar­aus ein “Kunst­werk” zu schaf­fen – ob dies tat­säch­lich Kunst dar­stellt oder nicht, ist hier­bei die große Frage. Chris Bur­den schil­dert die Ereig­nisse folgendermaßen:

On Janu­ary 14 I was asked to do a piece on a local tele­vi­sion sta­tion by Phyl­lis Lut­jeans. After several pro­po­sals were cen­so­red by the sta­tion or by Phyl­lis, I agreed to an inter­view situa­tion. I arri­ved at the sta­tion with my own video crew so that could have my own tape. While the taping was in pro­gress, I reques­ted that the show be trans­mit­ted live. Since the sta­tion was not broad­cas­ting at the time, they com­plied. In the course of the inter­view, Phyl­lis asked me to talk about some of the pie­ces I had thought of doing. I demons­tra­ted a T.V. Hijack. Hol­ding a knife to her throat, I threa­tened her life if the sta­tion stop­ped live trans­mis­sion. I told her that I had plan­ned to make her per­form obs­cene acts. At the end of the recor­ding, I asked for the tape of the show. I unwound the reel and des­troyed the show by dou­sing the tape with ace­tone. The sta­tion mana­ger was irate, and I offe­red him my tape which inclu­ded the show and its destruc­tion, but he refused.

Was darf also Kunst? Darf sie die Unver­sehrt­heit eines Nichts­ah­nen­den der­art aufs Spiel setzen?

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