Archiv für Januar 2010


Storm Room

Wie der Wahrnehmung ein Streich gespielt wird

Janet Cardiff und George Bures Miller: Storm Room„Storm Room“, © Janet Cardiff und George Bures Miller

Wenn es regnet, gewittert und stürmt, dann stehe ich gern am Fenster und genieße das Schauspiel. Es ist eine friedliche Stimmung, alles ist so still, nur der Regen plätschert murmelnd vor sich hin und gelegentlich durchreißt ein fernes Donnergrollen die Ruhe.

Ähnliches geschieht in einem Video aus dem fernen Japan. Zwei junge Frauen betreten eine verlassene Zahnarztpraxis nahe der Stadt Tokomachi. Draußen ergießen sich die Wolken, man kann kaum aus den Fenstern schauen, so viel Wasser rinnt die Fenster entlang. Blitze erhellen den Raum, gelegentlich flackert die alte Neonröhre, Eimer fangen Wassertropfen auf.

Doch der Schein trügt. Weder regnet es, noch grollt ein Gewitter über der Stadt. Die alte Zahnarztpraxis ist Schauplatz der Sound– und Lichtinstallation „Storm Room“ des Künstlerduos Janet Cardiff und George Bures Miller.


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Ceci est mon corps

Wie Körper und Identität zusammenhängen

Kerry Mansfield: Self-Portrait, Pre-Mastectomy 11.2005„Self-Portrait, Pre-Mastectomy 11.2005″, © Kerry Mansfield

Kerry Mansfield, ihres Zeichen Fotografin aus San Francisco, erfuhr im Alter von 31 Jahren ein Schicksal, das in Deutschland jede achte bis zehnte Frau einmal in ihrem Leben durchmacht: Diagnose Brustkrebs. Der Schock durchbrach ihre bis dahin so heil und unverletzbar scheinende Welt, doch Mansfield hatte in dieser bedrückenden Phase ihres Lebens das Bedürfnis, ihren Krankheitsprozess mit der Kamera zu dokumentieren.

Dabei entstand die zehnteilige Bildstrecke „Aftermath“, die durch eine hohe emotionale Spannung ins Auge sticht und auf ihrer Website zu finden ist. Brustentfernung, Chemotherapie und Brustrekonstruktion hinterließen nicht nur körperlich, sondern augenscheinlich auch psychisch ihre Spuren. Was beim Betrachten von „Aftermath“ jedoch klar wird, ist dass Identität und Körper zwar sehr eng verknüpft sind, dennoch weit davon entfernt sind, identisch sein zu können.


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6 typographische Feinheiten im Web

Web-Typographie en detail

twistedintellect.comtwistedintellect.com

Ein Blick in die Blogstatistik zeigt, dass im Lauf des mehr als einjährigen Bestehens von Castor und Pollux manche Themen schnell in den Hintergrund gerückt sind, obgleich diese dem ursprünglichen Konzept zufolge ein integraler Bestandteil dieses Blogs sein sollten. Eine dieser Themen ist die Typographie; und da ich mich in letzter Zeit wieder intensiv mit Web-Typographie beschäftigte, kommt es mir gelegen, wieder zu dem Thema zu schreiben.

Obgleich man im Internet Linksammlungen, Tutorials, Ratgeber usw. zu genüge findet, werden doch m.E. manche Aspekte dieses komplexen Themas unberechtigterweise gar nicht oder nur oberflächlich aufgegriffen. Wenn man einmal die üblichen Seiten zum Thema Web-Typgraphie abgrast, wird man bald erkennen, dass die Informationen überaus redundant sind. Nicht verzagen, dafür gibt es jetzt an dieser Stelle ein kurze Liste jener typographischen Feinheiten, die im Web selten oder gar nicht zur Sprache kommen – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


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Zum Geburtstag viel Glück

Castor und Pollux wird ein Jahr alt

Damals war's: Der erste Artikel bei Castor und PolluxDamals war’s: Der erste Artikel bei Castor und Pollux

Heute vor einem Jahr  – da begann das virtuelle Leben dieses Blogs. Seitdem gab es hier viele Artikel, in denen ich mich kommenden Ausstellungen, einzelnen Künstlern und hin und wieder auch ausgewählter StreetArt gewidmet habe. Der Schwerpunkt hat sich seitdem verlagert, gewisse Tendenzen haben sich herausgebildet: die StreetArt trat zugunsten zeitgenössischer Kunst in den Hintergrund, einzelne Künstler wie Bas Jan Ader, Zach Johnsen oder Chris Burden wurden (und werden) nicht nur einmal angesprochen.


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T.V. Hijack

Darf Kunst in Gewalt gegenüber Unbeteiligten ausarten?

Chris Burden: T.V. Hijack„T.V. Hijack“, © Chris Burden

Die Präsenz der Medien hat über die Jahrzehnte hinweg stetig zugenommen; heute drängen dank Außenkorrespondenz, Live-Schaltung, Internet, Twitter usw. Inhalte aus allen vier Ecken der Erde innerhalb kürzester Zeit an unser interessiertes, oder vielleicht auch zunehmend desinteressiertes Ohr. Ereignisse und Schicksale finden nicht einfach nur statt und wären daher bloße Aufgabe der Berichterstattung, sie werden zunehmend in Echtzeit und oftmals auch unaufbereitet an den Konsumenten weitergegeben, der sich dadurch nicht mehr nur als Rezipient, sondern auch in größer werdendem Maße als Zeuge fühlt.

Die Geiselnahme von Gladbeck, die Anschläge vom 11. September, die Livebilder von den Bombeneinschlägen in Saddam Husseins Palästen – diese und viele andere mehr oder weniger geschichtsträchtigen Ereignisse finden – gefühlt – nicht mehr an einem fernen Ort, sondern ganz in der Nähe statt. Trifft dies womöglich auch auf Sportweltmeisterschaften, Gedenk– und Staatsfeiern zu, tritt es doch insbesondere bei solch erschütternden Geschehnissen in den Vordergrund.

Im Februar 1972 sollte beim Channel 3 im kalifornischen Irvine ein Live-Interview mit dem aufstrebenden Künstler Chris Burden stattfinden, der zuvor durch seine von autoaggressiver Gewalt und Bedrohung geprägte Kunst bekannt wurde. Burden nahm die Gelegenheit war, um auch daraus ein „Kunstwerk“ zu schaffen – ob dies tatsächlich Kunst darstellt oder nicht, ist hierbei die große Frage. Chris Burden schildert die Ereignisse folgendermaßen:

On January 14 I was asked to do a piece on a local television station by Phyllis Lutjeans. After several proposals were censored by the station or by Phyllis, I agreed to an interview situation. I arrived at the station with my own video crew so that could have my own tape. While the taping was in progress, I requested that the show be transmitted live. Since the station was not broadcasting at the time, they complied. In the course of the interview, Phyllis asked me to talk about some of the pieces I had thought of doing. I demonstrated a T.V. Hijack. Holding a knife to her throat, I threatened her life if the station stopped live transmission. I told her that I had planned to make her perform obscene acts. At the end of the recording, I asked for the tape of the show. I unwound the reel and destroyed the show by dousing the tape with acetone. The station manager was irate, and I offered him my tape which included the show and its destruction, but he refused.

Was darf also Kunst? Darf sie die Unversehrtheit eines Nichtsahnenden derart aufs Spiel setzen?


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