Are you ready? Shoot!

Die Motivgeschichte einer gewaltvollen Performance

Chris Burden: Shoot“Shoot” (Video­aus­schnitt), © Chris Burden

Man sagt, eine Gesell­schaft finde sich in sei­ner Kul­tur, sei­nen Erzäh­lun­gen, sei­ner Musik, sei­nen Fil­men, sei­ner Kunst wie­der. Das Ame­rika der 50er und 60er Jahre hat – was Kino­filme anbe­trifft – heute noch bedeut­same Werke her­vor­ge­bracht: “Wege zum Ruhm”, “Bon­nie und Clyde” (1967), “Point Blank” (1967), “Spiel mir das Lied vom Tod” (1968). Filme, die Waf­fen­ge­brauch, Krieg und Tod roman­ti­sie­ren und ver­klä­ren, zuwei­len auch poin­tie­ren. Als sich dann in den spä­ten 60er Jah­ren für den seit 1965 herr­schen­den Viet­nam­krieg ein poli­tisch schmach­vol­les Ende abzeich­nete und das per­sön­li­che Leid vie­ler Ame­ri­ka­ner – ob im Dschun­gel oder daheim – in den Vor­der­grund trat, nahm man vom heroi­sier­ten Bild der Hol­ly­wood­pro­duk­tio­nen Abstand und gewann eine andere Perspektive.

Als der Viet­nam­krieg 1971 in der Öffent­lich­keit als bereits geschei­tert ange­se­hen wurde, erregte ein Kunst­stu­dent namens Chris Bur­den die öffent­li­che Auf­merk­sam­keit: Er ver­öf­fent­lichte einen kur­zen Film, den er zu Beginn selbst kom­men­tiert und darin ankün­digt, was gesche­hen werde und wor­auf zu ach­ten sei. Im Wei­te­ren bleibt das Bild schwarz, nur der Ton bleibt. Dann sieht man Bur­den vor einer wei­ßen Wand ste­hen, ein Freund und Kom­mi­li­tone steht einige Meter vor ihm und zielt mit einem Gewehr auf den Künst­ler. Er drückt ab, trifft Bur­den in den Arm und beide ver­las­sen die Szenerie.

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Der Moment der Balance

Das metallene Segel des Frederic Geurts

Frederic Geurts: (un)balancedUntit­led, aus “(un)balanced”, © Fre­de­ric Geurts

Es gibt so man­che Künst­ler, die – ein­mal ihr opti­ma­les Medium gefun­den – nur noch mit die­sem arbei­ten und immer wie­der neue Per­spek­ti­ven und Ansätze explo­rie­ren. Die Kunst­ge­schichte ist voll von sol­chen Bei­spie­len, nicht sel­ten behält man heute ein­zelne Künst­ler vor­nehm­lich dafür im Gedächt­nis: Da wäre Rem­brandts genia­ler Umgang mit dem Licht, Alex­an­der Cal­ders Mobi­les oder auch Yves Kleins Ultramarinblau.

Sol­che Künst­ler ver­ste­hen es, sich und ihr Medium immer wie­der neu zu erfin­den. Der Bel­gier Fre­de­ric Geurts könnte einer von ihnen sein. Er arbei­tet mit stäh­ler­nen oder mit Poly­es­ter­netz aus­ge­spann­ten Segeln, die mal im Raum zu schwe­ben schei­nen, mal den­sel­bi­gen durch­zie­hen, mal den Betrach­ter zu erdrü­cken, mal jen­seits von Raum und Zeit zu exis­tie­ren scheinen.

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Deine Meinung ist gefragt!

Ganymed nimmt Gestalt an

GanymedDas Logo: Futura, gesperrt, schlicht.

Sicher­lich habt ihr hier oder im Inter­view beim Uber­ding schon gele­sen, dass Cas­tor & Pol­lux bald um ein neues Pro­jekt erwei­tert wird. Gany­med wird es hei­ßen und wer sich jetzt fragt, was das sein soll, wie es dazu kommt und über­haupt, was das alles soll, der kann es halt noch ein­mal nach­le­sen.

Der­zeit sitze ich am Lay­out und wie schon ange­kün­digt, soll Gany­med sehr schlicht daher kom­men. Im Gegen­satz zu sei­nem gro­ßen Bru­der soll es mini­ma­lis­tisch, ein­fach und aufs aller­we­sent­li­che redu­ziert sein. Schnör­kel, Seri­fen­schrif­ten, Aldus­blät­ter als Bul­lets – all das wird man nicht fin­den. Den­noch soll das neue Blog stim­mig und abge­run­det aus­schauen, was mit­un­ter schwie­ri­ger sein kann, als man denkt. Bis dann das neue Blog tat­säch­lich an den Start gehen kann, muss es noch offi­zi­ell unter Ver­schluss gehal­ten wer­den, ist aller­dings aus prak­ti­schen Grün­den schon online.

Daher richte ich mich hier­mit an alle treuen RSS-Abonnenten, mir beim Lay­ou­ten und Desi­gnen über die Schul­ter zu schauen und zu kri­ti­sie­ren, vor­zu­schla­gen und zu Mei­nun­gen zu tei­len! Schreibt hier ein­fach einen Kom­men­tar, eine E-Mail, eine Nach­richt bei Twit­ter oder sonst wo – alle Mei­nun­gen sind willkommen!

Also dann, hier geht’s zum Blog: gany​med​.cas​tor​-und​-pol​lux​.de – ich freu mich auf eure Kommentare!

PS: Ent­schul­di­gung für die anfäng­li­chen tech­ni­schen Pro­bleme mit die­sem Arti­kel, Word­Press macht es einem nicht gerade einfach…

Neues aus der Tüftelstube

Demnächst bei und über Castor und Pollux

Yamamoto Gendai: Beginning“Begin­ning”, © Yama­moto Gendai

Cas­tor & Pol­lux steu­ert jetzt nun lang­sam auf das erste Jubi­läum zu, noch etwas mehr als ein Monat und dann darf (im Stil­len) gefei­ert und froh­lockt wer­den. Seit dem Tag, an dem der Start­schuss fiel, hat sich hier so man­ches getan und so kann noch vor dem ers­ten Geburts­tag ein Aus­blick auf das Neuste aus dem Hause Cas­tor und Pol­lux gege­ben werden:

Ganymed

Gany­med

Manch einer wird bemerkt haben, dass in letz­ter Zeit die Pos­ting­fre­quenz abge­nom­men hat. Erschien noch anfangs alle zwei bis drei Tage ein neuer Ein­trag und wurde rechts unter “Kom­mende Arti­kel” stets auf bereits fer­tige Posts hin­ge­wie­sen, geneh­mige ich mir nun mit­un­ter etwas mehr Zeit beim Schrei­ben neuer Arti­kel. Das liegt in ers­ter Linie am zuneh­men­den Zeit­auf­wand des Stu­di­ums, aber auch am wäh­le­ri­sche­ren Vor­ge­hen, was die The­men­aus­wahl angeht.

Da ich die­ses Blog nicht um seine in die­ser Blog­land­schaft rare Eigen­schaft schmä­lern will, tat­säch­lich auch etwas über die vor­ge­stellte Kunst zu schrei­ben, wird es dem­nächst einen Able­ger namens Gany­med geben, der zwar selbst keine gro­ßen Worte über die gepos­tete Kunst ver­liert, dafür aber auf lesens­werte Inter­pre­ta­tio­nen, Beschrei­bun­gen und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen ande­rer Quel­len verweist.

Der­zeit befin­det sich die­ses neue Pro­jekt noch im Auf­bau, ins­be­son­dere was das Lay­out angeht, aber immer­hin heißt es auf der About-Seite schon:

“‘Ver­ily wise Zeus car­ried off golden-haired Gany­me­des because of his beauty, to be amongst the Death­less Ones and pour drink for the gods in the house of Zeus – a won­der to see – hono­u­red by all the immor­tals as he draws the red nec­tar from the gol­den bowl.”
[Hesiod: Home­ri­sche Hym­nen, 5.202ff]

Gany­med, der Schönste unter den Sterb­li­chen, der von Zeus selbst in den Him­mel ent­rückt wurde, um den olym­pi­schen Göt­tern als Mund­schank zu die­nen, Nek­tar und Ambro­sia auf­zu­ta­feln. Die­ses Blog soll süßeste Kunst kredenzen […]

Man darf gespannt sein!

UBERDING

Advents­ak­tion von Uber​ding​.de

Das Uber­ding – ein Blog über Mode, Kunst, Life­style, Net-Geschehen aus dem fer­nen Stutt­gart – ver­süßt sei­nen Lesern die Weih­nachts­zeit pas­sen­der­weise mit einem eige­nen Advents­ka­len­der. Statt ordi­nä­rer Scho­ko­lade ver­birgt sich hin­ter jedem Tür­chen ein Inter­view mit einem Autor eines ande­ren Blogs, den (so ver­mute ich) die Auto­rin­nen selbst auch lesen. Und da eine von ihnen, Mia, hier mit­liest, kam wohl eines zum ande­ren und so wird hin­ter dem zwölf­ten Tür­chen ein kur­zes Inter­view mit mir ver­steckt sein. Ein Besuch des Uber­dings ist – und nicht nur wegen die­ses Anlas­ses – wärms­tens ans Herz zu legen!

Dies und das

In letz­ter Zeit mache ich mir ernst­haft Gedan­ken, ob ich nicht nur wie bis­her über Kunst schrei­ben, son­dern mich zukünf­tig auch tat­säch­lich in sel­bi­ger üben mag. Ideen gibt es bereits, auch kon­krete und bezahl­bare, frag­lich ist nur, mit wel­cher genauen Inten­tion und in wel­chem Rah­men dies ablau­fen soll. Mei­ner Ansicht nach ist Kunst im All­ge­mei­nen zu schade, um hin­ter ver­schlos­se­nen Türen zu ver­sau­ern; sie gehört in die Gale­rien, auf die Straße, in die Museen, mei­net­we­gen auch in die Cafés, Loun­ges und ins Bur­ger King um die Ecke. Kunst zu schaf­fen hieße daher auch, vor die­sem Hin­ter­grund zu arbei­ten, und wenn man bedenkt, dass selbst gestan­dene, teils aus­ge­bil­dete, quasi “haupt­be­ruf­li­che” Künst­ler arge Pro­bleme damit haben, ange­mes­sene Orte für ihre Werke zu fin­den, sehe ich da das größte Pro­blem mei­nes Vorhabens.

Wei­ters: Nach wie vor sind Gast­au­to­ren herz­lich will­kom­men! Wenn du Lust hast, über ein bestimm­tes Thema zu schrei­ben und dadurch – falls vor­han­den – auch dein eige­nes Blog zu pro­mo­ten, kannst du dich ganz unkom­pli­ziert und ein­fach per Mail an mich wenden!

La pluie

Unterwegs auf den Wegen der Inspiration

Marcel Broodthaers: La pluie (Projet pour un texte)“La pluie (Pro­jet pour un texte)”, © Mar­cel Broodthaers (via)

Ein Mann sitzt im Regen, kau­ert auf sei­nem Gar­ten­stuhl, die Kiste zu sei­nen Füßen dient ihm als Tisch. Dar­auf aus­ge­brei­tet ein Bogen Papier, zudem ein Tin­ten­fass und Schreib­uten­si­lien. Er setzt die Feder zum Schrei­ben an, bringt uner­müd­lich sein Wort zum durch­weich­ten Papier. Der Regen spült die fri­schen Worte hin­weg, löscht den Gedan­ken aus, ertränkt die Stimme des Mannes.

Der bel­gi­sche Künst­ler Mar­cel Broodthaers hat 1969 in sei­nem zwei­mi­nü­ti­gem 16mm-Schwarz-Weiß-Film “La pluie (Pro­jet pour un text”) eben jene Szene dar­ge­stellt. Online gibt es den Film lei­der nicht, nur ein­zelne Stills, was es jedoch gibt, sind Fotos und Filme jener Werke, die sich durch Broodthaers melan­cho­li­schen, sehr ein­drück­li­chen Film inspi­rie­ren lie­ßen und dort anknüp­fen: – eine kleine Motivgeschichte.

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