Polaroid is the new black

Das Revival eines Auslaufmodells

Philip Glaser: UntitledUntit­led, © Phi­lip Glaser

Es ist gerade ein­mal drei Monate her, da habe ich mich für ein Exem­plar der ver­meint­lich alt­mo­di­schen und aus­ge­stor­be­nen Polaroid-Kameras ent­schie­den (eine SX-70 Land Camera 1000, für die, die es inter­es­siert). Inspi­riert durch die Arbei­ten eini­ger bei­spiel­haft zu nen­nen­der Künst­ler wie Aaron Fea­ver oder Mike Bro­die sowie solch wun­der­bare Sei­ten wie Daily Pola­ro­ids, stand nur noch eBay zwi­schen mir und mei­nem nost­al­gi­schen Glück. Mitt­ler­weile ent­de­cken immer mehr Men­schen den Charme des etwas ein­ge­staub­ten Medi­ums und Läden wie Pola­pre­mium in der Brun­nen­straße bedie­nen ein ste­tig wach­sen­des Segment.

Pola­ro­id­fo­tos erobern also so lang­sam die Her­zen der Ber­li­ner und mitt­ler­weile set­zen ambi­tio­nierte Pro­jekte alles daran, die längst aus­ge­setzte Pro­duk­tion der spe­zi­el­len Film­kas­set­ten wie­der­zu­be­le­ben. Die­je­ni­gen, die die teu­ren Filme ihr Eigen nen­nen, gehen damit wohl­be­dacht um und so ent­steht mit­un­ter sehens­werte Kunst wie die von Phi­lip Gla­ser. Seit kur­zem sind seine Foto­gra­fien in der Bili­ru­bin Gal­lery zu bestaunen.

Philip Glaser: UntitledUntit­led, © Phi­lip Glaser

Gla­ser, der schon seit eini­gen Jah­ren mit sei­ner SX-70 durch die Welt streift und eif­rig auf Film bannt, stellt damit zum nun­mehr drit­ten Mal bei Bili­ru­bin aus. In sei­nen Foto­gra­fien fin­den sich immer wie­der unter­schied­lichste urbane Milieus sowie die Spu­ren, die ihre Bewoh­ner hin­ter­las­sen haben. Seine Bil­der sind bis auf wenige Aus­nah­men unscharf und ver­schwom­men und legen so den Fokus auf andere Dinge, heben ohne große Umschweife die Kom­po­si­tion her­vor. Laut des knap­pen Teasers auf der Bilirubin-Seite wer­den durch die­ses Stil­mit­tel die beleb­ten und unbe­leb­ten Teile sei­ner Motive von­ein­an­der getrennt, was ich per­sön­lich nicht ganz nach­voll­zie­hen kann – doch urteile jeder selbst.

Was aller­dings aus die­sen Bil­dern klar her­vor­geht, ist der dem Pola­roid eigen­tüm­li­che Cha­rak­ter, wel­cher bei Gla­ser  durch das Defo­kus­sie­ren noch wei­ter ver­stärkt wird. Das Bild hält den Cha­rak­ter des Moments fest, unge­schönt und zuwei­len auch unschön. Man betrach­tet ein Sofort­bild und kann den Augen­blick quasi mit­er­le­ben; ein Prä­di­kat, um das kon­ven­tio­nelle Foto­gra­fie sich mehr bemü­hen muss als sein ver­meint­lich aus­ge­dien­ter Verwandter.

 

Pola­roid scheint wie­der mehr Men­schen zu begeis­tern, zumin­dest belegt das die jüngste Ent­wick­lung. Einst als kari­kie­ren­des Acces­soire der Kon­sum­ge­sell­schaft ver­schrien, führte die Ver­knap­pung zu einer Auf­wer­tung des Images und Renais­sance des eigen­tüm­li­chen Flairs der Sofort­bil­der. Anders wird wohl nicht zu erklä­ren sein, warum die klei­nen Bil­der von so vie­len wie­der favo­ri­siert wer­den, wenn es um aus­drucks­starke Kunst und Ama­teur­kunst geht. Ich für mei­nen Teil plane genau, womit ich die teu­ren 8x-Filme fül­len werde – und freue mich wie viele andere auch über jedes Sofort­bild, das ich irgendwo sehe…


Kommentare

  1. Spree­prin­zes­sin schrieb am 13. September 2009:

    Lei­der hat Pola­roid selbst die Her­stel­lung der Filme ein­ge­stellt. Doch Hoff­nung naht: http://​www​.the​-impos​si​ble​-pro​ject​.com/


  2. Mat­thias schrieb am 13. September 2009:

    Was wohl der Grund sein dürfte, warum mit dem raren (und daher wert­vol­len) Mate­rial so behut­sam umge­gan­gen wird. Zwan­zig Euro für acht Abzüge ist nicht gerade wenig, sorgt aber auch dafür, dass die Qua­li­tät der Fotos steigt.


  3. Mia schrieb am 21. September 2009:

    weil man bei die­ser art der foto­gra­feíe wie­der etwas in der hand hält. etwas greif­ba­res scheint für unsere gene­ra­tion man­gel­ware und ist des­halb so begehrt


  4. Mat­thias schrieb am 21. September 2009:

    Das ist es jeden­falls, was ich an der Digi­tal­fo­to­gra­fie so sehr ver­misse. Ich habe ges­tern meine aller­erste Digi­tal­ka­mera gekauft, die aller­dings mei­ner ana­lo­gen Samm­lung keine Kon­kur­renz machen wird. Com­pu­ter­fo­tos blei­ben nun­mal solange ima­gi­när und irreal, bis man sich ihrer erbarmt und auf Foto­pa­pier bannt.