Kunstbörse Berlin

Kunstkäufer aller Länder, vereinigt euch

Paul Rascheja: Homecoming #1“Home­co­m­ing #1″, © Paul Rascheja (@ Kunstsalon)

Der Ber­li­ner Kunst­markt ist der­zeit nicht zu benei­den. Gut 370 Gale­ris­ten ver­sam­meln sich in die­sen Tagen auf fünf unter­schied­li­chen Kunst­mes­sen, um Werke bekann­ter, eta­blier­ter und auch auf­stre­ben­der Künst­ler nicht nur der gro­ßen Besu­cher­schaft zu prä­sen­tie­ren, son­dern natür­lich auch zu ver­kau­fen. Die Kon­kur­renz ist also so groß wie die Aus­wahl und wie­der ein­mal ver­wan­delt sich die Haupt­stadt für ein paar Tage in den ver­mut­lich größ­ten Kunst­umschlags­platz Euro­pas. Das kommt dem geneig­ten Käu­fer natür­lich ent­ge­gen, denn auch auf die­sem Markt gel­ten die Gesetze der Wirtschaft.

Ich für mei­nen Teil habe lei­der keine Zeit, mich dem Spek­ta­kel hin­zu­ge­ben, das soll mich aber nicht davon abhal­ten, die fünf Mes­sen und die ver­tre­te­nen Gale­rien und Künst­ler vor­zu­stel­len. Alle­samt kön­nen noch bis zum Sonn­tag besucht wer­den, ehe die Stadt wie­der ein wenig die Ruhe der Wirt­schafts­krise genie­ßen kann.

Nina Fischer & Maroan el Sani: Palast der Republik - Nordseite“Palast der Repu­blik – Nord­seite”, © Nina Fischer & Maroan el Sani (@ Art Forum)

Art Forum

Klar, als ers­tes widme ich mich der bekann­tes­ten Messe in die­ser Runde. In ihrer 14. Auf­lage stel­len rund 130 Gale­ris­ten die Werke ihrer Künst­ler in den Mes­se­hal­len unter dem Funk­turm zur Schau. Die­ses Jahr führt das Art Forum zwei Neue­run­gen mit ins Feld: Neben der Gegen­warts­kunst wer­den auch erst­mals Werke aus den 60ern gezeigt, zudem wird eigens sol­chen Gale­rien Raum gebo­ten, die weni­ger als fünf Jahre am Markt prä­sent sind; dar­un­ter auch die Ber­li­ner Ver­tre­ter der Kunst­agen­ten und von Som­mer & Kohl. Auch sonst domi­nie­ren Ber­li­ner Gale­rien das Art Forum, stel­len doch 38 von ihnen in den Mes­se­hal­len aus.

Auch das Port­fo­lio der ver­tre­ten Künst­ler kann sich sehen las­sen. Nam­hafte Grö­ßen wie Katha­rina Grosse, Ster­ling Ruby, Pie­ter Hugo, Imi Kno­ebel, Neo Rauch und Her­bert Brandl sind durch ihre Werke ver­tre­ten, aber auch Stü­cke der bei Cas­tor und Pol­lux schon vor­ge­stell­ten Jeppe Hein, Kohei Yoshiyuki und Edith Dekyndt suchen einen neuen Besitzer.

Aber hier noch ein­mal alle wich­ti­gen Infos:
14. Art Forum Ber­lin 2009
geöff­net bis 27.09., jeweils von 12 – 19 Uhr
in den Mes­se­hal­len unter dem Funk­turm, Ein­gang Halle 19
Tages­ti­cket 18 €, erm. 12 €

Ralf Ziervogel: Ecce“Ecce”, © Ralf Zier­vo­gel (@ abc)

abc – art ber­lin contemporary

Im ver­gan­ge­nen Jahr trenn­ten sich einige abtrün­nige Ber­li­ner Gale­ris­ten vom Art Forum und grün­de­ten flugs ihre eigene Über­sichts­schau der Gegen­warts­kunst, die abc – art ber­lin con­tem­porary, mit der sie beson­ders den künst­le­ri­schen Laien anspre­chen woll­ten, was sie auch schon zuvor durch das erfolg­rei­che Gal­lery Wee­kend geschafft hat­ten. Die­ses Jahr gehen die Kon­tra­hen­ten von einst auf Ver­söh­nungs­kurs und beto­nen ihre Zusam­men­ar­beit. So erhält man etwa als Besit­zer eines Tickets für das Art Forum freien Ein­tritt bei der abc in der Aka­de­mie der Künste und kann zur Anfahrt gleich den Shut­tle­bus nutzen.

Die zweite Aus­gabe der abc steht unter dem Motto “def – drafts esta­blis­hing future” und ruft zum Dis­kurs über Kunst im und für den öffent­li­chen Raum auf. Zu sehen sind eine Fülle von Arbei­ten, die eigens für die Räume der Aka­de­mie der Künste geschaf­fen wur­den. StreetArt sollte man von den rund 80 aus­ge­stell­ten Künst­lern nicht erwar­ten, dies sollte jedoch nicht die Erwar­tun­gen an die Aus­stel­lung trü­ben. Große Namen sind erwar­tungs­ge­mäß nicht ver­tre­ten, soll doch die Aus­stel­lung vor allem junge Künst­ler vor­stel­len. Man darf aber gespannt sein, was die nam­haf­ten Gale­rien Eigen + Art, Max Hetz­ler und Arndt & Part­ner aus­ge­gra­ben haben. Letz­tere etwa führt ein Pro­jekt des auf­stre­ben­den Ralf Zier­vo­gel ins Feld, der einen 120m mes­sen­den Kubus über Tem­pel­hof bauen will.

Davon kann man sich also auf der
abc – art ber­lin con­tem­porary
noch bis zum 27.09. von jeweils 11 bis 20 Uhr
in der Aka­de­mie der Künste
für 7 €, erm. 5 € oder mit einem Ticket des Art Forum überzeugen.

Ingolf Keiner: Der Gerber“Der Ger­ber”, © Ingolf Kei­ner (@ Kunstsalon)

Ber­li­ner Kunstsalon

Auch der Kunst­sa­lon wid­met sich den jun­gen und expe­ri­men­tel­len Künst­lern, kann aller­dings auf ein mitt­ler­weile sechs­jäh­ri­ges Beste­hen zurück­bli­cken. Was als Bühne für mit­un­ter sub­ver­sive und ver­quere Kunst begann, hat sich mit der Zeit ein wenig gemä­ßigt, ist aber wei­ter­hin eine sehr attrak­tive Ergän­zung im Messe– und Aus­stel­lungs­pro­gramm. Über die Jahre hat sich der Kunst­sa­lon zu einer Ver­an­stal­tung gemau­sert, die dem Art Forum in nichts nach­steht und als zweit­größte Kunst­messe gehan­delt wird.

In die­sem Jahr liegt der Fokus ganz auf der Foto­gra­fie, die ande­ren Gen­res kom­men aber natür­lich nicht zu kurz. Mit dem kos­ten­lo­sen Kata­log extra:f (auch als PDF, 5 MB) stel­len die Ver­an­stal­ter in kurz­wei­li­gen Por­träts die foto­gra­fi­schen Stern­stun­den der Messe vor. Die rest­li­chen Werke kann man vorab schon mal im Online-Katalog (8 MB) durch­stö­bern, ehe man sich vor Ort (wie zuvor im Humboldt-Umspannwerk im Prenz­lauer Berg) selbst von der Viel­falt der gebo­te­nen Kunst über­zeu­gen kann. 71 Aus­stel­ler, dar­un­ter auch Kunst­hoch­schu­len, sind zuge­gen und nut­zen wie­der ein­mal die groß­ar­ti­gen Räum­lich­kei­ten für eine sehens­werte Ausstellung.

6. Ber­li­ner Kunst­sa­lon
noch bis zum 27.09. von jeweils 14 bis 22 Uhr, am So von 12 bis 20 Uhr
im Humboldt-Umspannwerk
für 8 €, erm. 6 €Eintritt.

“Uhr”, © Ste­fan Strumbel (@ Ber­li­ner Liste)

Ber­li­ner Liste 2009

Auch die Ber­li­ner Liste nutzte schon das Humboldt-Umspannwerk für seine Schau jun­ger, bis­her eher unbe­kann­ter Künst­ler und ver­steht sich seit ihrer Grün­dung vor fünf Jah­ren eben­falls als Ergän­zung zum Art Forum (und sieht sich eben­falls als zweit­größte Kunst­messe Ber­lins). Die­ses Jahr ent­schied man sich jedoch für das Palais am Tier­gar­ten, einen nüch­ter­nen, cha­rak­ter­lo­sen Glas­bau in Nach­bar­schaft zur Neuen Nationalgalerie.

Das dies­jäh­rige Sor­ti­ment der sech­zig aus­stel­len­den Gale­rien ähnelt dem der Messe-Konkurrenz, so setzt man eben­falls auf viel Foto­gra­fie und lässt par­al­lel zum Art Forum 50 Jahre Kunst­ge­schichte Revue pas­sie­ren. Dem öffent­li­chen StreetArt-Hype trägt man auch Rech­nung und prä­sen­tiert Werke von Banksy (selbst­re­dend von der Gale­rie Spring­mann), auch wenn der in den Pres­se­un­ter­la­gen mehr­fach als Bansky vor­ge­stellt wird. Und weil es der­zeit eh “in” ist, Kunst mit Musik, Disco und Tanz zu ver­bin­den, dür­fen natür­lich die Lounge und der Dance­floor im fünf­ten Stock­werk nicht fehlen.

Fün­dig wird man bei der Ber­li­ner Liste 2009
noch bis 27.09. jeweils von 13 bis 21 Uhr, am Sonn­tag bis 19 Uhr
im Palais am Tier­gar­ten
für 12 €, 10 € Eintritt.

Robert Kunec: Suicide Bomber“Sui­cide Bom­ber”, © Robert Kunec (@ Pre­view Berlin)

Pre­view Berlin

Den Abschluss bil­det die kleinste der der­zei­ti­gen Kunst­mes­sen, die Pre­view Ber­lin. Etwa vier­zig Gale­ris­ten zei­gen hier – wie auch auf den ande­ren Satel­li­ten­mes­sen –, was die jüngs­ten Strö­mun­gen der Gegen­warts­kunst her­ge­ben. Die erfri­schende Abwechs­lung gibt es dafür an ande­rer Stelle: Die Aus­stel­ler beschrän­ken sich auf Instal­la­tio­nen, Skulp­tu­ren und Plas­ti­ken, viele davon eigens für die vierte Auf­lage der Pre­view Ber­lin ange­fer­tigt. Denn die­ses Jahr zieht die Messe vom Han­gar 2 in die Haupt­halle und will nach eige­nen Anga­ben das tra­dierte Mes­se­kon­zept über­win­den, indem die Werke nicht in Mes­se­stän­den, son­dern wie in einer Aus­stel­lung prä­sen­tiert werden.

Ob das inno­va­tiv ist oder nicht, muss jeder für sich selbst ent­schei­den, jedoch dürfte die Beschrän­kung auf plas­ti­sche Kunst die Pre­view Ber­lin von der Kon­kur­renz abhe­ben. Zwar geht es auch hier um Kunst von weni­ger nam­haf­ten Akteu­ren (aller­dings dürfte EVOL dem jun­gen Ber­li­ner Publi­kum von Begriff sein), doch abge­rech­net wird bekannt­lich zum Schluss.

Noch ein­mal alles Wich­tige in Kürze:
5. Pre­view Ber­lin
noch bis 27.09. jeweils von 13 bis 20 Uhr
in der Haupt­halle des ehe­ma­li­gen Flug­ha­fen Tem­pel­hof
für 10 €, erm. 6 € Eintritt.

 

Der Aus­druck “Satel­li­ten­messe” ist offen­bar gerecht­fer­tigt, wenn man von den vier klei­ne­ren der der­zei­ti­gen Kunst­mes­sen spricht. Sie alle haben ihren Bezug zum gro­ßen Vor­rei­ter, dem Art Forum, ver­ste­hen sie sich doch als Ergän­zung zum Markt der eta­blier­ten Grö­ßen des Kunst­busi­ness.
Wohl auch die­ses Jahr wer­den wie­der Besu­cher­re­korde gebro­chen, was den Stand­ort Ber­lin als Kunst­markt wei­ter fes­ti­gen wird. Schließ­lich kann man hier die Werke gehyp­ter Künst­ler wie Jeff Koons oder Bansky Banksy neben denen vie­ler­lei Neu­ent­de­ckun­gen für den Preis einer Tages­karte erle­ben oder bei Inter­esse und nöti­gem Finanz­pols­ter auch gleich erwer­ben. Am Ende freut’s den Besu­cher: Kon­kur­renz belebt bekannt­lich den Markt.



Andere Stimmen

  1. Ber­lin – Blog – 24 Sep 2009 schrieb am 25. September 2009:

    […] Kunst­börse Ber­lin | Cas­tor und Pollux […]


Kommentare

  1. Phil­ipp schrieb am 24. September 2009:

    also im Art-Forum war ich letz­tes Jahr und fand es eigent­lich ganz gut. werde diese Jahr wie­der ver­su­chen hinzugehen


  2. Dori schrieb am 4. Oktober 2009:

    schade wäre auch gerne in Ber­lin, vllt nächs­tes Mal…