Kunstbörse Berlin

Kunstkäufer aller Länder, vereinigt euch

Paul Rascheja: Homecoming #1“Home­co­m­ing #1″, © Paul Rascheja (@ Kunstsalon)

Der Ber­li­ner Kunst­markt ist der­zeit nicht zu benei­den. Gut 370 Gale­ris­ten ver­sam­meln sich in die­sen Tagen auf fünf unter­schied­li­chen Kunst­mes­sen, um Werke bekann­ter, eta­blier­ter und auch auf­stre­ben­der Künst­ler nicht nur der gro­ßen Besu­cher­schaft zu prä­sen­tie­ren, son­dern natür­lich auch zu ver­kau­fen. Die Kon­kur­renz ist also so groß wie die Aus­wahl und wie­der ein­mal ver­wan­delt sich die Haupt­stadt für ein paar Tage in den ver­mut­lich größ­ten Kunst­umschlags­platz Euro­pas. Das kommt dem geneig­ten Käu­fer natür­lich ent­ge­gen, denn auch auf die­sem Markt gel­ten die Gesetze der Wirtschaft.

Ich für mei­nen Teil habe lei­der keine Zeit, mich dem Spek­ta­kel hin­zu­ge­ben, das soll mich aber nicht davon abhal­ten, die fünf Mes­sen und die ver­tre­te­nen Gale­rien und Künst­ler vor­zu­stel­len. Alle­samt kön­nen noch bis zum Sonn­tag besucht wer­den, ehe die Stadt wie­der ein wenig die Ruhe der Wirt­schafts­krise genie­ßen kann.

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’tis moving!

Stop motion - sichtbar selbstgemacht

Wer mich bei Twit­ter ver­folgt, dem ist wahr­schein­lich auch zu Ohren gekom­men, dass ich einen mys­te­riö­sen Internet-T-Shirt-Versandservice namens Hips­tery aus­pro­biert habe. Man beant­wor­tet dazu eine Hand­voll zusam­men­hangs­lo­ser Fra­gen und bekommt dann für den ent­spre­chen­den Preis ein Päck­chen aus Leip­zig, in dem sich ein Shirt ver­steckt, das man nicht ein­mal kennt. Angeb­lich eigens für den ein­zel­nen Kun­den aus­ge­sucht, bekommt man so ein T-Shirt eines der grö­ße­ren Shirt­la­bels wie Thre­ad­less oder Desi­gn­By­Hu­mans. Zwar ver­spricht Hips​tery​.com, man werde sein per­sön­li­ches Shirt über alles lie­ben, doch schein­bar bin ich da die berühmte Aus­nahme. Was soll’s.

Und wer das alles schon bei Twit­ter alles gehört hat, der weiß auch, dass ich eine Foto­stre­cke ver­spro­chen habe, die das große Aus­pa­cken doku­men­tiert. Letzt­end­lich ist es aber ein klei­ner Stop-Motion-Film gewor­den. Mein ers­ter, um genau zu sein. Sieht man auch, so ganz ohne Stativ.

Le città invisibili

Künstlerische Aufarbeitung eines literarischen Juwels

Delavega, Ephemera, Lascarr: Ersilia“Ersi­lia”, © Dela­vega, Ephe­mera, Las­carr

Der ita­lie­ni­sche Schrift­stel­ler Italo Cal­vino ver­öf­fent­lichte 1972 eines sei­ner schil­lernds­ten Werke, “Le città invi­si­bili” – “Die unsicht­ba­ren Städte”. Darin beschreibt Marco Polo sei­nem Gast­ge­ber Kublai Khan in 55 Pro­sa­ge­dich­ten die 55 Städte, die er auf sei­nem Weg nach Peking besucht hat. Jede von ihnen steht für eine bestimmte gesell­schaft­li­che Situa­tion und im Laufe der Erzäh­lun­gen wer­den diese Beschrei­bun­gen immer düs­te­rer ehe sie zum Schluss die Hölle auf Erden skiz­zie­ren. Der geneigte Leser kann deut­li­che Par­al­le­len zum Deca­me­ron oder zur Gött­li­chen Komö­die zie­hen – oder aber die­ses Sinn­bild der gegen­wär­ti­gen Urba­ni­sie­rung künst­le­risch ver­ar­bei­ten. Das übri­gens sehr emp­feh­lens­werte Buch hat schon so man­chen Künst­ler inspi­riert, sei es StreetArt, Foto­gra­fie oder Malerei.

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Polaroid is the new black

Das Revival eines Auslaufmodells

Philip Glaser: UntitledUntit­led, © Phi­lip Glaser

Es ist gerade ein­mal drei Monate her, da habe ich mich für ein Exem­plar der ver­meint­lich alt­mo­di­schen und aus­ge­stor­be­nen Polaroid-Kameras ent­schie­den (eine SX-70 Land Camera 1000, für die, die es inter­es­siert). Inspi­riert durch die Arbei­ten eini­ger bei­spiel­haft zu nen­nen­der Künst­ler wie Aaron Fea­ver oder Mike Bro­die sowie solch wun­der­bare Sei­ten wie Daily Pola­ro­ids, stand nur noch eBay zwi­schen mir und mei­nem nost­al­gi­schen Glück. Mitt­ler­weile ent­de­cken immer mehr Men­schen den Charme des etwas ein­ge­staub­ten Medi­ums und Läden wie Pola­pre­mium in der Brun­nen­straße bedie­nen ein ste­tig wach­sen­des Segment.

Pola­ro­id­fo­tos erobern also so lang­sam die Her­zen der Ber­li­ner und mitt­ler­weile set­zen ambi­tio­nierte Pro­jekte alles daran, die längst aus­ge­setzte Pro­duk­tion der spe­zi­el­len Film­kas­set­ten wie­der­zu­be­le­ben. Die­je­ni­gen, die die teu­ren Filme ihr Eigen nen­nen, gehen damit wohl­be­dacht um und so ent­steht mit­un­ter sehens­werte Kunst wie die von Phi­lip Gla­ser. Seit kur­zem sind seine Foto­gra­fien in der Bili­ru­bin Gal­lery zu bestaunen.

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What’s the colour of money?

EMESS in der ATM Gallery

Noch ein klei­ner Ein­wurf: Seit vor­ges­tern kann man in der klei­nen, fei­nen ATM Gal­lery eine Werk­schau des Ber­li­ner Street­Ar­tist EMESS bewun­dern. “EMESS – wer ist das?” wirst du jetzt viel­leicht fra­gen. EMESS, das ist der Kerl, der bei der vor­jäh­ri­gen Urban Affairs und No Sugar for the Mon­key pinke Gewehre in Beton goß und bei der Urban Affairs Exten­ded Medu­sen und Bank­no­ten in Szene setzte.

Mit ähnli­cher The­ma­tik geht es jetzt bei Arse To Mouth wei­ter. Denn dort wer­den auch EMESS’ andere Sten­cils und Prints zum Thema Finanz­krise gezeigt, die sich durch­aus sehen las­sen kön­nen. Wie schon zuvor wer­den die Kon­ter­feis diver­ser Bank­no­ten sati­risch auf­be­rei­tet und mit tref­fen­den Pas­sa­gen aus Songs wie “Can’t buy me love” kombiniert.

Alle Daten auf dem obi­gen Flyer bzw. direkt bei ATM. Aus­drück­li­che Besuchsempfehlung!

Am rechten Fleck

Ontologischer Diskurs

Frank Kunert: Bad in der Menge“Bad in der Menge”, © Frank Kunert

Rea­li­tät und Ima­gi­na­tion ste­hen sich näher, als man beim Lesen die­ses plat­ten Sat­zes ver­mu­ten mag. Dies zeigt sich immer wie­der beim Betrach­ten eines Bil­des, eines Fotos oder beim Lesen eines Tex­tes:  Der Kon­su­ment ver­traut sich einem Medium an, misst ihm (zumeist) eine gewisse Auto­ri­tät zu und ver­liert kei­nen wei­te­ren Gedan­ken dar­über, dass es sich doch nur bes­ten­falls um eine Pro­jek­tion der Wirk­lich­keit han­delt, mit der er sich gerade beschäf­tigt. Ein wich­ti­ges Urteil wird dabei häu­fig viel zu leicht­fer­tig gefällt; näm­lich, inwie­fern die­ses Abbild Ver­zer­run­gen und sub­jek­ti­ven Ein­flüs­sen, per­spek­ti­vi­scher Beto­nung und Über­ge­hens, aber auch inhalt­li­cher Beschnei­dung unter­wor­fen ist.

Immer dann, wenn dies gewahr wird, spre­chen wir von Zen­sur, Schwin­del oder bes­ten­falls von Infor­ma­ti­ons­ver­lust. Was dabei aber meist ver­ges­sen wird: Die ver­meint­li­che Rea­li­tät, die uns ent­ge­gen­spricht, ist nicht etwa dem Medium ein­ver­leibt, d.h. sie selbst wird nicht von ihm getra­gen. Was wir für Rea­li­tät hal­ten, ist doch stets eine Extra­po­la­tion der Wahr­neh­mung, im güns­ti­gen Fall eine Nähe­rung der Wirk­lich­keit. Erst das Bewusst­sein, dass jedes uns zur Ver­fü­gung ste­hende Medium die­ses Map­ping nur modu­lie­ren kann, führt doch zu dem fol­ge­rich­ti­gen Ver­hal­ten, eigene und fremde Wahr­neh­mung in einen sinn­vol­len Kon­text zu stel­len. Kant’sche Basiscs also.

Hard cut.
Aus die­ser Beob­ach­tung begrün­det ist es doch immer wie­der erfri­schend, sich die­sen Sach­ver­halts beim Kunst­ge­nuss klar zu wer­den. Dafür steht, wie ich finde, bei­spiel­haft der Frank­fur­ter Foto­graf Frank Kunert. Kunert ist einer der Künst­ler der Gegen­wart, deren Werke dank ihres Charmes längst zu belieb­ten Post­kar­ten­mo­ti­ven avan­cier­ten und viel­leicht sogar einen klei­nen Teil von Pop­kul­tur aus­ma­chen. Wenn Michael Sowa seine hüb­schen Gemälde in fran­zö­si­schen Kult­fil­men unter­bringt, dann nimmt Kun­erts Idol­rolle zunächst in Form von Kalen­dern Gestalt an.

Frank Kun­erts Kunst lässt sich im Wesent­li­chen dadurch auf den Punkt brin­gen, dass er zunächst in akri­bi­scher Detail­ar­beit Modell­bau­wel­ten mit über­ra­schen­den städ­te­pla­ne­ri­schen und archi­tek­to­ni­schen Wen­dun­gen ent­wirft, um diese dann mit den Knif­fen eines Foto­gra­fen der­art in Szene zu set­zen, dass der Rezi­pi­ent spä­ter zumin­dest einen Moment lang der Mei­nung ist, es handle sich um den neus­ten Schildbürgerstreich.

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