Groll und Enttäuschung

17. Mai 2009 von Matthias Planitzer
Blick auf die Installation, (via) Ich habe eine Rüge auszusprechen. Ich war heute im Hamburger Bahnhof und habe mir endlich mal die Soundinstallation "The murder of crows" von Janet Cardiff und George Bures Miller angeschaut. Ich weiß, das war reichlich spät; durch Uni, Vergesslichkeit und Umzugsstress bin ich allerdings nicht eher dazu gekommen. Die Installation war fantastisch. Monumental, orchestral - kurz: einmalig. In der Mitte der eigens dafür freigehaltenen Haupthalle stand eine Anzahl Klappstühle, um sie herum waren geschätzte hundert Lautsprecher aufgebaut, hingen von der Decke, standen auf dem Boden, zwischen den Stühlen und in einiger Entfernung, sodass sie wie ein Dunstnebel die Besucher in ihrer Mitte umgaben. Man fand sich in einer einer konzertierten Geräuschkulisse wieder, die ihre volle Wirkung erst durch die ausgeklügelte räumliche Anordnung und Dynamik ihrer Elemente entwickelte. Das Sinnesfeuerwerk war einzigartig. Die Stimmung schwankte irgendwo zwischen Dramatik, Verängstigung und Einengung und zeitweilig fühlte ich mich an die schaudrigeren Interpretationen von Alice im Wunderland erinnert, was mich ja eh schon seit jeher gefesselt hat. Es hätte für mich das bisher intensivste Kunsterlebnis sein können.

Janet Cardiff und George Bures Miller: The murder of crowsBlick auf die Instal­la­ti­on, (via)

Ich bin maß­los ent­täuscht.
Ich war heu­te im Ham­bur­ger Bahn­hof und habe mir end­lich mal die Sound­in­stal­la­ti­on »The mur­der of crows« von Janet Car­diff und Geor­ge Bures Mil­ler ange­schaut. Ich weiß, das war reich­lich spät; durch Uni, Ver­gess­lich­keit und Umzugs­stress bin ich aller­dings nicht eher dazu gekom­men.

Die Instal­la­ti­on war fan­tas­tisch. Monu­men­tal, orches­tral — kurz: ein­ma­lig. In der Mit­te der eigens dafür frei­ge­hal­te­nen Haupt­hal­le stand eine Anzahl Klapp­stüh­le, um sie her­um waren geschätz­te hun­dert Laut­spre­cher auf­ge­baut, hin­gen von der Decke, stan­den auf dem Boden, zwi­schen den Stüh­len und in eini­ger Ent­fer­nung, sodass sie wie ein Dunst­ne­bel die Besu­cher in ihrer Mit­te umga­ben. Man fand sich in einer einer kon­zer­tier­ten Geräusch­ku­lis­se wie­der, die ihre vol­le Wir­kung erst durch die aus­ge­klü­gel­te räum­li­che Anord­nung und Dyna­mik ihrer Ele­men­te ent­wi­ckel­te.

Das Sin­nes­feu­er­werk war ein­zig­ar­tig. Die Stim­mung schwank­te irgend­wo zwi­schen mar­ker­schüt­tern­der Dra­ma­tik, erdrü­cken­der Ver­ängs­ti­gung und Ein­engung und zeit­wei­lig fühl­te ich mich an die schaud­ri­ge­ren Inter­pre­ta­tio­nen von Ali­ce im Wun­der­land erin­nert, was mich ja eh schon seit jeher gefes­selt hat.
Es hät­te für mich das bis­her inten­sivs­te Kunst­er­leb­nis sein kön­nen.

Doch dem stand eini­ges ent­ge­gen. Nicht nur, dass die Besu­cher mit ihren Stüh­len über den Stein­bo­den schlif­fen, laut in ihren Taschen kram­ten oder flip-flop­pend durch die Hal­le streun­ten. Eini­ge quatsch­ten auch ange­regt über das, was sie da hör­ten, was auch kein Muse­ums­wär­ter zum Anlass nahm, ein­zu­len­ken und sie zur Ruhe zu mah­nen. Wie auch, die­se stan­den im Hin­ter­grund und dis­ku­tier­ten eben­so unge­niert wie das ver­mut­lich ita­lie­ni­sche Ehe­paar zu mei­ner Rech­ten.

Das allein stör­te schon das Erleb­nis in nicht uner­heb­li­chem Maße, doch als dann mit­ten­drin ganz unver­mit­telt die Instal­la­ti­on ver­stumm­te und die Wär­ter mit einem »Bit­te neh­men Sie zur Kennt­nis, dass das Haus gleich schließt« die abrup­te Stil­le durch­bra­chen, hat mei­ne Stim­mung das unte­re Ende erreicht.

Es hät­te so ein­drucks­voll, womög­lich ein Kunst­er­leb­nis höchs­ter Inten­si­vi­tät sein kön­nen. Wäre da nicht… Ja, wäre da nicht viel­leicht ein Schild gewe­sen, dass um Ruhe bat… hät­te das Per­so­nal sei­nen Job erns­ter genom­men… hät­te man das Band zu ende spie­len las­sen.
Ich bin ent­täuscht. Trau­rig, ver­är­gert und ein­fach nur ent­täuscht. Da konn­te auch nicht die par­al­lel lau­fen­de Beuys-Aus­stel­lung drü­ber hin­weg­hel­fen.
Was mir letzt­lich ent­gan­gen ist, konn­te ich dann bei ebbé noch ein­mal nach­le­sen…

Kommentare

  1. Die Muse­en in Deutsch­land ist eben lie­ber wenn die Men­schen recht­zei­tig und pünkt­lich das Museun ver­las­sen als das sie wirk­lich was von der aus­ge­stell­ten Kunst haben!

    • Manch­mal lei­der schon. Für mich steht jeden­falls fest, soll­te »The mur­der of crows« noch­mal nach Ber­lin oder Ham­burg etc. kom­men, hol ich das Erleb­nis nach.