Groll und Enttäuschung

Freiherr von Knigge lässt grüßen

Janet Cardiff und George Bures Miller: The murder of crowsBlick auf die Instal­la­tion, (via)

Ich bin maß­los ent­täuscht.
Ich war heute im Ham­bur­ger Bahn­hof und habe mir end­lich mal die Sound­in­stal­la­tion “The mur­der of crows” von Janet Car­diff und George Bures Mil­ler ange­schaut. Ich weiß, das war reich­lich spät; durch Uni, Ver­gess­lich­keit und Umzugs­stress bin ich aller­dings nicht eher dazu gekommen.

Die Instal­la­tion war fan­tas­tisch. Monu­men­tal, orches­tral – kurz: ein­ma­lig. In der Mitte der eigens dafür frei­ge­hal­te­nen Haupt­halle stand eine Anzahl Klapp­stühle, um sie herum waren geschätzte hun­dert Laut­spre­cher auf­ge­baut, hin­gen von der Decke, stan­den auf dem Boden, zwi­schen den Stüh­len und in eini­ger Ent­fer­nung, sodass sie wie ein Dunst­ne­bel die Besu­cher in ihrer Mitte umga­ben. Man fand sich in einer einer kon­zer­tier­ten Geräusch­ku­lisse wie­der, die ihre volle Wir­kung erst durch die aus­ge­klü­gelte räum­li­che Anord­nung und Dyna­mik ihrer Ele­mente entwickelte.

Das Sin­nes­feu­er­werk war ein­zig­ar­tig. Die Stim­mung schwankte irgendwo zwi­schen mar­ker­schüt­tern­der Dra­ma­tik, erdrü­cken­der Ver­ängs­ti­gung und Ein­en­gung und zeit­wei­lig fühlte ich mich an die schaud­ri­ge­ren Inter­pre­ta­tio­nen von Alice im Wun­der­land erin­nert, was mich ja eh schon seit jeher gefes­selt hat.
Es hätte für mich das bis­her inten­sivste Kunst­er­leb­nis sein können.

Doch dem stand eini­ges ent­ge­gen. Nicht nur, dass die Besu­cher mit ihren Stüh­len über den Stein­bo­den schlif­fen, laut in ihren Taschen kram­ten oder flip-floppend durch die Halle streun­ten. Einige quatsch­ten auch ange­regt über das, was sie da hör­ten, was auch kein Muse­ums­wär­ter zum Anlass nahm, ein­zu­len­ken und sie zur Ruhe zu mah­nen. Wie auch, diese stan­den im Hin­ter­grund und dis­ku­tier­ten ebenso unge­niert wie das ver­mut­lich ita­lie­ni­sche Ehe­paar zu mei­ner Rechten.

Das allein störte schon das Erleb­nis in nicht uner­heb­li­chem Maße, doch als dann mit­ten­drin ganz unver­mit­telt die Instal­la­tion ver­stummte und die Wär­ter mit einem “Bitte neh­men Sie zur Kennt­nis, dass das Haus gleich schließt” die abrupte Stille durch­bra­chen, hat meine Stim­mung das untere Ende erreicht.

Es hätte so ein­drucks­voll, womög­lich ein Kunst­er­leb­nis höchs­ter Inten­si­vi­tät sein kön­nen. Wäre da nicht… Ja, wäre da nicht viel­leicht ein Schild gewe­sen, dass um Ruhe bat… hätte das Per­so­nal sei­nen Job erns­ter genom­men… hätte man das Band zu ende spie­len las­sen.
Ich bin ent­täuscht. Trau­rig, ver­är­gert und ein­fach nur ent­täuscht. Da konnte auch nicht die par­al­lel lau­fende Beuys-Ausstellung drü­ber hin­weg­hel­fen.
Was mir letzt­lich ent­gan­gen ist, konnte ich dann bei ebbé noch ein­mal nachlesen…


Kommentare

  1. cr schrieb am 18. Mai 2009:

    Die Museen in Deutsch­land ist eben lie­ber wenn die Men­schen recht­zei­tig und pünkt­lich das Museun ver­las­sen als das sie wirk­lich was von der aus­ge­stell­ten Kunst haben!


  2. Mat­thias schrieb am 18. Mai 2009:

    Manch­mal lei­der schon. Für mich steht jeden­falls fest, sollte “The mur­der of crows” noch­mal nach Ber­lin oder Ham­burg etc. kom­men, hol ich das Erleb­nis nach.