Die interaktive Kunst des Jeppe Hein

03. April 2009 von Matthias Planitzer
"Neon Wall", © Jeppe Hein Zeitgenössische Kunst - Contemporary Art -, eine Popkultur oder eine Kultur auf dem Weg dorthin, welche sich auch von anderen ihrer Art in einem Punkt nicht unterscheidet: Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Manch einer verfolgt die Nachrichten um sein künstlerisches Idol so intensiv, dass er nicht mehr kritisch denken kann (auch am 1. April nicht). "Der Kult des Künstlers": Ikonen werden geboren, Ikonen sterben gelegentlich auch. Ein solcher Stern am Kunsthimmel ist auch Jeppe Hein. Im Unterschied zu Damien Hirst und anderen verzichtet er jedoch auf publikumswirksame Skandale und Provokationen und fesselt die Betrachter seiner Werke lieber mit aussagekräftigen Lehren über Selbst- und Fremdbestimmtheit.

Jeppe Hein: Neon Wall»Neon Wall«, © Jep­pe Hein

Zeit­ge­nös­si­sche Kunst — Con­tem­pora­ry Art -, eine Pop­kul­tur oder eine Kul­tur auf dem Weg dort­hin, wel­che sich auch von ande­ren ihrer Art in einem Punkt nicht unter­schei­det: Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Man­che ver­fol­gen die Nach­rich­ten um ihre künst­le­ri­schen Ido­le so inten­siv, dass sie nicht mehr kri­tisch den­ken kön­nen (auch am 1. April nicht) und somit ihre Selbst­be­stim­mung auf­ge­ben. »Der Kult des Künst­lers«: Iko­nen wer­den gebo­ren, Iko­nen ster­ben gele­gent­lich auch.

Ein sol­cher Stern am Kunst­him­mel ist auch Jep­pe Hein. Im Unter­schied zu Dami­en Hirst und ande­ren ver­zich­tet er jedoch auf publi­kums­wirk­sa­me Skan­da­le und Pro­vo­ka­tio­nen und fes­selt die Betrach­ter sei­ner Wer­ke lie­ber mit aus­sa­ge­kräf­ti­gen Leh­ren über Selbst- und Fremd­be­stimmt­heit.

Ein Bei­spiel dafür ist die Arbeit mit dem selbst­er­klä­ren­den Titel »Neon Wall«. Kommt man der Instal­la­ti­on von der einen Sei­te nahe, gehen die Neon­röh­ren an der jewei­li­gen Stel­le aus — und wie­der an, wenn man sich wie­der ent­fernt.
Will man die Essenz der Arbeit ver­ste­hen, sich ihr im Geis­te und folg­lich auch räum­lich nähern, so ver­wei­gert sich »Neon Wall« und zieht sich wie die Mimo­se schüt­zend zurück, ent­zieht sich sei­ner Betrach­tung. Nur aus der Fer­ne ver­mag man also die Instal­la­ti­on ver­ste­hen, als Außen­ste­hen­der, der die Inter­ak­ti­on zwi­schen Werk und ande­ren Besu­chern beob­ach­tet.

Jeppe Hein: Space in Action/Action in Space»Space in Action/Action in Space«, © Jep­pe Hein

Auf der Bien­na­le di Vene­zia 2003 zeig­te der gebür­ti­ge Däne sei­ne wohl bekann­tes­te Arbeit: Ein kreis­run­der Was­ser­vor­hang, erzeugt von einem Ring aus Fon­tä­nen. Nähert sich eine Per­son der Instal­la­ti­on, senkt sich die Was­ser­wand an die­ser Stel­le und gewährt tro­cke­nen Zugang zum Inne­ren. Ein­mal auf das Ange­bot ein­ge­gan­gen, schießt die Fon­tä­ne wie­der hoch und hält die Per­son so lan­ge gefan­gen und von der Außen­welt abge­schirmt, bis von außen wie­der ein Zugang geöff­net wird.

Wer bestimmt über wen? Ist es der Betrach­ter, der die Fon­tä­nen ver­stum­men lässt, oder sind es die Fon­tä­nen, die ihn in ihre Mit­te locken? Ein­la­dung oder Fal­le? Wie selbst­be­stimmt kann man han­deln? Das letz­te Wort ist oft­mals nicht das eige­ne.

Jeppe Hein: Shaking Cube»Shaking Cube«, © Jep­pe Hein

Auch »Shaking Cube« (ab 1:18), ein schlich­ter Alu­mi­ni­um­wür­fel, reagiert auf die Prä­senz des Betrach­ters. Kommt man ihm zu nahe, schüt­telt er sich wie wild und kreischt laut in die Stil­le des Aus­stel­lungs­rau­mes hin­ein, als wol­le er ver­zwei­felt um Hil­fe rufen. Nimmt der über­rasch­te (und oft­mals auch pein­lich berühr­te) Besu­cher Abstand, hört der Spuk auf und der »Shaking Cube« ist wie­der das, wonach er aus­schaut: Ein unschein­ba­rer Metall­wür­fel.
Wie­der ein­mal haben die mensch­li­che Neu­gier und die Inter­ak­ti­on zwi­schen Werk und Betrach­ter zu einem uner­war­te­ten Ergeb­nis geführt.

 

Jep­pe Hein ist längst in der inter­na­tio­na­len Kunst­sze­ne eta­bliert. Der gebür­ti­ge Däne mit Wohn­sitz in Ber­lin hat seit Mit­te 2001 bereits in mehr als sieb­zig Aus­stel­lun­gen rund um den Erd­ball zu sehen, u.a. im Tate Modern, zwei Mal bei der Bien­na­le di Vene­zia, in der Gale­rie für zeit­ge­nös­si­sche Kunst Leip­zig und beim Kunst­ver­ein Frank­furt. Ab mor­gen wer­den sei­ne Wer­ke dem Tokio­ter Publi­kum des Mori Art Muse­ums prä­sen­tiert, sein »Shaking Cube« dem­nächst bei der Aus­stel­lung »Ger­ma­nia: New Art from Ger­ma­ny« in der Saatchi Gal­le­ry zu sehen sein.

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