Kunst von Miguel Palma

Ein Blick auf zwei seiner Werke

Miguel Palma: Clarity“Cla­rity”, © Miguel Palma

Heute bin ich über das rund 80seitige Port­fo­lio eines por­tu­gie­si­schen Künst­lers gestol­pert, der in sei­ner lang­jäh­ri­gen Schaf­fens­zeit eine Viel­zahl sehr unter­schied­li­cher Instal­la­tio­nen erdacht hat; die Rede ist von Miguel Palma. Durch sei­nen Hang zur Tech­nik und dem durch­gän­gi­gen Spiel mit den Erwar­tun­gen und Vor­stel­lun­gen des Betrach­ters zeich­nen sich die meis­ten sei­ner Arbei­ten aus, doch eine Ein­schät­zung sei­nes Gesamt­werks gestal­tet sich sehr schwie­rig. Zwei Instal­la­tio­nen von Miguel Palma haben es mir dabei beson­ders angetan.

Den Anfang macht “Cla­rity”, bzw. “Cla­ri­dade” im por­tu­gie­si­schen Ori­gi­nal. Die Instal­la­tion besteht einer­seits aus dem sich dre­hen­den Modell eines gewöhn­li­chen Ein­fa­mi­li­en­hau­ses, ande­rer­seits aus einem in reich­li­cher Ent­fer­nung auf­ge­stell­ten Luft­ge­wehrs, das auf das Modell zielt, sowie einer Video­pro­jek­tion, die schein­bar aus dem unter Beschuss ste­hen­den Haus stammt. Unter­malt wird das ganze von pas­sen­den Schuss­ge­räu­schen. Miguel Palma war so freund­lich, ein mehr als zwei­mi­nü­ti­ges Video zu ver­öf­fent­li­chen (lei­der lässt der Ton ein wenig zu wün­schen übrig):

Natür­lich sind die Schüsse nicht echt, aber Berich­ten zufolge soll die Instal­la­tion eben die­sen Ein­druck so authen­tisch ver­mit­teln, dass die Besu­cher sich nicht in des­sen Nähe wagen wol­len. Dies zeigt gut, wie wir­kungs­voll Palma mit den Erwar­tun­gen des Betrach­ters spie­len und ihn damit sogar ein­schrän­ken kann.
Man kann sich “Cla­rity” natür­lich auch von der inhalt­li­chen Seite nähern und dabei über Hilf­lo­sig­keit, Unvor­her­seh­bar­keit, unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven und noch vie­les mehr sin­nie­ren, aber was ich für viel beein­dru­cken­der halte, ist tat­säch­lich die rezep­tive Seite des Werkes.

Miguel Palma: Little boy“Little boy”, © Miguel Palma

Dann wäre da noch “Little boy”, eine Instal­la­tion, die wohl nicht zufäl­lig in enger Namens­ver­wandt­schaft zur Atom­bombe von Hiro­shima steht. Beste­hend aus einem Modell einer bis an die Zähne bewaff­ne­ten Pas­sa­gier­ma­schine und einer mit einem Timer und aller­lei tech­ni­schem Schnick­schnack aus­ge­stat­te­ten und funk­ti­ons­fä­hi­gen Tur­bine, dreht sich diese der­art ange­trie­ben gegen den Uhr­zei­ger­sinn. Prak­ti­scher­weise stellt Miguel Palma auch von “Little boy” ein Video bereit:

“Little boy” ist offen­sicht­lich als Gegen­über­stel­lung zwi­schen alten und neuen Kriegs­me­tho­den zu ver­ste­hen. Auf der einen Seite die mitt­ler­weile in den Schat­ten gerück­ten Atom­bom­ben nach der Art der Little Boy von 1945, der die Tur­bine aus dem gleich­na­mi­gen Werk zu ähneln scheint; auf der ande­ren Seite die ter­ro­ris­tisch moti­vier­ten Flug­zeug­ent­füh­run­gen des neuen Jahr­hun­derts. Beide ver­bin­det der­selbe Geist und, wenn man Palma folgt, schei­nen sie sich sogar gegen­sei­tig anzutreiben.

 

Miguel Palma kann auf eine Schaf­fens­zeit von fast 16 Jah­ren zurück­bli­cken, in der er einige inter­es­sante Werke fer­tig­ge­stellt hat. Eine Aus­wahl davon ist auf sei­ner Web­seite zu sehen, eine andere als PDF ver­füg­bar (Ach­tung, 8MB groß). Wer aller­dings seine Arbei­ten aus nächs­ter Nähe bewun­dern will, der fin­det seit ges­tern im Lon­do­ner Bloom­ber­ger Space die pas­sende Gele­gen­heit dazu.