Interview mit Zach Johnsen

16. März 2009 von Matthias Planitzer
Bei der Arbeit an "Western Conference", © Zach Johnsen Hey, English speaking reader! I translated this article for you - the English version is only a click ahead*! Ich hatte ja bereits Ende Februar über Zach Johnsens Installation "The Hyper Stumps" geschrieben, die insofern auffiel, als dass man zuvor von ihm nur Zeichnungen kannte. Allerdings musste ich feststellen, dass das Internet noch nicht so recht darauf aufmerksam wurde, denn es ließ sich kein Statement des Künstlers zu seinem Werk finden. Grund genug, Zach zu einem Interview zu bitten, in dem er nicht nur über sich und seine Kunst im Allgemeinen, sondern auch über "The Hyper Stumps" und seine Liebe zur Natur spricht. Wer statt dem Interview im englischen Original lieber die Übersetzung lesen möchte, der fahre fort.
InterviewBei der Arbeit an »Wes­tern Con­fe­rence«, © Zach John­sen

Grund genug, Zach zu einem Inter­view zu bit­ten, in dem er nicht nur über sich und sei­ne Kunst im All­ge­mei­nen, son­dern auch über »The Hyper Stumps« und sei­ne Lie­be zur Natur spricht. Wer statt dem Inter­view im eng­li­schen Ori­gi­nal lie­ber die Über­set­zung lesen möch­te, der fah­re fort.

Ich: Hal­lo und vie­len Dank, dass du dir die Zeit für die­ses klei­ne Inter­view genom­men hast!
In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind du und dei­ne Kunst ja schon eine ganz Wei­le bekannt — magst du dich viel­leicht den deut­schen Lesern kurz vor­stel­len?

Zach: Ich bin Zach John­sen. Ich bin ein Künst­ler, Zeich­ner und Desi­gner, der der­zeit in Port­land, Ore­gon an der nord-west­li­chen Pazi­fik­küs­te wohnt. Man kennt mich vor allem für mei­ne wil­den, mit Stif­ten gezo­ge­nen Lini­en und die Aqua­rell­zeich­nun­gen, obwohl ich auch vie­le ande­re Mit­tel wie etwa Acryl­far­ben, Blei­stif­te, Gou­ache vor allem auf Papier, aber auch auf Holz und Lein­wand ein­set­ze. Ich lie­be es zu zeich­nen und eigent­lich ist es die Basis von fast allem, was ich so tue.

Zach Johnsen: Life under the Powerlines»Life under the Power­li­nes«, © Zach John­sen

Ich: Du bist nun schon seit ein paar Jah­ren ein viel­be­ach­te­ter Zeich­ner, hast für bekann­te Skate­board- und Snow­board­her­stel­ler und eini­ge ande­re bekann­te Mar­ken Designs ent­wor­fen und bist auch künst­le­risch an dei­ner eige­nen T-Shirt- und Beklei­dungs­fir­ma »Tank Theo­ry« betei­ligt — alles mit dei­nem ganz eige­nen Stil ver­se­hen. Wie schwer oder wie ein­fach ist es für dich, dich immer wie­der selbst zu erfin­den und dabei jedes­mal dei­ne per­sön­li­che Note ein­zu­brin­gen?

Zach: Wie so oft bei Auf­trags­ar­bei­ten ach­te ich auf den Stil und das Fee­ling, den der Auf­trag­ge­ber wünscht. Jedes die­ser Pro­jek­te ist ein­zig­ar­tig, obwohl mir für gewöhn­lich eine bestimm­te Rich­tung vor­ge­ge­ben ist, die mir dann dabei hilft, den rich­ti­gen sti­lis­ti­schen oder tech­ni­schen Fein­schliff ein­zu­brin­gen. Was mei­ne eige­ne Fir­ma Tank Theo­ry angeht, den­ke ich mir für jede T-Shirt-Kol­lek­ti­on ein pas­sen­des Motiv aus.
Zu jedem The­ma stel­le ich eini­ges an Recher­che an und über­le­ge, was ich damit aus­zu­drü­cken ver­su­che. Außer­dem wird jedes Pro­jekt, für das ich mit einer neu­en visu­el­len Spra­che beschäf­ti­ge, dadurch zu einem von ganz allein zu einem ein­zig­ar­ti­gen Stück… dann mach ich mich sozu­sa­gen an die Arbeit, das Puz­zle zu lösen. Es hilft mir, mei­ne künst­le­ri­sche Arbeit immer frisch und neu zu hal­ten und doch jedes ein­zel­ne Werk ein wenig anders zu gestal­ten.

Ich: Dei­ne Bil­der und Zeich­nun­gen erin­nern mich oft an Stre­etArt Cha­rac­ters. Manch­mal kann auch auf dei­nem Blog Fotos von Pos­tern oder Sten­cils fin­den, die du in den Stra­ßen einer teil­wei­se aus­ge­stor­be­nen Stadt nahe Pitts­burgh ent­deckt hast. Gibt es da einen nähe­ren Zusam­men­hang?

Zach: Nun ja, ich habe mich für ein paar Jah­re mit Graf­fi­ti beschäf­tigt, ich glau­be schon, dass sich Stre­etArt irgend­wie in mei­nen Stil ein­ge­schli­chen hat. Eine so gro­ße Ver­bin­dung besteht da aber nicht, ich wür­de mich jeden­falls nicht als Stre­e­tAr­tist bezeich­nen. Trotz­dem schät­ze es sehr und pla­ne auch, dem­nächst mehr mei­ner Holz-Cha­rac­ters an die Öffent­lich­keit zu brin­gen. Ich glau­be, das könn­te man dann viel­leicht sogar als Stre­etArt betrach­ten.

Zach Johnsen: The Wanderer Series»The Wan­de­rer Series«, © Zach John­sen

Ich: Dei­ne Zeich­nun­gen schei­nen sich Stück für Stück aus der Moti­va­ti­on ent­wi­ckelt zu haben, ein­fach zu schau­en, was wäh­rend des Ent­ste­hungs­pro­zes­ses dar­aus wer­den mag. Gehst du nach einem bestimm­ten Plan oder Ansatz vor, wenn du mit nichts als einem wei­ßen Blatt Papier beginnst?

Zach: In der Tat. Ich fan­ge zu aller­erst mit einer Idee an… eine Geschich­te, die ich erzäh­len will. Für gewöhn­lich habe ich ein Foto oder eine Erin­ne­rung als Bezug zu einem Teil der Haupt­idee und da set­ze ich auch meist an — ich skiz­zie­re dann den gro­ben Umriss die­ses Ele­ments und auch die kom­po­si­to­ri­schen Antei­le. Sobald das getan ist, wer­fe ich mit ein paar wei­chen, hel­len Far­ben her­um und fül­le es aus… Dann knüp­fe ich dar­an an, bil­de es mehr her­aus und baue erst wirk­lich die Dra­ma­tik und Tie­fe der Lini­en­ar­beit auf. Von da an gestal­te ich das Werk Stück für Stück wei­ter aus, füge mehr Far­be, mehr Details mit Stift oder Blei­stift hin­zu… Zuletzt arbei­te ich noch mit Gou­ache ein paar Details aus bis ich das Gefühl habe, dass ich fer­tig bin. Manch­mal aber bin ich mir nie so sicher, wann ich denn eigent­lich fer­tig bin… In dem Fal­le arbei­te ich so lan­ge bis ich den Punkt errei­che, an dem ich den­ke, dass jeder wei­ter Schritt zu viel wäre. Und damit ist die Arbeit dann fer­tig.

Zach Johnsen: Welcome to the Neighborhood»Wel­co­me to the Neigh­bor­hood«, © Zach John­sen

Ich: Ich war ein wenig über­rascht, als ich zum ers­ten Mal »The Hyper Stumps« sah; schließ­lich ist es, soweit ich weiß, dei­ne ers­te oder zumin­dest die ers­te Instal­la­ti­on, die du auf dei­ner Web­sei­te zeigst. Was hat dich schluss­end­lich dazu gebracht, es ein­mal mit einer Instal­la­ti­on zu ver­su­chen?

Zach: Eigent­lich war die wahr­schein­lich ers­te Instal­la­ti­on, die ich erstellt habe, »Wel­co­me to the Neigh­bor­hood« aus dem Jah­re 2007, die in der Foun­da­ti­on One Gal­le­ry in Atlan­ta, Geor­gia zu sehen war. Sie bestand zum größ­ten Teil aus mei­nen Figu­ren in Lebens­grö­ße und war aus Sperr­holz gefer­tigt. Das war das aller­ers­te Mal, dass ich mei­ne Wer­ke aus der Ebe­ne in den Raum über­führ­te. The Hyper Stumps ist aller­dings ein wei­te­rer Schritt mei­ner Instal­la­ti­ons­kunst.
Im Grun­de gewin­ne ich mich mehr und mehr Gefal­len dar­an, mei­ne Zeich­nun­gen ins Räum­li­che zu über­füh­ren. Die Inspi­ra­ti­on für die­ses Werk war der Nord­wes­ten der USA, wo ich vor kur­zem erst hin­ge­zo­gen bin und wo auch die Natur sehr schön ist, die jedoch durch Kahl­schlag zer­stört wur­de und wird, um Holz zu gewin­nen; auch um dem Bedarf an Wohn­rar­um unse­rer Gesell­schaft gerecht zu wer­den. Das Holz für die Instal­la­ti­on habe ich an der Küs­te Ore­gons gesam­melt, wo ich gro­ße Stü­cken Treib­holz ergat­tern konn­te, sie trock­ne­te, abschliff und sie ganz in weiß anstrich. Ich woll­te, dass die Baum­stümp­fe so aus­se­hen, als wären sie eben erst abge­schla­gen wor­den und dass die natür­li­che Ener­gie des Hol­zes noch immer an der Schnitt­stel­le sicht­bar wäre. Ich war mit dem End­pro­dukt sehr zufrie­den, beson­ders wie es im Kon­trast zum matt­grau­en Boden der Gale­rie aus­sah.

Ich: »The Hyper Stumps« folgt einem eher sub­ti­len Ansatz. Wür­dest du sagen, dass es eher dei­ne Bil­der berei­chert und ihre Aus­sa­ge ergänzt oder siehst du es als eigen­stän­di­ges Werk an?

Zach: Es ist auf jeden Fall ein Bei­trag zu der fort­lau­fen­den Geschich­te, die mei­ne Arbeit erzählt, nur in einer ande­ren Form.

»The Hyper Stumps«, © Zach John­sen

Ich: Baum­stümp­fe tau­chen in dei­nen Arbei­ten immer wie­der auf und gehö­ren mitt­ler­wei­le zu den Ele­men­ten, die du regel­mä­ßig nutzt. Wel­che Bedeu­tung haben sie?

Zach: Seit­dem ich sehr jung war habe ich eine star­ke Bin­dung zur Natur. Ich bin in den Wäl­dern im Nor­den der USA, sehr nah zu Kana­da, auf­ge­wach­sen, wo Bäu­me zu mei­nem Gar­ten und mei­nen Spiel­platz ein­fach dazu­ge­hör­ten. Von früh an trug es dazu bei, einen tie­fen Respekt für die Natur zu kul­ti­vie­ren, nicht nur wegen ihrer Schön­heit oder hei­len­den Wir­kung, son­dern auch wegen ihrer Rol­le, uns als Men­schen zu unter­stüt­zen und zu ver­sor­gen. Alles, was wir haben, kommt von der Erde, die wir bewoh­nen, also ver­dient sie auch unse­ren Respekt… Es ist schon fast so etwas wie eine Art Glau­be für mich. Daher stel­len gefäll­te Bäu­me und Baum­stümp­fe in mei­nen Wer­ken so etwas wie Teu­fels­werk dar — ein­fach für acht­lo­se Men­schen, die has­tig und vor­ei­lig alles abbau­en, was die Erde erschaf­fen hat.
Mir ist klar, dass die meis­ten Bäu­me gefällt wer­den müs­sen… um Holz, Papier oder all die ande­ren Din­ge dar­aus gewin­nen zu kön­nen, die wir Tag für Tag brau­chen.
Sobald die Men­schen Bäu­me fäl­len und die­se Ener­gie ver­letzt wird, kom­men klei­ne Geis­ter und Ghu­le zum Vor­schein… das ist auch der Ursprung vie­ler mei­ner Figu­ren.

Ich: Wo wir von Geis­tern und Ghu­len reden: Vie­le dei­ner Cha­rac­ters schei­nen böse oder wütend zu sein. Das erin­nert mich sehr an eini­ge der Fil­me von Hayao Mya­za­ki, der sol­che Figu­ren auf eine ziem­lich ein­drucks­vol­le Wei­se ein­ge­setzt hat, um den Zorn der Natur auf die Mensch­heit dar­zu­stel­len.
Mit dei­ner Ein­stel­lung zu Wald­ro­dun­gen im Hin­ter­kopf scheint es, dass neben mensch­li­cher Sün­de und Bos­heit im All­ge­mei­nen unser Umgang mit der Umwelt eines der Haupt­the­men dei­ner Arbei­ten ist. Hast du das Gefühl, dass die Leu­te dich als jeman­den schät­zen, der mit dem Fin­ger auf Umwelt­pro­ble­me zeigt? Oder glaubst du, dass die meis­ten dei­ner Bewun­de­rer dei­ne Kunst wegen nur wegen ihrer schö­nen Far­ben, Ide­en usw. mögen — ähn­lich wie das, wofür Miya­za­kis Fil­me geach­tet wer­den?

Zach: Ich den­ke auf jeden Fall, dass eini­ge Leu­te sich für die Umwelt­pro­ble­me inter­es­sie­ren, die mei­ne Arbeit unter­sucht, aber nur jene, die mich via E-Mail dar­auf anspre­chen oder mit denen ich auf den Austel­lun­gen rede und mich auch tat­säch­lich fra­gen, wor­um es in den Wer­ken geht.
Ande­rer­seits den­ke ich, dass die meis­ten Leu­te tat­säch­lich lei­der nur die Far­ben und die Ener­gie der Arbei­ten schät­zen… was auch in Ord­nung ist! Ich möch­te aber auf jeden Fall, dass die Wer­ke mehr bedeu­ten als nur »hübsch« zu sein.

Ich: Wann wird das nächs­te Mal von dir zu hören sein?

Zach: Nun ja, ich befin­de mich der­zeit ein wenig im Win­ter­schlaf, wäh­rend ich an ein paar Auf­trä­gen arbei­te und ver­su­che, für mei­ne nächs­te Aus­stel­lung Gel­der auf­zu­trei­ben. Bald wer­de ich an einer neu­en Serie von Zeich­nun­gen und Bil­dern arbei­ten, aber ich wer­de Bescheid geben, wenn es wie­der ein gan­zes Stück neu­er Arbei­ten zu zei­gen gibt!

Ich: Dan­ke für das Inter­view, Zach!

Mehr Infos über Zach John­sen und sei­ne Kunst gibt es hier:

Kommentare

  1. schö­ne sachen! Ich mag die Mons­ter!