Interview mit Zach Johnsen

Der umtriebige Künstler plaudert aus dem Nähkästchen

InterviewBei der Arbeit an “Wes­tern Con­fe­rence”, © Zach John­sen

Ich hatte ja bereits Ende Februar über Zach John­sens Instal­la­tion “The Hyper Stumps” geschrie­ben, die inso­fern auf­fiel, als dass man zuvor von ihm nur Zeich­nun­gen kannte. Aller­dings musste ich fest­stel­len, dass das Inter­net noch nicht so recht dar­auf auf­merk­sam wurde, denn es ließ sich kein State­ment des Künst­lers zu sei­nem Werk finden.

Grund genug, Zach zu einem Inter­view zu bit­ten, in dem er nicht nur über sich und seine Kunst im All­ge­mei­nen, son­dern auch über “The Hyper Stumps” und seine Liebe zur Natur spricht. Wer statt dem Inter­view im eng­li­schen Ori­gi­nal lie­ber die Über­set­zung lesen möchte, der fahre fort.

 

Ich: Hallo und vie­len Dank, dass du dir die Zeit für die­ses kleine Inter­view genom­men hast!
In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind du und deine Kunst ja schon eine ganz Weile bekannt – magst du dich viel­leicht den deut­schen Lesern kurz vorstellen?

Zach: Ich bin Zach John­sen. Ich bin ein Künst­ler, Zeich­ner und Desi­gner, der der­zeit in Port­land, Ore­gon an der nord-westlichen Pazi­fik­küste wohnt. Man kennt mich vor allem für meine wil­den, mit Stif­ten gezo­ge­nen Linien und die Aqua­rell­zeich­nun­gen, obwohl ich auch viele andere Mit­tel wie etwa Acryl­far­ben, Blei­stifte, Gou­ache vor allem auf Papier, aber auch auf Holz und Lein­wand ein­setze. Ich liebe es zu zeich­nen und eigent­lich ist es die Basis von fast allem, was ich so tue.

Zach Johnsen: Life under the Powerlines“Life under the Power­lines”, © Zach John­sen

Ich: Du bist nun schon seit ein paar Jah­ren ein viel­be­ach­te­ter Zeich­ner, hast für bekannte Skate­board– und Snow­board­her­stel­ler und einige andere bekannte Mar­ken Designs ent­wor­fen und bist auch künst­le­risch an dei­ner eige­nen T-Shirt– und Beklei­dungs­firma “Tank Theory” betei­ligt – alles mit dei­nem ganz eige­nen Stil ver­se­hen. Wie schwer oder wie ein­fach ist es für dich, dich immer wie­der selbst zu erfin­den und dabei jedes­mal deine per­sön­li­che Note einzubringen?

Zach: Wie so oft bei Auf­trags­ar­bei­ten achte ich auf den Stil und das Fee­ling, den der Auf­trag­ge­ber wünscht. Jedes die­ser Pro­jekte ist ein­zig­ar­tig, obwohl mir für gewöhn­lich eine bestimmte Rich­tung vor­ge­ge­ben ist, die mir dann dabei hilft, den rich­ti­gen sti­lis­ti­schen oder tech­ni­schen Fein­schliff ein­zu­brin­gen. Was meine eigene Firma Tank Theory angeht, denke ich mir für jede T-Shirt-Kollektion ein pas­sen­des Motiv aus.
Zu jedem Thema stelle ich eini­ges an Recher­che an und über­lege, was ich damit aus­zu­drü­cken ver­su­che. Außer­dem wird jedes Pro­jekt, für das ich mit einer neuen visu­el­len Spra­che beschäf­tige, dadurch zu einem von ganz allein zu einem ein­zig­ar­ti­gen Stück… dann mach ich mich sozu­sa­gen an die Arbeit, das Puz­zle zu lösen. Es hilft mir, meine künst­le­ri­sche Arbeit immer frisch und neu zu hal­ten und doch jedes ein­zelne Werk ein wenig anders zu gestalten.

Ich: Deine Bil­der und Zeich­nun­gen erin­nern mich oft an StreetArt Cha­rac­ters. Manch­mal kann auch auf dei­nem Blog Fotos von Pos­tern oder Sten­cils fin­den, die du in den Stra­ßen einer teil­weise aus­ge­stor­be­nen Stadt nahe Pitts­burgh ent­deckt hast. Gibt es da einen nähe­ren Zusammenhang?

Zach: Nun ja, ich habe mich für ein paar Jahre mit Graf­fiti beschäf­tigt, ich glaube schon, dass sich StreetArt irgend­wie in mei­nen Stil ein­ge­schli­chen hat. Eine so große Ver­bin­dung besteht da aber nicht, ich würde mich jeden­falls nicht als Street­Ar­tist bezeich­nen. Trotz­dem schätze es sehr und plane auch, dem­nächst mehr mei­ner Holz-Characters an die Öffent­lich­keit zu brin­gen. Ich glaube, das könnte man dann viel­leicht sogar als StreetArt betrachten.

Zach Johnsen: The Wanderer Series“The Wan­de­rer Series”, © Zach John­sen

Ich: Deine Zeich­nun­gen schei­nen sich Stück für Stück aus der Moti­va­tion ent­wi­ckelt zu haben, ein­fach zu schauen, was wäh­rend des Ent­ste­hungs­pro­zes­ses dar­aus wer­den mag. Gehst du nach einem bestimm­ten Plan oder Ansatz vor, wenn du mit nichts als einem wei­ßen Blatt Papier beginnst?

Zach: In der Tat. Ich fange zu aller­erst mit einer Idee an… eine Geschichte, die ich erzäh­len will. Für gewöhn­lich habe ich ein Foto oder eine Erin­ne­rung als Bezug zu einem Teil der Haupt­idee und da setze ich auch meist an – ich skiz­ziere dann den gro­ben Umriss die­ses Ele­ments und auch die kom­po­si­to­ri­schen Anteile. Sobald das getan ist, werfe ich mit ein paar wei­chen, hel­len Far­ben herum und fülle es aus… Dann knüpfe ich daran an, bilde es mehr her­aus und baue erst wirk­lich die Dra­ma­tik und Tiefe der Lini­en­ar­beit auf. Von da an gestalte ich das Werk Stück für Stück wei­ter aus, füge mehr Farbe, mehr Details mit Stift oder Blei­stift hinzu… Zuletzt arbeite ich noch mit Gou­ache ein paar Details aus bis ich das Gefühl habe, dass ich fer­tig bin. Manch­mal aber bin ich mir nie so sicher, wann ich denn eigent­lich fer­tig bin… In dem Falle arbeite ich so lange bis ich den Punkt errei­che, an dem ich denke, dass jeder wei­ter Schritt zu viel wäre. Und damit ist die Arbeit dann fertig.

Zach Johnsen: Welcome to the Neighborhood“Wel­come to the Neigh­borhood”, © Zach John­sen

Ich: Ich war ein wenig über­rascht, als ich zum ers­ten Mal “The Hyper Stumps” sah; schließ­lich ist es, soweit ich weiß, deine erste oder zumin­dest die erste Instal­la­tion, die du auf dei­ner Web­seite zeigst. Was hat dich schluss­end­lich dazu gebracht, es ein­mal mit einer Instal­la­tion zu versuchen?

Zach: Eigent­lich war die wahr­schein­lich erste Instal­la­tion, die ich erstellt habe, “Wel­come to the Neigh­borhood” aus dem Jahre 2007, die in der Foun­da­tion One Gal­lery in Atlanta, Geor­gia zu sehen war. Sie bestand zum größ­ten Teil aus mei­nen Figu­ren in Lebens­größe und war aus Sperr­holz gefer­tigt. Das war das aller­erste Mal, dass ich meine Werke aus der Ebene in den Raum über­führte. The Hyper Stumps ist aller­dings ein wei­te­rer Schritt mei­ner Instal­la­ti­ons­kunst.
Im Grunde gewinne ich mich mehr und mehr Gefal­len daran, meine Zeich­nun­gen ins Räum­li­che zu über­füh­ren. Die Inspi­ra­tion für die­ses Werk war der Nord­wes­ten der USA, wo ich vor kur­zem erst hin­ge­zo­gen bin und wo auch die Natur sehr schön ist, die jedoch durch Kahl­schlag zer­stört wurde und wird, um Holz zu gewin­nen; auch um dem Bedarf an Wohn­rarum unse­rer Gesell­schaft gerecht zu wer­den. Das Holz für die Instal­la­tion habe ich an der Küste Ore­gons gesam­melt, wo ich große Stü­cken Treib­holz ergat­tern konnte, sie trock­nete, abschliff und sie ganz in weiß anstrich. Ich wollte, dass die Baum­stümpfe so aus­se­hen, als wären sie eben erst abge­schla­gen wor­den und dass die natür­li­che Ener­gie des Hol­zes noch immer an der Schnitt­stelle sicht­bar wäre. Ich war mit dem End­pro­dukt sehr zufrie­den, beson­ders wie es im Kon­trast zum matt­grauen Boden der Gale­rie aussah.

Ich: “The Hyper Stumps” folgt einem eher sub­ti­len Ansatz. Wür­dest du sagen, dass es eher deine Bil­der berei­chert und ihre Aus­sage ergänzt oder siehst du es als eigen­stän­di­ges Werk an?

Zach: Es ist auf jeden Fall ein Bei­trag zu der fort­lau­fen­den Geschichte, die meine Arbeit erzählt, nur in einer ande­ren Form.

“The Hyper Stumps”, © Zach John­sen

Ich: Baum­stümpfe tau­chen in dei­nen Arbei­ten immer wie­der auf und gehö­ren mitt­ler­weile zu den Ele­men­ten, die du regel­mä­ßig nutzt. Wel­che Bedeu­tung haben sie?

Zach: Seit­dem ich sehr jung war habe ich eine starke Bin­dung zur Natur. Ich bin in den Wäl­dern im Nor­den der USA, sehr nah zu Kanada, auf­ge­wach­sen, wo Bäume zu mei­nem Gar­ten und mei­nen Spiel­platz ein­fach dazu­ge­hör­ten. Von früh an trug es dazu bei, einen tie­fen Respekt für die Natur zu kul­ti­vie­ren, nicht nur wegen ihrer Schön­heit oder hei­len­den Wir­kung, son­dern auch wegen ihrer Rolle, uns als Men­schen zu unter­stüt­zen und zu ver­sor­gen. Alles, was wir haben, kommt von der Erde, die wir bewoh­nen, also ver­dient sie auch unse­ren Respekt… Es ist schon fast so etwas wie eine Art Glaube für mich. Daher stel­len gefällte Bäume und Baum­stümpfe in mei­nen Wer­ken so etwas wie Teu­fels­werk dar – ein­fach für acht­lose Men­schen, die has­tig und vor­ei­lig alles abbauen, was die Erde erschaf­fen hat.
Mir ist klar, dass die meis­ten Bäume gefällt wer­den müs­sen… um Holz, Papier oder all die ande­ren Dinge dar­aus gewin­nen zu kön­nen, die wir Tag für Tag brau­chen.
Sobald die Men­schen Bäume fäl­len und diese Ener­gie ver­letzt wird, kom­men kleine Geis­ter und Ghule zum Vor­schein… das ist auch der Ursprung vie­ler mei­ner Figuren.

Ich: Wo wir von Geis­tern und Ghu­len reden: Viele dei­ner Cha­rac­ters schei­nen böse oder wütend zu sein. Das erin­nert mich sehr an einige der Filme von Hayao Myazaki, der sol­che Figu­ren auf eine ziem­lich ein­drucks­volle Weise ein­ge­setzt hat, um den Zorn der Natur auf die Mensch­heit dar­zu­stel­len.
Mit dei­ner Ein­stel­lung zu Wald­ro­dun­gen im Hin­ter­kopf scheint es, dass neben mensch­li­cher Sünde und Bos­heit im All­ge­mei­nen unser Umgang mit der Umwelt eines der Haupt­the­men dei­ner Arbei­ten ist. Hast du das Gefühl, dass die Leute dich als jeman­den schät­zen, der mit dem Fin­ger auf Umwelt­pro­bleme zeigt? Oder glaubst du, dass die meis­ten dei­ner Bewun­de­rer deine Kunst wegen nur wegen ihrer schö­nen Far­ben, Ideen usw. mögen – ähnlich wie das, wofür Miyazakis Filme geach­tet werden?

Zach: Ich denke auf jeden Fall, dass einige Leute sich für die Umwelt­pro­bleme inter­es­sie­ren, die meine Arbeit unter­sucht, aber nur jene, die mich via E-Mail dar­auf anspre­chen oder mit denen ich auf den Austel­lun­gen rede und mich auch tat­säch­lich fra­gen, worum es in den Wer­ken geht.
Ande­rer­seits denke ich, dass die meis­ten Leute tat­säch­lich lei­der nur die Far­ben und die Ener­gie der Arbei­ten schät­zen… was auch in Ord­nung ist! Ich möchte aber auf jeden Fall, dass die Werke mehr bedeu­ten als nur “hübsch” zu sein.

Ich: Wann wird das nächste Mal von dir zu hören sein?

Zach: Nun ja, ich befinde mich der­zeit ein wenig im Win­ter­schlaf, wäh­rend ich an ein paar Auf­trä­gen arbeite und ver­su­che, für meine nächste Aus­stel­lung Gel­der auf­zu­trei­ben. Bald werde ich an einer neuen Serie von Zeich­nun­gen und Bil­dern arbei­ten, aber ich werde Bescheid geben, wenn es wie­der ein gan­zes Stück neuer Arbei­ten zu zei­gen gibt!

Ich: Danke für das Inter­view, Zach!

 

Mehr Infos über Zach John­sen und seine Kunst gibt es hier:


Kommentare

  1. cr schrieb am 22. März 2009:

    schöne sachen! Ich mag die Monster!