Fotografie in flagranti

26. März 2009 von Matthias Planitzer
Untitled, aus der Serie "The Park", © Kohei Yoshiyuki Dem Thema "Fotografie" kommt in diesem Blog zwar keinen großen Stellenwert zu, doch hin und wieder gibt es den Anlass, auf vorzügliche Arbeiten hinzuweisen und diese vorzustellen. Dazu gehört auch definitiv die Serie "The Park" des japanischen Künstlers Kohei Yoshiyuki, für die er in den Parks Tokios nächtliche Liebesspiele sowie die umgebene Kulisse aufgenommen hat. Denn für die intimen Begegnungen japanischer Paare hatte nicht nur der Künstler ein Interesse, seine Bilder widmet er vor allen Dingen jenen, die bei diesen Szenen ihren voyeuristischen Trieben nachgehen oder gar selbst Teil des Geschehen werden wollen.Mit "The Park" war Yoshiyuki in etlichen Galerien dieser Welt zu Gast, ab Freitag beehrt er auch das Berliner Publikum.

Kohei Yoshiyuki: The Park, UntitledUntit­led, aus der Serie »The Park«, © Kohei Yoshiyu­ki

Dem The­ma Foto­gra­fie kommt in die­sem Blog zwar kei­nen gro­ßen Stel­len­wert zu, doch hin und wie­der gibt es den Anlass, auf vor­züg­li­che Arbei­ten hin­zu­wei­sen und die­se vor­zu­stel­len. Dazu gehört auch defi­ni­tiv die Serie »The Park« des japa­ni­schen Künst­lers Kohei Yoshiyu­ki, für die er in den Parks Tokios nächt­li­che Lie­bes­spie­le sowie die umge­be­ne Kulis­se auf­ge­nom­men hat. Denn für die inti­men Begeg­nun­gen japa­ni­scher Paa­re hat­te nicht nur der Künst­ler ein Inter­es­se, sei­ne Bil­der wid­met er vor allen Din­gen jenen, die bei die­sen Sze­nen ihren voy­eu­ris­ti­schen Trie­ben nach­ge­hen oder gar selbst Teil des Gesche­hen wer­den wol­len.
Mit »The Park« war Yoshiyu­ki in etli­chen Gale­ri­en die­ser Welt zu Gast, ab Frei­tag beehrt er auch das Ber­li­ner Publi­kum.

Kohei : The Park, UntitledUntit­led, aus der Serie »The Park«, © Kohei Yoshiyu­ki

In den Sieb­zi­gern streif­te Yoshyu­ki durch den Tokio­ter Chuo Park und fand zu sei­ner Über­ra­schung nicht nur ein Lie­bes­paar, son­dern auch die ver­sam­mel­te Voy­eu­ris­ten­ge­sell­schaft in den Büschen. Nach eini­gen Mona­ten kam er mit einer Kame­ra und einem Infra­rot­film zurück und konn­te so das Schau­spiel rund um hete­ro- und homo­ero­ti­sche Park­be­geg­nun­gen fest­hal­ten.

In einem Inter­view beschrieb er einst sein Vor­ge­hen: Er habe die ers­ten Mona­te die Parks ohne sei­ne Kame­ra besucht, um die Schau­plät­ze und das Ver­hal­ten der Voy­eu­re ken­nen­zu­ler­nen und um dann in den fol­gen­den Näch­ten, wenn er sei­ne Kame­ra dabei hat­te, sich wie einer von ihnen ver­hal­ten zu kön­nen und nicht wei­ter auf­zu­fal­len.

So ent­stand mit der Zeit die Rei­he »The Park« (s.a. tofu-maga­zi­ne), die nicht nur die Rol­le eines die­ser Voy­eu­re ein­nimmt, son­dern auch gleich­zei­tig vom Trei­ben der unlieb­sa­men Besu­cher berich­tet. Durch die Infra­rot-Optik und die Per­spek­tiv­wahl hat der Betrach­ter den Ein­druck, dem Gesche­hen tat­säch­lich bei­zu­woh­nen. Yoshiyu­ki ver­stärk­te für die ers­te Aus­stel­lung sei­ner Foto­gra­fi­en die­sen Effekt, indem er nicht nur lebens­gro­ße Abzü­ge anfer­tig­te, son­dern die Gale­rie auch ver­dun­keln und jedem Besu­cher eine Taschen­lam­pe aus­hän­di­gen ließ.

Kohei : The Park, UntitledUntit­led, aus der Serie »The Park«, © Kohei Yoshiyu­ki

Die Bil­der spre­chen dabei für sich: Sie geben einen tie­fen Ein­druck, wie in Groß­städ­ten wie Tokio Ein­sam­keit und Anony­mi­tät zu trau­ri­gen Wegen der Trieb­be­frie­di­gung füh­ren kön­nen. Sie zei­gen aber auch, dass man in sol­chen Metro­po­len nicht immer allein ist: Sei es einer­seits beim Lie­bes­spiel oder auf der ande­ren Sei­te, bei den Span­nern. Manch­mal sogar ver­schmel­zen die­se Gren­zen, wenn die Voy­eu­re nicht mehr nur zuschau­en, son­dern auch anfas­sen wol­len.

Kohei Yoshiyu­kis Serie »The Park« bereist schon län­ger die Gale­ri­en die­ser Welt, vor zwei Jah­ren erschien auch der pas­sen­de Bild­band. Jetzt beehrt er die Ber­li­ner Gale­rie Gebr. Leh­mann: Vom 28. März bis 25. April kön­nen die Wer­ke besich­tigt wer­den.

Kön­nen sich Yoshiyu­kis Foto­gra­fi­en vom dar­ge­stell­ten Voy­eu­ris­mus abset­zen? Könn­te es sich dabei nicht genau­so gut um die Erin­ne­rungs­fo­tos eines Span­ners han­deln?
Oder ist das tat­säch­lich der künst­le­ri­sche Gedan­ke, der Yoshiyu­ki antreibt? Und wie glaubst du, sind die Ver­hält­nis­se in deut­schen Parks? (Oder weißt es du es gar?)
Lass es mich wis­sen!