Alles ist erleuchtet

Die Lichter des Vincent Kohler

Vincent Kohler: Souche“Sou­che”, Vin­cent Kohler

Licht und der Ein­satz des­sel­ben spie­len in den meis­ten Kunst­gen­res eine bedeut­same Rolle: In der Archi­tek­tur ent­schei­det es über Erfolg oder Miss­er­folg, Typo­gra­phie ist die Kunst der Frei– und Zwi­schen­räume und wer ein­mal einen ech­ten Rem­brandt bewun­dern durfte, wird bestä­ti­gen kön­nen, dass seine Werke nicht nur das Licht ein­ge­fan­gen zu schei­nen haben, son­dern auf eigen­ar­tige Weise auch jeden Raum zum Strah­len brin­gen kön­nen.
Dem Ein­satz von Licht kommt aber nicht nur eine Neben­rolle, bes­ten­falls eine zweite Haupt­rolle in der Kunst zu, viele Künst­ler machen es auch zum Mit­tel­punkt ihrer Werke. Einer von ihnen ist Vin­cent Koh­ler, der in sei­nen Instal­la­tio­nen Licht und Rhyth­mik verbindet.

Viele sei­ner Arbei­ten ver­wei­sen auf seine enge Ver­bin­dung zur Musik: So hat er mit Telecas­ter und Stratocaster/FlyingV bekann­ten Gitarren-Archetypen seine Ver­eh­rung zuge­spro­chen und sich für Vin­tage Drums Ensem­ble sei­nem eige­nen Instru­ment gewid­met. Als Drum­mer der Lau­san­ner Band Kunst kennt sich Koh­ler auch bes­tens mit Rhyth­mik aus. Bei ande­ren Wer­ken bringt er seine Musik­ver­bun­den­heit eben dadurch ein:

Für “Sou­che” – fran­zö­sisch für “Baum­stumpf” – hat er aus Kunst­harz einen eben sol­chen erschaf­fen, die inners­ten Schich­ten jedoch aus­ge­spart, um sie mit roten LED-Leuchten zu bestü­cken. Diese wer­den abwech­selnd in einem bestimm­ten Rhyth­mus ein– und aus­ge­schal­tet und ver­mit­teln dadurch den Ein­druck eines noch leben­di­gen, aber “blu­ten­den” Stump­fes. Ein ähnli­ches Sinn­bild kennt der geneigte Leser ja schon von Zach John­sens “The Hyper Stumps”, wo ver­meint­lich tote Baum­stümpfe eben­falls noch vor Leben strahlen.

Ob Koh­lers Anlie­gen hin­ter “Sou­che” dem von John­sen für Umwelt­schutz und gegen Wald­ro­dung ent­spricht, ist nicht sicher, doch Abhol­zung scheint auch zu Koh­lers The­men zu gehö­ren, wie etwa bei “Bil­lon”, einem Baum­stamm, der schon in aller­hand Bret­ter und Leis­ten zer­sägt wurde.
Zumin­dest der gele­gent­lich etwas hän­gende oder manch­mal sprin­gende Rhyth­mus der LED-Leuchten durch­bricht die Dyna­mik von “Sou­che” und weist auf die Ver­let­zung des Stump­fes hin.

Vincent Kohler: Pavés“Pavés”, Vin­cent Kohler

Der rhyth­mi­sche Aspekt in Koh­lers Kunst wird dage­gen in sei­ner Instal­la­tion “Pavés” noch deut­li­cher: Was zunächst nach einem Hau­fen Pflas­ter­stei­nen aus­schaut, ent­puppt sich schnell als Licht­in­stal­la­tion, die mit­un­ter an den Musik­clip zu Michael Jack­sons “Bil­lie Jean” erin­nert. Fünf­zehn der Steine sind tat­säch­lich gut getarnte Lam­pen, die ein­zeln oder in Grup­pen nach einem bestimm­ten Mus­ter auf­leuch­ten. Da die Instal­la­tion in jeder Gale­rie anders arran­giert wird, erge­ben sich so auch ver­schie­dene Rhyth­men und Patterns.