21. Februar 2009
Warum der »Ecofont« gar nicht öko ist
Logo des Ecofont, © Ecofont
Derzeit bahnt sich ein Hype in der deutsch– und englischsprachigen Blogosphäre an: Der sog. Ecofont erfährt Begeisterung und Unterstützung von vielen Seiten, wird dabei stets als umweltfreundliche, weil tonerschonende Alternative zu den üblichen Schriften gepriesen. Durchlöcherte Buchstaben sollen nach Angaben des Entwicklers bis zu 20% Farbe einsparen und dadurch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Dabei zeigt sich schnell, dass das so nicht stimmen kann.
Zwar verbraucht die Schriftart tatsächlich etwas weniger Toner bzw. Tinte, aber im direkten Vergleich mit Arial Narrow konnte ich eine Differenz von lediglich 4% pro textgefüllter DIN-A4-Seite feststellen. Das gilt aber nur, wenn der Drucker in der Lage ist, jedes Loch auch exakt auszusparen. Da dazu bei Schriftgrößen von 9 oder 10pt kein handelsüblicher Drucker in der Lage ist, dürfte dieser Effekt also merklich geschmälert werden.
Der große tonerschonende Effekt ist das also definitiv nicht.
Dafür frisst der Ecofont Papier en masse: Bei der vom Entwickler empfohlenen Schriftgröße von 10pt verschlingt er für 100.000 Worte aus dem Lorem-ipsum-Generator ca. 140,25 Seiten. Arial Narrow in derselben Schriftgröße verbraucht für denselben Text gerade einmal 108,5 Seiten. Sogar Arial in normaler Dickte und Laufweite beansprucht nur 123 Blatt Papier. Damit erzielt also Arial Narrow gegenüber dem Bürostandard Arial ein Papierersparnis von ca. 12% – der Ecofont dagegen verbraucht sogar 14% mehr Papier als Arial derselben Schriftgröße. Zudem kostet die Schriftverarbeitung und –übertragung an den Drucker mehr Energie, weil der Ecofont durch seine vielen Löcher ein Mehr an Vektorinformationen enthält.
Typographische Details
Ein Vergleich des Ecofonts mit Helvetica, Arial Narrow und Times New Roman in den Schriftgrößen 12pt, 20pt und 50pt soll mehr Licht ins Dunkel bringen:
Im Vergleich: Ecofont, Helvetica, Arial Narrow und Times New Roman
Zwar muss beachtet werden, dass es sich bei dem Vergleichsbild um eine unter Informationsverlust entstandene Bildschirmausgabe, also nicht um das gedruckte Endergebnis handelt, aber dennoch lässt sich gut erkennen, wo die Grenzen des Ecofont liegen. Denn ab einer Größe von etwa 28pt werden die Käselöcher deutlich sichtbar, aber schon ab 12pt erscheint die Schrift sehr unscharf und je nach verwendetem Programm wird der Ecofont selbst bei der empfohlenen Größe von 9 bzw. 10pt mehr oder weniger unschön dargestellt.
Und wie schneiden die anderen Schriftarten im Vergleich ab?
Zwar wird bei 12pt nur Helvetica ordentlich dargestellt, denn Arial Narrow und Times New Roman erscheinen ebenfalls ein wenig verschwommen. Sobald jedoch die Schriftgröße zunimmt, lassen sich die herkömmlichen Schriften wesentlich besser lesen. Bezeichnend: Die Überschriften, gesetzt in 10pt Helvetica und seichtem Grau , sind trotz vermindertem Kontrast besser zu lesen als der Ecofont.
Es muss jedoch gesagt werden, dass die Ausgabe auch vom verwendeten Programm abhängt. Das Vergleichsbild ist mit Illustrator entstanden; sowohl Photoshop als auch Word stellen die Schriften ein wenig anders da. Wer sich aber selbst davon überzeugen möchte, kann nach Download des Ecofonts und anschließender Installation gern auch den Schriftvergleich als doc-Datei herunterladen.
Daher mein Rat: Wenn schon Toner und Umwelt schonen, dann richtig! Mit einer leichten oder engen Sans-Serif-Schrift wie etwa Arial Narrow (besser Helvetica Narrow) oder der kostenlos erhältlichen Delicious kann man mehr erreichen. Wenn sie zudem in 70%igem Grau geschrieben ist und eine gute Blattnutzung hinzukommt, d.h. die Seitenränder etwas verkleinert werden und die Wörter am Zeilenende getrennt werden, wird der umweltschonende Effekt sogar noch erhöht.
Was hältst du vom Ecofont? Hast du auch schon von ihm gehört? Glaubst du, dass er sich behaupten können wird? Oder hast du selbst noch Ideen, wie man beim Drucken Farbe sparen kann?






Kommentare
also der tip mit grau ist wirklich gut. fraglich ob die drucker in zukunft vllt. eine dpi zahl erreichen können um den font in kleineren größen effektiv gut zu drucken. mal sehen was sich da tun wird
Das wäre zumindest notwendig, damit der Font seinen Sinn (besser) erfüllen kann. Fraglich ist nur, wie es sich dann mit dem Lesefluss verhält, denn die Löcher im Käse lenken das Auge zumindest in den höheren Schriftgrößen ziemlich ab.
In Illustrator relativiert sich das noch, aber wenn man sich das Schriftbild mal in Word anschaut, wird der Ecofont zumindest in den kleineren Größen wie eine verpixelte Fettschrift dargestellt.
Also das sind ja ganz neue Erkenntnisse für mich…ich benutze auch seit einiger Zeit ecofont und dachte eigentlich ich würde damit tinte und geld sparen. Das das mit meinem Drucker gar nicht möglich sein könnte, auf die Idee bin ich überhaupt nicht gekommen. aber das ergibt schon Sinn. Ich war auch am Anfang eher skeptisch und hab nicht so richtig dran geglaubt, dass das sparender sein soll. War meine erste Eingebung wohl doch die Richtige…