Warum der »Ecofont« gar nicht öko ist

Großer Käse: Löcher in den Buchstaben

Ecofont LogoLogo des Eco­font, © Eco­font

Der­zeit bahnt sich ein Hype in der deutsch– und eng­lisch­spra­chi­gen Blo­go­sphäre an: Der sog. Eco­font erfährt Begeis­te­rung und Unter­stüt­zung von vie­len Sei­ten, wird dabei stets als umwelt­freund­li­che, weil toner­scho­nende Alter­na­tive zu den übli­chen Schrif­ten geprie­sen. Durch­lö­cherte Buch­sta­ben sol­len nach Anga­ben des Ent­wick­lers bis zu 20% Farbe ein­spa­ren und dadurch einen Bei­trag zum Umwelt­schutz leis­ten. Dabei zeigt sich schnell, dass das so nicht stim­men kann.

Zwar ver­braucht die Schrift­art tat­säch­lich etwas weni­ger Toner bzw. Tinte, aber im direk­ten Ver­gleich mit Arial Nar­row konnte ich eine Dif­fe­renz von ledig­lich 4% pro text­ge­füll­ter DIN-A4-Seite fest­stel­len. Das gilt aber nur, wenn der Dru­cker in der Lage ist, jedes Loch auch exakt aus­zu­spa­ren. Da dazu bei Schrift­grö­ßen von 9 oder 10pt kein han­dels­üb­li­cher Dru­cker in der Lage ist, dürfte die­ser Effekt also merk­lich geschmä­lert wer­den.
Der große toner­scho­nende Effekt ist das also defi­ni­tiv nicht.

Dafür frisst der Eco­font Papier en masse: Bei der vom Ent­wick­ler emp­foh­le­nen Schrift­größe von 10pt ver­schlingt er für 100.000 Worte aus dem Lorem-ipsum-Generator ca. 140,25 Sei­ten. Arial Nar­row in der­sel­ben Schrift­größe ver­braucht für den­sel­ben Text gerade ein­mal 108,5 Sei­ten. Sogar Arial in nor­ma­ler Dickte und Lauf­weite bean­sprucht nur 123 Blatt Papier. Damit erzielt also Arial Nar­row gegen­über dem Büro­stan­dard Arial ein Papie­rer­spar­nis von ca. 12% – der Eco­font dage­gen ver­braucht sogar 14% mehr Papier als Arial der­sel­ben Schrift­größe. Zudem kos­tet die Schrift­ver­ar­bei­tung und –über­tra­gung an den Dru­cker mehr Ener­gie, weil der Eco­font durch seine vie­len Löcher ein Mehr an Vek­tor­in­for­ma­tio­nen enthält.

 

Typo­gra­phi­sche Details

Ein Ver­gleich des Eco­fonts mit Hel­ve­tica, Arial Nar­row und Times New Roman in den Schrift­grö­ßen 12pt, 20pt und 50pt soll mehr Licht ins Dun­kel bringen:

Im Vergleich: Ecofont, Helvetica, Arial Narrow und Times New RomanIm Ver­gleich: Eco­font, Hel­ve­tica, Arial Nar­row und Times New Roman

Zwar muss beach­tet wer­den, dass es sich bei dem Ver­gleichs­bild um eine unter Infor­ma­ti­ons­ver­lust ent­stan­dene Bild­schirm­aus­gabe, also nicht um das gedruckte End­er­geb­nis han­delt, aber den­noch lässt sich gut erken­nen, wo die Gren­zen des Eco­font lie­gen. Denn ab einer Größe von etwa 28pt wer­den die Käselö­cher deut­lich sicht­bar, aber schon ab 12pt erscheint die Schrift sehr unscharf und je nach ver­wen­de­tem Pro­gramm wird der Eco­font selbst bei der emp­foh­le­nen Größe von 9 bzw. 10pt mehr oder weni­ger unschön dargestellt.

Und wie schnei­den die ande­ren Schrift­ar­ten im Ver­gleich ab?
Zwar wird bei 12pt nur Hel­ve­tica ordent­lich dar­ge­stellt, denn Arial Nar­row und Times New Roman erschei­nen eben­falls ein wenig ver­schwom­men. Sobald jedoch die Schrift­größe zunimmt, las­sen sich die her­kömm­li­chen Schrif­ten wesent­lich bes­ser lesen. Bezeich­nend: Die Über­schrif­ten, gesetzt in 10pt Hel­ve­tica und seich­tem Grau , sind trotz ver­min­der­tem Kon­trast bes­ser zu lesen als der Ecofont.

Es muss jedoch gesagt wer­den, dass die Aus­gabe auch vom ver­wen­de­ten Pro­gramm abhängt. Das Ver­gleichs­bild ist mit Illus­tra­tor ent­stan­den; sowohl Pho­to­shop als auch Word stel­len die Schrif­ten ein wenig anders da. Wer sich aber selbst davon über­zeu­gen möchte, kann nach Down­load des Eco­fonts und anschlie­ßen­der Instal­la­tion gern auch den Schrift­ver­gleich als doc-Datei her­un­ter­la­den.

 

Daher mein Rat: Wenn schon Toner und Umwelt scho­nen, dann rich­tig! Mit einer leich­ten oder engen Sans-Serif-Schrift wie etwa Arial Nar­row (bes­ser Hel­ve­tica Nar­row) oder der kos­ten­los erhält­li­chen Deli­cious kann man mehr errei­chen. Wenn sie zudem in 70%igem Grau geschrie­ben ist und eine gute Blatt­nut­zung hin­zu­kommt, d.h. die Sei­ten­rän­der etwas ver­klei­nert wer­den und die Wör­ter am Zei­len­ende getrennt wer­den, wird der umwelt­scho­nende Effekt sogar noch erhöht.

Was hältst du vom Eco­font? Hast du auch schon von ihm gehört? Glaubst du, dass er sich behaup­ten kön­nen wird? Oder hast du selbst noch Ideen, wie man beim Dru­cken Farbe spa­ren kann?


Kommentare

  1. Phil­ipp schrieb am 21. Februar 2009:

    also der tip mit grau ist wirk­lich gut. frag­lich ob die dru­cker in zukunft vllt. eine dpi zahl errei­chen kön­nen um den font in klei­ne­ren grö­ßen effek­tiv gut zu dru­cken. mal sehen was sich da tun wird


  2. Mat­thias schrieb am 21. Februar 2009:

    Das wäre zumin­dest not­wen­dig, damit der Font sei­nen Sinn (bes­ser) erfül­len kann. Frag­lich ist nur, wie es sich dann mit dem Lese­fluss ver­hält, denn die Löcher im Käse len­ken das Auge zumin­dest in den höhe­ren Schrift­grö­ßen ziem­lich ab.
    In Illus­tra­tor rela­ti­viert sich das noch, aber wenn man sich das Schrift­bild mal in Word anschaut, wird der Eco­font zumin­dest in den klei­ne­ren Grö­ßen wie eine ver­pi­xelte Fett­schrift dargestellt.


  3. Peter schrieb am 8. September 2010:

    Also das sind ja ganz neue Erkennt­nisse für mich…ich benutze auch seit eini­ger Zeit eco­font und dachte eigent­lich ich würde damit tinte und geld spa­ren. Das das mit mei­nem Dru­cker gar nicht mög­lich sein könnte, auf die Idee bin ich über­haupt nicht gekom­men. aber das ergibt schon Sinn. Ich war auch am Anfang eher skep­tisch und hab nicht so rich­tig dran geglaubt, dass das spa­ren­der sein soll. War meine erste Ein­ge­bung wohl doch die Richtige…