17. Februar 2009
Ein Wald aus Klebeband
„Transition“, © Monika Grzymala
Die gebürtige Polin und Wahlberlinerin Monika Grzymala gehört m.E. zu den hierzulande viel zu wenig beachteten Künstlern und Künstlerinnen. Und das, obwohl sich ihre eindrucksvollen Rauminstallationen und Farbfeuerwerke durchaus sehen lassen können. Der Londoner Drawing Room hat ihre Klasse erkannt und stellt Grzymalas Arbeiten vom 19. Februar bis 5. April aus.
Für die Einzelausstellung „Ruptures“ in der Londoner Galerie, die sich auf Zeichnungen und zeitgenössische Kunst spezialisiert hat, erstellte sie eine Installation aus mehreren Kilometern Klebeband. In verschiedenen Grautönen gehalten durchspannt es den Raum, vollführt hie und da eine unerwartete Wendung, findet sich an anderen Stellen in großen Haufen zusammen um dann in alle Richtungen auszustrahlen. Die Arbeit versteht sich als Allegorie auf das Großstadtleben der Weltmetropole London und soll dem Betrachter ungeahnte Einblicke in das Chaos, die Hektik und die Rasanz dieser Stadt geben.
„Colours“, © Monika Grzymala
Zwar sind bisher keine Bilder von der Ausstellung an die Öffentlichkeit gedrungen, aber man darf Großartiges erwarten. Grzymala ist geübt mit der Kleberolle in der Hand: So fertigte sie 2006 in der Berliner Henrike-Höhn-Galerie die Installation „Run“, einem wandüberspannenden Kokon aus 13km Klebeband in verschiedenen Farben; in der New Yorker Marian-Goodman-Galerie stellte sie die Raumzeichnung „Transition“ aus.
Mindestens ebenso sehenswert ist auch die Installation „Colours“, welche letzten August in der texanischen Chinati Foundation zu sehen war. Dafür ließ sie sich vom herbstlichen Farbenspiel inspirieren: Sie sammelte in der Umgebung Äste und Zweige, bemalte einige davon mit allerlei bunten Farben und verteilte auf dem Boden und vor der Galerie jede Menge buntes und von Hand gefertigtes Konfetti.
Ich bin gespannt, wie „Ruptures“ ausschauen wird. Zwar befindet sich der Drawing Room nicht gerade vor der heimischen Haustür, was einem spontanen Besuch entgegenstehen dürfte, aber auf das Internet wird Verlass sein – sobald Fotos auftauchen, gehörst du zu den ersten, die sie zu sehen bekommen!
Kommentieren