Islam-Kritische Kunst bei Saatchi

21 Künstler aus dem Nahen Osten stellen aus

Kader Attia: Ghosts“Ghosts”, © Kader Attia

Charles Saatchi ist ja dafür bekannt, dass er gern mal Aus­stel­lun­gen in sei­ner Gale­rie zeigt, die nicht nur an die Sub­stanz gehen, son­dern auch pola­ri­sie­ren. Als er 1999 mit sei­ner Wan­der­aus­stel­lung “The Sen­sa­tion” im New Yor­ker Brook­lyn Museum Halt machte und dort u.a. das Ele­fan­ten­dung­ge­mälde “Holy vir­gin Mary” von Chris Ofili zeigte, sorgte dies für eine lange und hit­zige Debatte mit poli­ti­schen Grö­ßen wie dem dama­li­gen New Yor­ker Bür­ger­meis­ter Giulani und der jet­zi­gen US-Außenministerin Hil­lary Clin­ton. Ähnli­ches dürfte man wohl auch von der heute eröff­ne­ten Aus­stel­lung “Unvei­led: New Art from the Middle East” in der Saatchi Gal­lery erwarten.

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In eine fremde Haut schlüpfen

Baby, you're so plastic

Shu Konishi: Ohne Titel, aus der Reihe "Life cast art"Ohne Titel, aus der Reihe “Life cast art”, © Shu Koni­shi

Dass Japa­ner ein wenig… eigen sind, ist ja schon län­ger bekannt. Schließ­lich liest man hin und wie­der in den ein­schlä­gi­gen Tages­zei­tun­gen von den neus­ten Absur­di­tä­ten aus Nip­pon. Das fängt dann bei der kom­mer­zi­el­len Ver­mark­tung bereits getra­ge­ner Unter­wä­sche an und hört spä­tes­tens bei Frischluft-Automaten auf. Aber auch so man­che Frucht japa­ni­scher Denk­wei­sen ver­lässt die ost­asia­ti­sche Insel­welt und ver­mag eine Berei­che­rung für den Rest der Welt dar­zu­stel­len. Pro­mi­nen­tes­tes Bei­spiel stellt sicher­lich die Urmut­ter aller Ulk-Gameshows, Takeshi’s Castle dar (Hey, es hat meine Kind­heit nach­hal­tig beeinflusst…)

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DIY Moos-Graffiti

Initiative zur Begrünung urbaner Flächen

El & Abe: Watch your skin peel“Watch your skin peel”, © El & Abe

In der inter­na­tio­na­len UrbanArt-Szene ist Moos als Far­ber­satz und – viel wich­ti­ger – als wach­sen­des und sich aus­brei­ten­des Mate­rial schon län­ger bekannt. Den­noch fris­tet es nach wie vor ein Schat­ten­da­sein, beson­ders hier­zu­lande ist man noch nicht so recht auf seine Vor­züge auf­merk­sam gewor­den. Zumin­dest meine Recher­che beim Woos­ter Collec­tive und bei Reclaim your city blieb so gut wie erfolg­los.
Aber was nicht ist, kann ja noch wer­den. Warum also nicht selbst die Initia­tive ergrei­fen und die Hei­mat­stadt mit eige­nen Moos-Kreationen verzieren?

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Crimetime

Wachsfiguren mal anders

littlewhitehead: It happened in the corner“It hap­pened in the cor­ner”, © litt­le­whitehead

Eigent­lich wollte ich ja an die­ser Stelle einige Wort zur bal­di­gen 24. Auf­lage der Lan­gen Nacht der Museen ver­lie­ren, aber dann habe ich gese­hen, dass am 31. Januar nichts Inter­es­san­tes für mich dabei ist.
Wie ich also wei­ter im Web stö­bere, stoße ich wie­der ein­mal auf die Seite der ful­mi­nan­ten Saatchi Gal­lery aus Lon­don. Dort wird näm­lich jetzt schon auf die dies­jäh­rige Aus­stel­lung “Newspeak: Bri­tish Art Now”, einem bun­ten Blu­men­strauß zeit­ge­nös­si­scher bri­ti­scher Kunst, hin­ge­wie­sen, wo auch Instal­la­tio­nen des schot­ti­schen Künst­ler­duos litt­le­whitehead anzu­tref­fen sein werden.

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Norwegian Wood

Fuchs und Hase gute Nacht sagen

Jensen & Skodvin: Juvet Landscape HotelJuvet Land­scape Hotel, © Jen­sen & Skodvin

In den Wäl­dern des nor­we­gi­schen Gud­brands­ju­vet hat der ein­hei­mi­sche Hote­lier Knut Slin­ning ein etwa 800 m² gro­ßes Hotel bauen las­sen, wel­ches durch seine gelun­gene Arch­ti­tek­tur nicht nur von außen ein wah­rer Augen­schmaus ist, son­dern auch den bald her­bei­s­trö­men­den Gäs­ten ein­zig­ar­tige Ein­drü­cke bie­ten wird. Da jedes der Bun­ga­lows mit wenigs­tens einer voll­ver­glas­ten Pan­ora­ma­wand mit herr­li­chem Blick in die skan­di­na­vi­sche Land­schaft aus­ge­stat­tet ist und jedes wei­tere Fens­ter einen ande­ren Blick­win­kel auf die atem­be­rau­bende Flora und Fauna ermög­licht, sodass es der Gast beim Betre­ten einer der Räume mit Sicher­heit aufs Neue von der Welt hin­ter der Glas­scheibe begeis­tert sein wird.  Zudem ver­spricht die Web­site der ver­ant­wort­li­chen Archi­tek­ten Jen­sen & Skod­vin, dass die zau­ber­haf­ten Impres­sio­nen der angren­zen­den Natur bedingt durch Wet­ter, Tages– und Jah­res­zeit stän­dig im Wan­del begrif­fen seien, was man wohl spä­tes­tens beim Bewun­dern der vie­len Fotos bestä­ti­gen kön­nen wird.

Jensen & Skodvin: Juvet Landscape HotelJuvet Land­scape Hotel, © Jen­sen & Skodvin

Anatomisch inspirierte Kunst

Was Anatomie mit Style zu tun hat

Mark Weaver, aus der Reihe "Make something cool every day"Teil der Reihe “Make some­thing cool every day”, © Mark Wea­ver

Viel­leicht wegen mei­ner kürz­li­che Ent­de­ckung des Street Ana­tomy Blogs, einer Seite, die von der Ana­to­mie beein­flusste Kunst sucht und sam­melt, viel­leicht aber auch auf­grund der Tat­sa­che, dass ich mich ja stu­di­en­be­dingt den gan­zen Tag damit beschäf­tige, habe ich ein gewis­ses Gefal­len an der locke­ren Reihe “Make some­thing cool every day” des aus dem ame­ri­ka­ni­schen Atlanta stam­men­den Desi­gners Mark Wea­ver gefun­den. Zwar bin ich sonst kein allzu begeis­ter­ter Freund des häu­fig eher hedo­nis­tisch aus­ge­leg­ten Gen­res des Gra­fik­de­signs, aber das hier ist was and­res. Da sind Kno­chen dabei. Das macht vie­les wie­der gut.

(Ohne Frage, Dar­win als Kno­chen­mann dar­zu­stel­len hat natür­lich auch was.)

Pimp my Flohmarkt-Kitsch

Recycling mal anders

Penny Byrne: Get forked
“Get for­ked”, © Penny Byrne

Penny Byrne ist auf den ers­ten Blick eine ganz ge­wöhnliche Frau aus dem aus­tralischen Mel­bourne, sie hat einen guten Job, führt ein ge­ordnetes Leben und ist auch sonst eher unauf­fäl­lig. Sie restau­riert im Auf­trag der Museen und Gale­rien deren Kost­bar­kei­ten aus Por­zel­lan und scheint in die­sen Krei­sen einen guten Ruf zu haben. Anders lässt sich viel­leicht auch nicht das Ver­trauen erklä­ren, das in sie gesetzt wird. Denn Penny Byrne führt ein Dop­pel­le­ben. In etwa eines der Sorte, als wenn ein Anäs­the­sist an den Wochen­en­den als Aus­hilfs­tier­arzt Groß­wild ein­schlä­fert. Denn neben ihrem boden­stän­di­gen All­tag als Restau­ra­to­rin wid­met sie sich dem wei­ßen Gold auch auf eige­nen Wegen: Sie beklebt, bemalt und – wie man in man­chen Krei­sen viel­leicht sagen würde – “ver­un­stal­tet” die klei­nen Figu­ren in ihrer Frei­zeit auf eine Art und Weise, wie es sicher­lich kein Kunde wün­schen würde. Ein Glück jedoch, dass alle ihr zum Opfer fal­len­den Figür­chen von eBay oder Second-Hand-Shops stam­men. Zudem wis­sen viele ihrer Kol­le­gen gar nicht von ihrer ande­ren Bezie­hung zum Porzellan.

Dabei kön­nen sich ihre Werke durch­aus sehen las­sen. Mit viel Krea­ti­vi­tät und einer gehö­ri­gen Por­tion Zynis­mus ist kaum ein bedeut­sa­mes Thema der Welt­po­li­tik vor ihr sicher: Sei es der Treib­haus­ef­fekt, das japa­ni­sche Wal­fang­pro­gramm, die Men­schen­rechte oder der umtrie­bige Sün­den­bock USA – Byrne nimmt sie alle aufs Korn. Da wer­den Ele­fan­ten zu Kriegs­ge­rät umdis­po­niert, Eis­bä­ren zu Bade­ur­lau­bern erklärt und George und Laura an die Front geschickt – Penny Byrne spru­delt nur so vor Kreativität.

Lei­der konnte ich weder eine Web­seite von ihr noch mehr aktu­el­lere Arbei­ten von ihr fin­den, aber ich bin mir sicher, diese Künst­le­rin hat noch einige Asse im Ärmel. Bis ich mehr zum aktu­el­lem Stand der Dinge in Erfah­rung gebracht habe, kann ich aber jedem ein Inter­view mit ihr aus dem Jahre 2007 ans Herz legen.

Wunder gibt es immer wieder

Der erleuchtete Franz

Krištof Kintera: Miracle“Mira­cle”, © Krištof Kin­tera

Mira­cle (500 days from 12. 09. 2008) vom Pra­ger Instal­la­ti­ons­künst­ler Krištof Kin­tera ist, wie der Titel ver­mu­ten lässt, mitt­ler­weile etwa vier Monate alt, hat aber trotz­dem im Inter­net bis­her kaum Beach­tung gefun­den – zu Unrecht, wie ich finde. Kin­tera, der sich sonst eher auf dem Gebiet der Raum­in­stal­la­tion aus­tobt, hat näm­lich m.E. mit sei­nem letz­ten Werk einen gelun­ge­nen Sprung auf die Straße voll­zo­gen. Im Unter­scheid zur gän­gi­gen StreetArt-Praxis hat er jedoch nicht etwa fremde Ele­mente wie Farbe, Kleis­ter oder Sty­ro­por ein­ge­bracht, son­dern statt­des­sen bereits vor­han­dene Mit­tel ein­fach so abge­än­dert, dass sie einen neuen Sinn erfah­ren. Da dies eigent­lich ein typi­sches Mit­tel der Raum­in­stal­la­tion ist, denke ich, dürfte “Mira­cle” auch eher in diese Rich­tung gehö­ren. Die Illu­mi­nie­rung der Sta­tue des Hl. Fran­cis­cus von Assisi stellt damit eine inter­es­sante Inspi­ra­ti­ons­quelle für Urban­Art dar, beschränk­ten sich doch deren Mit­tel aus prak­ti­schen Grün­den sonst auf das Hin­zu­fü­gen eige­ner Inhalte.

Krištof Kintera: Miracle“Mira­cle”, © Krištof Kin­tera

Noch genau ein Jahr lang, bis zum 16. Januar 2009, wird man den erleuch­te­ten Hei­li­gen bestau­nen kön­nen. Wer bis dahin die Gele­gen­heit fin­det, kann sich auch selbst ein Bild davon machen und in den Bre­da­se­weg 80 im nie­der­län­di­schen Til­burg fahren.

Regenbogenbestien

Detailexzesse von Hannah Stouffer

Hannah Stouffer: Predator Caste“Pre­da­tor Caste”, © Han­nah Stouffer

Ich will gar nicht viele Worte ver­lie­ren, die künst­le­ri­schen Fer­tig­kei­ten der kali­for­ni­schen Illus­tra­to­rin Han­nah Stouf­fer spre­chen defi­ni­tiv für sich. Eine erkleck­li­che Anzahl ihrer Arbei­ten lässt sich im Inter­net bestau­nen, sowohl pri­vate Illus­tra­tio­nen, als auch Aus­stel­lungs­stü­cke oder kom­mer­zi­el­les Design gilt es zu bewundern.

Aber das Beste kommt zum Schluss: Man kann einige ihrer Bil­der auch käuf­lich erwer­ben bzw. auch an ande­rer Stelle ergat­tern. Etwa als Dru­cke, Shirts, Taschen oder Kis­sen – kurz: alles was das Herz begehrt. So wech­selt etwa eines von fünf­zig etwa DIN-A3-großen Druck von obi­gem Schmu­se­kätz­chen für faire zwan­zig Dol­lar den Besit­zer. Wahl­weise auch als Shirt, das kann man näm­lich bei pony attack!! abstauben.

Der papierne Mahlstrom

Die Reihe "Paperstorms" von Mia Pearlman

Mia Pearlman: Eyes“Eye”, © Mia Pearl­man

Ori­gami und Sche­ren­schnitte sind ganz nett, aber Papier kann weit mehr, als für kurze Späße her­hal­ten zu müs­sen. Den pas­sen­den Beweis lie­fert die junge Künst­le­rin Mia Pearl­man in aller Regel­mä­ßig­keit: Sie ent­wirft, schnei­det und arran­giert gewal­tige Instal­la­tio­nen aus nicht viel mehr als Papier und ver­wan­delt die­ses luftig-leichte Mate­rial in kom­plexe Stürme und Wol­ken­for­ma­tio­nen. Alle paar Monate nimmt ein neues Stück sei­nen Platz in einer von vie­len bri­ti­schen und US-amerikanischen Gale­rien ein und setzt die beacht­li­che Reihe Paper­storms fort.

Mia Pearlman: Gyre“Gyre”, © Mia Pearl­man

Wen wundert’s da noch, dass Mia Pearl­man viel Zeit und Kon­zen­tra­tion braucht, um solch beein­dru­ckende Instal­la­tio­nen herzustellen…?